Eine gut funktionierende Bremse ist im Straßenverkehr von höchster Bedeutung. Deshalb sollten die Wartungsintervalle der Bremsflüssigkeit unbedingt eingehalten werden. Auch das Austauschen der Bremsflüssigkeit kann man alleine erledigen. Jedoch ist es für unerfahrene Schrauber einfacher und sicherer, wenn eine zweite Person zur Hilfe herangezogen wird.
Vorbereitung und Werkzeuge
Für den Wechsel der Bremsflüssigkeit werden folgende Werkzeuge und Materialien benötigt:
- 8er Nuss und Gabelschlüssel
- Kreuzschlitzschraubenzieher (oder Bohrmaschine mit Bohrer und Ersatzschrauben)
- Eventuell weitere Schlüssel/Nüsse bei Bremsleitungstausch
- Dünner PVC-Schlauch
- Leerer Behälter
- Ungeöffneter Behälter mit Bremsflüssigkeit
- Eventuell Spritze (mind. 20 ml)
- Eventuell Gummi-Spanngurt
- Schutzbrille und Handschuhe
- Bremsenreiniger und Lappen
- Drehmomentschlüssel (optional)
Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass keine unterschiedlichen Bremsflüssigkeiten (angegeben in DOT-Klassifizierung) beim Wechsel vermischt werden, da diese entweder auf Glykol- oder Silikonbasis beschaffen sind.
Aufgrund ihrer ätzenden Wirkung greift Bremsflüssigkeit Lacke und Kunststoffe an. Potentiell betroffene Stellen (z.B. Tank) sollten daher abgedeckt werden. Einen sauberen Lappen griffbereit zu halten, kann nicht schaden.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung: Fläche rund um den Bremssattel mit einer Plane oder Pappkartons auslegen. Einen Gefäß bereitstellen, in dem die alte Bremsflüssigkeit aufgefangen werden kann.
- Bremsflüssigkeitsbehälter öffnen: Den von aussen gesäuberten Bremsflüssigkeitsbehälter öffnet man durch Entfernen der Schrauben und nimmt den Deckel und die Membran ab. Dort darf auf keinen Fall Schmutz hineingelangen.
- Alte Bremsflüssigkeit absaugen: Will man den gesamten Vorgang beschleunigen, kann jetzt die alte Bremsflüssigkeit mit einer Einwegspritze (aus der Apotheke) vorsichtig aus dem Ausgleichsbehälter gesaugt werden. Anschließend wird der Behälter zu ca. 2/3 mit frischer Bremsflüssigkeit aufgefüllt.
- Entlüftungsventil vorbereiten: Die Gummikappe auf dem Entlüftungsventil wird abgenommen und den passenden Ringschlüssel auf den Sechskant des Ventils aufgesetzt. Den Schlauch aufstecken und in einen Behälter hängen lassen.
- Entlüftungsvorgang starten: Die Entlüftungsschraube mit dem Ringschlüssel etwas öffnen und den Bremshebel zwei- bis drei Mal betätigen. Dabei sollte der Bremshebel nie voll gedrückt werden.
- Alternative Methode: Der Bremshebel wird bei geschlossenem Entlüftungsventil leicht gezogen. Erst jetzt öffnet man das Ventil und drückt langsam den Bremshebel weiter durch. Bei durchgezogenem Hebel verschließt man das Ventil wieder und lässt den Hebel anschließend wieder los.
- Bremsflüssigkeit durchpumpen: Diesen Schritt wiederholt man - unter ständiger Kontrolle des Bremsflüssigkeitsstandes im Ausgleichsbehälter - so lange, bis die frische Flüssigkeit im Schlauch bzw. Auffangglas ankommt.
- System entlüften: In der abfließenden Flüssigkeit dürfen keine Blasen mehr auftauchen. Falls doch Blasen auftauchen sollten, befindet sich Luft im System. In diesem Fall muss die Bremse erneut entlüftet werden. Hierzu werden die Schritte 1 - 5 wiederholt.
- Füllstand prüfen und ggf. auffüllen: Der Bremsflüssigkeitsbehälter wird bis zum Maximalstand aufgefüllt und der Deckel mit gereinigter Dichtung passend aufgesetzt und zugedreht bzw. festgeschraubt.
- Entlüftungsventile schließen: Nach dem Flüssigkeitsaustausch muss sichergestellt werden, ob wirklich alle Entlüftungsventile geschlossen sind. Die meisten Hersteller geben ein Anzugsmoment von gerade einmal 4 bis 10 Nm vor.
- Bremsdruck prüfen: Bevor die erste Probefahrt angetreten wird, sollte der Bremsdruck im Stand geprüft werden. Hierzu werden der Handbremshebel und das Bremspedal kurz betätigt.
Besonderheiten bei Motorrädern mit ABS
Bei Motorrädern mit ABS ist es wichtig, auch die Bremsflüssigkeit in der ABS-Pumpe zu erneuern. Andernfalls wird nicht die gesamte Bremsflüssigkeit ausgetauscht. Hierzu ist folgendes zu beachten:
- Ventile in der Hydraulik-Einheit (ABS-Pumpe) mit speziellem Werkzeug ansteuern.
- Stecker (hinter der Verkleidung bei der Batterie) überbrücken.
- "Hydraulik Operation Test“ durchführen, um die ABS-Pumpe zu spülen.
- In den Stecker die beiden vorher genannten Kabel überbrücken.
- Beide Bremsen bedienen (Vorder- und Hinterbremse gleichzeitig).
- Zündung auf ‘On‘ drehen.
- ABS-Lampe blinkt.
- Impuls im Vorderbremshebel, dann zwei Impulse im Bremspedal spüren.
- Nach der Spülung der ABS-Pumpe die Punkte 1 bis 4 der oben genannten Anleitung nochmals durchführen, um die restliche Bremsflüssigkeit im Bremssystem zu erneuern.
Wichtige Hinweise
- Bremsflüssigkeit ist ein Schadstoff und sollte fachgerecht entsorgt werden.
- Bremsflüssigkeit ist aggressiv und kann Lacke und Kunststoffe beschädigen.
- Bei Unsicherheiten sollte eine Fachwerkstatt aufgesucht werden.
- Bremsflüssigkeit jedes Jahr, spätestens nach zwei Jahren tauschen.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
| Fehler / Problem | Vermeidung / Lösung |
|---|---|
| Luft ins System gezogen | Vorratsbehälter nie leer laufen lassen. Immer nachfüllen. |
| ABS-Modul nicht gespült | Nach ABS-Auslösung kurze Nachentlüftung (manuell). |
| Lack beschädigt durch Bremsflüssigkeit | Immer abdecken und bei Tropfen sofort mit Wasser und Bremsenreiniger reinigen. |
| Entlüfternippel beschädigt | Nicht verkanten, nicht zu fest anziehen - 6-7 Nm reichen. |
| Unsicherer Bremsdruck nachher | Arbeit abbrechen, ggf. Werkstatt aufsuchen. |
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