Motorrad-Textilkombis im Test: Schutz, Komfort und Vielseitigkeit

Textilkombis erfreuen sich großer Beliebtheit aufgrund ihrer Vielseitigkeit und ihres Tragekomforts. Spezielle Adventure-Kombis müssen jedoch noch mehr leisten: Sie sollen Hitze, Kälte, Wasser und Schmutz standhalten. Ein Dutzend Anzüge im Preissegment von etwa 500 bis knapp 1.000 Euro wurden daher einem Test unterzogen.

Anforderungen an Adventure-Textilkombis

Neben Nässe- und Kälteschutz müssen Adventure-Textilkombis auch eine exzellente Belüftung bieten, idealerweise auch bei geringem Fahrtwind, da Geländeabenteuer schweißtreibend sein können. Wer abseits der Straße unterwegs ist, freut sich außerdem über viele Taschen. Weitere nette Details sind Verstärkungen an den Waden, die vor allem für das Stehendfahren gedacht sind. Über manche Kleinigkeiten freuen sich Reisende aber auch im Alltag: Hosenträger, Kapuzen, abtrennbare Sturmkrägen, einfach bedienbare Magnetverschlüsse.

Trotz eines Preislimits von 1.000 Euro pro Set verdienen sich viele Anzüge eine Empfehlung und distanzieren sich durch Ausstattung und Materialqualität deutlich von der Einsteigerklasse und klassischen Touren-Textilklamotten. Je nach Testmuster bleiben da nur wenig Wünsche offen.

Testkriterien und -methoden

Über rund vier Wochen wurden die Anzüge begutachtet, gefahren, auseinander- und wieder zusammengebaut. Vor den ersten Fahrtests wurden alle Anzüge bereits mehrfach Probe getragen und die beste Passform der zugeschickten Testmuster ausgewählt. Dabei wurde außerdem die Protektorenausstattung erfasst, zum Teil waren unsere Kombis bereits mit aufpreispflichtigen Nachrüstprotektoren ausgestattet.

Auch wenn wir den Praxistest gerne auf einer Fernreise eingefahren hätten, die meisten Erkenntnisse gewannen wir während einer Testwoche in Südfrankreich. Als großer Vorteil erwies sich das wechselhafte Wetter Ende Februar, das Temperaturen zwischen acht und 20 Grad sowie Graupelschauer, aber auch viel Sonnenschein bereithielt.

Am Col de l’Espigoulier wurden insbesondere der Wetterschutz, die Bewegungsfreiheit, aber auch die Belüftung ohne Membran und Thermofutter getestet. Wie beweglich und praktisch die Anzüge konstruiert wurden, zeigte sich auch während anderer Testfahrten, bei denen die Kombis nicht im Vordergrund standen. Dazu passend sammelten unsere Dauertestmotorräder Yamaha Ténéré 700 und Moto Guzzi V85 TT viele Kilometer.

Da nicht alle Anzüge in den Genuss eines Regentages kamen, musste ein standardisierter Nässetest in der MOTORRAD-Tiefgarage nachgeholt werden. Alle subjektiven Faktoren wurden von zwei Testfahrern anhand zuvor festgelegter Protokollkriterien bewertet, zum Teil noch ergänzt durch Eindrücke anderer Redakteure. Abschließend wurde eine Auswahl der verbauten Protektoren auf dem Sas-Tec-Fallprüfstand in Markgröningen getestet.

Testergebnisse im Überblick

Alpinestars Andes Pro Drystar

  • Preise: Jacke 499,95 Euro, Hose 199,95 Euro
  • Größen: Jacke und Hose S bis 4XL
  • Farben: Jacke weiß-schwarz-rot, schwarz-rot; Hose weiß-schwarz, schwarz
  • Membran: Drystar (fest)
  • Thermofutter: inklusive
  • Gewicht: 4,56 kg (Größe L)
  • Herstellungsland: Bangladesch
  • Vorteile: sehr hohe Bewegungsfreiheit, sehr guter Protektorensitz, guter Windschutz, sehr gute Belüftung trotz fester Membran, Hosenträger, Vorbereitung für Airbag, Vorbereitung für Brustprotektor, wertige Haptik
  • Nachteile: ab Werk nur Protektoren an Schultern und Ellbogen verbaut, kleiner Verstellbereich, bei Nässe klamm, Zugluft am Kragen
  • Fazit: Die leichte Alpinestars-Kombi lässt sich umfassend mit Protektoren und sogar einem innenliegenden Airbag aufrüsten. Passform, Bewegungsfreiheit und Ausstattung überzeugen dagegen auch so.
  • MOTORRAD-Urteil: gut

Bering Bronco

  • Preise: Jacke 379,90 Euro, Hose 289,90 Euro
  • Größen: Jacke und Hose S bis 4XL
  • Farben: Jacke und Hose schwarz,schwarz-braun
  • Membran: BW2 Tech 500 (herausnehmbar)
  • Thermofutter: inklusive
  • Gewicht: 4,99 kg (Größe L)
  • Herstellungsland: China
  • Vorteile: gute Passform und Proportionen, sehr guter Wind- und Wetterschutz, abnehmbarer Zusatzkragen, Sozius-Haltegriffe in den Jackentaschen, perfekt sitzende Protektoren, gute Belüftung, viele Einstellmöglichkeiten (sogar Hosenlänge)
  • Nachteile: Bewegungsfreiheit mit Thermofutter und Membran etwas eingeschränkt, eine Niete löste sich bereits bei der zweiten Anprobe, Futter verklemmt sich leicht in Verbindungsreißverschluss
  • Fazit: Bering bietet mit der Bronco-Kombi ein rundes Paket mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Kombi überzeugt da, wo es drauf ankommt, und hat darüber hinaus viele nette Extras zu bieten. Ein Anzug für alle Tage.
  • MOTORRAD-Urteil: gut

Büse Porto

  • Preise: Jacke 549,95 Euro, Hose 399,95 Euro
  • Größen: Jacke 48 bis 64, Hose 48 bis 64,Lang-, Kurz- und Bauchgrößen
  • Farben: Jacke schwarz-schwarz, schwarz-grau, grau-grau; Hose schwarz-schwarz, grau-schwarz
  • Membran: Sympatex (in Außenhose und -jacke)
  • Thermofutter: inklusive (nur Jacke)
  • Gewicht: 5,97 kg (Größe 50, komplett)
  • Herstellungsland: Pakistan
  • Vorteile: viele Taschen, mit und ohne Überanzug sehr beweglich, angenehme Haptik, gute Belüftung, isoliert sehr gut, sehr gute Protektorenausstattung mit gutem Sitz, Thermoweste auch einzeln tragbar, gute Passform und Größenauswahl
  • Nachteile: kaum Extras, Überanzug nimmt im Gepäck relativ viel Platz ein, ein dritter Testanzug war auf einer längeren Regenfahrt nicht wasserfest
  • Fazit: Die Büse-Kombination verblüfft mit der Luftigkeit eines Sportanzugs. Auch mit zweiter Lage ist er beweglicher als andere Anzüge und überzeugt mit guter Isolierung. Die Regenkombi sollte aber trotzdem im Gepäck bleiben.
  • MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Difi Sierra Nevada Edt Aerotex

  • Preise: Jacke 349,95 Euro, Hose 249,95 Euro
  • Größen: Jacke und Hose S bis 4XL
  • Farben: Jacke schwarz-blau-grau, schwarz-grau-rot, schwarz-gelb-grau; Hose schwarz, grau-schwarz
  • Membran: Aerotex (herausnehmbar)
  • Thermofutter: inklusive
  • Gewicht: 3,98 kg (Größe L)
  • Herstellungsland: China
  • Vorteile: viele (wenn auch kleine) Taschen, guter Wetterschutz und gute Belüftung, Magnethalter am Kragen, Protektoren sitzen gut ohne zu drücken, Rallye-Styling, relativ günstig, leicht
  • Nachteile: Bewegungsfreiheit und Passform nur mittelmäßig, Mesh-Futter etwas schwitzig, nur einfache Protektorenausstattung, Schwächen im Nässetest, keine Extras
  • Fazit: Der leichte und günstige Difi-Anzug hält, was die Rallye-Optik verspricht. Auch wenn die Schwächen beim Tragekomfort und Nässetest wertvolle Punkte kosten, bleibt die Sierra-Nevada-Kombi eine solide Empfehlung für alle Tage.
  • MOTORRAD-Urteil: befriedigend

FLM Reise Textil 2.0

  • Preise: Jacke 399,99 Euro, Hose 299,99 Euro
  • Größen: Jacke M bis 3XL, Hose M bis 4XL,Kurzgrößen
  • Farben: Jacke braun-sand, blau-grau, grau-schwarz; Hose braun-sand, grau-schwarz
  • Membran: keine Angabe (herausnehmbar)
  • Thermofutter: inklusive
  • Gewicht: 5,49 kg (Größe 52/54)
  • Herstellungsland: Vietnam
  • Vorteile: sehr guter Wind- und Wetterschutz, gute Belüftung, viele und große Taschen, guter Sitz der Protektoren, sehr gute Passform der Hose
  • Nachteile: Passform der Jacke fällt groß aus, keine Extras, schwitziges Mesh-Futter, magere Protektorenausstattung, Bewegungsfreiheit nur Durchschnitt, umständliche Befestigung von Thermofutter und Membran
  • Fazit: Wer sich mit der groß ausfallenden Passform arrangiert hat, findet mit der FLM-Kombi einen guten Reisepartner. Viele Taschen, guter Wetterschutz und tolle Belüftung kompensieren die Schwächen im Bereich Tragekomfort.
  • MOTORRAD-Urteil: gut

Germot Allround

  • Preise: Jacke 269,90 Euro, Hose 199,90 Euro
  • Größen: Jacke S bis 12XL, Hose S bis 8XL,Über-, Lang- und Kurzgrößen
  • Farben: Jacke schwarz, hellgrau-gelb; Hose schwarz
  • Membran: Humax (herausnehmbar)
  • Thermofutter: ohne
  • Gewicht: 4,66 kg (Größe 102)
  • Herstellungsland: Pakistan
  • Vorteile: enorme Größenauswahl, sehr gute Passform, sehr hohe Bewegungsfreiheit, günstiger Preis, umfassende Protektorenausstattung, leicht, solider Schutz vor Wind und Wetter
  • Nachteile: strenger Geruch im Neuzustand, keine Extras, wenige und zu kleine Taschen, Membran ist Verbindungsreißverschluss im Weg, Hose wenig belüftet, Protektoren sitzen etwas wackelig
  • Fazit: Die straßenorientierte Germot-Kombi punktet mit perfekter Passform und ungewohnt hoher Bewegungsfreiheit. Kleinen Taschen und durchschnittlicher Belüftung steht eine vollständige Protektorenausstattung gegenüber.
  • MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Held Hakuna II/Matata II

  • Preise: Jacke 399,95 Euro, Hose 329,95 Euro
  • Größen: Jacke S bis 6XL, Hose S bis 6XL,Lang- und Kurzgrößen
  • Farben: Jacke schwarz-grau, grau-orange-schwarz, grau-schwarz, grau-blau-rot; Hose schwarz, grau-schwarz
  • Membran: keine Angabe (herausnehmbar)
  • Thermofutter: ohne, separat bestellbar
  • Gewicht: 5,01 kg (Größe L)
  • Herstellungsland: China
  • Vorteile: sehr gute Belüftung, guter Windschutz, vielfach verstellbar, viele Taschen, Brustprotektor nachrüstbar, Lederaufsätze an Knien und am Gesäß, wertige Haptik
  • Nachteile: mit Membran zu Beginn sehr steif, Protektorensitz mittelmäßig und teilweise mit Druckstellen, Hose fällt bereits ohne Thermofutter sehr eng aus, Wassereinbruch am Reißverschluss der Hose
  • Fazit: Die durchdachte, gut ausgestattete und obendrein schicke Held-Kombi bietet sehr gute Belüftung und viele Taschen. Doch die steife Passform, Druckstellen und Schwächen im Nässetest trüben den guten Gesamteindruck etwas.
  • MOTORRAD-Urteil: gut

iXS Adventure GTX

  • Preise: Jacke 599,95 Euro, Hose 399,95 Euro
  • Größen: Jacke und Hose S bis 5XL
  • Farben: Jacke grau-silber-schwarz;Hose schwarz
  • Membran: Gore-Tex (herausnehmbar)
  • Thermofutter: ohne
  • Gewicht: 5 kg (Größe L)
  • Herstellungsland: China
  • Vorteile: sehr viele Taschen, zahlreiche Verstellmöglichkeiten, integrierte und magnetische Hosenträger, umfassende Protektorenausstattung, sehr gute Passform, sehr gute Belüftung, im Kragen integrierte Kapuze
  • Nachteile: Windschutz nur mittelmäßig, Protektoren können leicht verrutschen, relativ teuer, klammes Tragegefühl bei Nässe, Bewegungsfreiheit könnte besser sein
  • Fazit: Der luftige Adventure-Anzug von iXS punktet vor allem bei der Passform und der Ausstattung, die auch ein komplettes Protektorenset und viele Taschen einschließt. Für frischere Tage besteht jedoch Nachrüstbedarf.
  • MOTORRAD-Urteil: gut

Macna Equator/Fulcrum

  • Preise: Jacke 329,95 Euro, Hose 239,95 Euro
  • Größen: Jacke und Hose S bis 4XL
  • Farben: Jacke schwarz-grau (nachts großflächig reflektierend); Hose schwarz (nachts großflächig reflektierend), weitere Farben ohne reflektierende Schicht
  • Membran: Raintex (herausnehmbar)
  • Thermofutter: inklusive
  • Gewicht: 4,11 kg (Größe M)
  • Herstellungsland: Bangladesch
  • Vorteile: gute Weitenverstellung, angenehmes Tragegefühl, gut mit Handschuhen bedienbar, reflektiert großflächig (gilt nicht für alle Hosenfarben), guter Wind- und Wetterschutz, relativ günstig, solide Verarbeitung, leicht
  • Nachteile: Passform der Jacke mittelmäßig, sehr magere Protektorenausstattung, nur kleine Taschen, keine Rückentasche
  • Fazit: Die Macna-Kombi schlägt sich gut im Bereich Klimatisierung; Passform und Bewegungsfreiheit sind aber nur durchschnittlich. Wenige und zu kleine Taschen sowie die schmale Protektorenausstattung kosten Punkte.
  • MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Modeka Talismen

  • Preise: Jacke 459,90 Euro, Hose 399,90 Euro
  • Größen: Jacke S bis 6XL, Hose S bis 5XL,Lang- und Kurzgrößen
  • Farben: Jacke und Hose in schwarz
  • Membran: Sympatex (herausnehmbar)
  • Thermofutter: inklusive
  • Gewicht: 6,91 kg (Größe L, LM-Hose)
  • Herstellungsland: Pakistan
  • Vorteile: sehr gute Protektorenausstattung, die perfekt sitzt, an der Brust nachrüstbar, sehr guter Wetterschutz, sehr gute Belüftung mit Magnetverschlüssen, zahlreiche große Taschen, rutschfeste Verstärkungen an Knien und Gesäß, saubere Verarbeitung, tolle Passform, Hosenträger und Zusatzkragen
  • Nachteile: mit Thermofutter und Membran etwas wuchtig und schwer, Bewegungsfreiheit in Vollausstattung nur mittelmäßig
  • Fazit: Die Talismen gibt sich optisch zurückhaltend, überzeugt aber auf ganzer Linie. Denn die Modeka-Kombi bietet viele große Taschen, schöne Extras, sehr gute Belüftung und wird bei Bedarf zur mollig-warmen Schutzhülle.
  • MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Rev’it Offtrack

  • Preise: Jacke 369,99 Euro, Hose 279,99 Euro
  • Größen: Jacke und Hose S bis XXL, Langund Kurzgrößen
  • Farben: Jacke weiß-blau-gelb, schwarz, weiß-schwarz-grau, camo-sand-schwarz, weiß-grün-schwarz; Hose schwarz, schwarz-weiß
  • Membran: Hydratex (herausnehmbar)
  • Thermofutter: inklusive
  • Gewicht: 4,53 kg (Größe L)
  • Herstellungsland: Vietnam
  • Vorteile: hohe Bewegungsfreiheit, guter Windschutz, sehr gute Belüftung, gute Protektorenausstattung mit perfektem Sitz, Brustprotektor nachrüstbar, wertige Haptik und hoher Tragekomfort, leicht
  • Nachteile: wenige und nicht allzu große Taschen, keine Extras, bei Nässe etwas klamm, Kragen zugig
  • Fazit: Beim Rev’it-Anzug passt (fast) alles. Verarbeitung, Passform, Wetterschutz und auch die gut sitzenden Protektoren. Wünschenswert wären höchstens größere Taschen und ein paar Extras. Beim Wetterschutz und der Ausstattung liegt sie im guten Durchschnitt.
  • MOTORRAD-Urteil: gut

Kaufberatung Motorrad-Textilkombis

Textilkombis sind die beliebteste und multifunktionalste Motorrad-Klamotte. Schutz steht an erster Stelle, klar - den müssen alle bieten. Darüber hinaus sind noch weitere Punkte empfehlenswert.

Was ist wichtig?

  • Passform und Komfort: Motorradfahren soll Spaß machen, da nervt eine unbequeme Klamotte nicht nur, sondern ist darüber hinaus sogar ein Sicherheitsrisiko.
  • Wetterschutz: Nässeschutz und Belüftung stehen oft im Widerspruch. Tendenziell gilt: Kombis mit entnehmbarer Membran sind im Sommer angenehmer, dafür haben Kombis mit ins Außenmaterial integrierter ("laminierter") Membran bei Regen Vorteile.
  • Isolierung: Mittlerweile verzichten Hersteller immer öfter auf ein mitgeliefertes Thermofutter, Kunden können sich ihre Midlayer stattdessen selbst aussuchen.
  • Arm- und Beinabschluss: Je nach Wetter und Richtung des auftreffenden Regens werden Handschuhe über oder unter den Armstulpen getragen; die Stiefel sollten immer unter die Hosenbeine passen.
  • Kragen: Dieser sollte dank Weitenverstellung wasser- und winddicht, durch seine Materialwahl aber auch komfortabel sein.
  • Verbindung von Jacke und Hose: Gegen das Hochrutschen der Jacke hilft ein Verbindungsreißverschluss (kurz oder lang), Hosenträger halten alles in Position.

5 praktische Tipps zum erfolgreichen Kauf

  1. Größe: Lange Beine oder etwas Bauch? Wer beim normalen Outfit auf Sondergrößen angewiesen ist, sollte auch bei der Schutzkleidung nicht darauf verzichten. Inzwischen bieten viele Hersteller entsprechende Kurz- oder Langversionen an.
  2. Funktionsunterwäsche: Jeans und Lieblingsshirt haben unter einer Textilkombi nichts zu suchen, denn sie behindern die Funktion der Klimamembran. Stattdessen schon beim Probetragen Funktionsunterwäsche drunterziehen, je nach geplantem Einsatzzweck betrifft das Base- wie auch Midlayer.
  3. Stauraum: Jeder weiß selbst am besten, was er beim Touren am Körper trägt. Daher bereits bei der Anprobe die Taschen so befüllen, wie man später auf Reisen gehen wird. So weiß man, dass nichts zwickt und alles seinen Platz findet.
  4. Protektoren: Nicht alles, was sich wie ein Protektor anfühlt, schützt in der Praxis wirklich. Vor allem am Rücken und an den Hüften finden sich oft nur Alibi-Lösungen aus Schaumstoff. Wichtig: Normgerechte Protektoren müssen klar gekennzeichnet sein (EN 1621-1 für Gelenke, 1621-2 beim Rücken). Hüftprotektoren lassen sich immer öfter nachrüsten, teilweise bieten die Hersteller sogar eine Vorbereitung im Brustbereich.
  5. Zertifizierung: Neben den Protektoren muss auch die Kombi selbst eine Zertifizierung vorweisen. Die Stufen B und C sind für den ernsthaften Einsatz unzureichend, erst eine Kombi der Klasse A bietet Aufprall- und Abriebschutz. AA ist sicherer, AAA am sichersten.

Material und Membran

Textilkombis haben 3 relevante Schutzschichten: Aufprall-, Abrieb- und Nässeschutz. Für den Schutz beim Aufprall sind Rücken- und Gelenkprotektoren zuständig, den Abriebschutz übernimmt hauptsächlich das Außenmaterial, und für den Nässeschutz ist zuvorderst eine wasserdichte Klimamembran zuständig.

Die Klimamembran kann als eigenständige, entnehmbare Jacke ausgeführt sein (wie bei Büse, Modeka und Rekurv). Das hat den Vorteil, dass man sie bei warmem Wetter einfach weglassen kann, was der Belüftung der Kombi zugutekommt. Da sie bei Regen aber innerhalb des Außenmaterials getragen wird, kann sich die Kombi außen vollsaugen: Sie wird dadurch schwerer und unbeweglicher. Alternativ ist die Membran ins Außenmaterial integriert (wie bei Rukka und Lindstrands), hier kehren sich die genannten Vor- und Nachteile entsprechend um.

Protektoren

Im Bereich der Rücken- und Gelenkprotektoren gab es in den letzten Jahren viele Fortschritte - doch nicht in jeder Kombi ist modernes Material verbaut. Protektoren müssen eine Zertifizierung vorweisen, um in Motorradkombis verbaut werden zu dürfen. Egal ob Schulter, Ellbogen, Knie oder Rücken - unterschieden wird stets zwischen Level 1 und 2, wobei Level 2 eine bessere Schlagdämpfung aufweisen muss. Level 1 schützt zwar weniger gut, was die reinen Restkraftwerte angeht, ist dafür aber meist leichter, dünner, flexibler und luftiger.

Egal, ob neu oder gebraucht: Wichtig ist es, dass die Protektoren fest in den dafür vorgesehenen Taschen sitzen, das Gelenk sicher umschließen und einen ausreichend großen Bereich abdecken. Oftmals ist ihre Position verstellbar - davon unbedingt Gebrauch machen, dies dient Sicherheit und Komfort.

Motorrad-Textilkombi waschen

Schmutzige oder müffelnde Textilkombis können ruhigen Gewissens in die Waschmaschine, diese tut selbst der Klimamembran nicht weh. Nur Weichspüler darf auf keinen Fall verwendet werden, außerdem müssen die Protektoren vorher herausgenommen werden. Inzwischen gibt es eine bunte Auswahl an speziellen Funktionswaschmitteln, doch ein Feinwaschmittel tut es meist auch. Die Angaben zur Waschtemperatur finden sich auf dem Pflegeetikett, ein zusätzlicher Spülgang schwemmt alle Reste sauber raus.

Ist die Textilkombi nur oberflächlich verschmutzt, empfiehlt sich eine Handwäsche mit reichlich Wasser, Neutralseife und einem Schwamm oder einer Bürste. Auch hier mit reichlich Wasser nachspülen, da Rückstände die Funktion der Membran stören. Tipp: Viele Waschmaschinen bieten mittlerweile ein Handwaschprogramm. Hier zusätzlich auf einen schonenden Schleudergang achten (z. B. 600 Umdrehungen pro Minute). Anschließend wie normale Wäsche trocknen lassen, die Heizung dabei meiden.

Imprägnierung auffrischen

Ein Trick, um die ursprüngliche Imprägnierung wieder aufzufrischen: Das Pflegeetikett verrät, ob man den Anzug bügeln oder in den Wäschetrockner werfen darf. 20 Minuten im Trockner oder Bügeln auf niedriger Stufe bringen den Abperleffekt zurück. Handelsübliche Imprägnierer werden nur dann aufgesprüht, wenn die ursprüngliche Behandlung nicht mehr ausreicht.

Motorrad-Textilkombi reparieren

Kunstfasergewebe lässt sich einfach reparieren. Nähen gelingt ähnlich problemlos wie bei normaler Oberbekleidung. Schwieriger wird es, wenn die Klimamembran ein Loch hat - oder beim Nähen des Textilgewebes zwangsläufig durchlöchert werden muss. Absolute Wasserdichtigkeit ist dann nämlich nicht mehr gewährleistet.

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