Beim Motorradfahren, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten, ist der Bremsweg ein entscheidender Faktor für die Sicherheit. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Bremswegs bei Motorrädern, insbesondere bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h, und vergleicht ihn mit dem Bremsweg von Autos.
Grundlagen des Bremswegs
Der Bremsweg ist die Strecke, die ein Fahrzeug ab dem Betätigen der Bremse bis zum Stillstand zurücklegt. Es ist wichtig, den Bremsweg zu kennen, um die notwendigen Sicherheitsabstände einzuhalten und Unfälle zu vermeiden. Der Bremsweg ist nicht der Anhalteweg. Der Anhalteweg setzt sich aus dem Reaktionsweg und dem Bremsweg zusammen.
Die Zeit zwischen dem Erkennen einer Gefahr und dem Einsetzen der vollen Bremswirkung bezeichnet man als Verlust - Grundzeit. Diese ist abhängig von der Reaktionszeit des Fahrers (ca. 0,5 Sekunden) und der Ansprechzeit der Bremskraft, bis diese ihre endgültige Größe erreicht.
Die Faustformel für den Reaktionsweg ist (Geschwindigkeit : 10) x 3 und ergibt den zurückgelegten Weg in Metern innerhalb einer Sekunde.
Einflussfaktoren auf den Bremsweg
Zahlreiche Faktoren beeinflussen den Bremsweg eines Motorrads. Zu den wichtigsten gehören:
- Geschwindigkeit: Je höher die Geschwindigkeit, desto länger der Bremsweg. Aus 300 km/h ist der Bremsweg bei gleicher Verzögerung demnach neun, aus 200 km/h vier mal länger als aus 100 km/h.
- Bremsanlage: Der Zustand der Bremsen (Bremsbeläge, Bremsscheiben) und das Vorhandensein von Antiblockiersystemen (ABS) spielen eine entscheidende Rolle.
- Reifen: Der Zustand und die Art der Reifen beeinflussen die Haftung auf der Fahrbahn.
- Straßenverhältnisse: Nasse, verschmutzte oder vereiste Straßen verlängern den Bremsweg erheblich.
- Gewicht: Das Gewicht des Motorrads und des Fahrers beeinflusst die Bremsleistung.
Bremsweg im Vergleich: Motorrad vs. Auto
Theoretisch sollten die Bremswerte ähnlich sein, allerdings schaffen es beim Motorrad vermutlich 98% der Fahrer nie auch nur annährend an die maximale Verzögerung ran, so dass Autos in der Praxis immer schneller stehen werden.
Im Allgemeinen erreichen Pkw und SUV die besten Verzögerungen, was vorrangig an den technisch weit entwickelten Fahrwerken, Bremsen und Reifen liegt. Pkw und teilweise auch SUV bieten mit ihren Grundauslegungen bzw. -konzepten und Geometrien die besten Voraussetzungen für kurze Bremswege.
Für Motorräder ergibt sich durch ihr ungünstiges Verhältnis zwischen Radstand und Schwerpunkthöhe eine obere Grenze, die nicht von der Leistung der Bremsen oder Reifen beeinflusst wird. Es besteht die Gefahr instabiler Fahrzustände bis hin zum Überschlag.
Praktische Aspekte und Tipps
Um den Bremsweg zu verkürzen und die Sicherheit zu erhöhen, sollten Motorradfahrer folgende Punkte beachten:
- Regelmäßige Wartung: Die Bremsanlage sollte regelmäßig überprüft und gewartet werden.
- Reifen: Die Reifen sollten in gutem Zustand sein und den richtigen Luftdruck haben.
- Fahrweise: Die Geschwindigkeit sollte den Straßenverhältnissen angepasst werden.
- Sicherheitsabstand: Ein ausreichender Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ist essenziell.
Dabei gilt als Richtwert: Abstand mindestens halber Tachowert in Metern.
Bei Motorrädern helfen Assistenzsysteme wie ABS und Hinterrad-Abhebe-Kontrolle (Rear Wheel Lift-Off Protection).
Bremsweg berechnen
Zur Ermittlung des Bremswegs von Fahrzeugen gibt es eine Formel, die auf Grundlage der Geschwindigkeit in Stundenkilometern km/h einen ungefähren Wert in Metern liefert. Demnach können Sie den Bremsweg (BW) unter durchschnittlichen Bedingungen anhand folgender Formel schätzen:
Geschwindigkeit : 10 x 2 = BW
Bei einer Vollbremsung wird der Wert noch einmal halbiert.
Für Motorräder passt die Formel allerdings nur bedingt, da bei Krafträdern grundsätzlich ein längerer Bremsweg als bei Pkw einkalkuliert werden muss. Daher wird meist ein mathematischer Verzögerungswert von 10 m/s2 angenommen, den etwa Bremsweg-Rechner bei Motorrädern berücksichtigen.
ADAC-Test: Bremswege verschiedener Fahrzeuge
Im Jahr 2015 testete der ADAC die Bremsleistung unterschiedlicher Fahrzeugklassen, darunter auch Motorräder, Lastkraftwagen und Wohnmobile. Getestet wurde der benötigte Bremsweg bei Gefahrenbremsung jeweils unter Idealbedingungen bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von 80 km/h.
Die Ergebnisse zeigten:
- Der Pkw hat den kürzesten, der Lkw den längsten Bremsweg.
- Das Gespann und das Motorrad lagen bei den Bremswegen mit 25,2 Meter bzw. 25,3 Meter in etwa gleich auf.
Testergebnisse im Überblick:
| Fahrzeug | Zul. Gesamtmasse (in kg) | Reifengröße | Reifenmodell |
|---|---|---|---|
| VW Golf | 1860 | 225/45 R17 91W | Dunlop Sport Maxx RT |
| BMW X3 | 2365 | 245/50 R18 100Y | Pirelli P Zero Run Flat |
| Gespann: BMW X3 mit Hymer Carado C164L | 3415 | BMW: 245/50 R18 100Y; Hymer: 185/70 R13 | Pirelli P Zero Run Flat; Uniroyal Rainexpert 3 |
| BMW 1200GS | 450 | Vorne: 120/70 R19; Hinten: 170/70 R17 | Michelin Anakee III |
| Mercedes Sprinter | 3500 | 235/65 R16C 118/116R | Continental Vanco Eco |
| Dethleffs Globebus T4 | 3499 | 215/70 R15 CP | Michelin Agilis Camping |
| DAF XF 460 FT | 40.000 | 315/70 R22.5 | Goodyear Fuelmax |
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