Fahrradkette E-Bike Test: Alles, was Sie wissen müssen

Die Fahrradkette ist eine zentrale Komponente des Antriebs. Sie verbindet das vordere Kettenblatt mit den hinteren Ritzeln und überträgt die Kraft, die du in die Pedale trittst, auf das Hinterrad, was wiederum das Fahrrad in Bewegung setzt. Damit Biken Spaß macht, muss die Kette einen flüssigen Tritt ermöglichen und zuverlässig in den gewünschten Gang springen.

Grundlagen der Fahrradkette

Ohne Fahrradkette läuft im wahrsten Sinne des Wortes nichts an deinem Bike. Daher sollte sie dir für lang anhaltenden Fahrspaß am Herzen liegen. Eine gut gepflegte und korrekt gespannte Kette sorgt für reibungslosen Lauf und eine längere Lebensdauer, während eine verschlissene Kette den Verschleiß der Zahnkränze beschleunigen kann.

Die Kette ist ein zentrales Bauteil des Fahrrads und hat die Hauptaufgabe, die Kraft, welche beim Treten des Pedals entsteht, auf die Hinterachse weiterzugeben. Das größere Zahnrad, in welches die Kettenglieder greifen, wirkt auf das kleinere hintere Ritzel. So wird das Rad angetrieben.

Aufbau und Breite der Kette

Den Aufbau einer Kette erkennt man im Regelfall an den Zollangaben ("Zahl x Zahl"), wobei sich das erste Maß auf den fast immer identischen Abstand zwischen den Gelenken (1/2 '') und das zweite auf den Abstand zwischen den Innenlaschen, also die Breite bezieht. Typische Werte sind hier etwa 1/8'', 3/32'' oder 5/64''.

Generell sollte die Kette tendenziell umso dünner sein, je mehr Ritzel verbaut sind. Umgekehrt sind breitere Ketten für kleinere Ritzelpakete in aller Regel besser geeignet. Schmalere Ketten sind häufig schaltfreudiger, gleichzeitig jedoch anfälliger für Verschleißerscheinungen. Man sollte deshalb Wert auf gründliche Pflege legen.

Verschleiß und Pflege

Durch Reibung wird Material abgetragen. Mit ein bisschen Zuwendung, vor allem regelmäßiger Schmierung, verrichtet die Kette ihre Arbeit in der Regel unauffällig. Man bekommt dabei kaum mit, dass sich der Gliederstrang langsam, aber sicher längt. Dies geschieht, weil beim Ein- und Ausschwenken der Kette in die Zahnräder Reibung zwischen den Bolzen der Kette und den Kettenlaschen auftritt und Material abgetragen wird.

An diesen kleinen Gleitlagern nagt der Zahn der Zeit. Besonders dann, wenn das Rad im Alltagsbetrieb bei jedem Wetter oder im Gelände bewegt wird und Dreck in die Gelenke dringt. Radeln mit Motor fördert den Verschleiß ebenfalls, denn E-Bikes bringen mehr Power auf die Kette als die Waden.

Die angeschlissene Kette ändert ihre sogenannte Teilung. Die Abstände von Bolzen zu Bolzen, im Neuzustand gleichmäßig, ändern sich zu kurz- lang-kurz. Das wiederum stresst die Ritzel und Kettenblätter und sorgt auch dort für verstärkten Verschleiß. Heimtückisch: Davon spürt man zunächst nichts.

Eine gelängte Kette verändert die Zahnprofile aber so, dass eine neue Kette darauf irgendwann nicht mehr läuft. Dann wird der Service teuer, weil neben der Kette auch Kettenblatt (vorn) und Ritzel (hinten) ausgetauscht werden müssen. Bei hochwertigen Rädern empfiehlt es sich daher, die Kette rechtzeitig zu wechseln, dann halten die Zahnräder zwei bis vier Ketten lang.

Die absoluten Kilometerleistungen können dabei gewaltig schwanken. Ein sportlich betriebenes E-Bike kann eine Kette auf 1000 Kilometer hinrichten. Am gepflegten Schönwetterrad hält die gleiche Kette auch 7000 Kilometer und mehr.

Die richtige Pflege

Überhaupt ist die Pflege überaus wichtig. Wird sie vernachlässigt, leiden darunter die Funktionsfähigkeit und die Lebensdauer der Kette. Im Idealfall trägt man an der Innenseite regelmäßig etwas Öl auf, wobei hier etwas Vorsicht angesagt ist.

Denn: Überschüssiges Öl bindet Staub und Dreck und lässt nach einer gewissen Zeit kleine Klümpchen entstehen, die kaum noch zu entfernen sind. Die Kette sollte deshalb nur mit einem leichten Film überzogen sein. Bewährt haben sich etwa Trockenschmierstoffe auf Wachsbasis. Sie sind schmutzabweisend, bleiben allerdings nur dann wirklich haften, wenn die Kette richtig sauber ist. Zudem werden sie bei Regen relativ schnell ausgewaschen.

Klassische Öle und Nassschmierstoffe indes haben dieses Problem nicht, dafür ziehen sie meist mehr Schmutz an.

E-Bike Ketten im Test

Sollte man am E-Bike also besondere Ketten mit dem Zusatz „E“ verwenden? Und lohnt es sich, etwas tiefer in die Tasche zu greifen und die Top-Modelle zu kaufen? Der Test auf dem Prüfstand fördert erhebliche Unterschiede im Verschleißverhalten zutage. Während manche Exemplare nach dem Testmarathon noch nicht austauschpflichtig wären, sind andere schon extrem gelängt.

Auffällig ist, dass zwei ausgewiesene E-Bike-Ketten im Test - von KMC und von Miché - besonders schlecht abschneiden. Extrem haltbar sind hingegen alle Shimano-Ketten, auch die ganz günstigen, sowie die KMC X10. Auch die Wippermann-Ketten zeigen eine ordentliche Performance, fallen aber durch stärkeren Rollenverschleiß auf. Die teurere Edelstahlkette längt sich dabei etwas weniger als die einfacheren Modelle. Auch bei SRAM ist die teurere PC 1071 deutlich haltbarer als die billige PC 1031.

Unterm Strich lernen wir, dass das Attribut „E-Bike-tauglich“ keine Qualitätsaussage ist. Auch der Preis gibt nur bedingt Auskunft über die Qualität einer Kette. Durch die Bank glänzend sind die Ergebnisse der Shimano-Ketten. Auch die günstigste, die HG 54, schneidet sehr gut ab. Punktabzug gibt es nur durch das umständliche Handling mit dem Verschlussbolzen. Den Testsieg holt sich KMC mit der günstigen X10, die mit einem Kettenschloss montiert wird.

Die schlechtesten Fahrradketten im Test verschlissen siebenmal schneller als die Top-Modelle. Wie lange Ketten insgesamt halten, hängt auch von der Pflege ab. Regelmäßig gereinigte und geölte Ketten halten deutlich länger als verschmutzte.

Testverfahren

Den Verschleiß der Ketten haben wir auf einer Prüfmaschine bestimmt. Dazu wurden je sieben Kettenabschnitte zu einer Prüfkette zusammengesetzt, die auf dem Prüfstand verspannt wurde. 80 Stunden lang wurde die Kette mit 300 N Spannung und 75 U/min bewegt. Weitere 30 Stunden mit einer auf 750 N erhöhten Last, wie sie fürs E-Biken repräsentativer ist. Alle 20 Stunden wurde feiner, aggressiver Quarzsand auf die Kette gerieselt, die mit einfachem Motoröl geschmiert wurde.

Am Ende jedes Zyklus wurde die Längung der Gelenke mit Messschiebern unter Vorlast ermittelt. Zusätzlich haben wir den Rollenverschleiß erfasst und mit einer Kettenmesslehre überprüft, ob ein Austausch anstünde. Ein Referenzkettenabschnitt wurde in beiden Prüfketten verwendet.

Ketten unter 0,02 Millimeter Längung pro Gelenk sind nach der Prüfung mit Kettenlehre, die auch den Rollenverschleiß erfasst, noch nicht austauschpflichtig.

Testergebnisse im Überblick

Nachfolgend finden Sie die Testergebnisse zu den 13 Fahrradketten im MYBIKE-Verschleißtest:

Kette Preis Gewicht Verschleiß (mm) Testurteil
KMC E10 52,95 Euro 285 Gramm 0,078 BEFRIEDIGEND
KMC X10 33,90 Euro 264 Gramm 0,017 SEHR GUT (Testsieger 3/2019)
KMC X10 EL Gold 54,90 Euro 259 Gramm 0,054 GUT
Miché E-Bike 48,38 Euro 337 Gramm 0,111 AUSREICHEND
Miché 10 Speed 36,50 Euro 279 Gramm 0,035 GUT
Shimano CNE 6090 42,95 Euro 303 Gramm 0,017 SEHR GUT
Shimano Deore HG 54 29,95 Euro 276 Gramm 0,016 SEHR GUT
Shimano HG 95 32,95 Euro 277 Gramm 0,016 SEHR GUT
SRAM PC 1031 22,00 Euro 272 Gramm 0,102 AUSREICHEND
SRAM PC 1071 48,90 Euro 260 Gramm 0,026 SEHR GUT
Wippermann 10 S1 67,50 Euro 256 Gramm 0,023 SEHR GUT
Wippermann 10 SE 57,90 Euro 286 Gramm 0,024 SEHR GUT
Wippermann 10 SO 34,90 Euro 264 Gramm 0,028 SEHR GUT

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