Campagnolo Bora Ultra WTO Laufradsatz Test: Aerodynamik und Performance im Fokus

Die Campagnolo Bora Ultra WTO Laufräder sind die neuen Topmodelle der Bora-Serie und sollen die schnellsten Laufräder in der 25-jährigen Geschichte dieser Serie sein. WTO steht für Wind Tunnel Optimised, was bedeutet, dass bei der Entwicklung besonderer Wert auf Aerodynamik gelegt wurde. Die Italiener setzen dabei auf innenliegende Nippel, elliptische Aero-Speichen und eine für 25-mm-Reifen optimierte Felgenform. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Campagnolo in den vergangenen Jahren in neue Technologien und Fertigungsanlagen am italienischen Firmenstandort in Vicenza investiert.

Technologien und Design

Alle Teile, von den Nippeln über die Speichen bis zu den Naben, werden von Campagnolo selbst entwickelt. Dafür kommt bei den Felgen und bei der Vorderradnabe das Campagnolo eigene H.U.L.C.-Carbon zum Einsatz, das für ein optimales Verhältnis aus Steifigkeit und Gewicht sorgen soll. Außerdem ist das Carbon so verarbeitet, dass keine Lackierung notwendig ist. Mit den Aero Mo-Mag-Nippeln setzt Campagnolo auf innenliegende Nippel, die aber von außen zugänglich sind, ohne den Reifen abziehen zu müssen. Dadurch ist für einen Tubeless-Aufbau kein Felgenband notwendig und die Steifigkeit soll ohne Bohrungen höher sein. Zwischen Nippel und Felge sitzt eine Polymer-Platte, die es dem Nippel laut Hersteller ermöglicht, sich in Richtung der Speiche auszurichten und außerdem Korrosion vorbeugen soll.

Das ikonische G3-Einspeichmuster verspricht, die Kraftübertragung beim Sprinten und Bremsen zu verbessern - und den Bogen zum optischen Vermächtnis der Bora-Serie zu spannen. Um dieses Einspeichmuster zu ermöglichen, wurde auch das Design der Bora Ultra WTO-Naben entwickelt. Sie sind außerdem für Centerlock-Bremsscheiben vorbereitet und entsprechen dem 100/142-mm-Achsstandard. Im Gegensatz zu der Carbon-Vorderradnabe ist die Hinterradnabe aus CNC-gefrästem Aluminium hergestellt. Sie kann sowohl den Campagnolo N3W-Freilauf als auch Shimano HG- und SRAM XDR-Freiläufe aufnehmen.

Die Bora Ultra WTO-Serie im Detail

Die Campagnolo Bora Ultra WTO-Serie umfasst drei Varianten, die sich in der Felgentiefe und -breite unterscheiden, sonst aber mit der gleichen Technologie kommen. Während die 33-mm-Version eine Innenbreite von 21 mm hat, müssen die 45- und 60-mm-Versionen mit einer Innenbreite von 19 mm auskommen. Alle drei Versionen sollen aber für den Einsatz mit 25-mm-Reifen aerodynamisch optimiert sein.

Varianten der Campagnolo Bora Ultra WTO-Serie:

  • Bora Ultra WTO 33: 33 mm Felgentiefe, 21 mm Innenbreite
  • Bora Ultra WTO 45: 45 mm Felgentiefe, 19 mm Innenbreite
  • Bora Ultra WTO 60: 60 mm Felgentiefe, 19 mm Innenbreite

Aerodynamische Optimierung und Geschwindigkeitsvorteile

Schenkt man den Berechnungen von Campagnolo Glauben, dann sind die Bora Ultra WTO-Laufräder die schnellsten der 25-jährigen Bora-Geschichte. Nimmt man an, dass ein 70 kg und 175 cm großer Fahrer mit einer durchschnittlichen Leistung von 3 W/kg einen 150 km langen Kurs absolviert, von dem 50 km mit einer durchschnittlichen Steigung von 5 % bergauf gehen, dann soll die 45-mm-Version im Vergleich zum günstigeren und schwereren Bora WTO 45-Laufrad - beide tubeless aufgebaut - sieben Sekunden schneller sein.

Im Vergleich zu den Bora One 50-Laufrädern soll der Unterschied über drei Minuten (mit Drahtreifen) bzw. über sieben Minuten (mit Schlauchreifen) betragen. Für alle anderen sind sieben Minuten zwar auch eine Menge, für sie ist aber das Plus an Komfort ein viel größerer Gewinn, das durch den niedrigeren Druck des Tubeless-Aufbaus möglich wird. Mehr Komfort bedeutet weniger Ermüdung und mehr Körner für anspruchsvolle Situationen.

Beachtet man diese Komponente in der Berechnung, dann seid ihr möglicherweise auf den neuen Bora Ultra WTO-Laufrädern sogar in der Lage, eine höhere Durchschnittsleistung zu erbringen, als auf einem brettharten Bora One 50 auf Schlauchreifen. Und das wäre ein echter Vorteil, denn es zählt jenseits aller Annahmen.

Testergebnisse und Fahreindruck

Wir hatten die Möglichkeit, die Campagnolo Bora Ultra WTO-Laufräder in der 45-mm-Version bereits vor ihrer Präsentation zu fahren. Wenn man das ikonische G3 genannte Einspeichmuster mag, dann sind die Laufräder optisch ein echter Leckerbissen. Die Flanken der unlackierten Carbon-Felge glänzen in der Sonne und die aufgeklebten dezenten Logos runden den hochwertigen Look ab.

Obwohl die Laufräder laut Campagnolo aerodynamisch für den Einsatz von 25-mm-Reifen optimiert sind, kamen die Laufräder für den Test auf 28 mm breiten Schwalbe Pro One TLE-Reifen. Die formen zwar ein leichtes O über die Felgenflanke hinaus, bilden aber trotzdem noch eine schöne Einheit mit den Laufrädern. Im Tausch gegen die perfekte Aerodynamik der 25-mm-Reifen sorgen sie außerdem für etwas extra Komfort. Hier müsst ihr selbst entscheiden, wo euer Fokus liegen soll.

Die von uns getesteten Bora Ultra WTO 45 stellen zwischen der 33-mm-Version für reine Bergfahrten und der 60-mm-Version für Geschwindigkeitsrekorde auf der Ebene einen guten Kompromiss für wechselndes Terrain dar. Sie fühlen sich im Antritt steif genug an, um schnell Geschwindigkeit aufzubauen und sind trotz der für Aero-Laufräder relativ flachen 45-mm-Felge aerodynamisch genug, um die aufgebaute Geschwindigkeit effizient zu halten. Mit einem Set-Gewicht von 1.425 g liegen die Laufräder ungefähr auf einem Level mit den Bontrager Aeolus RSL 51 oder den Roval Rapide CLX und sind damit auch am Berg keine Last.

Die Laufräder waren auf einem Parapera Atmos montiert. In diesem Gesamtsystem trugen die Bora Ultra WTO zu einer sehr guten Vibrationsdämpfung bei. Auch gröbere Unebenheiten und Wellen wurden sehr ausgewogen entschärft. Trotz des Resonanzkörpers der Carbon-Felge kommen die Laufräder ohne ein lautes Aero-Wummern aus. Sie erzeugen lediglich ein charakteristisches Surren.

Fazit

Die Campagnolo Bora Ultra WTO 45-Laufräder haben einen guten ersten Eindruck bei uns hinterlassen. So ist es fast schon überraschend, dass Campagnolo die neuen Laufräder zwar für den Einsatz von 25-mm-Reifen aerodynamisch optimiert, die 45-mm-Version und die 60-mm-Version aber mit einer Innenbreite von 19 mm auskommen müssen. Die 33-mm-Variante ist genau wie einige Konkurrenten mit 21 mm Innenbreite deutlich breiter. In den Bora Ultra WTO-Laufrädern bringt Campagnolo interessante Technologien zum Einsatz, springt aber mit teilweise 19 mm Innenbreite noch nicht ganz auf den Zug der breiteren Reifen-Laufrad-Systeme auf. Auf dem Papier sind sie trotzdem eine Alternative zu DT-Swiss, Roval oder Bontrager - wenn auch deutlich teurer.

Vor- und Nachteile der Campagnolo Bora Ultra WTO-Laufräder:

Vorteile Nachteile
  • Hervorragende Aerodynamik
  • Hohe Steifigkeit und geringes Gewicht
  • Komfortabler Tubeless-Aufbau
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Hoher Preis
  • Teilweise geringe Innenbreite der Felgen (19 mm)

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