Fahrrad Bremsbeläge im Test: Alles, was Sie wissen müssen

Die Fahrradbremse ist das wichtigste Sicherheitsbauteil am Fahrrad. Funktionierende Bremsen haben maßgeblichen Einfluss auf die Verkehrssicherheit des Fahrrads. Damit die Bremse zuverlässig funktioniert und das Fahrrad bei normalen Bremsvorgängen aber auch bei Gefahrenbremsungen zum Stillstand bringt, sollten die Bremsbeläge und die Bremsen Hand in Hand arbeiten.

Grundlagen zu Fahrradbremsen

Grundsätzlich unterscheiden wir in diesem Beitrag zwischen zwei der verschiedenen Arten von Fahrradbremsen: Felgenbremsen (V-Brakes, Seitenzugbremsen, Cantilever-Bremsen) und Scheibenbremsen. Beide Bremsarten haben Bremsbeläge, die von außen sichtbar sind und bei denen man den Verschleiß optisch erblicken kann. Die klassische Felgenbremse ist dabei oftmals die einfachere Variante, wenn es um den Austausch von Bremsbelägen geht. Scheibenbremsen sollte man, sofern man sich selbst als Laie sieht, in einer Fachwerkstatt wechseln lassen. Der Austausch von Bremsschuhen bei V-Brakes ist oftmals auf für Laien umsetzbar.

Werden die Bremsschuhe oder Bremsbeläge erneuert, so sind immer beide Seiten auszutauschen. Selbst wenn der Verschleiß einseitig stärker sein mag, sollten beide Bremsbeläge aus dem selben Material bestehen und den selben Härtegrad aufweisen. An dieser Stelle der Hinweis, ist ein Bremsbelag merklich stärker abgenutzt, ist die Bremse evtl. nicht korrekt eingestellt oder Defekt. Es sollte, sofern der Mangel nicht selbst erkannt und behoben werden kann, ein Fachmann konsultiert werden. Es kann bei den Bremsbelägen ebenfalls eine „linke“ und eine „rechte“ Seite geben. Wird dies auf dem Belag angegeben, ist darauf zu achten, dass dies bei der Montage und dem Wechsel beachtet wird.

Die meisten Bremsschuhe weisen eine leichte Krümmung auf und signalisieren damit ein „Oben“ und „Unten“, diese Krümmung wird bei der Montage an die Rundung der Felge angelegt. Passen die Rundungen zusammen, sind die Bremsbeläge korrekt positioniert. Ähnlich wie es bei Fahrradreifen der Fall ist, können Bremsbeläge auch einen unterschiedlichen Härtegrad aufweisen. Alleine durch Temperaturunterschiede können die Materialien im Winter wesentlich härter sein als im Sommer.

Die Bremswirkung wird bei der Felgenbremse durch Reibung ausgelöst. Je nach Reibungswiderstand hält das Rad schneller oder nicht so schnell an. Verringert sich die Reibung, dauert ein Bremsvorgang bei sonst gleichen Bedingungen, länger. Bei der Montage ist darauf zu achten, dass die Bremsschuhe exakt auf der Felge sitzen und mit der gesamten Fläche die Felge berühren.

Verschiedene Materialien für Scheibenbremsbeläge

Bei den Scheibenbremsen kommen, wie auch bei einem Auto, die Bremsscheibe selbst und dazugehörige Bremsbeläge zum Einsatz. Hierbei gibt es Unterschiede beim Material und damit auch bei der Bremswirkung und der Eigenschaft.

Organische Bremsbeläge

Organische Bremsbeläge zum Beispiel aus Carbon, Glas oder anderen Fasern haben die positive Eigenschaft, dass die Wärme, die beim Bremsen entsteht, nicht so stark abgegeben wird und der Kolben nicht so warm wird. Die Bremsleistung kann oftmals besser dosiert werden. Der Nachteil ist hingegen, dass diese Bremsbeläge schneller verschleißen.

Sintermetall Bremsbeläge

Sintermetall Bremsbeläge bestehen aus einem Granulat, dass aus verschiedenen Materialen bestehen kann. Es wird dabei gepresst und erhitzt und wird zu einem Bremsbelag gepresst. Die Vorteile sind eine höhere Hitzeresistent und ein geringerer Verschleiß als bei organischen Bremsbelägen. Der Nachteil ist gleichzeitig jedoch auch eine höhere Hitzeentwicklung und die metallischen Beläge neigen zum Bremsen-Quietschen.

Semimetall Bremsbeläge

Eine Mischung aus beiden Varianten ist der Semimetall Bremsbelag. Hier werden Metallelemente mit organischen Anteilen gemischt. Es wird ein geringerer Verschleiß bei einer höherer Hitzebeständigkeit erwartet.

Trägerplatten für Scheibenbremsen

Bei den Trägerplatten können Materialien wie Stahl, Aluminium und Titan zum Einsatz kommen. Teilweise können die Bremsbeläge Kühlrippen aufweisen. Dies ist jedoch im normalen Alltagsfahren kaum notwendig und eher etwas für alle, die sportlich und bei Wettkämpfen unterwegs sind. Die Trägerplatte ist der Halter für den Bremsbelag selbst. Gebremst wird jedoch nur mit dem Belag. Hier wird auch der Verschleiß der Bremse abgelesen.

Wer oft und regelmäßig auch Abfahrten von Bergen durchführt und dabei die Bremse immer ein wenig schleifen lässt, der sollte auf verschleißärmere Sintermetall-Bremsbeläge zurückgreifen. Einige Bremsscheiben sind nur für den Einsatz von Sintermetall oder organischen Belägen konzipiert. Hier sollte man sich an die Herstellerangabe des Bremsscheibenherstellers halten. Eine Weiche Scheibe kann durch harte Sinterbeläge sehr schnell abnutzen, warm werden und ggf. die Bremswirkung nicht korrekt ausüben.

Die unterschiedlichen Hersteller der Bremsen haben teilweise andere Bauarten der Trägerplatte. Somit passt nicht jeder Belag auf jede Bremse bzw. Beim Kauf sollte in der Produktbeschreibung darauf geachtet werden, dass der Bremsbelag zur entsprechenden Scheibenbremse des vorhandenen Herstellers passt. Es ist daher die Bezeichnung der Bremse abzulesen, diese ist entweder auf dem Bremssattel bzw. der Bremse zu finden oder im Datenblatt des Fahrrads / E-Bikes.

Hersteller geben eigene Namen für die Unterschiede zwischen Organischen- und Sinterbelägen an:

Hersteller Bezeichnung Material
Shimano Resin Organisch
Shimano Metall Sinter
Magura Endurance Sinter
Magura Performance Sinter
Trickstuff kein Unterschied Nur organische
Swiss Stop kein Unterschied Organische Mischungen

Bremsschuhe für Felgenbremsen

Auch Das Material für die Bremsschuhe für die Felgenbremse, V-Brake oder U-Brake kann unterschiedlich hart sein. Auch hier kommt auf die eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen an, dazu spielt jedoch das Material der Felge ebenfalls eine Rolle. Nicht jeder Bremsschuh ist für Stahl und Aluminiumfelgen geeignet. Hier gilt es die Beschreibung zu lesen.

Bremsschuhe mit unterschiedlichen Materialien sollen verschiedene Eigenschaften miteinander kombinieren. So können die Klötze aus weichem und hartem Material bestehen. Maserungen oder Schlitze können dafür sorgen, dass Feuchtigkeit beim Anpressen der Klötze an die Felge, verdrängt werden kann und der Bremsschuh nicht auf einem Wasserbett gleitet.

Abnutzung der Bremsschuhe

Der Verschleiß ist bei Felgenbremsen oft besser zu sehen als bei Scheibenbremsen. Da das Prinzip von Bremsen denkbar einfach ist, bleibt es nicht aus, dass die Bremsbeläge abnutzen. Durch mechanische Kraft wird ein Material an das andere Gedrückt. Durch die entstehende Reibung wird ein Abbremsen verursacht.

Je dreckiger die Felge und der Bremsbelag ist, umso mehr Material wird dabei von der Felge und von dem Bremsbelag gerieben. Der Bremsbelag sollte daher auch immer weicher als das Material der Felge sein, dies ist wiederum der Grund, wieso nicht alle Bremsschuhe gleichermaßen für jede Felge geeignet ist. Verschmutze Felgen und Bremsen sollten regelmäßig gereinigt und von Dreck und Öl befreit werden.

Fahrrad Bremsbeläge 2025

Im Bremsbelag Test schauen wir uns Fahrrad Bremsbeläge genauer an und stellen Unterschiede heraus, die auch 2025 wichtig sind.

Anzeige Bild Produkt Typ Material Preis Anbieter
Shimano B01S Scheibenbremse Resin 14,50 € - 16,40 € Amazon
Magura 7.P Scheibenbremse Sintermetall 22,31 € - 25,00 € Amazon
Tr!ckstuff Power 830 Scheibenbremse organisch 26,89 € Amazon
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Stand: 27. August 2025 4:08

Neue Bremsen einbremsen

Wer seine Bremsbeläge gewechselt hat, egal ob für Scheibenbremsen oder die Bremsschuhe für die V-Brake bzw. Felgenbremse, der sollte die neuen Bremsen einbremsen. Das hat den Hintergrund, dass die Beläge und Bremsschuhe nicht immer einwandfrei plan und glatt sind. Auch kann die Felge oder die Bremsscheibe durch die die alten Beläge minimale Veränderungen aufweisen.

Beim Einbremsen werden erste Unebenheiten von den neuen Bremsbelägen „abgebremst“ und an die Bremsscheibe bzw. die Felge angepasst. So wird sichergestellt, dass die Bremse um Ernstfall ihre volle Bremsleistung entfalten kann. Im Idealfall sucht man sich dazu eine leicht abschüssige Stelle, an der man gezielt und kontrolliert langsam auf dem Rad rollt und die Bremse betätigt.

Fahrradbremsen für E-Bikes

Grundsätzlich gibt es für E-Bikes keine besonderen oder speziellen Bremsbeläge. Da mit einem E-Bike oftmals schneller und weiter gefahren wird, kann der Verschleiß etwas höher sein im Vergleich zum normalen Fahrrad in Abhängigkeit der Zeit. Auch bei E-Bikes gelten alle Hinweise und Tipps gleichermaßen.

Weitere Test Informationen

Wenn Bremsbeläge fürs Fahrrad in einem Test miteinander verglichen werden, muss auf einiges geachtet werden. Auch wenn ein Bremsbelag als Vergleichssieger gekürt wird, so bringt er nichts, wenn das Material nicht zum Fahrrad passt.

Die meisten Felgen bestehen aus Aluminium, weshalb auch die Bremsbeläge für Aluminium-Felgen ausgelegt sein sollten. Es gibt jedoch auch z. B. Felgen aus Stahl. Hier lohnt sich ein Blick aufs Felgenmaterial (ggf. ins Handbuch vom Fahrradhersteller schauen), um die richtigen Bremsbeläge fürs Fahrrad zu finden.

Wer sein Bike mit neuen Scheibenbremsen ausstatten möchte, sollte wissen, wie diese funktionieren. Wird eine Scheibenbremse in einem Test überprüft, ist besonderes Augenmerk auf die Hydraulik zu legen. Denn eine Scheibenbremse wird mit einem Bremshebel am Lenker betätigt, welcher mit einem Hochdrucksystem und einem Ausgleichsbehälter ausgestattet ist. Über einem Zylinder verdichtet sich die Bremsflüssigkeit in der Leitung, sodass Druck im Bremssattel entsteht.

Die mechanische Bremse funktioniert mittels Seilzug, welcher beim Drücken der Bremse betätigt wird. Hydraulische Bremsen sind deutlich präziser in der Bremswirkung. Bremsbeläge sollten grundsätzlich frei von Schmutz sein und auch ein Quietschen oder Knirschen bzw. Schleifen beim Bremsen kann ein Anzeichen dafür sein, dass die Bremsbeläge nicht in Ordnung sind und ausgetauscht werden müssen.

Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis? Hier lohnt sich ein genauer Blick, ob für den Preis ein oder zwei Paar Bremsbeläge erhältlich sind. Je mehr Sie die Bremse beanspruchen müssen, desto höher sollte die Wirkung sein.

Alternativen bei Materialknappheit

Wer aktuell das Rennrad für die neue Saison fit machen will, könnte auf unerwartete Hindernisse stoßen, denn die akute Materialknappheit, die die gesamte Fahrradwelt mit der Corona-Pandemie erfasste, ist auch zwei Jahre nach deren Beginn bei Weitem nicht ausgestanden - vor allem häufig benötigte Verschleißteile sind Mangelware.

Dabei müssen Verbraucher nicht „nur“ höhere Preise in Kauf nehmen, weil die Nachfrage hoch und das Angebot knapp ist. Wer beispielsweise nach Belägen für die verbreiteten Shimano-Scheibenbremsen sucht, der findet: nichts. Die in Online-­Shops prognostizierte Lieferzeit beträgt meist mehrere Monate und lässt kaum Hoffnung, dass sich die Versorgungslage in absehbarer Zeit ändert.

Wer seinen Renner nicht wegen eines Paars fehlender Bremsklötze stilllegen will, muss also Alternativen auftun, denn Bremsbeläge (und Bremsscheiben) für Scheibenbremsen werden, je nach Nutzung, ähnlich häufig ­fällig wie Bremsklötze (und Felgen) an Felgenbremsen. Die meisten Beläge werden auch für Bremsen von SRAM oder Campagnolo angeboten, die Ergebnisse sind weitgehend übertragbar.

Wir haben uns auf sogenannte organische Beläge konzen­triert, deren Mischung aus Faserstoffen und wenigen Metallpartikeln besteht, die in Kunstharz eingebettet sind. Sie sind fürs Rennrad erste Wahl, weil sie das beste Ansprechverhalten bieten, zudem meist leise sind und die Scheiben schonen. Daneben gibt es Beläge aus Sintermetall, die vor allem mehr Hitze vertragen - sie werden allerdings am Rennrad kaum eingesetzt.

Test und Ergebnisse kurz & knapp

Der Markt bietet eine große Auswahl an Alternativen für die (guten) Originalbeläge, wobei man auf die Herkunft achten sollte: Produkte von Billig-Anbietern sind nicht zu empfehlen, die Teile bekannter Zubehör-Marken ordentlich. Spezialisierte Hersteller können sogar bessere als die Originalbeläge bieten, ohne übertrieben teuer zu sein.

Die Bremsscheiben unterscheiden sich hauptsächlich im Preis sowie im Gewicht und damit in der Standfestigkeit, bei der Bremsleistung ­dagegen kaum. Folgende Bremsbeläge waren im TOUR-Test Folgende Bremsscheiben waren im TOUR-Test

Interview mit Dipl.-Ing. Dirk Zedler über Bremsbeläge und Bremsscheiben von Fremdherstellern

Jens Klötzer hat mit dem Diplom Ingenieur Dirk Zedler, Sachverständiger und Experte für Fahrradsicherheit am Zedler-Institut über Bremsbeläge und Bremsscheiben von Fremdherstellern gesprochen.

TOUR: Bremsenhersteller warnen, dass mit Belägen oder Scheiben von Fremdherstellern sämtliche Garantie- und Gewährleistungsan­sprüche erlöschen. Was bedeutet das, wenn es mit der Bremse ein Problem gibt?

Zedler: Man muss genau unterscheiden zwischen Garantie und der Sachmängelhaftung, also der gesetz­lichen Gewährleistung. Die Garantie kann der Bremsenhersteller in jedem Fall ablehnen, denn sie ist eine freiwillige Zusatzleistung. Von der Sachmängelhaftung kann er sich aber nicht so einfach befreien. Es muss ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Mangel an der Bremse und der Modifikation bestehen. Das Problem muss also ­direkt auf die fremden Beläge oder Scheiben zurückzuführen sein, dann kann er die Haftung abwenden.

Kann ich mich auf den Hersteller der Beläge oder Scheiben berufen, der die Teile für eine bestimmte Bremse empfiehlt?

Man sollte den Hersteller der Fremd­teile bei Problemen in jedem Fall einbeziehen. Namhafte Anbieter können im Zweifel nachweisen, dass ihre Produkte mit der jeweiligen Bremse funktionieren. Ich würde deswegen von billigen No-Name-Teilen abraten, auf denen nicht einmal ein Hersteller vermerkt ist. Sie würden vor Gericht wohl Probleme machen.

Wie häufig sind Probleme mit Fremdbelägen?

Wenn Teile von renommierten Zubehörmarken stammen, ist das nicht problematisch. Aktuell weichen auch viele Händler auf Fremdhersteller aus, und wir hören keine Klagen. Allerdings sind das meistens bekannte Marken, die ihre Fertigung gut kontrollieren. Aus dem Kraftfahrzeug-Bereich wissen wir, dass bei Billig-Belägen aus fragwürdigen Quellen vor allem die Toleranzen groß sein können - ein Belag kann passabel funktionieren, der nächste aber nicht.

Bremsbeläge und Scheiben müssen sich aneinander gewöhnen

Dabei soll es ruhig heiß hergehen. Was viele nicht wissen: Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab. Bei Dauerbremsungen - etwa auf langen Abfahrten - kann die Reibungshitze schnell auf über 300 Grad hochschnellen. Darauf sollten beide Partner vorbereitet sein. Sonst kann es sein, dass die Bremse kollabiert.

Dauerbremsungen

Um herauszufinden, welche der vielen Beläge am Markt am besten mit den Bestseller-Bremsen harmonieren, haben wir 18 Paarungen bis an die Leistungsgrenze gebracht - Beläge der Marktführer Shimano, Sram und Magura, plus Nachrüstbeläge von BBB, Kool-Stop, Reverse, Sixpack, SwissStop und Trickstuff. Jeder Hersteller bietet mittlerweile verschiedene Arten von Belägen an. Jede hat ihre Vor- und Nachteile.

Organische Beläge gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Beläge aus Sintermetall dagegen stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein. Dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen.

Drei Wochen haben wir im Labor am Prüfstand verbracht, um den Testkandidaten in Sachen Bremskraft, Standfestigkeit und Verschleißverhalten auf den Zahn zu fühlen. Besonders wichtig: ein definierter Einbremsprozess, beim dem die Bremse erst eingeschliffen und schließlich behutsam auf Temperatur gebracht wird. Das ist wichtig, damit sich auf Belag und Scheibe die sogenannte Reibschicht bilden kann.

Dazu tauschen Belag und Scheibe so lange gegenseitig Material aus, bis eine mikroskopisch dünne Schicht entsteht, die chemisch nahezu identisch ist - Gleich und Gleich reibt sich eben am besten. In drei Trocken- und Nassbremsungen wurde schließlich die Bremskraft ermittelt. Dann ging es in den Wärmestandfestigkeitstest.

Die Pärchen mussten 30 Bremsungen absolvieren, die einer kurzen, aber heftigen Vollbremsung bei 12 Grad Gefälle und 45 km/h entsprechen. War eine Stufe geschafft, wurde die Bremskraft erhöht - in drei Stufen bis auf 630 Newton, was 120 Kilo Systemgewicht entspricht. So wurde unter Last die Temperatur im Belag bis zur Messbarkeitsgrenze von über 600 °C getrieben - oder eben bis zum Kollaps.

Bremsbeläge stammen meist aus Fernost

Doch die Rezepturen der Reibmaterialien unterscheiden sich deutlich voneinander. So können manche organische Beläge bei einer Temperatur von über 300 °C noch deutlich an Leistungsfähigkeit zulegen, weil dann erst alle flüchtigen Bestandteile aus dem Harz verdampft sind. Andere befinden sich hier schon an der oberen Temperaturgrenze.

Bei Sintermetallbelägen fängt hier meist der Spaß erst richtig an, die Bremskraft erreicht ihr Maximum, und vorher nervtötende Geräusche verschwinden plötzlich. Nicht jede Paarung harmoniert also. Doch wenn man die richtige gefunden hat, kann es ruhig heiß hergehen. Auch nach der Eingewöhnungsphase.

Mit der sensiblen Shimano-Ice-Tech-Scheibe harmonieren die erstklassigen und sehr günstigen Originale einfach am besten.

Die Bremsbeläge dieser Hersteller haben wir getestet:

Getestet auf MAGURA MT6: Getestet auf SHIMANO DEORE XT: Reverse Air-ConReverse Disc OrganicShimano G02A* (BIKE-TIPP: Testsieger) Shimano J02A Sixpack OrganicSixpack SinterGetestet auf SRAM GUIDE RSC: BBB-39 BBB-39S Sram organisch (BIKE-TIPP: Testsieger)Sram SinterTrickstuff PowerTrickstuff Standard

EINBREMSEN, ABER RICHTIG

Nur, wenn Beläge und Scheiben aufeinander eingestimmt werden, funktionieren die Bremsen optimal. So geht es.

Einschleifen

Im Neuzustand oder nach dem Wechsel einer Komponente müssen sich Scheibe und Belag erst geometrisch anpassen. Dazu die Bremse bei langsamer Fahrt drei Mal zirca 30 Sekunden leicht schleifen lassen.

Reibschicht erzeugen

Auf Belag und Scheibe muss sich eine mikroskopisch dünne Schicht bilden, die durch Materialaustausch von Scheibe und Belag entsteht. Erst auf ihr sind hohe Reib- und gute Verschleißwerte möglich. Beschleunigen Sie auf circa 30 km/h und bremsen Sie dann bis auf Schritt-Tempo ab - und zwar so lange, bis sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöht, ungefähr 30 Mal.

Heiß bremsen

Sinterbeläge benötigen teilweise hohe Temperaturen, um eine tragfähige Reibschicht zu erzeugen, organische Beläge können ausgasen. Damit das nicht aus heiterem Himmel passiert, bremsen Sie auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln) richtig heiß. Wenn es beißend stinkt, ist das jetzt ausnahmsweise ein gutes Zeichen. Dann gut abkühlen lassen!

FAKTOR BREMSSCHEIBE

Welchen Einfluss hat die Bremsscheibe? Wir haben diese Modelle verglichen.

Magura Storm HC 180 mm

  • Preis: 30 Euro
  • Gewicht: 140 Gramm
  • Standfestigkeit: extrem
  • Bremskraft: sehr hoch
  • Stärke: 1,95 mm
  • Verschleißgrenze: 1,8 mm

Magura Storm SL 180 mm

  • Preis: 35 Euro
  • Gewicht: 116 Gramm
  • Standfestigkeit: hoch
  • Bremskraft: sehr hoch
  • Stärke: 1,95 mm
  • Verschleißgrenze: 1,8 mm

Shimano XT (SM-RT76M) 180 mm

  • Preis: ca. 27 Euro
  • Gewicht: 150 Gramm
  • Standfestigkeit: mittel
  • Bremskraft: mittel
  • Stärke: 1,72 mm
  • Verschleißgrenze: 1,5 mm

Shimano XT (SM-RT86) 180 mm

  • Preis: ca. 35 Euro
  • Gewicht: 131 Gramm
  • Standfestigkeit: mittel
  • Bremskraft: sehr hoch
  • Stärke: 1,72 mm
  • Verschleißgrenze: 1,5 mm

Sram Centerline 180 mm

  • Preis: 52 Euro
  • Gewicht: 149 Gramm
  • Standfestigkeit: hoch
  • Bremskraft: sehr hoch
  • Stärke: 1,86 mm
  • Verschleißgrenze: 1,55 mm

Sram Centerline X 180 mm

  • Preis: 82 Euro
  • Gewicht: 127 Gramm
  • Standfestigkeit: hoch
  • Bremskraft: sehr hoch
  • Stärke: 1,86 mm
  • Verschleißgrenze: 1,55 mm

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