Fahrradschloss-Test: Die besten Bügelschlösser für Ihr E-Bike

Immer mehr Menschen greifen im innerstädtischen Alltag auf das Fahrrad zurück. Schnell, flexibel, kostengünstig: So klingen nur drei von vielen weiteren Vorteilen des Radfahrens in urbanen Gefilden.

Laut dem Online-Portal Statista ist auch die Bereitschaft, etwas tiefer für das neue Lieblingsgefährt in die Tasche zu greifen, im Jahr 2020 stark angestiegen. Waren es 2019 im Schnitt noch 929 Euro, so wurden im vergangenen Jahr für ein neues Rad durchschnittlich 1279 Euro von Endkunden bezahlt.

Pro Stunde werden im Schnitt in Deutschland mehr als 30 Räder laut Kriminalstatistik (2022) gestohlen. Der beste Diebstahlschutz für ein Fahrrad oder E-Bike ist immer noch ein gutes Fahrradschloss.

Safety first! Schützen aktuelle Radschlösser dein heiß geliebtes (E-)Bike wirklich vor Langfingern? Das zeigt unser Fahrradschloss-Test, bei dem nicht nur die Testsieger überzeugen konnten.

Übrigens: Fahrradschlösser gibt es in den verschiedensten Varianten: Bügel-, Falt- und Kettenschlösser. Doch wie sicher sind sind die unterschiedlichen Schlosstypen?

Die besten Bügel-Fahrradschlösser im Test

Diese Modelle haben uns beim Testen am meisten überzeugt:

  • Abus Granit Super Extreme 2500 (🏆 Testsieger Flex-geprüft 2024)
  • Trelock U6/ U6L (🏆 Testsieger 2022 und 2024)
  • Contec Powerloc (💰 Kauftipp 2022 und 2024)
  • Master Lock 8195LW (💰 Kauftipp 2022)
  • Zéfal K-Traz U17 Cable (💰 Kauftipp 2024)

Logisch: Du solltest es einem Dieb möglichst schwer machen, dein verschlossenes Rad zu entwenden. Je belebter der Abstellort, desto eher besteht die Möglichkeit, dass jemand bemerkt, wenn sich ein Dieb am Rad zu schaffen macht.

Der geliebte Drahtesel sollte auf jeden Fall an einen festen Gegenstand angeschlossen werden, wie z. B. idealerweise ein fest verankerter Fahrradständer, ein Laternenpfahl oder ein einbetoniertes, gut dimensioniertes Geländer. Um es dem vermeintlichen Dieb möglichst schwer zu machen, ist es sinnvoll, das Fahrradschloss so weit wie möglich oben zu befestigen, damit der Boden nicht als Widerlager benutzt werden kann.

Oder zumindest solltest du dein Rad so anschließen, dass das Gegenüber möglichst kein Widerlager für einen wohl dimensionierten Bolzenschneider bieten kann. Immer mindestens den Rahmen anschließen, der dann noch idealerweise Hinter- oder Vorderrad einschließt. Der Wert des Schlosses darf gerne bei rund 10 % des Radpreises liegen.

Die Qual der Wahl: Welches Bügelschloss ist das Richtige?

Experten sind sich einig: Bügelschlösser sind am sichersten. Sie bestehen aus einem u-förmigen Stahlbügel, dessen offene Enden in den Verschlussriegel gesteckt werden. Am dicken Stahl kapitulieren selbst Bolzenschneider. Um noch sicherer zu gehen, ist das Schloss im besten Fall außerdem doppelt verriegelt.

Professionelle Diebe nehmen sich in der Regel nicht mehr als drei Minuten Zeit, um ein Schloss zu knacken. Danach wird das Risiko, entdeckt zu werden, immer größer, so die Erfahrungen von ADFC und Polizei. Im Umkehrschluss heißt das: Je sicherer das Schloss, umso höher die Chance, dass das Rad nicht geklaut wird. Gelegenheitsdiebe schrecken vor hochwertigen Schlössern meist sofort zurück - und suchen sich leichtere Beute.

Bügelschlösser aus gehärtetem Stahl genießen den Ruf, am schwersten knackbar zu sein. Weiter empfehlen wir, dass das Rad nicht nur ab-, sondern vor allem auch angesperrt wird: an einen Radständer, einen Lichtmasten, ein Verkehrsschild oder ähnlichem. Der Hintergrund ist klar und macht es potentiellen Langfingern deutlich schwerer: Das Fahrrad kann so angebracht nicht einfach weggetragen werden. Zudem empfehlen sich als Abstellplatz gut einsehbare, helle Plätze. Nachts sollte das Rad immer in einem abgesperrten Raum stehen. Denn unser Härtetest ergab unter dem Strich, dass das Knacken eines Schlosses schlussendlich eine Zeitfrage ist.

Nachts im Dunkeln können Diebe genau diese haben. Natürlich abgesehen vom Lärm, der bei den verschiedenen Knack-Methoden entsteht. Laufräder können beispielsweise mit einem Schlaufenkabel zusätzlich am Rad fixiert werden. Neben zusätzlicher Sicherheit erscheinen Fahrrad und Anbauteile auch insgesamt optisch gesicherter. Gelegenheitsdieben kann das schon viel zu aufwändig erscheinen, ihr Werkzeug zum Knacken der Schlösser anzusetzen.

Wer will, kann sein Rad zudem codieren lassen - etwa bei Polizei, ADFC oder Code-No.com. Schlüsselloses Schließen per Smartphone­-App: Bei Abus kann über die SmartX Keycard das neuste Software-Update aufgespielt werden.

Kabel- oder Rahmenschlösser gelten eher als „Wegfahrsperren“ und stellen daher nicht mehr als eine Ergänzung zu einem wirkungsvollen Schloss dar. Von sämtlichen Fachleuten und Experten empfohlen werden vor allem Bügel- und Faltschlösser. Durch einen hohen Materialeinsatz, geringe bis keine Flexibilität und viel Knowhow bieten sie Schutz auch vor spezialisierten Dieben.

Angenehm ist eine (teilweise) Kostenerstattung, falls das Rad doch geklaut wird: Kryptonite bietet maximal 1000 Euro. Die meisten Hersteller verkaufen ihre Schlösser mit zwei Schlüsseln. In unserem Härtetest legen Hiplok, Kohlburg und Kryptonite je drei, Masterlock vier und XLC sogar fünf Schlüssel bei. Ein Licht am Schlüssel, das in der Dunkelheit das Aufsperren erleichtert, gibt es bei Kryptonite und XLC. Praktisch ist eine Codekarte mit der Schlüsselnummer: So kann der Schlüssel bei Verlust einfach nachbestellt werden. Dies bieten Kohlburg und XLC, bei Kryptonite ist dies online eintragbar. Komplett ohne Schlüssel kommt das Abus 770A SmartX aus, welches per Smartphone-App (QR-Code) auf- und zugesperrt wird.

Auf eine Halterung, um das Bügelschloss am Fahrradrahmen zu befestigen, muss lediglich bei M-Wave und TexLock verzichtet werden. Das Schlüsselloch nicht mit einer Abdeckung vor beispielsweise Regen geschützt haben Lite­lok und M-Wave. Beim Gang auf die Waage erweist sich Kryptonite mit seinem New York Lock als das Schwergewicht (1842 Gramm). Bei den Schließzylindern gibt es fünf Varianten, die unterschiedlich sicher sind: Höchste Sicherheit bieten Drehscheibenzylinder, es folgen Zylinder mit Plättchen und Innenbahnschlüssel, dann Zylinder mit Plättchen und konventionellem Schlüssel. Am wenigsten Sicherheit bieten Tubularzylinder.

Härtetest für Bügelschlösser: So wurde getestet

Bevor sich die elf Schloss-Kandidaten dem Radfahren Härtetest unterziehen, blicken wir ein letztes Mal auf ihren unversehrten Zustand und stellen wenig überrascht fest: Die Farbe Schwarz dominiert. Kryptonite bringt am Bügel etwas Gelb ins Spiel, Abus bietet zusätzlich die Farbe Silber-Blau an. Die Korrosionsfestigkeit wurde in der Salzsprühnebelkammer bei Velotech.de geprüft. Dabei wird der Alltagseinsatz im Zeitraffer simuliert. Alle Schlösser werden dabei 96 Stunden lang korrosivem Salzsprühnebel ausgesetzt. Danach wird die Funktion überprüft.

Auf unserer Werkbank wurden die Bügelschlösser nach der Reihe eingespannt. Es folgten fünf kräftige Schläge auf den Überstand des Schlosses an der Bügelseite sowie weitere fünf auf die Schlossmitte. Ersterem Prozedere hielt das Testfeld im Kollektiv stand. Auch nach dem zweiten nicht aufgebrochen und nahezu unversehrt waren Hiplok, Kryptonite, Masterlock, Trelock und XLC. M-Wave wies starke Deformationen auf, Sekura starke Schäden und TexLock schloss den ersten Härtetest stark verbogen ab. Das Schloss von Kohlburg brach nach dem dritten Schlag auf, Litelok nach dem vierten.

Im nächsten Schritt bediente sich der Tester einer Metallsäge. Als bestanden galt, wenn das Material des Schlosses dem Sägevorgang mindestens drei Minuten standhielt. Die gute Nachricht: Acht von elf waren binnen 180 Sekunden nicht zu knacken.

Zweifellos eines der am häufigsten verwendeten Werkzeuge beim Knacken von Fahrradschlössern ist ein Bolzenschneider. In unserem Härtetest verwendeten wir einen des Herstellers Knipex für harte Materialien bis 48 HRC (Maßeinheit für die Härte technischer Werkstoffe). Auch hier erwies sich das Gros des Testfeldes (7 von 11) als widerstandsfähig und diebstahlsicher. Leichte Oberflächenschäden wiesen Abus, Hiplok, Kohlburg, Masterlock und Trelock auf. Sichtbar verbogen war das Litelok.

Im finalen Testprozedere kam ein elektrischer Winkelschleifer (Flex) zum Einsatz, der mit Verlaub als ungleiche „Waffe“ angesehen werden kann. Diesem standzuhalten kann nicht der Anspruch der Bügelschlösser aus gehärtetem Stahl sein. Folglich war mit diesem Werkzeug auch jedes Testschloss aufzuflexen. Umherfliegende Funken, starker Lärm, die Stromabhängigkeit beziehungsweise die geringere Leistung von Akku-Flexgeräten dürften den Einsatz in der Praxis ohnehin sehr erschweren.

Um unsere zahlreichen und aufwendig ermittelten Testeindrücke sowie -ergebnisse vergleichbar zu machen, orientieren wir uns an einer kleinteiligen Bewertungs-Matrix. Um den Schlosshalter, den Radschutz und das Zubehör zu bewerten, fließen die Meinungen von mehreren Testern ein, um einen allzu subjektiven Eindruck zu vermeiden.

Die Bewertung erfolgt folgendermaßen: Das Gewicht und das Zubehör geht mit fünf, die Korrosion mit zehn und der elektrische Winkelschleifer mit zehn Prozent in die Wertung ein.

Die erfreulichste Erkenntnis unseres Tests: Auch preisgünstige Bügelschlösser können das Rad hervorragend schützen. Das kostengünstigste Schloss (Sekura KB 306) für 17,95 Euro markiert allerdings das Schlusslicht.

Unter dem Strich ist Kryp­tonite mit seinem New York Lock Testsieger, da es Hammer, Säge und Bolzenschneider keine Chance ließ.

Testergebnisse im Überblick

Hier eine Zusammenfassung der getesteten Bügelschlösser und ihrer Testergebnisse:

  • Abus Granit Super Extreme 2500: Sehr gut / Testsieger Flex-geprüft. Klassische Aufbruchmethoden waren wirkungslos.
  • Trelock U6/ U6L: Überragend / Testsieg 2022 & 2024. Der Stahl des U6 konnte mit keiner Aufbruchmethode zerstört werden.
  • Contec Powerloc: Sehr gut / Kauftipp 2022 & 2024. Auch der Aufbruchschutz überzeugt.
  • Master Lock 8195LW: Sehr gut/ Kauftipp 2022. In Sachen Schutz gehört es trotz seines günstigen Preises zu den besten Modellen im Test.
  • Zéfal K-Traz U17 Cable: Sehr gut / Kauftipp 2024. Ausstattungsseitig hat es einiges zu bieten.
  • Hiplok D1000: Sehr gut. Tatsächlich konnte es im Zeitlimit auch mit der „Flex“ nicht geknackt werden.
  • Litelok X3: Eines der sichersten Schlösser in unserem Test - unabhängig der Kategorie.

Das richtige Schloss finden

Ein gutes und qualitativ hochwertiges Fahrradschloss sollte mehrere Merkmale erfüllen. Sicherheit steht dabei natürlich an oberster Stelle. Neben der Sicherheit sollte auch das Thema Gewicht und die Größe eine Rolle spielen. Ist das Fahrradschloss nicht fest mit dem Rahmen verbunden, sollte es nicht zu schwer sein. Es darf jedoch gleichzeitig nichts an Sicherheit einbüßen, nur um Gewicht einzusparen. Neben dem sicheren Abschließen des Fahrrads ist es auch wichtig, dass die Schlösser einfach zu bedienen sind. Ebenfalls sollte es nicht zu schnell aufzubrechen sein und das Schloss darf auch beim Radfahren nicht stören, z. B. durch eine Überbreite oder dem Gewicht.

Der Lack des Fahrrads sollte geschützt sein und es darf kein Schaden durch Kratzer entstehen, wie es zum Beispiel ein einfaches Kettenschloss ohne Gummierung anrichten würde. Ärgerlich wird es jedoch, wenn man einmal den Schlüssel verliert und dann selbst derjenige ist, der das Fahrradschloss knacken muss. Für diese Fälle hat der Hersteller Abus sogenannte Keycards entwickelt. Über eine eindeutige ID kann sich ein Ersatzschlüssel nachbestellt werden.

Im Normalfall werden bei den Tests Merkmale wie das Gewicht nicht so stark bewertet, hier steht beim ADAC / ADFC und unseren eigenen Fahrradschloss Tests z. B. die Sicherheit im Vordergrund. Dazu nutzen wir die Fahrradschlösser im Alltag und versuchen die Schlösser mit verschiedenen Werkzeugen wie einer Säge, einem Bolzenschneider oder einer Flex zu öffnen. Natürlich spielt auch die Handhabung eine Rolle, diese ist jedoch nicht maßgeblich für die Sicherheit. Die Testsieger aus dem jeweiligen Testbericht kann man also als sicher bezeichnen. Der ADFC hat dafür ein eigenes Siegel herausgebracht. Fahrradschlösser mit dem Siegel vom ADFC bieten einen optimalen Schutz vor Diebstahl.

Wir hoffen, dieser Testbericht hat Ihnen bei der Wahl des richtigen Bügelschlosses für Ihr E-Bike geholfen. Denken Sie daran, dass kein Schloss unknackbar ist, aber ein hochwertiges Schloss in Kombination mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen das Risiko eines Diebstahls erheblich reduzieren kann.

Testergebnisse ausgewählter Bügelschlösser
Modell Note Preis (ca.)
Abus Granit Super Extreme 2500 Sehr gut 300 Euro
Trelock U6/ U6L Überragend 93 Euro
Contec Powerloc Sehr gut 45 Euro
Master Lock 8195LW Sehr gut 53 Euro
Zéfal K-Traz U17 Cable Sehr gut 53 Euro

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