Shimano Bremsflüssigkeit für Scheibenbremsen: Eine umfassende Anleitung

Die Wartung von Scheibenbremsen am Rennrad erfordert zwar ein gewisses Maß an Geschick, ist aber für begabte Hobbymechaniker durchaus machbar. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung zum Entlüften von Shimano Rennrad-Bremsen und behandelt wichtige Aspekte rund um die Bremsflüssigkeit.

Das richtige Werkzeug

Für das Entlüften von Shimano-Scheibenbremsen benötigen Sie folgendes Werkzeug:

  • Innensechskant
  • Drehmomentschlüssel
  • Schraubendreher
  • Spitzzange
  • Entlüftungs-Set
  • Lenkerhalter

Materialien & Hilfsstoffe

Neben dem Werkzeug sind folgende Materialien und Hilfsstoffe notwendig:

  • Vom Hersteller freigegebene Bremsflüssigkeit (Shimano verwendet Mineralöl)
  • Saugfähige Lappen
  • Plastiktüte

Wichtige Hinweise vorab

Flüssigkeit: Die Flüssigkeit variiert von Hersteller zu Hersteller. Shimano verwendet Mineralöl, SRAM eine DOT-Flüssigkeit. Verwenden Sie grundsätzlich nur freigegebene Flüssigkeiten. Beachten Sie, dass DOT-Flüssigkeit aggressiv zu Haut, Kleidung und Lacken ist. Tragen Sie immer aus­reichende Schutzkleidung, zumindest Arbeitshandschuhe, Brille und alte Bekleidung.

Anleitung: Bremsen sind nicht genormt, sie unterscheiden sich in ­Aufbau und Handhabung. Das gilt auch für den Entlüftungsvorgang. Legen Sie bei der Demontage alle Einzelteile stets so ab, dass Sie beim Zusammenbau die richtige Reihenfolge einhalten.

HELFER: Bremsen zu entlüften erfordert oft die berühmte "dritte Hand". Am sinnvollsten ist ein Helfer, der assistiert, wenn zugleich der Bremshebel am Lenker gezogen, der Bremssattel festgehalten und die Entlüftungsschraube geöffnet werden muss.

KONTROLLE: Kontrollieren Sie den Sitz der Schrauben nach 100 bis 300 Kilometern Fahrt und danach alle 2.000 Kilometer. In diesem Intervall sollten Sie auch prüfen, ob alle Anschlüsse und Leitungen dicht sind. Ziehen Sie dazu die Bremshebel und halten Sie diese ein paar Sekunden fest.

PRÜFEN: Ziehen Sie die Bremshebel nach dem Entlüften und grundsätzlich vor jeder Fahrt. Es muss sich sofort ein solider Druckpunkt einstellen. Der Hebel darf sich nicht bis zum Lenker durchziehen lassen. Müssen Sie pumpen, bis der Hebel allmählich nach etwa einem Drittel des Weges Druck aufbaut, sollten Sie nicht fahren. Entlüften Sie das System.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Entlüften von Shimano Rennrad-Bremsen

  1. Sicherung Bremsbeläge entfernen: Hängen Sie das Fahrrad mit fixiertem Lenker in einen Montageständer. Lösen Sie die Bremsleitung von der Gabel und schrauben Sie die Bremse lose. Demontieren Sie die Bremse, ziehen Sie den Splint vom Belagshalter und schrauben Sie den Belagshalter heraus.
  2. Bremsbeläge entnehmen: Entnehmen Sie die Bremsbeläge und drücken Sie mit dem Kunststoff-Zwischenstück aus dem Entlüftungs-Set die Bremskolben gefühlvoll in ihre Endstellung zurück. Führen Sie das Zwischenstück ein und befestigen Sie es mit dem nur leicht einzudrehenden Belagshalter. Hängen Sie den Bremssattel sachte nach unten.
  3. Abdeckung entfernen: Ziehen Sie den Bremshebel leicht und drehen Sie die Befestigungsschraube der Abdeckung komplett heraus. Halten Sie den Hebel weiter gezogen, lösen Sie die Abdeckung unten nach vorne weg und nehmen Sie diese nach oben hin ab.
  4. Trichter am Bremshebel anbringen: Lösen und nehmen Sie die Entlüftungsschraube zusammen mit dem Dichtungs-O-Ring ab. Drehen Sie den Trichter vorsichtig und nur leicht ein, er sollte senkrecht stehen, achten Sie auf den sauberen Sitz des O-Rings am Stutzen. Stellen Sie den geöffneten Behälter der Ersatz-Bremsflüssigkeit auf die Arbeitsplatte.
  5. Spritze befüllen: Ziehen Sie die Spritze mit dem Entlüftungsschlauch zu mindestens zwei Dritteln mit Bremsflüssigkeit auf. Dann: Spritze umdrehen, Flüssigkeit erst vollständig in den Kolben ziehen und anschließend die Luft aus Spitze und Schlauch vollständig herausdrücken.
  6. Schlauch am Bremssattel anbringen: Setzen Sie den passenden Ring- oder Maulschlüssel auf den Sechskant der Entlüftungsschraube. Schieben Sie den gefüllten Schlauch auf die Entlüftungsschraube des Bremssattels. Sichern Sie den Schlauch mit der Halterung, damit er nicht abrutscht.
  7. System entlüften: Öffnen Sie die Entlüftungsschraube maximal eine viertel Umdrehung. Drücken Sie den Kolben der Spritze langsam und gleichmäßig ein. Öl tritt nun oben am Trichter aus. Drücken Sie so lange, bis keine Luftblasen mehr austreten. Achtung: Nicht am Bremshebel der Rennrad-Scheibenbremse ziehen!
  8. Entlüftungsbohrung schließen: Sind keine Blasen mehr im Trichter, schrauben Sie die Entlüftungsbohrung wieder zu. Lassen Sie den Schlauch an der Entlüftungsschraube und nehmen Sie die Spritze ab. Führen Sie den Entlüftungsschlauch in eine durchsichtige Plastiktüte und befestigen Sie diese mit einem Gummiring.
  9. Bremsflüssigkeit ablassen: Halten Sie den Bremssattel fest und öffnen Sie die Entlüftungsschraube. Bremsflüssigkeit tritt aus. Ziel ist, dass keine Luftblasen mehr in der Flüssigkeit sind.
  10. Bremsflüssigkeit nachfüllen: Wenn im Trichter der Pegel sinkt, schließen Sie die Entlüftungsschraube unten und füllen Bremsflüssigkeit nach. Dies löst eventuell anhaftende Bläschen. Kommen keine Blasen mehr, schließen Sie die Entlüftungsschraube.
  11. Bremshebel ziehen für letzte Luftbläschen I: Ziehen und halten Sie den Bremshebel. Öffnen und schließen Sie die Entlüftungsschraube zwei- bis dreimal für einen kurzen Moment. Ziehen Sie danach den Bremshebel noch mehrfach, damit die letzten Bläschen in den Trichter steigen können. Der Druckpunkt muss nach etwa einem Drittel des theoretischen Hebelwegs stabil sein.
  12. Bremshebel ziehen für letzte Luftbläschen II: Drehen Sie das Rad so, dass der Trichter leicht nach hinten geneigt wird, und anschließend auch in die Gegenrichtung. Ziehen Sie immer wieder am Bremshebel, um möglicherweise noch enthaltene Bläschen entweichen zu lassen. Der Druckpunkt muss nach etwa einem Drittel des theoretischen Hebelwegs stabil sein.
  13. Ölstopper abdichten: Passt alles, dichten Sie den Anschluss des Öltrichters mit dem Ölstopper ab, an dem ein Dichtring befestigt ist. Schrauben Sie den Öltrichter mit gut sitzendem Ölstopper ab.
  14. Öltrichter abschrauben: Halten Sie einen saugfähigen Lappen bereit, um eventuell austretende Bremsflüssigkeit aufzunehmen. Saubere Bremsflüssigkeit können Sie wiederverwenden. Milchig verfärbte Flüssigkeit sollten Sie fachgerecht über eine Sammelstelle entsorgen.
  15. Schraube am Bremshebel einschrauben: Drehen Sie die Verschlussschraube gefühlvoll mit 0,3 bis 0,5 Newtonmeter an. Achten Sie auf sauberen Sitz des dichtenden O-Rings. Dabei tritt etwas Bremsflüssigkeit aus, das ist erwünscht.
  16. Hebel von Bremsflüssigkeit säubern: Wischen Sie den Bereich trocken. Nehmen Sie am Bremssattel den Schlauch samt Beutel ab. Schließen Sie die Kappe der Entlüftungsschraube. Wischen Sie auch den Bremssattel sauber. Zu viel ausgetretene Bremsflüssigkeit entfernen Sie mit etwas Bremsenreiniger.
  17. Bremshebel zurückbauen: Hängen Sie den Zierdeckel oben ein und kippen Sie ihn nach unten. Schrauben Sie den Deckel fest. Stülpen Sie den Griffgummi nach vorne und hängen Sie diesen in alle Ecken und Kanten ein.
  18. Bremsbeläge wieder einbauen: Lösen Sie den Befestigungsbolzen und entnehmen Sie das Kunststoff-Zwischenstück. Sichern Sie die Beläge mit dem Bremsbelagsbolzen und schieben Sie den Sicherungssplint auf.
  19. Bremssattel ausrichten: Setzen Sie gegebenenfalls das ausgebaute Laufrad wieder ein. Kontrollieren Sie den Verlauf der Bremsleitung und positionieren Sie den Bremssattel an der Gabel. Drehen Sie die Schrauben zunächst nur leicht an, der Bremssattel muss noch verschiebbar sein. Fixieren Sie den Bremsschlauch an der Gabel.
  20. Bremssattel festziehen: Ziehen Sie den Bremshebel, damit sich der Bremssattel mittig ausrichten kann. Drehen Sie die Schrauben bis zum vorgeschriebenen Drehmoment an. Drehen Sie das Laufrad und bremsen Sie ab. Lösen Sie den Hebel, drehen Sie das Rad erneut: Die Scheibe darf nicht schleifen.

Mineralöl von Shimano

Das Mineralöl von Shimano ist die geeignete Bremsflüssigkeit für alle hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano, egal ob MTB, Road, Gravel oder Trekking. Da es kein Wasser bindet, hat Mineralöl gegenüber DOT den Vorteil einer länger konstant bleibenden Qualität - man muss es nicht so oft austauschen. Shimano Mineralöl ist als 100-ml- oder 500-ml-Flasche oder 1-Liter-Kanister erhältlich.

Ein Trichter-Entlüftungskit M5, ein Trichter-Entlüftungskit M7 für die Gebereinheit und ein Profi-Entlüftungskit für die komplette Scheibenbremse sind separat erhältlich. Bitte achte bei der Bremsenwartung darauf, dass kein Öl auf die Bremsscheiben gerät.

Spezifikationen:

  • Bezeichnung: Hydraulic Mineral Oil
  • Anwendungsbereich: Bremsflüssigkeit
  • Kompatibilität: hydraulische Scheibenbremsen von Shimano

Gefahrstoffkennzeichnung:

  • Signalwort: Gefahr
  • Gefahrbestimmende Komponenten: Destillate (Erdöl), mit Wasserstoff behandelte leichte paraffinhaltige; Basisöl - nicht spezifiziert; Destillate (Erdöl), lösungsmittel-entwachste schwere paraffinhaltige; Basisöl - nicht spezifiziert
  • Gefahrenhinweise:
    • H304 Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein.
    • H412 Schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.
  • Sicherheitshinweise:
    • P102 Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
    • P273 Freisetzung in die Umwelt vermeiden.
    • P301+P310+P331 BEI VERSCHLUCKEN: Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM, Arzt anrufen. KEIN Erbrechen herbeiführen.
    • P405 Unter Verschluss aufbewahren.
    • P501 Inhalt und Behälter einer anerkannten Abfallentsorgungsanlage zuführen.

Mineralöl vs. DOT Bremsflüssigkeit

Ein kurzer Überblick über die Unterschiede zwischen Mineralöl und DOT als Bremsflüssigkeit für Mountainbikes, Rennräder, Gravelbikes und andere Fahrräder.

Druck und Hitze: Was eine Bremsflüssigkeit können sollte

Eine Bremsflüssigkeit (auch: Bremsmedium) hat die Aufgabe, Kraft zu übertragen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass sich das Bremsmedium nicht komprimieren lässt. Mineralöl und DOT unterscheiden sich darin nicht nennenswert. Entscheidend ist, dass sich keine Luft im System befindet, denn sie ist komprimierbar. Durch sorgfältiges Entlüften stellst Du einen stabilen Druckpunkt sicher.

Da zwischen Deinen Bremsbelägen und Deiner Bremsscheibe große Hitze entstehen kann, die zu einem Teil auch die Flüssigkeit im Bremssattel erreicht, sollte das Bremsmedium temperaturstabil sein - also einen hohen Siedepunkt haben. Im Normalbetrieb wirst Du hier kaum Unterschiede feststellen. Sowohl Mineralöl- als auch DOT-Bremsen können ziemlich viel ab, wenn sie gut gewartet sind. Erst wenn sich Wasser ins System schleicht, kann es zu Problemen kommen - dazu weiter unten mehr.

Eigenschaft Mineralöl DOT
Hygroskopisch Nein Ja
Auswirkungen von Wasser Wasser sammelt sich im Bremssattel Siedepunkt sinkt
Aggressivität Gering Hoch (gegenüber Lacken, Kunststoffen, Haut)
Haltbarkeit Sehr lange Regelmäßiger Wechsel erforderlich

Wichtiger Hinweis: Nicht mischen!

Mineralöl und DOT dürfen auf keinen Fall gemischt werden. Zudem musst Du die Bremse immer mit dem spezifischen Bremsmedium befüllen, also DOT-Bremsen immer mit DOT und Mineralöl-Bremsen immer mit Mineralöl. Die Dichtungen in Bremshebeln und -sätteln bestehen aus Gummi, das speziell für das jeweilige Bremsmedium ausgewählt wurde. Sie könnten sonst versagen und Deine ganze Bremse unbrauchbar machen. Auch bei Mineralölen verschiedener Hersteller ist Vorsicht geboten, da sie unterschiedliche Zusätze (Additive) beimischen.

Alternative: Mechanische Scheibenbremsen

Von vielen belächelt, aber für manche Bikes dennoch beliebt: Mechanische Scheibenbremsen funktionieren mit einem Bowdenzug statt mit Bremsflüssigkeit. Während hydraulische Bremsen bei Bremsleistung und Dosierbarkeit klar vorn liegen, haben mechanische Bremsen andere Vorteile: Sie müssen nie entlüftet werden und sind mit einfachem Werkzeug auch unterwegs zu warten. Das kann auf Reisen in abgelegenen Gegenden sehr praktisch sein. Wenn Dir einfache Wartung wichtiger ist als maximale Power und Dosierbarkeit, dann sind mechanische Bremsen eine Überlegung wert.

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