Der Bremsweg beim Motorrad: Eine Tabelle und wichtige Fakten

Der Bremsweg spielt im Straßenverkehr eine wichtige Rolle, da Unfälle vermieden werden können, wenn ausreichend Platz zum Bremsen vorhanden ist. Als Bremsweg wird die Wegstrecke definiert, die vom Augenblick des Einleitens der Bremsung bis zum Stillstand des Fahrzeugs zurückgelegt wird.

Zum Bremsweg muss noch der Reaktionsweg addiert werden, dies ist der Weg, der bis zum Beginn der Bremsung zurückgelegt wird. Der Anhalteweg addiert sich aus Bremsweg und Reaktionsweg und ist stets größer als der reine Bremsweg. Umgangssprachlich werden Bremsweg und Anhalteweg oft als Synonym genutzt.

Im Grunde genommen ist daher der Anhalteweg der wichtigste Wert bei der Bestimmung von Sicherheitsabständen und zur Vermeidung von Unfällen. Der Bremsweg ist deshalb von Bedeutung, weil er auch als Maßgabe für die mindestens einzuhaltenden Abstände zwischen den Fahrzeugen dient. Doch welchen Abstand genau müssen Sie bei welcher Geschwindigkeit einhalten? Unterscheidet sich der Bremsweg bei Auto, Pkw, Motorrad und Co.?

Faktoren, die den Bremsweg beeinflussen

Wie lang der Bremsweg im Einzelfall wirklich ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen zum Beispiel die Leistungsfähigkeit der Bremsen, der Zustand der Reifen und die Kraft und Schnelligkeit, mit der auf die Bremse getreten wird. Darüber hinaus spielen der Fahrbahnbelag, die Witterung und nicht zuletzt sind auch der Steigungs- oder Gefällegrad eine Rolle.

Der Bremsweg ist vor allem abhängig von der Geschwindigkeit und von der Kraft und Schnelligkeit, mit der die Bremse betätigt wird. Daneben spielen noch weitere technische Faktoren sowie der Fahrbahnbelag und die Witterung eine Rolle. Daher fällt der tatsächliche Bremsweg durchaus unterschiedlich aus, bei unterschiedlichen Bedingungen.

Wichtig für den Bremsvorgang ist nicht nur die Reibung zwischen Bremsscheiben und Bereifung, sondern vor allem die Reibhaftung zwischen Reifen und Straße. Je größer der Reibungswiderstand ist, desto kürzer ist der Bremsweg. Durch Eisglätte, Schnee, Rollsplitt, Wasser usw. wird der Bremsweg verlängert. Außerdem hat auch die Anzahl der Reifen einen Einfluss auf den Bremsweg. Je mehr Reifen mit der Straße in Verbindung sind, desto größer ist die Haftreibung insgesamt. Einspurige Kfz wie Motorräder haben hier eine geringere Haftfläche als Pkw.

Der Bremsweg wächst nicht linear, sondern im Quadrat (exponentiell) zur Geschwindigkeit! So wird der Bremsweg bei doppelter Entfernung nicht doppelt, sondern viermal so lang.

Besondere Situationen

  • Nässe: Der Bremsweg verlängert sich bei Nässe, so sind es erfahrungsgemäß auf schmierigen oder nassen Fahrbahnen statt 12 Metern Bremsweg bei 50 km/h eher 20 Meter Bremsweg, dazu kommt noch der Reaktionsweg.
  • Schnee: Falls die Fahrbahn schneebedeckt ist, verlängert sich der Bremsweg enorm. Die genaue Länge des Weges bis zum Stillstand kann dabei stark variieren, je nach Art des Schneebelags.
  • Eis: Auf Eis zu bremsen, kann schon bei 50 km/h mehr als 90 Meter statt der üblichen 12 Meter benötigen. Fahren Sie daher bei Eisglätte unbedingt besonders vorsichtig und langsam.

Die Bremsweg-Formel

Die Formel für die Bremsweg-Berechnung lautet wie folgt:

  1. (Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10) = normaler Bremsweg in Metern
  2. Normaler Bremsweg : 2 = Bremsweg bei Gefahrenbremsung in Metern

Das geschwungene Gleichheitszeichen verweist darauf, dass es sich bei dem Rechenergebnis nur um einen Näherungswert handelt. Mit den hier genannten Formeln lässt sich nun der Bremsweg berechnen.

Wenn in einer 30er Zone also plötzlich ein Kind vor Ihrem Auto auftaucht, das sich zwischen den parkenden Autos auf die Straße begibt, müssen Sie im Falle einer Vollbremsung ungefähr mit einem Bremsweg von 4,5 Metern rechnen. Bei 60 km/h ist der berechnete Bremsweg viermal länger. Das bedeutet: Die verdoppelte gefahrene Geschwindigkeit verdoppelt den Bremsweg nicht einfach, sondern sie vervierfacht ihn.

Bremsweg Tabelle

Eine tabellarische Übersicht zu den Bremswegen (bei normaler und Gefahrenbremsung) finden Sie in dieser Bremswegtabelle.

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft den Bremsweg bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bremsarten:

Geschwindigkeit (km/h)Normaler Bremsweg (m)Bremsweg bei Gefahrenbremsung (m)
3094,5
502512,5
10010050

Der Bremsweg beim Motorrad

Der Bremsweg ist beim Motorrad gegenüber dem Auto länger. Die motorisierten Zweiräder verfügen zwar über ein geringeres Gewicht als Pkw, aber sie besitzen auch nur zwei Reifen und zumeist nicht ganz so leistungsstarke Bremsen.

Auch mit dem Motorrad kann eine Gefahrenbremsung notwendig werden. Hierbei sind allerdings im Vergleich zur Notbremsung mit dem Pkw noch einige Besonderheiten zu beachten. Ein Motorrad hat im Vergleich zum Pkw nämlich zwei Bremsen - für Vorder- und Hinterrad. Bei einer Gefahrenbremsung müssen beide gleichzeitig betätigt werden. Auch die Kupplung nimmt eine wichtige Rolle ein. Dabei spielt die Vorderradbremse eine wichtigere Rolle. Sie muss stärker betätigt werden, da sich das Gewicht bei einer Gefahrenbremsung nach vorne verlagert. Dies könnte dazu führen, dass die Räder blockieren. Dadurch kann es zum Sturz kommen, der gerade bei hohen Geschwindigkeiten schwerwiegende Konsequenzen für den Motorradfahrer haben kann.

Tipps zur Verkürzung des Bremswegs

Sie können selbst einiges tun, um Ihre Reaktionszeit zu verkürzen. Üben Sie dazu zum Beispiel zwischendurch auf sicheren Parkplätzen oder Verkehrsübungsplätzen gezielt Vollbremsungen, damit Sie bei Bedarf keine Angst vor einer Notfallbremsung haben.

Sehr wichtig ist es in diesem Zusammenhang auch, sich beim Fahren nicht ablenken zu lassen, zum Beispiel durch Handy, im Handschuhfach nachschauen oder im Radio einen neuen Sender suchen. Lassen Sie die sicherheitsrelevanten Teile Ihres Fahrzeugs regelmäßig prüfen. Dabei sollten abgenutzte Bremsbeläge oder -scheiben ausgetauscht und defekte oder undichte Bremssysteme unbedingt instand gesetzt werden.

Halten Sie darüber hinaus ständig einen ausreichenden Sicherheitsabstand. Im Stadtverkehr sollte dieser drei Autolängen (ca. 15 Meter) betragen. Auf Autobahnen und Landstraßen können Sie den “halben Tachowert” als Richtwert nutzen. So ist es zum Beispiel ratsam, bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h ca. 60 Meter Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einzuhalten, bei 180 km/h sollten es dann ca. 90 Meter Abstand sein. Verdoppelt werden sollten diese Abstände bei Regen, eingeschränkter Sicht oder schlechten Straßenverhältnissen.

Gefahrenbremsung

Falls der/die Fahrer:in eine Vollbremsung durchführt und schnell und kräftig auf die Bremse tritt, kann dies den Bremsweg halbieren! Dies wird auch als Gefahrenbremsung bezeichnet. So kann der Bremsweg zum Beispiel bei einer solchen Notbremsung bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h auf ca.

Für eine effektive Gefahren­bremsung muss der Bremsdruck so schnell und stark wie möglich erhöht werden. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h beträgt der Bremsweg somit 50 Meter.

Alltäglich werden Sie die Gefahrenbremsung nicht nutzen. Sie soll, wie der Name bereits verrät, nur genutzt werden, wenn unmittelbare Gefahr besteht. Für einen ganz normalen Bremsvorgang, wenn Sie zum Beispiel an einer roten Ampel zum Stehen kommen müssen, ist die Gefahrenbremsung nicht vonnöten.

Damit betroffene Verkehrsteilnehmer im Ernstfall angemessen reagieren können, wird die Gefahrenbremsung in der Fahrschule geübt. Zunächst muss der Fahrschüler geradeausfahren und das Fahrzeug auf eine vorab vorgegebene Geschwindigkeit beschleunigen. Um den Bremsvorgang zu vollziehen, müssen Sie Kupplung und Bremse voll durchtreten. Dies ist der schnellste Weg, das Fahrzeug zum Stillstand zu bringen.

Auch bei der praktischen Fahrprüfung kann ein Gefahrenbremsung gefordert werden. Wird die Gefahrenbremsung bei der praktischen Fahrprüfung nicht richtig ausgeführt und säuft etwa der Motor ab, so gilt die Prüfung in aller Regel als nicht bestanden.

Mindestabstände

Mindestabstand innerhalb von Städten und geschlossener Ortschaft: Der Mindest­abstand entspricht der Länge die innerhalb von einer Sekunde zurückgelegt werden kann. Das sind ca. 3 Autolängen (ca.

Mindestabstand außerhalb von geschlossenen Ortschaften und auf der Autobahn: Hier sollte der Mindestabstand den Weg betragen, der innerhalb von 2 Sekunden zurückgelegt werden kann. Als Orientierung dient hier die „halber Tacho Regel“. Der Abstand zum vorne fahrenden Auto sollte die Hälfte der aktuellen Geschwindigkeit in Metern betragen.

Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h liegt der Reaktionsweg schon bei zirka 30 Metern. Bei höheren Geschwindigkeiten genügt der Mindestabstand schon nicht mehr aus, um zumindest den Bremsweg bei Gefahrenbremsung abzudecken. Bei Tempo 200 wird dies besonders deutlich: Die zurückgelegte Strecke bei einer Vollbremsung entspräche hier schon in etwa dem auf dem Tacho angezeigten Wert.

Fazit: Den Bremsweg mit der Faustregel für die Ermittlung des Mindestabstandes auszurechnen, führt zu falschen Ergebnissen.

Weitere Einflussfaktoren

  • Fahrzeugtyp und Gewicht: Ein LKW benötigt eine längere Strecke für die Bremsung als ein PKW.
  • Zustand des Fahrzeuges: Reifenprofil, Bremsflüssigkeit, Bremsleistung.
  • Fahrbahnzustand: Trocken, nass, verschneit oder vereist.
  • Beladung des Fahrzeuges: Eine ungesicherte Ladung kann fatale Auswirkungen haben.

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