Einwandfrei funktionierende Bremsen sind ein wesentliches Sicherheitsmerkmal für jedes Fahrzeug. Bevor es auf die Straße geht, ist es entscheidend, sicherzustellen, dass die Bremsen in einwandfreiem Zustand sind. Der Bremsenservice kann selbst durchgeführt werden, doch muss man dabei sehr genau und gewissenhaft arbeiten. Schließlich sprechen wir hier von sicherheitsrelevanten Komponenten.
Vorbereitung für die Bremsenprüfung
Beginnen wir mit der Vorbereitung deines Motorrads. Stelle es auf einen stabilen Hauptständer oder verwende einen Montageständer, um das Vorderrad zu entlasten. Die richtige Position ist entscheidend für einen reibungslosen Bremsenservice. Nimm den Service auch nur vor, wenn du weißt, dass das Motorrad kalt ist.
Inspektion der Bremsbeläge
Löse die Befestigungsschrauben der Bremssättel und entferne diese zusammen mit den alten Bremsbelägen. Nimm dir Zeit, die alten Beläge auf Verschleiß zu überprüfen. Dazu verfügen die Beläge über Verschleißindikatoren, die klar zeigen, wie viel Leben noch im Belag stecken. Sollten sie abgenutzt sein, ist jetzt der ideale Zeitpunkt, um sie durch neue zu ersetzen. Machst du das nicht, verlierst du nicht nur an Bremsleistung, du kannst auch die Bremsscheiben beschädigen, wenn das blanke Metall der Bremsbeläge an der Bremsscheibe schleifen.
Die Sauberkeit der Bremskomponenten ist entscheidend für deren effektive Funktion. Verwende Bremsenreiniger, um die Bremssättel und den Bremssattelhalter gründlich zu reinigen. Achte darauf, dass keine Verunreinigungen in die empfindlichen Teile gelangen. Willst du auf Nummer sicher gehen, kannst du auch Seifenwasser oder Spülmittel und eine Zahnbürste verwenden. Bremsenreiniger kann nämlich verbaute Dichtungen angreifen, beziehungsweise aufweichen.
Bremsscheiben Inspektion und Messung
Eine genaue Inspektion der Bremsscheiben steht nun an. Suche nach Rissen, Rillen oder ungleichmäßigem Verschleiß. Bei manchen Bikes entsteht am äußeren Rand der Bremsscheibe ein Grat. Eine korrekte Messung mit einem gewöhnlichen Messschieber ist dann nicht mehr möglich. Mit einer Bügelmessschraube lässt sich feststellen, ob die Scheibe noch genügend Restdicke hat.
In jedem Fall wird die Bremsscheibe durch Bremsen nach und nach immer dünner. Ob sie noch dick genug ist, lässt sich leicht feststellen. Normalerweise findet sich irgendwo auf der Bremsscheibe das vom Hersteller vorgeschriebene Mindestmaß für die Dicke. In der Regel sind das zwischen 4 und 4,5 Millimeter. Mit einer Bügelmessschraube lässt sich die tatsächliche Bremsscheibendicke ermitteln. Natürlich gibt es auch spezielle Bremsscheibenmessgeräte - aber ein solches Exemplar wird sich wohl in den wenigsten Hobbyschrauber-Garagen finden lassen. Befindet sich der mit was auch immer ermittelte Ist-Zustand gleichauf mit dem Vermerk auf der Scheibe, sollte man sich natürlich neue Scheiben besorgen.
Sieht die Bremsscheibe gar aus wie eine alte Schallplatte und weist tiefe Riefen auf? Da ist zunächst die Frage, wie tief ist denn tief? Wenn man die Riefen oder ringförmigen Schleifspuren mehr sehen als fühlen kann, ist das in Ordnung. Wenn man aber beim Darüberfahren mit dem Fingernagel richtig hängenbleibt, besteht Handlungsbedarf.
Der Zustand der Bremsscheibe
Manchmal sieht man auch eigenartige Flecken, braun oder blau. Das sind Hitzeflecken, die durch sehr hohe Temperaturen entstehen. Wenn diese sich nicht nach einiger Zeit „wegbremsen“ lassen, kann die Vorderradbremse schon mal rubbeln, entstehen deutliche Vibrationen. Ursache hierfür sind sogenannte Reibwertsprünge zwischen den Reibpartnern Scheibe und Belag aufgrund von Gefügeveränderungen in den Hitzeflecken.
Dieses hochfrequente Rubbeln darf nicht mit dem klassischen Bremsrubbeln verwechselt werden, wie es bei verzogenen Bremsscheiben vorkommt. Hierbei ist der Seitenschlag der Bremsscheibe für ein ungleichmäßiges Bremsen verantwortlich, typischerweise verbunden mit einem pulsierenden Bremshebel. In einem solchen Fall ist die Bremsscheibe Schrott. Bei den eingangs erwähnten Hitzeflecken hilft manchmal das Einsetzen neuer Bremsklötze. Darauf sollten aber erst mal einige vorsichtig und zaghaft gebremsten Kilometer folgen.
Austausch und Montage
Der Einbau neuer Bremsbeläge ist ein Schritt, der Präzision erfordert. Ziehe die Befestigungsschrauben mit dem Drehmomentschlüssel gemäß den Herstellerangaben fest. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kannst du auch Schraubensicherung verwenden.
Die Scheiben sind definitiv hin? Dann muss Ersatz her. Hierbei stehen wir vor der schwierigen Entscheidung, welche Scheibe von welchem Hersteller wir denn nun einbauen sollen. Die originalen gehen immer, sind halt entsprechend teuer. Welches preiswertere Teil ist aber ebenso zu empfehlen? Eines gleich vorweg: Wave-Scheiben stammen aus dem Motocross- und Enduro-Bereich. Dort soll die Sägezahnähnliche Außenkontur den Dreck aus der Bremszange raspeln. Sollte es jemals an unserem Straßenfeger etwas aus den Bremszangen zu raspeln geben, haben wir ganz andere Probleme. Daher sind Wave-Scheiben ein Optik-Gimmick. Auf das Bremsverhalten jedenfalls hat die Außenkontur keinerlei Einfluss.
Eher die Dicke, denn dickere Scheiben erwärmen sich langsamer und gleichmäßiger, sodass sie auch unter extremsten Bedingungen noch einwandfrei und stabil bremsen. Außerdem neigen sie weniger zu Verzug. Als Faustregel gilt: Erfahrungsgemäß geht eigentlich alles außer diesem billigen Noname-Schrott aus dem World Wide Web. Wichtig ist, dass die Bremsbeläge dazu passen, also am besten gleich neue bestellen. Und neue Schrauben, denn nichts ist ärgerlicher, als die Arbeit abbrechen zu müssen, weil man mit den rundgenudelten Dingern nicht mehr weiterkommt! Wir könnten auch flüssige Schraubensicherung gebrauchen, außer die neuen Schrauben sind mikroverkapselt. Dann haben sie eine meist blaue oder grünliche Gummischicht auf dem Gewinde.
Am besten löst man sämtliche Schrauben vor dem Aufbocken des Motorrads. Häufig sind die Schrauben nämlich brutal angeballert und so vermeidet man das Risiko, das Bike von den Böcken zu werfen. Danach wird die Maschine aufgebockt, das Vorderrad kommt raus und auf die Werkbank. Beim Herausdrehen der Bremsscheibenschrauben empfiehlt es sich, nur einwandfreie Inbus- oder Torxstecknüsse zu verwenden. Sind speziell bei Inbusnüssen die Ecken bereits verrundet, werden die Schrauben aus Gründen der Solidarität ebenfalls verrunden.
Sind die neuen Scheiben endlich dran, wird das Rad wieder eingebaut. Dazu folgenden Trick anwenden: die schwimmende Seite der Gabelklemmung (siehe Bildergalerie) zu Beginn nicht anziehen, nachdem die Bremszangen mit dem korrekten Drehmomentwert angezogen und die Bremsbeläge angelegt sind (ein paarmal den Bremshebel durchpumpen).
Das Motorrad komplett abbocken, die Vorderbremse betätigen und ein paarmal so stark wie möglich einfedern! Wozu? Um die Gabel auszurichten. Auf diese Weise ist eine spannungsfreie Montage der Vorderradachse gewährleistet, und es entsteht keine Verspannung in der Gabel, wichtig für ein feines Ansprechverhalten. Danach natürlich die Achsklemmung anziehen. Zum Schluss noch mal den Bremsflüssigkeitsstand im Ausgleichbehälter kontrollieren (siehe PS 08/18) und sicherstellen, dass wir nicht mit unseren Fettfingern auf die Bremsscheibe getappt haben. Schon können wir los auf Probefahrt, aber zunächst etwas sachte an die Sache rantasten, denn neue Bremsscheiben und Beläge brauchen etliche Kilometer, bis sie wirklich kraftvoll zubeißen.
Bremsflüssigkeit prüfen und entlüften
Kommen wir zum Herzstück des Bremssystems - der Bremsflüssigkeit. Entlüfte die Bremsen, um Luftblasen zu entfernen. Fülle den Bremsflüssigkeitsbehälter mit frischer Flüssigkeit und pumpe die Bremsen, um die neue Flüssigkeit durch das gesamte System zu leiten. Das ist jedoch ein heikler Schritt und muss wirklich präzise durchgeführt werden.
Die Füllmenge sollte zwischen Minimum und Maximum liegen, beträgt sie weniger als das Minimum, sollte die gesamte Bremsanlage kontrolliert werden.
Abschließende Überprüfung
Nachdem alles wieder zusammengebaut ist, ist es Zeit für die abschließende Überprüfung. Teste den Bremshebel bzw. das Bremspedal auf einen festen Widerstand. Führe vorsichtige Bremsmanöver auf einem sicheren Gelände durch, um sicherzustellen, dass die Bremsen ordnungsgemäß funktionieren. Gehe sicher, dass alle Schrauben und Muttern gemäß den Herstellerangaben angezogen sind.
Mit einem regelmäßigen Bremsenservice legst du den Grundstein für sicheres Fahrvergnügen. Befolge diesen Leitfaden sorgfältig, um deine Motorradbremsen optimal zu warten und die kommende Saison mit Vertrauen und Sicherheit zu genießen. Bei Unsicherheiten zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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