Bremsflüssigkeit am Motorrad wechseln mit Vakuumpumpe: Eine detaillierte Anleitung

Der Bremsflüssigkeitswechsel ist ein essentieller Bestandteil der Motorradwartung. Nur so ist sichergestellt, dass die Bremsen einwandfrei funktionieren. Mit der Zeit nimmt die Bremsflüssigkeit Luft und Wasser auf, was die Bremswirkung beeinträchtigen kann. Eine Vakuumpumpe kann den Wechsel der Bremsflüssigkeit erleichtern und effizienter gestalten.

Warum müssen die Bremsen beim Motorrad entlüftet werden?

Beim Wechseln der Bremsflüssigkeit können Luftbläschen in die Bremsanlage gelangen. Diese Luftbläschen können die Bremskraft beeinträchtigen, da sie die Kraftübertragung in den Schläuchen behindern. Durch das Entlüften der Bremsen wird sichergestellt, dass nur Bremsflüssigkeit im System vorhanden ist und die Bremskraft optimal übertragen wird.

Unabhängig von den gefahrenen Kilometern nimmt die Bremsflüssigkeit mit zunehmendem Alter Luft und Wasser auf. Da in neuer Bremsflüssigkeit noch kein Wasser enthalten ist, weist sie einen Trockensiedepunkt aus. Dieser variiert je nach Bremsflüssigkeit, liegt dennoch in jedem Fall bei über 200 Grad. In diesem Temperaturbereich können sich Dampfblasen bilden, welche eine Gefahr für die Bremswirkung darstellen können. Temperaturen von 150 Grad und mehr sind bereits bei längeren Fahrten oder einer Gefahrenbremsung schnell erreicht. Sobald die Flüssigkeit in der Bremsanlage zu heiß wird, kommt es zu komprimierbaren Dampfblasen. Dadurch kann die notwendige Kraft nicht vollständig an die Bremskolben weitergeleitet werden. Entweder schwächt die Bremswirkung stark ab oder sie setzt komplett aus. Für den Fahrer besteht in diesem Moment Lebensgefahr.

Vorbereitungen zum Motorrad-Bremse entlüften

  • Idealerweise wird das Fahrzeug so aufgebockt, dass sich der geschlossene Bremsflüssigkeitsbehälter in einer waagerechten Position befindet.
  • Die Bremsflüssigkeit kann an lackierten Teilen Schaden anrichten. Bevor es an das Entlüften der Motorrad-Bremse geht, sollten die lackierten Fahrzeugteile sorgfältig abgeklebt werden.
  • Die Entlüftung wird an der Vorder- und Hinterradbremse separat vorgenommen. Beginne mit der Entlüftungsschraube, welche den weitesten Weg zum Bremsflüssigkeitsbehälter aufweist.
  • Die Schraube lässt sich mithilfe eines Ringschlüssels lösen. Mithilfe eines Kreuzschlitz Schraubendrehers können jetzt die Schrauben des Deckels gelöst werden.

Entlüften mit einer Vakuumpumpe

Unter Einsatz der Vakuumpumpe funktioniert das Entlüften einfacher als auf dem klassischen Wege. Anstelle des klassischen Auspumpens kann die Bremsflüssigkeit auch mit einer Vakuumpumpe herausgesaugt werden. Wichtig ist hierbei, ständig den Füllstand im Auge zu behalten und ggf. Flüssigkeit nachzufüllen. Jetzt heißt es Pumpen, bis ausschließlich neue und blasenfreie Flüssigkeit im Schlauch sichtbar ist. Mit dem letzten Pumpstoß muss die Entlüftungsschraube wieder geschlossen werden.

Vorgehensweise beim Entlüften mit einer Vakuumpumpe

  1. Schließen Sie die Vakuumpumpe an das Bremsenentlüftungsventil an.
  2. Behalten Sie den Flüssigkeitsstand im Hauptzylinder im Auge und stellen Sie sicher, dass er nicht zu tief absinkt.
  3. Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis die Flüssigkeit klar ist und keine Blasen mehr vorhanden sind.
  4. Überprüfen Sie jedes verbleibende Bremsentlüftungsventil.
  5. Stellen Sie sicher, dass der Hauptzylinder ausreichend gefüllt ist.

Die richtige Bremsflüssigkeit wählen

Die Wahl der richtigen Bremsflüssigkeit ist entscheidend für die Bremswirkung des Fahrzeuges. Bei vielen Motorrädern ist die benötigte DOT-Klasse auf dem Bremsflüssigkeitsbehälter angegeben. Sollte dort nichts vermerkt sein, hilft ein Blick ins Handbuch. Bitte unbedingt darauf achten, dass die richtige DOT-Klasse verwendet wird, ansonsten ist eine sichere Bremsung nicht gewährleistet.

DOT-Klassen und ihre Eigenschaften

Die Bremsflüssigkeiten DOT 3 und DOT 4 basieren auf Glykol, wohingegen DOT 5 auf Silikonbasis aufbaut. Diese Flüssigkeiten kommen bei beinahe allen Motorrädern in den Bremsflüssigkeitsbehälter. Je höher die DOT-Klasse, desto besser die Bremswirkung? Nein, mit steigender DOT-Klasse geht nicht automatisch eine steigende Bremswirkung einher. Wichtig ist, die richtige Flüssigkeit für das eigene Bremssystem zu nutzen.

Die DOT-Klassifizierung (DOT = Department of Transportation, US-Verkehrsministerium) bezieht sich auf den Siedepunkt von Bremsflüssigkeiten. Bei Zweirädern reichen die DOT-Klassen von 3 bis 5. Wobei DOT 3 einen Siedepunkt von 205 °C, DOT 4 von 230 °C sowie DOT 5 einen Siedepunkt von bis zu 260 °C aufweist. Welche Bremsflüssigkeit Du benötigst, zeigt das Bordbuch.

Entlüften bei ABS-Systemen

Motorräder mit ABS haben in der Regel zwei Bremskreise: Den Steuerkreis, der von der Bremspumpe angesteuert wird und den Regelkreis, der über einen Druckmodulator den Bremskolben betätigt. Bei ABS-Systemen ist es wichtig, dass keine Luft in den ABS-Block gelangt. Nach dem Wechseln der Bremsflüssigkeit kann das ABS-System aktiviert werden, um die restliche Bremsflüssigkeit im ABS-Block mit der neuen Flüssigkeit zu vermischen.

Einmal kurz die Bremse drücken, um das ABS zu aktivieren. Dadurch öffnen sich die Ventile und die restliche Bremsflüssigkeit vermischt sich mit der im ABS-Block.

Häufigkeit des Bremsflüssigkeitswechsels

Generell gilt es bei Motorrädern alle Flüssigkeiten spätestens nach Ende der zweiten Saison zu wechseln. Die Häufigkeit des Bremsflüssigkeitswechsels hängt von verschiedenen Faktoren ab. Experten empfehlen, die Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre oder nach 30.000 Kilometern zu wechseln. Die hygroskopische Natur der Bremsflüssigkeit führt dazu, dass sie im Laufe der Zeit Feuchtigkeit aus der Atmosphäre aufnimmt, was die Bremsleistung beeinträchtigen kann.

Tipps und Tricks für eine dichte Verbindung

Viele kennen sicher das Problem: wenn eine hydraulische Bremsanlage erst mal komplett leer ist, weil man Schläuche gewechselt hat oder an anderer Stelle die Hydraulik öffnete, dauert das Neubefüllen/Entlüften ziemlich lange. Deswegen die Frage: habt ihr gute Tipps, um die Verbindung Schlauch - Entlüftungsnippel möglichst dicht und fest zu bekommen? Besondere Schläuche, irgendwelche Endstücke, Mucke, Spucke, Klebeband und Kabelbinder?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um eine dichte Verbindung zu gewährleisten:

  • Verwenden Sie Silikonschläuche, da diese geschmeidiger sind und besser abgedichtet werden können.
  • Nutzen Sie Feder-Klemm-Schellen, um den Schlauch am Entlüftungsnippel zu fixieren.
  • Dichten Sie die Bremsenentlüftungsschraube mit Teflonband ab.

Weitere Hinweise

  • Nach Abschluss aller vorheriger Schritte gilt es, durch mehrmaliges Betätigen des Bremshebels bzw. Bremspedals genügend Druck im System aufzubauen.
  • Der Bremshebel darf sich nicht bis zum Griff ziehen lassen oder über unzureichenden Widerstand verfügen.
  • Ein unzureichender Druckpunkt im Bremshebel oder Bremspedal wäre ein Zeichen für verbliebene Luft im System.

Alternativen zur Vakuumpumpe

Neben der Vakuumpumpe gibt es auch andere Methoden zum Entlüften der Bremsen:

  • Druckbremsen-Entlüftungsset: Hier wird der Behälter mit Druck beaufschlagt, um die Bremsflüssigkeit durch das System zu drücken.
  • Manuelle Methode: Zwei Personen arbeiten zusammen, wobei eine Person den Bremshebel betätigt und die andere das Entlüftungsventil öffnet und schließt.

Mit der oben aufgeführten Anleitung ist es möglich, die Bremsflüssigkeit selbst zu tauschen und das System anschließend ordnungsgemäß zu entlüften. Was für den routinierten Schrauber ein Routinevorgang ist, kann einen Laien schnell vor Probleme stellen. Bei Unsicherheiten ist es dringend ratsam, die Aufgabe in einer Fachwerkstatt erledigen zu lassen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0