BSA, kurz für Birmingham Small Arms Company, ist eine traditionsreiche britische Marke, die vor allem durch ihre Motorräder bekannt wurde. Seit 1861 sind BSA und Birmingham verbunden. Damals wurde die Firma als Birmingham Small Arms gegründet. Heute gehört die alte englische Marke BSA zur Classic-Legends-Abteilung des großen indischen Mahindra-Konzerns.
Die Rückkehr einer Ikone: BSA Gold Star
Mit der BSA Gold Star kehrt eine Ikone britischen Motorradbaus zurück. Der BSA-Neustart geht auf die indische Firma Classic Legends zurück, die sich auf die Wiederbelebung klassischer Marken spezialisiert hat. Dahinter stehen zwei Privatinvestoren und der indische Mahindra-Konzern. Das Unternehmen hat bereits 2018 die Marke Jawa mit einer klassisch gezeichneten 350er neu aufleben lassen, jetzt folgt der bedeutendste Schritt mit der Gold Star, einer echten Ikone.
Das authentisch gestaltete Naked Bike im Retrostil hat allerdings nicht nur gute Seiten. Mit der neuen Gold Star ist es der reanimierten Marke BSA gelungen, ein authentisches Bike zu bauen, das an die glorreiche Zeit des britischen Motorradbaus anknüpft. Die Macher haben sich ein Original aus dem Museum geborgt und die Retromaschine so nah wie möglich daran designt. So gibt es ein nahezu 1:1 nachgeformtes Motorgehäuse und eine Vergaserattrappe, selbst die Königswellenabdeckung ist zu erkennen.
Technische Details und Fahreigenschaften der Gold Star
Mit 45 PS und 55 Newtonmetern steht der Single ausreichend gut im Futter, konsequent haben die Macher in Indien auf einen sechsten Gang verzichtet. Dafür verfügt er dank Anpassung an geltende Abgas- und Geräuschvorschriften über deutlich bessere Manieren als das Ausgangsaggregat. Unten herum zickt der Single kaum noch, ab 3000 Umdrehungen gibt‘s gleichförmigen Schub bis zum flachen Drehmomentgipfel bei 4000 Touren. Für ein Retroaggregat hängt er untypisch bissig am Gas, trotz Ausgleichswelle zeigt er sich ab 5000 Touren recht vibrationsanfällig.
Auf der klassisch durchgehenden Sitzbank mit dem Soziushaltegurt alter Schule herrscht reichlich Bewegungsspielraum für ein nostalgisch anmutendes Ambiente - aufrecht dirigiert der britische Herrenreiter seine BSA mit lässigen Kniewinkeln von Café zu Café. Traditionalisten freuen sich über das typische 18-Zoll-Vorderrad, das die Reifenwahl einschränkt, der BSA aber ein gereiftes Fahrverhalten beschert. Stilsicher umrundet die Gold Star die Kurven in unaufgeregter Manier. Hektik und Handlichkeit finden sich woanders.
Nostalgie herrscht auch beim Verzögern. Die Stopper steuert zwar Brembo bei, ihr Zugriff weckt jedoch Erinnerungen an die selige Trommelbremsenzeit. Dennoch taucht die 41-Millimeter-Gabel recht tief ein und verwindet sich spürbar. Das dürfte echte Retrofans indes kaum beeindrucken. Eher schon die derben Tritte, die auf wenig makellosem Geläuf von hinten kommen. Fast überflüssig wirken die im Lampentopf untergebrachten Kontrollleuchten, weil man sie bei Sonne nicht sieht. Konsequenterweise sucht man einstellbare Handhebel natürlich vergeblich. Ein echter Störenfried ist aber der linksseitig am Kupplungshebel angeflanschte serienmäßige Kasten mit einem USB-A- und USB-C-Anschluss.
Fahrleistungen und Verbrauch:
- Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h
- Verbrauch: 4,0 l/100 km
Fahrwerk:
- Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
- 41 mm Telegabel vorne, nicht einstellbar, 120 mm Federweg
- Stahl-Zweiarmschwinge hinten, zwei Federbeine, in der Vorspannung einstellbar, 108 mm Federweg
- Speichenräder
- Reifen: 110/90-18 (vorne) und 150/70 R17 (hinten)
- 320 mm Einscheibenbremse vorne, 255 mm Einscheibenbremse hinten
Maße und Gewichte:
- Radstand: 1425 mm
- Sitzhöhe: 780 mm
- Gewicht fahrfertig: 213 kg
- Tankinhalt: 13 l
Assistenzsysteme:
- ABS, abschaltbar
Preis:
- Ab 7400 Euro
Farbvarianten und Preisgestaltung
Mindestens 7400 Euro müssen Nostalgiker und Einzylinder-Fans investieren. Dafür bekommen sie eine Gold Star in Highland Green, nicht unähnlich dem klassischen British Racing Green. Die weiteren Farbvarianten Midnight Black, Dawn Silver und Insignia Red schlagen mit 7800 Euro zu Buche. Als Topmodell steht die noch mehr Chrom tragende "Legacy Edition" mit acht Tausendern in der Preisliste, bei der drei in Rot statt Schwarz gehaltenen Firmenbuchstaben am Getriebe- und Kupplungsdeckel an die seinerzeit bei Clubrennen erfolgreiche DBD 34 erinnern.
Die Zukunft ist Retro: BSA B65 Scrambler
Auf das Retro-Modell BSA Gold Star folgt die BSA B65 Scrambler - voraussichtlich im Sommer 2025. 2021 wurden die alten Bande nach Birmingham neu geknüpft: mit der Präsentation der neuen BSA Gold Star 650 auf der dortigen Motorrad-Messe Motorcycle Live. Und ein Jahr später, 2022, stand dort zudem eine Scrambler-Variante, zunächst nur als Konzept. Inzwischen ist der BSA-Scrambler serienreif, voraussichtlich im Sommer 2025 soll das neue Retro-Modell in den Handel kommen.
Unter der Modell-Bezeichnung BSA B65 Scrambler ist das neue Retro-Modell mittlerweile offiziell angekündigt. Auf ersten Fotos von der offenbar finalen Serien-Version sind erwartungsgemäß typische Scrambler-Merkmale zu sehen: Drahtspeichenräder mit grobstolligem Profil und abgehobenen Radabdeckungen, Faltenbälge an der Telegabel, Schutzgitter am LED-Rundscheinwerfer und Lenker mit gepolsterter Mittelstrebe. Einen hochgelegten Auspuff hat die BSA B65 Scrambler indes nicht.
Technische Details der BSA B65 Scrambler
Ein wesentlicher Unterschied zum 18-Zoll-Vorderrad der Gold Star ist das 19-Zoll-Vorderrad der neuen BSA B65 Scrambler. Reifenformat: 110/80-19 statt 100/90-18. Am Hinterrad bleibt es bei der Reifengröße 150/70-17, allerdings bekommt der Scrambler adäquate Gummis verpasst: Pirelli Scorpion Rally STR. Mit dem größeren Vorderrad sowie mutmaßlich etwas längeren Federwegen wächst die Sitzhöhe von 780 auf 820 Millimeter und der Radstand von 1.425 auf 1.463 Millimeter. Die beiden Federbeine am Heck sind vorspannbar. Unverändert ist die Bremsanlage mit jeweils einer Scheibenbremse pro Rad, Brembo-Bremszangen und ABS. Mit angeblich 218 Kilogramm Gesamtgewicht inklusive 12 Liter Sprit im Tank ist die neue Scrambler-Variante 5 Kilo schwerer als die Gold Star.
Motor und Leistung der BSA B65 Scrambler
Den äußerlich klassisch anmutenden Antrieb übernimmt die neue BSA B65 Scrambler ohne Änderungen von der Gold Star. Es handelt sich hierbei um einen Viertakt-Einzylinder-Motor mit 652 Kubik und schön inszenierten Kühlrippen - trotz Wasserkühlung. Die Basis-Konstruktion stammt von Rotax/BMW aus den 1990er-Jahren (BMW F 650), mit doppelten obenliegenden Nockenwellen (dohc) und 4 Ventilen. An der Technischen Universität in Graz wurde unter der Leitung von Roland Kirchberger diese neue Motor-Version entwickelt und Euro-5-konform abgestimmt. Nennleistung: 45 PS bei 6.500/min, maximales Drehmoment: 55 Nm bei 4.000/min. Nach wie vor hat das Getriebe 5 Gänge - echt retro und locker ausreichend für bis zu circa 160 km/h.
Farben und Preis der BSA B65 Scrambler
Den ersten Fotos nach stehen zumindest die beiden Farbvarianten Gelb und Weiß zur Auswahl, wenn die neue BSA B65 Scrambler in den Handel kommt - voraussichtlich im Sommer 2025. Preisangaben liegen bislang nicht vor, doch der bisherige Preis der Gold Star ist ein guter Anhaltspunkt: ab 7.499 Euro (in Deutschland).
Historische BSA Modelle: Ein Blick zurück
BSA stellte eine Vielzahl von Motorrädern her, die in unterschiedlichen Kategorien eingeordnet werden können. BSA war in der Scrambler-Kategorie besonders erfolgreich mit Modellen wie der BSA B44 Victor. Im Cruiser-Segment überzeugte BSA mit Modellen wie der BSA A7, die für ihre komfortable und stabile Fahrweise geschätzt wurden. Diese Motorräder konkurrierten direkt mit anderen britischen Marken wie Triumph und Norton, die ähnliche Modelle im Angebot hatten.
BSA war einer der größten Motorradhersteller. Die Modelle "Empire Star" und "Gold Star" trugen dazu bei. Ab 1927 wurde die neue BSA 500 Slopper dem erfolgreichen TT-Rennmotorrad von 1921 nachempfunden. V2-Motoren wurden in England stets groß geschrieben. BSA hatte auch eine Straßensportmaschine im Programm, die es auf beachtliche 40 PS brachte.
Seit 1950 gab es auch bei BSA ein 500er Zweizylinder-Bike, die A7 Star Twin. Maß der Dinge war die Triebwerkskonstruktion. Besonders die BSA 650 A10R Super Rocket von 1962 war "erste Sahne" und verkörperte die "klassische englische Motorradbaukunst".
Die Ära der 650er: A10 und A65
Seit 1950 stand zur 500er auch eine 650er im Programm. Man konnte mit den Verkaufserfolgen der A7 und A10 Modelle zufrieden sein. Auf den Lorbeeren wollte man sich aber nicht ausruhen. Die 650er A10 mit 35 PS war Marktführer. Die Maschinen konnten nicht schnell und stark genug sein für eine neue Motorradgeneration. Die neuen Modelle hatten nun einen formschönen und glattflächigen Blockmotor mit eingegossenem BSA-Logo (drei gekreuzte Gewehre) im Steuerdeckel. Technisch blieb es jedoch beim Alten.
Frühjahr 1962 präsentierte BSA die A65 Star Twin. Die Begeisterung der Motorradfahrer war jedoch alles andere als euphorisch. Zum einen war die Optik sehr gewöhnungsbedürftig. Zum anderen war die A65 kein "echtes" englisches Motorrad mehr. Nach dem ersten Fahreindruck fuhr sie sich wie eine "250er". Sie zeichnete sich aber durch eine ausgewogene Charakteristik aus. Vollnaben-Trommelbremsen ernteten ebenfalls großes Lob. Auch von einem "samtweichen" Motorlauf wurde berichtet, wobei die obligatorischen Vibrationen natürlich nicht ausblieben.
Von der A65 zur Rocket: Leistung und Innovation
Die A65 Star Twin konnte aber nicht alle Kundenwünsche befriedigen. BSA wollte mit der neuen A65 nicht mehr hinterherstehen. So folgte die A65R "Rocket". Entsprechend kritisch fielen die Tests aus. 1965 hieß es in einem Test, dass die Rocket zur Kategorie der Raketen gehört. Die A65LC Lightning Clubman brachte sogar 51 bhp. Die BSA-Kundschaft musste auch nicht lange auf die A65S Spitfire MkII warten, die von 180 km/h vorstoßen konnte. Durch Motortuning mit Amal Concentric-Vergasern und einer Verdichtung von 10:1 brachte der Power-Twin weiterhin 55 bhp, nun aber bei 7250/min. Die A65SS Spitfire MkIV Special mit einer 8-Zoll-Duplex-Vollnaben-Trommelbremse im Vorderrad verkaufte sich sehr gut.
Die BSA 750 A765R Rocket3: Ein Dreizylinder-Traum
Für eine echte Sensation sorgte BSA 1968 mit der BSA 750 A765R Rocket3. Der Dreizylinder-Motor war bereits zum Erscheinungstermin etwas veraltet, was die Rocket3 zu einem begehrten Sammlerobjekt machte.
BSA Modelle im Überblick
BSA stellte eine Vielzahl von Motorrädern her, die in unterschiedlichen Kategorien eingeordnet werden können. Hier ist eine Übersicht über einige der bekanntesten Modelle:
| Modell | Kategorie | Besonderheiten |
|---|---|---|
| BSA B44 Victor | Scrambler | Besonders erfolgreich in der Scrambler-Kategorie |
| BSA A7 | Cruiser | Komfortable und stabile Fahrweise |
| BSA A7 Star Twin | Zweizylinder | Maß der Dinge in der Triebwerkskonstruktion |
| BSA 650 A10R Super Rocket | Sportmaschine | Verkörperte die klassische englische Motorradbaukunst |
| BSA A65 Star Twin | Twin | Ausgewogene Charakteristik |
| BSA A65R Rocket | Sportmaschine | Bekannt für ihre hohe Leistung |
| BSA A65LC Lightning Clubman | Sportmaschine | 51 bhp Leistung |
| BSA A65S Spitfire MkII | Sportmaschine | Hohe Endgeschwindigkeit |
| BSA 750 A765R Rocket3 | Dreizylinder | Begehrtes Sammlerobjekt |
| BSA Gold Star | Retro | Authentisches Design, moderne Technik |
| BSA B65 Scrambler | Scrambler | Retro-Design, Scrambler-Merkmale |
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