Verzogene Bremsscheiben können beim Motorradfahren zu unangenehmen Vibrationen und einem verminderten Bremsgefühl führen. Dieses Problem kann verschiedene Ursachen haben und erfordert eine sorgfältige Diagnose, um die passende Lösung zu finden.
Mögliche Ursachen für verzogene Bremsscheiben
1. Überhitzung
Eine der Hauptursachen für verzogene Bremsscheiben ist Überhitzung. Die Gusseisenstruktur einer Standard-Bremsscheibe beginnt sich zu verändern, wenn die kritische Temperatur von etwa 650°C erreicht ist. Diese Temperatur wird leicht überschritten, wenn der Fahrer die Scheiben nach wiederholtem plötzlichem Bremsen aus hoher Geschwindigkeit nicht abkühlen lässt.
Bei starkem Bremsen kann die Temperatur der Beläge und Scheiben 500-550°C erreichen. Erreicht die Temperatur den kritischen Punkt von etwa 650°C, verändert die Oberfläche der Scheibe ihre kristalline Struktur und die Gusseisenstruktur wandelt sich in eine viel härtere Form namens Zementit um.
Die Kombination aus weichem Gusseisen und hartem Zementit erzeugt einen Vereisungseffekt. Zementit hat im Vergleich zu Gusseisen einen geringeren Reibungskoeffizienten, so dass der Bremsklotz, der gegen ihn gedrückt wird, relativ zu einem anderen Teil der Scheibenoberfläche rutscht.
Das Ergebnis ist ein ungleichmäßiges Bremsverhalten, das auf dem Pedal deutlich zu spüren ist. Die extreme Überhitzung führt zu einer weiteren Ausbreitung der kristallinen Struktur des Zementits auf der Oberfläche der Bremsscheibe, wodurch sich ihre Struktur verändert.
Die Länge der Risse sollte nicht mehr als 25-30 Millimeter betragen. Je länger der Riss, desto tiefer ist er, was sich auch auf die Scheibengeometrie und den Rundlauf auswirkt.
2. Verschleiß und Mindeststärke
Die empfohlene Mindeststärke der Bremsscheiben beruht auf physikalischen Faktoren. Wenn die Scheibenstärke nicht genügend dick ist, kann die Scheibe die beim Bremsen entstehende Wärme nicht ableiten. Sie kann auch nicht die erforderliche Festigkeit aufrechterhalten.
Die Temperaturen sind deutlich höher als zulässig, und es besteht ein hohes Risiko der Überhitzung und sogar der physischen Zerstörung. Die Lebensdauer einer verschlissenen Bremsscheibe ist geringer als die von neuen Bremsbelägen.
3. Verschmutzung der Nabenoberfläche
Ein weiteres Problem, das oft vergessen wird, ist die Verschmutzung der Nabenoberfläche und der Innenfläche der Bremsscheibe. Eine Rostschicht mag nicht offensichtlich sein, aber nur 2-3 Sandkörner auf der Nabe und schon sind es 0,1-0,15 Millimeter am Außenradius, die zu einem spürbaren Rundlauf führen.
Beim Auswechseln einer Bremsscheibe ist es wichtig, die Oberfläche der Nabe gründlich zu reinigen. Eine kleine Körnung von 0,05 mm reicht aus, um Vibrationen am Lenkrad zu spüren. Bei einem Scheibenbremssystem beträgt das durchschnittliche Spiel zwischen den Oberflächen von Belag und Scheibe etwa 0,1 mm. Ein Körnchen von 0,05 mm an der Nabe ergibt 0,1 mm am Umfang und führt zu einem Kontakt zwischen Belag und Scheibe während der Fahrt.
4. Ungleichmäßigkeiten in der Dicke der Scheibe
Der vierte Grund für den Rundlauf der Bremsscheibe sind Ungleichmäßigkeiten in der Dicke der Scheibe. Der Grund dafür ist die ungleichmäßige Übertragung des Reibmaterials der Beläge auf die Scheibenoberfläche. Dies tritt häufig auf, wenn die Anweisungen zum Einbremsen der Bremsen nicht befolgt werden.
Um zu verstehen, dass die Dicke der Bremsscheibe ungleichmäßig ist, muss man mit einer Bügelmessschraube in 8 Zonen um den Umfang der Scheibe in einem Abstand von 45 Grad an jedem Punkt zu messen. Gemessen wird an der Außenseite, der Mitte und der Innenseite der Scheibe.
Aus allen erhaltenen Werten werden das Minimum und das Maximum ausgewählt, woraufhin die Differenz zwischen ihnen berechnet wird. Betrachten wir die Spanne der Werte zwischen 0,025-0,035 mm. Dies reicht aus, um die Dicke der neuen Scheibe an drei Punkten zu messen und sie dann mit dem in der Montageanleitung für die Scheibe angegebenen Parameter zu vergleichen.
5. Schiefer Sitz zur Nabe
Der Rundlauf der Bremsscheibe kann durch einen schiefen Sitz zur Nabe verursacht werden, was wiederum das Ergebnis einer Verschmutzung der Auflagefläche oder einer Verformung sein kann. Die Verzerrung der Kontaktfläche mit der Nabe wird durch übermäßiges oder unzureichendes Anziehen der Radschrauben oder -muttern sowie durch die Nichteinhaltung des vom Hersteller empfohlenen Anzugsdrehmoments und der Anzugsreihenfolge verursacht.
Weitere Ursachen sind ein zu starkes Anziehen der Radschrauben oder -muttern, mechanische Beanspruchung durch Verschiebung sowie eine unsachgemäße Montage von Bremssattel und Scheibe.
6. Montagefehler
Auch Montagefehler können zu Problemen führen. So kann es vorkommen, dass beim Reifenwechsel die Bremsscheibe verbogen wird, wenn der Reifenhändler nicht aufpasst und die Scheibe gegen die Montiermaschine drückt.
Es ist wichtig, während dem Abdrücken ein großes Gummiklotz oder Holzstück zwischen Felge und Maschine gehalten/gelegt werden, um das zu verhindern.
Lösungsansätze und Überprüfungen
- Überprüfen Sie den Seitenschlag: Mit einem Schraubenzieher oder einer Reißnadel, die an der Gabel in Höhe der Bremsscheibe gehalten wird, kann der Abstand zur Bremsscheibe beobachtet werden.
- Messen Sie den Rundlauf: Gabel voll einschlagen, Rad drehen und mit einer Messuhr und Stativ den Rundlauf prüfen.
- Reinigen Sie die Nabenoberfläche: Beim Auswechseln einer Bremsscheibe ist es wichtig, die Oberfläche der Nabe gründlich zu reinigen.
- Überprüfen Sie die Bremsflüssigkeit: Bremsflüssigkeitsbehälter säubern, Flüssigkeit wechseln.
- Prüfen Sie die Freigängigkeit: Bike vorne aufbocken und Freigängigkeit prüfen.
- Entspannen Sie die Bremsscheibe auf der Felge: Lösen Sie alle Schrauben und ziehen Sie sie danach wieder fest, um zu prüfen, ob das Problem behoben ist.
- Richten Sie die Bremsscheibe: Der Per Nissen richtet auch Bremsscheiben.
- Überprüfen Sie die Bremssättel: Stellen Sie sicher, dass die Bremskolben nicht schwergängig sind und richtig zurückkommen.
Zusätzliche Hinweise
- Halten Sie sich an die Einfahrregeln für die Bremsen - auf den ersten 300 km ist es wichtig, moderat zu bremsen.
- Reinigen Sie die Führungen des Bremssattels. Wenn sie verrostet oder verschmutzt sind, kann sich der Bremssattel eventuell nicht öffnen, und die Bremsbeläge können sich nicht von der Scheibenoberfläche entfernen.
Fallbeispiele und Erfahrungen
Einige Motorradfahrer haben berichtet, dass rubbelnde Scheiben in Verbindung mit ATE Sätteln auftraten, was zu einem Schütteln des gesamten Motorrads bei scharfen Bremsungen führte. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, die Sättel zu überprüfen und gegebenenfalls zu überholen.
Es gab auch Fälle, in denen Bremsscheiben nach dem Wechsel der Bremsbeläge plötzlich verzogen schienen. In solchen Fällen sollte der Händler, der den Wechsel durchgeführt hat, zur Verantwortung gezogen werden, insbesondere wenn die Bremse vorher einwandfrei funktionierte.
Einige Fahrer haben auch festgestellt, dass der Reibwert der Scheiben durch längeres oder zu scharfes Bremsen verändert werden kann, was zu ähnlichen Symptomen führt. In solchen Fällen kann es helfen, die Scheiben wieder "einbremsen", indem man mehrmals scharf von ca. 100 km/h abbremst.
Verwandte Beiträge:
- Shimano Bremsscheibe SM-RT10-S 160mm: Test & Erfahrungsbericht
- Shimano Bremsscheibe 160mm Centerlock: Kaufberatung & Tipps
- MTB Bremsscheiben Drehmoment: Anleitung & Tipps für die korrekte Montage
- Shimano Bremsscheibe wechseln: Anleitung & Tipps für den Austausch
- Shimano Bremssattel richtig einstellen – Schritt-für-Schritt Anleitung für perfekte Bremsleistung!
- Fahrradkettenfett entfernen: Die besten Tricks für strahlend saubere Kleidung!
Kommentar schreiben