Canal du Midi Radweg Erfahrungen: Eine Reise durch Südfrankreich

Last Updated on 16. September 2024 by Mehrtägige Radtouren unternehmen wir mittlerweile echt gerne. So zum Beispiel auch auf dem Canal du Midi Radweg, der durch das wunderschöne Südfrankreich führt. Erfahre mehr über unsere sechs Canal du Midi Fahrrad Etappen, die von Toulouse nach Sète verlaufen und geprägt sind von Schleusen, Brücken und Kanalbooten.

Schon vor fast einem Jahr, also im September, war ich mit meinem Kumpel auf dem Klapprad am Canal du Midi. Eine wirklich interessante Reise, nicht nur erholsam und interessant für mich als Radfahrer!

Auch für uns hat dieser Satz eine Bedeutung bekommen, als wir unseren Urlaub in Frankreich planten. Und obwohl man nicht so ganz genau weiß, wie dieser Spruch entstanden ist, passt er. Eine Radtour am Canal du Midi entlang hatten wir uns vorgenommen. Und wir haben uns schon zurückblickend sehr wohlgefühlt an diesem Canal, an dem man wie Gott lebt, isst oder Rad fährt. Aber was ist es denn, was diesen Spruch ausmacht? Wie gut kann man denn Radfahren am Canal du Midi mit dem Rad oder sogar mit dem Klapprad? Geht das eigentlich? Gut oder schlecht? Der Canal du Midi ist ein Weltkulturerbe, dessen Name schon nach Entspannung, Erholung und Urlaub klingt. Und für uns sollte es das auch sein. Das wünschten wir uns jedenfalls.

Über unsere Radreise zum Canal du Midi habe ich ein Buch geschrieben. Vieles war anders, als wir das ursprünglich geplant hatten. Erst nach längerer Planung und Vorbereitung fiel unsere Auswahl auf Klappräder für die Tour. Es war eine Reise aus der Perspektive eines Radfahrers. Und als Radfahrer schaut man anders auf ein Urlaubsland, auf einen Radweg und auf eine Region. Selbst auf diesem traditionsreichen Radweg und Weltkulturerbe konnte ich mir nicht verkneifen, meine Meinung über die Radwege und meine Sicht als ambitionierter Radfahrer abzugeben.

Also - die Radtour zum Canal du Midi stand schon längere Zeit und durch Corona sogar mehrere Jahre ganz oben auf meiner Reiseliste. Als mein Kumpel Lorbass von seinen ehemaligen Kollegen zum Eintritt in den Ruhestand den „Bikeliner“ zum Canal du Midi erhielt, mussten wir reagieren. War das Zufall? Oder ein Wink von ganz oben, fragten wir uns? So nahmen wir uns vor, diese Reise gemeinsam im Jahr 2020 umzusetzen. Aber - dann kam Corona und wir mussten die Reise mehrfach verschieben.

Die Frage, wie und womit wir reisten, spielte bei dieser Tour eine wesentliche Rolle. Ich fuhr üblicherweise solche Reisen mit einem Liegerad und mein Kumpel Lorbass reiste bei seiner Körpergröße von 1,91 eher mit einem ungewöhnlich großen Rad mit 29-er Laufrädern. Die Deutsche Bahn konnte jedoch für zwei solche Reisenden die An- und Abreise bzw. die Fahrradmitnahme nicht garantieren. Vielmehr verwies sie eher auf Leihräder. Außerdem sollten wir schon auf der Anreise in Deutschland nachts mehrfach umsteigen. Das wollten wir nicht! Und so formierte sich eine ganz andere Reise als ursprünglich geplant. Eine Tour mit Flixbus, TGV und Klapprädern.

Drei Wochen quer durch Frankreich, Land und Leute erkunden - klingt nach einem entspannten Urlaub. Dies war zumindest unser ursprünglicher Plan. Mit Freunden aus der Bretagne hatten wir jedoch bereits vor der Pandemie vereinbart, mal ein paar Tage gemeinsam Fahrrad zu fahren. Daraus hat sich dann zu meinem ‘Entsetzen’ die Idee entwickelt, den Canal du Midi in Angriff zu nehmen. Da wir ohnehin eine Frankreich Rundreise planten, ergab sich hier eine gute Möglichkeit, dies mit der Radtour am Canal du Midi zu verbinden.

Canal du Midi: Ein historischer Wasserweg

Schlussendlich haben wir die Tour entlang des Kanals von Toulouse nach Sète in sechs Tagesetappen aufgeteilt. Der Kanal ist Teil einer im 17. Jahrhundert fertiggestellten Verbindung zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer (Canal de Garonne und Canal du Midi). Er erlaubte es den Franzosen, unter Umgehung der verfeindeten spanischen Gewässer von Bordeaux aus Richtung Rhone und Marseille zu fahren.

Mittels dutzender Schleusen (Écluses) wurden die Boote von Pferden langsam Richtung Toulouse gezogen und von dort aus dann über Carcassonne und Béziers ins Mittelmeer. Heute zählt der Canal du Midi zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Wir haben uns den bekannteren und bei Bootsfahrern beliebten Teil von Toulouse nach Sète vorgenommen. Theoretisch geht es da mehrheitlich bergab zum Mittelmeer und normalerweise ist Westwind, also Rückenwind.

Anreise zum Canal du Midi

Unsere Rundreise durch Südfrankreich sieht eine gemütliche Route über Lothringen und die Rhone vor. Dabei besichtigen wir viele sehenswerte Städte wie zum Beispiel Metz, Nancy und Dijon sowie Avignon und Orange. Dann unterbrechen wir unsere Rundreise für die sechstägige Fahrradtour am Canal du Midi, bevor es danach über die Camargue und die Provence (mit den wundervollen Städten Arles, Gordes und den Ockerfelsen) zurück nach Hause geht.

Da unsere Frankreich-Tour ohnehin mehr oder weniger an Sète vorbeigeht (dem Ziel unserer Fahrradreise), beschließen wir, unser Auto dort in einer der Tiefgaragen abzustellen. Anschließend rollen wir mit den bepackten Rädern in Richtung Bahnhof, um das Abenteuer zu beginnen. Mit dem Zug fahren wir bis nach Toulouse, dem Starpunkt unserer Canal du Midi Fahrrad Etappen.

Auf geht’s zum Startpunkt unserer Canal du Midi Radreise

Unsere Fahrradtour verläuft auf dem Canal du Midi Radweg von Toulouse bis nach Sète. Insgesamt 290 Kilometer lang ist die Strecke für uns. Diese teilen wir auf sechs Etappen auf. Jede Tagesetappe ist mit ihrer Länge gut zu bewältigen und es bleibt dennoch ausreichend Zeit für ausgedehnte Pausen. Hier kommen die wichtigsten Erlebnisse und die schönsten Canal du Midi Sehenswürdigkeiten:

Die Etappen im Detail

Etappe 1: Toulouse - Gardouch

Nach unserer Anreise mit dem Zug aus Sète, treffen wir unsere Freunde in Toulouse und kühlen uns im Hotel erst einmal auf Normaltemperatur ab. Immerhin hat es draußen mehr als 40 Grad und der Zug hatte sich in eine kleine Sauna verwandelt.

Den Abend nutzen wir, um einen Besichtigungsrundgang in der Altstadt von Toulouse zu unternehmen. Dabei bewundern wir unter anderem das stattliche Kapitol an der Place du Capitole sowie einige mittelalterliche Fachwerkhäuser.

Am nächsten Morgen wird ausgiebig gefrühstückt, die Klamotten zusammengepackt und an der Rezeption für den Fahrer des Gepäckdienstes bereitgestellt. GPS montieren, Route aufrufen und schon geht es auf die Räder. Da wir in der Nähe des Kanals übernachtet haben, ist der Startpunkt schnell gefunden und wir rollen abseits der Straße am Kanal aus der Stadt.

Am Ufer reihen sich zahlreiche Kähne und Boote aneinander. Viele davon werden als Hausboot genutzt. Den Canal du Midi Radweg trennt eine Platanenallee vom Kanal, die uns herrlichen Schatten spendet. So verlassen wir langsam die Stadt und kommen allmählich in ländlichere Gegenden. Die Landschaft erinnert dabei ein wenig an die Toskana: Weizenfelder, in deren Hintergrund Pinien stehen.

Immer wieder kommen wir an Schleusen vorbei. In einer der ehemaligen Schleusenhäuser (der Écluse de Vic in Cavaillé) ist ein Bistro untergebracht. Dort gönnen wir uns eine Erfrischung, denn die Temperatur steigt mittlerweile deutlich an. Doch dank der Rast mit kühlen Getränken können wir entspannen, so kann es gerne weitergehen.

Da wir unsere Tagesetappen bewusst kürzer gewählt haben, stören wir uns noch kaum am Gegenwind und der Hitze. Gegen späten Mittag beginnt der Hunger und damit unsere Suche nach einem offenen Restaurant. Nun lernen wir unsere erste Lektion, denn direkt am Kanal gibt es nur sehr selten Restaurants. In den umliegenden Ortschaften ist - wie häufig im ländlichen Frankreich - wenig los und die Restaurants haben nur bedingt mittags geöffnet. „Durchgehende Küche“ ist hierzulande ein Fremdwort.

Daher fahren wir weiter und finden mit Hilfe von Google Maps ein geöffnetes Restaurant in Gardouch (unserem ersten Etappenort). Dort essen wir zu Mittag, beziehen anschließend direkt am Kanal gelegen ein Bed & Breakfast und belohnen uns mit einer Abkühlung im Pool. Abends radeln wir erneut in die Stadt zum Abendessen und beenden mit einem Absacker an einer der Schleusen den Tag.

Etappe 2: Gardouch - Bram

Tag zwei beginnt erneut mit einem fantastischen Frühstück, ausführlichen Gesprächen mit der Besitzerin des B&B, Sachen packen, Taschen bereitstellen und zurück zum Canal du Midi Radweg radeln. Auf dem Kanal und in den Schleusen begegnen uns jede Menge Boote. Manchmal wundert man sich echt, wie perfekt die Boote in die Schleusenkammern passen.

Wir rollen entspannt unter alten Bäumen am Ufer von Schleuse zu Schleuse bis nach Minotere de Naurouze. Hier steht in einem Park ein Denkmal an den Erbauer des Kanals und von hier aus werden die Arme des Kanals gespeist. Nach einer kurzen Fotopause geht es zurück ans Ufer des Canal du Midi. Als wir in einer der Schleusen ein Schild mit einer Speisekarte sehen, zögern wir nach den gestrigen Erfahrungen nicht lange und finden eine perfekte Mittagspause in der Écluse de la Planque.

Unser nächster Stopp liegt in Castelnaudary, einem der größeren Häfen am Canal du Midi. Wären wir nicht schon vollgefuttert, wäre dies ein guter Stopp für eine Mittagspause. Eine lokale Spezialität ist hier übrigens „Cassoulet„, ein herzhafter Bohneneintopf. Vielleicht im Hochsommer nicht unbedingt das richtige Gericht. Besser wäre eher etwas leichteres.

Bei der Fahrt durch die Innenstadt begegnen wir einer Hochzeit. Die Gesellschaft in Anzügen und festlichen Kleidern freut sich sichtlich über den Einzug in die Kirche, die bei über 40 Grad und strahlendem Sonnenschein hoffentlich etwas kühler ist.

In den nächsten Kilometern begegnen wir trainierenden Soldaten, die uns oberkörperfrei joggend überholen. Irgendwie sind wir Frauen dabei etwas abgelenkt. Wir merken im staubtrockenen Gegenwind, dass wir eine Trinkpause benötigen, die lauwarmen Trinkflaschen sind keine Erfrischung mehr.

Also sind wir wieder auf der Suche nach einem Café oder Bistro. Unterwegs lasse ich mir noch kurz die Funktion der automatischen Schleusen erklären, die von den Bootsfahrern stets selber bedient werden müssen.

Es findet sich unterwegs keine offene Bar, aber nach 50 Tageskilometern sind wir in unserer nächsten Unterkunft. Heute übernachten wir in einem kleinen Chateau und genießen vor Ort den Pool und das Abendessen, das wir uns liefern lassen, da keine Restaurants geöffnet sind. Ab morgen nähern wir uns jetzt etwas belebteren Gegenden und sollten daher Möglichkeiten für Rast und Auffüllen unserer Trinkvorräte finden. Wir beenden den Abend in unserem Chateau und freuen uns auf mehr Kultur an Tag 3.

Etappe 3: Bram - Carcassonne

Der dritte Tag beginnt mit der jetzt schon gewohnten Routine aus Frühstücken, Packen und Rad fertigmachen. Nach wenigen Kilometern führt uns ein kleiner Abstecher vom Kanal nach Bram, einem der Hauptorte der Katharer (einer Christlichen Sekte des 12. Jahrhunderts).

Faszinierend an Bram ist der kreisrunde Aufbau des alten Dorfes rund um die Kirche. Drei konzentrische Kreise bringen uns immer wieder zurück zum gleichen Platz. Das Sprichwort „Lass uns eine Runde drehen“ lässt sich hier verwirklichen. Wir bewundern viele kleine Häuser mit prächtigen Blüten vor der Tür, die sich kreisförmig um die Kirche reihen.

Vor Ort gibt es auch einen offenen Supermarkt, der für kalte Getränke sorgt. Im weiteren Verlauf zeigt uns der Canal du Midi ein anderes Gesicht: statt über einen breiten Kiesweg geht es nun über kleine Pfade und Singletrails immer am Wasser entlang.

Außerdem weht heute über Frankreich nicht nur eine Hitzewelle hinweg, sondern auch ein stürmischer Wind mit Böen bis zu 46 km/h. In Deutschland würde es heißen: „Bitte verlassen Sie nach Möglichkeit nicht das Haus und achten Sie auf herabfallende Dachziegeln und umstürzende Bäume.“ Tja, und wir so? „Komm, lass mal Fahrrad fahren.“ Zu allem Überfluss handelt es sich dabei auch noch um Gegenwind, so dass wir ordentlich zu kämpfen haben.

Doch wir strampeln uns tapfer vorwärts. Zur Mittagszeit sind wir in der Nähe von Villesèquelande und hungrig, da alle Restaurants geschlossen sind. Daher besorgen wir uns ein Picknick in einem Supermarkt (der fünf Minuten danach ebenfalls schließt) und stärken uns für die nächste Etappe. Unser klappbares Brotmesser leistet uns dabei wertvolle Dienste.

Weiter geht es über Treidelpfade und Singletrails, die nicht alle meine Mitfahrer begeistern. Leider ist der Radweg entlang des Kanals noch nicht durchgängig ausgebaut. Zudem hat ein Pilz einige der Uferbäume getötet, so dass wir häufig in der brütenden Sonne fahren. Es sind aber nur knapp über 30 Kilometer bis wir unser heutiges Nachtquartier erreichen.

Es ist auch das Highlight unserer Radtour am Canal du Midi, auf das ich mich am meisten gefreut habe: Carcassonne. Wir unternehmen eine ausführliche Stadttour und verbringen ein Abendessen mit Wein. Eine wirklich beeindruckende Stadt, die mit ihrer vollständig erhaltenen Stadtmauer und dem prächtigen Schloss absolut sehenswert ist. Hier wird allerdings der Kanal ÜBER einen kleinen Bach geführt.

In Trèbes befindet sich der nächste größere Hafen mit einer ganzen Reihe von Restaurants und Cafés, dort legen wir eine kurze Pause ein und radeln anschließend gestärkt weiter.

Immer wieder durchqueren wir kleine Ortschaften, die in der Sommerhitze vor sich hindösen. Dabei sind wir mal mehr mal weniger durch Alleebäume am Canal du Midi vor der drückenden Hitze geschützt. Aber dafür genießen wir die „ruhige“ Fahrt auf dem breiten Radweg. Der Weg wechselt hier zwischen Feldwegen, Fahrradwegen und geteerten Strecken.

Unterwegs bewundern wir noch die Épanchoir de l’Argent-Double, eine Bogenbrücke, die nicht über den Canal du Midi hinweg führt, sondern parallel dazu verläuft. Die Brücke hat auch einen praktischen Hintergrund: Wenn der Kanal zu viel Wasser führt, kann dieses durch die Brückenbögen wasserfallartig in den darunter befindlichen Fluss Argent-Double ablaufen.

Wir kommen gut voran, sehen dabei den Hafen von Homps und die Burg von Argens-Minervois aus dem 14. Jahrhundert. Dort verbringen wir unsere vierte Nacht. Hier treffen wir auch einen weiteren Freund, der die letzten Canal du Midi Fahrrad Etappen mit uns gemeinsam radeln möchte. Ich hätte am liebsten eine ungewöhnliche Menü-Folge bestellt, traue mich jedoch nicht: dreimal Dessert als Vor-, Haupt- und Nachspeise wäre doch mal was cooles gewesen.

Über Argeliers schlängelt sich der Canal du Midi Radweg in weiten Bögen weiter Richtung Osten, bis wir von einer Baustelle auf dem Radweg zu einer belebten Straße gezwungen werden. Von dort aus sehen wir am Horizont schon das Stiftskolleg von Capestang.

Eine faszinierende Geschichte erklärt das halbfertige Aussehen der Kirche. Ein imposantes Mittelschiff beginnt mit zwei Bögen, danach ist die Kirche einfach mit einer sehr schlichten Wand abgeschlossen. Es war eine deutlich größere Kirche geplant. Durch einen Pestausbruch gab es danach allerdings nicht mehr genügend Einwohner, um das auch zu bezahlen, also wurde der Stand gesichert und nicht weitergebaut.

In Capestang finden wir auch einige offene Restaurants und somit eine willkommene Stärkung. Weiter geht es nach Colombiers, dort fahren wir auf einen kleinen Hügel und bewundern den ‘Etang’ de Montady, eine Lagune, die im 13. Jahrhundert trocken gelegt wurde. Vom Satelliten aus kann man die eigentümliche Struktur gut erkennen.

Als nächstes Highlight des Canal du Midi erreichen wir die Schleusentreppe Fonséranes. Hierbei handelt es sich um eine Wassertreppe bestehend aus neun Schleusen, die es den Booten ermöglicht, auf etwa 300 Metern einen Höhenunterschied von circa 21 Metern zu überwinden.

Und so bahnen sich die Boote dank der technischen Meisterleistung aus dem 16. Jahrhundert ihren Weg von Kammer zu Kammer durch den Kanal. Für uns geht es anschließend an der imposanten Kanalbrücke de l’Orb entlang, die über den gleichnamigen Fluss führt, bis wir schließlich Béziers erreichen.

Hier findet heute zufällig der ‚Tag der Musik‘ statt und die Stadt ist gefüllt mit kostenlosen Straßenkonzerten und jeder Menge Leute, die die angenehme Wärme der Abendsonne genießen. Neben vielen Bühnen für die Musiker, gibt es auch zahlreiche Buchsbäume, die in Form von bekannten Märchenfiguren geschnitten sind. Außerdem werden verschiedene Gebäude durch Lichtinstallationen verschönert.

Etappe 6: Bézier - Sète

Der letzte Tag unserer Radreise am Canal du Midi steht an. Bevor es losgeht, dürfen wir noch faszinierende ‘Bilder’ an den Wänden unseres Hotels bewundern: in Gipskarton ‘gekratze’ Reliefs, und aus Holzstücken geschraubte Comicfiguren. Nach dem Frühstück geben wir ein letztes Mal die Koffer ab, schwingen uns auf die Räder, die stilecht vor wilden Graffitis in der Hotelgarage stehen.

Somit begeben wir uns auf die finale Etappe ans Meer und auf die letzten 60 Kilometer nach Sète. Zunächst folgen wir dem Kanal aus Béziers bis wir einen ‘Umweg’ machen und den Pfeilen Richtung Meer folgen. Schon bald erhaschen wir den ersten Blick auf das Meer.

Jeder kennt diesen Spruch und verbindet damit etwas sehr Angenehmes. Auch „Essen wie Gott in Frankreich“. Oder ist das Radfahren am Canal du Midi doch wie „Radfahren wie Gott in Frankreich“?

Ein unerwarteter Einblick

Aber es blieb nicht bei einem Reisebericht mit touristischen Bildern und Eindrücken. Ungewollt bekamen wir direkt am Canal du Midi einen Einblick in ein Wohnheim für Erntehelfer oder osteuropäische Gastarbeiter.

Wir verließen also am späten Nachmittag wieder den Radweg am Canal und fuhren in den wenige Kilometer entfernten kleinen Ort Villapinte. Wir durchfuhren den Ort und fanden die angegebene Anschrift kurz nach einer Tankstelle direkt hinter dem Ortsausgangsschild. Doch was war das? Die angegebene Anschrift für unsere gebuchte Unterkunft entpuppte sich eher als heruntergekommenes, menschenleeres Fabrikgebäude. Hier sollte ein Gästeapartment sein? Das ganze Gebäude machte auf uns einen total verlassenen und heruntergekommenen Eindruck. Und - was machen die auffallend vielen klapprigen Autos mit z. T. ausländischen Kennzeichen hier?

Wir rollten auf unseren Klapprädern noch ungläubig und unschlüssig um das Haus herum, als uns ein vielleicht 50-jähriger Mann vom Dach des Hauses ansprach und uns im Auftrag seines „Padrons” willkommen hieß. Er wusste offensichtlich von unserer Online-Buchung und bot uns an, das erst heute Morgen gebuchte Apartment zu zeigen. Unsicher folgte ich ihm, mein Kumpel Lorbass blieb zur Sicherheit bei unseren Rädern mit dem Gepäck. Die Räder mit dem vielen Gepäck wollten wir jetzt nicht unbeaufsichtigt lassen!

Ich war auch sprachlich etwas überfordert, um aus seinen sprudelnden Sätzen klare Aussagen hEraushören zu können. Er führte mich zu einem, verdeckt hinter der heruntergekommenen Fabrik, befindlichen u-förmigen Häuserkomplex mit zwei Etagen und mehreren ins Haus führenden Fluren. An diesen Fluren befanden sich jeweils vier Appartmenttüren. An dem für uns bestimmten Apartment steckte bereits der Zimmerschlüssel und der Mann zeigte mir unser gebuchtes Zimmer. Irgendwie sah es dem Angebot auf dem booking.com Portal sehr ähnlich. Anderseits hinterließ es einen trostlosen Eindruck bei mir. Anscheinend waren wir die einzigen Gäste in dieser ganzen Anlage.

Ich wurde sehr unsicher, und fühlte mich überhaupt nicht wohl. Irgendwas störte mich!

Tja - was machen? Wir wussten, dass andere Unterkünfte in erreichbarer Nähe nicht angeboten wurden, wir hatten Hunger, und - wir waren wir auch zu faul, jetzt noch wieder zurück zum Kanal zu fahren und uns dann erneut bei nächster Gelegenheit in einem unbekannten Ort neu zu orientieren.

Wir richteten uns also mit einem gewissen Unbehagen in dem Zimmer ein, fuhren zu der Tankstelle, die uns als „Supermarkt“ wärmstens empfohlen wurde und versorgten uns mit Lebensmitteln und Getränken, um so den Abend zumindest durch ein üppiges Essen etwas unrühmlich ausklingen zu lassen. Wir hatten unsere Verpflegung gerade auf einem zu kleinen Tischchen vor der Balkontür ausgebreitet und es uns auf den blechernen Klappstühlen einigermaßen gemütlich gemacht, als sich urplötzlich in wenigen Minuten die ganze Wohnanlage mit vielen Männern füllte. Staubig und in alten Arbeitsklamotten wurden sie offensichtlich per Bus von irgendwelchen Baustellen in ihre Wohnanlage zurückgebracht. Auch drei oder vier Frauen gehörten zu diesem Trupp.

Canal du Midi: Ein Kanal im Wandel

Es hat sich viel getan am berühmtesten Canal Europas, dem Canal du Midi, der seit 1681 auf einer Länge von 240 km Toulouse mit dem Mittelmeer verbindet.

In den zwölf Jahren, in den ich am Canal du Midi als Guide gearbeitet habe, hat sich der Wasserweg sehr verändert. Die charakteristischen Platanen am Canal waren schon krank, angefault, vielfach kahl. Ein Baumkrebs, der sich über das Wasser verbreitet, der Cancer Couleureu, hatte die Bäume befallen, alle sollen nach und nach gefällt werden. Aber sie standen noch und gaben dem Canal das typische, von Weitem auszumachende Gesicht.

Ursprünglich waren keine Platanen am Canal Routinemäßig bin ich jedes Jahr einmal komplett die Stercke abgefahren, um den Zustand der 2013 noch sehr schlechten Treidelpfade Jahr für Jahr zu checken, ebenso unsere Hotels und Restaurants, in den ersten zehn Jahren hat Rückenwind diese Reise mit Halbpension angeboten.

Der Schleusenwärter Jean von der Écluse de Jouarres bei Homps erzählte mir einmal, dass ursprünglich keine Platanen am Canal gestanden hätten (Baubeginn 1666) sondern Weißpappeln, Eichen und Pinien. Die aber hätten damals ebenfalls eine Krankheit bekommen, so dass man sie für die Platanen fällte - nun ist es genau andersrum, man fällt die Platanen für die Weißpappeln.

Mit dem Fällen der Platanen konnten die Arbeiten am Treidelpfad endlich vorgenommen werden, das begann nach "Covid", wie man in Frankreich zu Corona-Epidemie sagt, also ab 2020. Der Weg wurde verbreitert, Plastikplanen wurden zur Festigung untergelegt, darüber fester Split, teils sogar Asphalt. Der erste gute Abschnitt zwischen Olonzac und der Canalkreuzung war 2022 fertig asphaltiert, in den Jahren bis 2024 kamen die anderen Abschnitte dran, teils asphaltiert, teils mit gut rollendem Split versehen.

Vor allem mit der Änderung der Radkultur in Frankreich änderte sich die Einstellung. Tour de France verbindet alle Welt mit der französischen Radkultur - es wurde nur Rennrad gefahren. Seit der Jahrtausend-Wende, spätestens nach der Corona-Epidemie, hat sich das in Frankreich aber grundlegend geändert: Mehr und mehr Radfernwege werden ausgewiesen und aufgearbeitet, stillgelegte Bahntrassen werden mit großem finanziellen Aufwand zu Radwegen umgebaut.

Reiseinformationen

Etappenlänge: Die Tagesetappen sind meist zwischen 40 und 65 Kilometer lang, ideal für gemütliches Radeln.

Unterkünfte: Es gibt zwei buchbare Kategorien bei Rückenwind Reisen. In der Standard-Kategorie übernachten Sie in gepflegten 3-Sterne-Hotels (franz. Klassifizierung) sowie in den charmenten Häusern Chambre d´hotes. In der Deluxe-Kategorie übernachten Sie in 3- und 4-Sterne-Hotels (franz. Klassifizierung) sowie besonders charmenten oder einzigartigen Häusern.

Gepäcktransport: Wir bringen Ihr Gepäck von Hotel zu Hotel, sodass Sie unbeschwert radeln können.

Kulinarische Genüsse: Probieren Sie lokale Spezialitäten wie Cassoulet, Garbure und Aligot sowie die hervorragenden Weine der Region.

Praktische Tipps

  • Anreise: Per Bahn oder mit dem Flugzeug nach Toulouse, Montpellier oder Béziers/Cap d´Agde
  • Helmpflicht: In Frankreich besteht für Kinder unter 12 Jahren Helmpflicht. Es wird generell empfohlen, einen Helm zu tragen.
  • Parkmöglichkeiten: Je nach gebuchtem Hotel und Verfügbarkeit entweder Parkplätze am Hotel, ca. EUR 10,00, oder kostenpflichtige Parkgarage Matabiau.
  • Rückreise: Eigenständige Rückfahrt von Séte nach Toulouse per Bahn oder optionaler Transfer von Sète nach Toulouse mit einem Kleinbus. Bustransfer am Samstag oder Montag (ab 2 Personen garantiert) 130,00 Euro pro Person, für das eigene Rad berechnen wir 39,00 Euro extra. Eine Reservierung ist bei Buchung erforderlich.

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