Bundeswehr setzt auf Yamaha statt BMW: Ein Wechsel in der Motorradflotte

Bei der Bundeswehr gibt es nicht nur Panzer, Geländewagen oder LKW, sondern auch Motorräder. Die Kradmelder und Feldjäger der Bundeswehr steigen nach und nach von der BMW F 850 GS auf die leichtere Yamaha Ténéré 700 um. Bei ihren „Krads“ wechselt die deutsche Armee jetzt die Marke.

Die Yamaha Ténéré 700: Das neue Krad der Bundeswehr

Der Importeur aus Neuss lieferte jetzt die ersten 30 von insgesamt 250 Maschinen aus. Sie kommen zunächst im BW-Kraftfahrausbildungszentrum im bayrischen Kümmersbruck zum Einsatz. Die Zwei-Zylinder-Enduro wird bei Yamaha in Frankreich gebaut und für den speziellen Einsatz bei der Bundeswehr in der deutschen Niederlassung umfassend an deren Bedürfnisse angepasst.

Neben einer umfangreichen Schutzausstattung, einer Sonderlackierung in Oliv und speziellen Heizgriffen für den Wintereinsatz wurde auch eine „Blackout“-Schaltung eingebaut. Für den Einsatz des Motorrads bei den Feldjägern wurde zusätzlich eine Sondersignalanlage integriert. Alle Motorräder werden nur mit der gesetzlich vorgeschriebenen Ausstattung (z.B. Reflektoren nach Euro 4 /Euro 5 Norm) ausgeliefert.

Einsatz als Kradmelder

Motorräder werden vom Militär als so genannte Kradmelder genutzt, um im Gefecht taktische Anweisungen oder Befehle zu übermitteln. Besonders in unwegsamem Gelände tragen sie dazu bei, den Informationsfluss aufrechtzuerhalten - selbst dann, wenn Datenfunk, Netzwerke oder das Internet ausfallen.

Die Rolle der Kradmelder in der Bundeswehr gewinnt aktuell im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung immer mehr an Bedeutung. Neben der Übermittlung von Informationen dienen die Militär- Motorräder auch der Absicherung von Marschkolonnen. Zudem setzen Feldjäger sie für militärpolizeiliche Aufgaben ein, beispielsweise bei Eskorten für Politiker und Staatsgäste.

Von BMW zu Yamaha: Gründe für den Wechsel

Seit 2019 setzte die Bundeswehr auf die BMW F 850 GS, die ihrerseits die KTM 400 ES abgelöst hatte. Und vor allem im Kontext BMW war aus Fachkreisen zu hören: Für einen Kradmelder zu schwer. In der BW-Version wiegt die F 850 GS laut Angaben der Bundeswehr um die 280 Kilo. Die Yamaha Ténéré 700 ist in der Basis mit nur 204 kg fahrbereit 25 kg leichter als die Basis-BMW F 850 GS.

Ein weiterer Unterschied ist der Durchmesser des Hinterrads: Bei der BMW F 850 GS ist es 17 Zoll, bei der Yamaha Ténéré 700 ist es 18 Zoll - und das gilt in Enduro-Kreisen als das überlegene Format. Die 21-Zoll-Vorderräder sind bei beiden gleich.

Selbst mit einer angepassten Militär-Ausstattung dürfte die Yamaha deutlich weniger wiegen als die BMW. Und das wiegt im Gelände immer schwerer als die nominalen 22 PS Mehrleistung der BMW gegenüber der Yamaha.

Yamaha schon länger im Militär-Einsatz

Yamaha-Motorräder bei der Bundeswehr, das ist nicht erst seit 2025 ein Thema. Schon seit Längerem setzt die Bundeswehr unterschiedliche Modelle von Yamaha in verschiedenen Teilen des Heeres ein. Außerdem fuhr oder fährt das Kommando Spezialkräfte (KSK) mit einer Version der WR 450 und des Quads Kodiak. Weiterhin das Quad Grizzly, das bei den Truppen der ABC-Abwehr im Einsatz ist.

Die Ausbildung zum Kradmelder

Um die Yamaha Ténéré 700 sicher zu beherrschen, durchlaufen Bundeswehrsoldaten eine spezielle Kradmelder-Ausbildung im Kraftfahrausbildungszentrum Kümmersbruck. Hier lernen sie nicht nur das Fahren im Gelände, sondern auch taktische Fahrtechniken, die für den Einsatz entscheidend sind. Jährlich werden bis zu 350 Soldaten zum Kradmelder ausgebildet.

Soldaten fahren weiter BMW

Zwar endet bei den Kradmeldern die zugegeben kurze Ära von BMW, und die Zeit der Yamaha Ténéré beginnt, doch wird es weiterhin Soldaten geben, die im Dienst BMW fahren dürfen. Bei den Feldjägern ist für Eskorten weiterhin die BMW R 1200 RT im Einsatz. Ob die zugunsten der erwarteten neuen BMW R 1300 RT ersetzt wird, ist nicht bekannt.

Die BMW R 1200 RT ist der Feldjägertruppe vorbehalten. Das Motorrad wird in erster Linie zum Eskortendienst eingesetzt. Fahrerinnen und Fahrer absolvieren dazu ein spezielles Fahrtraining und eine protokollarische Weiterbildung.

Die BMW der Bundeswehr entspricht weitestgehend einem hochwertigen Serienmotorrad. Wie zum Beispiel das Eskortenmotorrad, das lediglich eine Sondersignalanlage und Kommunikationsgeräte zusätzlich mitführt.

Die Soldaten schätzen die BMW R 1200 RT wegen ihrer hervorragenden Fahreigenschaften und ihrer Wendigkeit. Diese Eigenschaften des Krads sind für den Eskorteneinsatz besonders wichtig, weil die Fahrzeuge dabei in Formation sehr nah bei einander fahren.

BMW R 1200 RT: Technische Daten

Die BMW R 1200 RT als Bundeswehrmodell weist neben den serienmäßigen Instrumenten und Bedienelementen eine Steuereinheit für das Funkgerät auf. Dienst auf dem Motorrad bedeutet höchste Konzentration und Fahrgeschick. Beim Eskortenfahren in geringem Tempo trennen die Maschinen oft nur wenige Zentimeter. Zur weiteren Ausstattung gehören zwei Einsatzhörner und insgesamt drei Blaulichter. Eines am Heck - höhenverstellbar - und zwei an der Verkleidung.

Hersteller BMW
Antrieb 1.170 ccm Luft-/Flüssigkeitsgekühlter 2-Viertakt-Boxermotor
Leistung 125 PS / 92 kW

Historischer Rückblick: Motorräder in der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat in ihrer Geschichte auf verschiedene Motorräder gesetzt:

  • Maico M 250 B (1959-1983) - Das erste Bundeswehr-Krad, gebaut für den Offroad-Einsatz.
  • Hercules K 125 BW (1970-2000er) - Ein leichter Einzylinder-Zweitakter, lange Zeit das Standardmotorrad der Truppe.
  • Hercules K 180 BW (1992 - 2000er)- Nachfolger und Parallel-Modell zur K 125.

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