Wer bremst, verliert - aber wer später bremst, ist länger schnell. So oder so braucht es dafür eine geile Bremse. Fakt ist: Bikes werden immer potenter, die Strecken härter und wir schneller - da müssen auch die Bremsen mithalten.
Die Bremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Zudem steigen bei E-Bikes die Systemgewichte durch bis zu 25 Kilogramm schwere Räder, die Fahrgewohnheiten ändern sich. Das macht eine gesonderte Betrachtung der E-MTB-Bremsen und der Bremssysteme nötig.
Nimmt man ein durchschnittliches E-Bike Fully mit 22 bis 23 Kilogramm, einen Tourenrucksack inklusive Trinkblase mit etwa 4 Kilogramm sowie einen 90 Kilogramm schweren Fahrer, liegt das Systemgewicht bei knapp 117 Kilogramm. Deshalb setzen wir bei unserem Test 130 Kilogramm als Minimum an. TRP liegt genau an dieser Grenze, Magura gibt seine Bremsen bis 185 Kilogramm frei. BFO, Shimano und Trickstuff nennen nach oben keine Gewichtsbeschränkung.
Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, empfehlen wir generell den Einsatz von großen 203mm Bremsscheiben am Vorder- und 180mm Discs am Hinterrad. Das Gute dabei: Die Bremse kann so mit nur einem Finger betätigt werden.
Wer noch mehr Power braucht: Trickstuff bietet eine 223mm Bremsscheibe, Now8 sogar ein 254mm großes Modell an.
Willkommen in der Scheibenwelt! Genauer: In der großen Auswahl verschiedener Bremsscheiben. Die Wahl der passenden Bremsscheibe für Ihr Rad ist wichtig, damit Sie adäquat in die Eisen gehen können und allzeit sicher unterwegs sind. Worauf es bei den Bremsen ankommt und wo die Vorzüge sowie Nachteile liegen, erfahren Sie im folgenden Kaufberater.
Verschiedene Bremssysteme im Überblick
Seit der offiziellen Erfindung des Fahrrads im Jahr 1817 hat die Technik dahinter eine riesige Entwicklung durchgemacht. Während es damals noch Stempelbremsen gab, wird heute generell in drei Systeme unterschieden: Felgenbremsen, Scheibenbremsen und Trommelbremsen.
Felgenbremsen
Felgenbremsen gehören zu den bekanntesten und den meistverwendeten Bremssystemen. Dabei lassen sich hydraulische und mechanische Felgenbremsen unterscheiden. Klassische mechanische Felgenbremsen sind die V-Felgenbremse, auch bekannt als V-Brake, die Cantilever-Bremse und die Seitenzugbremse. Doch hydraulische Bremsen sind stark im Kommen.
Aber wie funktioniert nun die Felgenbremse? Bei der mechanischen Felgenbremse befindet sich auf beiden Seiten des Laufrads eine Bremsart, die mithilfe eines Seilzugs betätigt wird.
Scheibenbremsen
Immer häufiger - vor allem an Mountainbikes, aber auch bei vielen E-Bikes, Trekking- und Rennrädern - sind Scheibenbremsen zu finden. Auch hier unterscheidet man zwischen mechanischen und hydraulischen Varianten. Ähnlich wie die mechanische Felgenbremse funktioniert die mechanische Scheibenbremse über einen Bowdenzug. Sie benötigt weniger Wartung, weist aber meist nur einen Kolben auf und ist anfälliger für Schmutz und Rost.
Hydraulische Scheibenbremsen auf der anderen Seite haben zwei oder vier Kolben und werden mit Bremsflüssigkeit betrieben.
Trommelbremsen
Heute kommen tatsächlich hauptsächlich Felgen- und Scheibenbremsen zum Einsatz. Doch damals war auch die Trommelbremse, auch bekannt als Rücktrittbremse, eine beliebte Variante. Das System ist meist in der Hinterradnabe zu finden. Dabei überträgt die Drehmomentstütze beim Zurücktreten mit den Pedalen das Drehmoment des Hinterrades auf den Rahmen. Das Rollerbrake Bremssystem ist eine moderne Variante der Trommelbremse und wird gerne in E-Bikes verbaut.
ABS-Systeme
Das Antiblockiersystem, kurz ABS, kennen wir bereits vom Auto und es gehört auch bei Motorrädern mittlerweile fest dazu. Doch nicht nur das: Auch bei Fahrrädern hält diese Elektronik Einzug. Denn Bosch hat das erste ABS-System für das Fahrrad entwickelt. Wie es funktioniert: Mithilfe eines Drehzahlsensors stellt das ABS fest, ob die Gefahr besteht, dass das Vorderrad blockiert.
Montage und Wartung
Bevor die Bremsen ans Rad geschraubt werden, sollten die Aufnahmen gecheckt werden. Meist sind diese durch Lackauftrag oder dem in der Produktion nicht durchgeführten Frässchritt nicht perfekt plan. Deshalb sollte, wenn nötig, die Bremsaufnahme beim Händler nachgearbeitet werden.
Die Bremse ist eine der wichtigsten Komponenten am Zweirad und sollte daher nicht leichtfertig, sondern ordentlich montiert werden. Wichtig ist die passende Felge bzw. Nabe - sowohl bei Scheiben- als auch bei Felgenbremsen. Daher gilt es, sich vorher seine Laufräder genau anzuschauen. Um auf der anderen Seite eine Scheibenbremse zu montieren, braucht die eingespeichte Nabe eine Aufnahme für die Bremsscheibe - entweder 6-Loch-Nabe oder Centerlock-Nabe.
Für die Befestigung der Bremsscheibe benötigen Sie bei einer 6-Loch-Nabe sechs Schrauben. Für die Montage an der Gabel und am Rahmen benötigen Sie einen geeigneten Sockel, wobei die Bremsen auf zwei Gewindehülsen gesteckt und festgeschraubt werden.
Beim Bremssattel setzen alle Hersteller auf drehbare Leitungsabgänge und den Postmount-Standard.
Ist die Bremse ordentlich montiert, sollten alle Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel angezogen werden.
Cockpitintegration: Um Schalthebel von Shimano oder Sram direkt am Bremshebel zu befestigen, bieten viele Hersteller Adapter an. Damit verringert sich der Bauraum am Lenker und die Optik ist aufgeräumter. Perfekt gelingt das Sram mit dem Matchmaker-System.
Der Bremshebel sollte zudem gut in der Hand liegen und keine störenden Kanten aufweisen. Der Bremshebel sollte zudem gut in der Hand liegen und keine störenden Kanten aufweisen.
Mit Blick auf den Bremsenservice wird geprüft, ob der Entlüftungsvorgang einfach von der Hand geht, die Entlüftungsschrauben leicht erreichbar sind, der Hebel dazu verdreht oder abgebaut werden muss, ein durchgängiger Fluss im Bremssattel gewährleistet ist und welches Bremsmedium verwendet wird.
Vor- und Nachteile der Bremssysteme
Die Leistung beim Fahrradfahren ist für viele mitunter der wichtigste Faktor. Sie lieben die Geschwindigkeit. Doch mindestens genauso wichtig, wie schnell Tempo aufzunehmen, ist die Qualität beim Fahrrad Bremssystem.
Felgenbremsen sind in der Regel leichter und günstiger als Scheibenbremsen und lassen sich auch einfacher montieren. Scheibenbremsen auf der anderen Seite sind leistungsfähig und weniger anfällig für Schmutz und Rost, allerdings auch teurer und schwerer. Zudem werden Speichen und Naben stärker belastet.
Für welches Bremssystem am Fahrrad Sie sich letztendlich entscheiden, hängt von Ihren persönlichen Ansprüchen und Bedürfnissen ab. Ein klares richtig oder falsch gibt es hier nicht.
Hydraulische Scheibenbremsen werden bei E-Bikes immer häufiger eingesetzt. Dieses Bremssystem besteht aus einer Bremsscheibe im Rad und einem hydraulischen Bremssattel, der über einen Schlauch mit Hydraulikflüssigkeit mit den Bremshebeln am Lenker verbunden ist. Du bremst, indem du die Hebel am Lenker drückst. Scheibenbremsen funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Autobremsen. Die Bremsscheibe befindet sich in der Mitte des Rades, diese Scheibe dreht sich, wenn das Rad angetrieben wird. Sobald du bremst, drücken die Bremsbeläge gegen die rotierende Scheibe.
Die richtige Bremse für E-Bikes
Einerseits ist ein Pedelec, dass dich bis etwa 25 km/h unterstützt, gesetzlich einem Fahrrad gleichgestellt (Stand 2021). Andererseits ist es in der Praxis durch den E-Bike-Antrieb nicht nur deutlich schneller, sondern eben auch schwerer. Dies bedarf besonderer Anforderungen- gerade im Bereich der Bremsen.
Bei besonders günstigen E-Bikes (deutlich unter 1.500,00 Euro), findet man fast nur mechanische Bremsen, die im Vergleich zu hydraulischen Bremsen weniger Bremskraft bieten. Oft werden zwar Scheibenbremsen verbaut, allerdings wird der entscheidende Faktor (mechanisch oder hydraulisch) nicht beachtet.
Mechanische Bremsen
Bevor die Hydraulik beim Fahrrad Einzug hielt, wurden die Bremse - wie die Schaltung - über einen Seilzug angesteuert. Auch wenn das System in der Theorie gut funktioniert und bewährt ist, muss man in der Praxis ein paar Abstriche machen. Dadurch, dass die Kraft vom Handbremshebel über die Seilzüge übertragen wird, braucht man bei einem schwereren E-Bike auch entsprechend viel Kraft in den Fingern . In der Wartung sind die mechanischen Bremsen aufgrund ihrer Einfachheit zwar simpel, sie müssen aber auch häufiger nach- und eingestellt werden.
Bei einem klassischen Fahrrad ist die Bremsleistung der mechanischen Felgen- und Scheibenbremsen in der Regel ausreichend, bei einem E-Bike solltest du aufgrund der höheren Anforderungen aber unbedingt auf hydraulische Bremsen achten.
Hydraulische Bremsen
Bereits Ende der 1980er Jahre entwickelte Magura, ein etablierter Zweirad-Bremsen-Hersteller, die erste hydraulische Felgenbremse. Bis heute sind deren Nachfolger - wie etwa die Magura HS11-Felgenbremse - ein Klassiker bei Trekking- und Citybikes mit und ohne Motor. Auch wenn die hydraulische Felgenbremse bereits sehr gut funktioniert, bietet die hydraulische Scheibenbremse noch einige Vorteile, wie z.B. eine bessere Bremsleistung bei Nässe oder einen geringeren Pflegeaufwand.
Die hydraulischen Felgen- und Scheibenbremsen von Magura und Shimano setzen auf wartungsfreies Mineral Oil, während die Hersteller wie SRAM und Formula Bremsflüssigkeit aus der Automobilbranche (DOT) verwenden. Während das Mineral Oil nur selten entlüftet werden muss, sollte die Bremsflüssigkeit etwa alle zwei Jahre getauscht werden.
Der große Vorteil: Bis zum vollständigen Verschleiß stellen sich die Bremsbeläge „automatisch“ nach, sodass man die Bremse nur selten nach- bzw. einstellen muss.
Fast alle bei uns erhältlichen E-Bikes verfügen über hydraulische Bremssysteme, da diese die beste Bremswirkung und Dosierbarkeit bieten. Insbesondere bei City-E-Bikes gibt es einige Modelle mit Rücktrittbremse, die den Umstieg erleichtern sollen. Dennoch empfehlen wir dir, dich unbedingt auch mit den Handbremshebeln vertraut zu machen. Denn, wenn du dich auf deinem E-Bike sicher fühlst, tust du nicht nur dir, sondern auch allen anderen Verkehrsteilnehmern einen großen Gefallen.
Bosch E-Bike ABS
2017 hat Bosch eBike Systems das ABS für E-Bikes mit Bosch-Antrieb vorgestellt. Es kann dadurch sowohl drohendes Wegrutschen als auch einen Überschlag frühzeitig erkennen und verhindern. Das eBike ABS greift dazu in die Magura-Vorderradbremse ein und öffnet die Bremse für wenige Millisekunden. Damit funktioniert es genau wie das bewährte ABS in anderen motorisierten Fahrzeugen.
Aufgrund der Mehrkosten und des höheren Gewichts ist das System bei E-Bikes jedoch wenig populär und kam nur in ausgewählten Modellen zum Einsatz (wie z.B. KTM Macina Sport ABS).
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