Manchmal läuft das Laufrad nicht mehr ganz gerade. Dann muss man das Rad durch Anziehen der Speichen zentrieren. Wie das geht und welche Probleme dabei lauern, zeigt uns TOUR-Werkstattleiter Christoph Allwang. Wie das Zentrieren eines Laufrads am Rennrad in nur wenigen Schritten funktioniert, zeigen wir in unserem Werkstatt-Video. So schaffen es auch Anfänger!
Ein korrekt zentriertes Laufrad sorgt für Laufruhe, Sicherheit und schont Bremsen sowie Rahmen. Kleine Unwuchten kannst du selbst beheben - bei größeren Schäden sollte ein Fachhändler ran.
Benötigtes Werkzeug
- Speichenschlüssel (nicht Inbus!) - passend zur Nippelgröße
- Zentrierständer (alternativ: Fahrrad im Montageständer oder auf den Kopf stellen)
- Reifenheber (falls Mantel entfernt werden muss)
- Ein wachsames Auge und Fingerspitzengefühl
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung: Stelle das Fahrrad stabil auf. Idealerweise nimmst du das Laufrad heraus und spannst es in einen Zentrierständer. Zur Not reicht auch das Drehen des Rads am montierten Fahrrad.
- Sichtprüfung: Stelle das Fahrrad stabil auf. Idealerweise nimmst du das Laufrad heraus und spannst es in einen Zentrierständer. Zur Not reicht auch das Drehen des Rads am montierten Fahrrad.
- Speichennippel einstellen: Kein Inbus! Die Speichen werden über den Speichennippel (mit Speichenschlüssel) an der Felge eingestellt.
- Zum Seitenschlag korrigieren:
- Felge zieht nach rechts → linke Speichen anziehen (Uhrzeigersinn), rechte leicht lösen.
- Felge zieht nach links → rechte Speichen anziehen, linke leicht lösen.
- Immer nur ¼ Umdrehung pro Nippel arbeiten.
- Gleichmäßige Speichenspannung: Korrekte Spannung fühlt sich an, wenn alle Speichen bei leichtem Antippen ähnlich „klingen“. Sehr lockere Speichen nachziehen. Achtung: Zu fest kann die Felge beschädigen.
- Höhenschlag ausgleichen:
- Tiefe Stelle: Alle Speichen in diesem Bereich leicht anziehen.
- Hohe Stelle: Speichen in diesem Bereich leicht lösen.
- Zum Seitenschlag korrigieren:
- Kontrolle: Nach jeder Runde Einstellungen das Rad komplett durchdrehen und kontrollieren. Das Rad sollte möglichst gleichmäßig laufen, seitlicher Schlag unter 1-2 mm.
- Montage und Test: Rad wieder einbauen (Schnellspanner/Steckachse korrekt fixieren). Bremsen prüfen. Bei Felgenbremsen: Prüfen, ob die Bremsflanken gleichmäßig laufen. Testfahrt machen - spürbare Vibrationen oder Schleifen deuten auf weitere Korrekturen hin.
Wichtige Hinweise:
- Für schwere Höhenschläge oder Risse: Rad in der Werkstatt professionell richten lassen.
- Carbon-Laufräder sollten grundsätzlich nur vom Fachbetrieb zentriert werden.
- Keine Gewalt anwenden: Überdrehen beschädigt Speichen oder Felge.
Das Zentrieren von Laufrädern
Unter „zentrieren“ versteht man das Ausrichten einer montierten Felge im Laufrad über das gezielte Verändern der Speichen-Spannung. So erzeugt man einen schlagfreien Rundlauf der Felge gegenüber der Laufachse sowohl in der Höhe als auch zur Seite.
Die Bedeutung der Speichenspannung
Durch diese Speichenspannung wird die Felge gleichzeitig von beiden Seiten nach außen und Richtung Nabe gezogen, wodurch das Laufrad eine enorme Steifigkeit erlangt.
Werkzeuge zum Laufrad-Zentrieren
Um Speichennippel drehen zu können, braucht es einen speziellen Nippelspanner . Für herkömmliche Laufräder passt in 90 Prozent der Fälle ein Schlüssel mit 3,2 Millimetern Maulweite. Shimano- oder Mavic-Laufräder benötigen häufig spezifische Nippelspanner. Für Laufräder mit innen liegenden Speichennippeln brauchen Sie wiederum spezielle Steckschlüssel. Bei Messerspeichen braucht man ein entsprechendes Werkzeug (links), um die Speiche gegenzuhalten.
Zentrierständer gibt es ab 40 Euro. Allerdings sind günstige Modelle meist etwas wackelig. Modelle ab etwa 100 Euro (wie z.B. der Rose 2-ZENT.A:-XL ) bieten dagegen häufig schon Werkstattqualität. Sie sind robust und eignen sich dank vieler Verstellmöglichkeiten für alle Laufradvarianten. Echte Profigeräte mit Messuhren kosten deutlich mehr und sind für den Heimwerkerbedarf übertrieben.
Wer gar keinen Zentrierständer hat, kann sich mit einem Kabelbinder behelfen. Den Kabelbinder einfach an den Sitzstreben oder der Federgabel befestigen und das abstehende Ende so abzwicken, dass es gerade nicht an der Felge ansteht. Wenn man das Laufrad dann dreht, lässt sich der Rundlauf überprüfen. Diese Methode hilft im Notfall, ist günstig und schnell zu machen, aber nicht besonders exakt.
Wie ermittle ich den Seitenschlag?
Dazu die Messfühler im Zentrierständer so einstellen, dass sie an einzelnen Stellen die Felgenflanken berühren. Das Laufrad im Zentrierständer drehen. An den Stellen, an denen die Felge anschlägt, müssen Sie zentrieren.
Wichtige Tipps
- Generell gilt: Um die Felge wieder mittig zu zentrieren, erhöht man die Speichenspannung.
- Oft reicht eine viertel Umdrehung, um die Felge zu zentrieren! Gehen Sie immer schrittweise vor.
- Reicht es nicht, nur die Spannung der entsprechenden Speichen zu erhöhen, muss zusätzlich die Spannung der gegenüberliegenden Speichen (auf der Seite des Felgenschlags) verringert werden.
- Als Faustregel gilt: Seitenschläge, die bis zu einen Zentimeter von der Mitte abweichen, lassen sich zentrieren. Alles was darüber hinausgeht, wird schwierig.
- Neben einem Seitenschlag können Laufräder auch einen Höhenschlag haben. Das Zentrieren des Höhenschlags ist kompliziert und verlangt nach Erfahrung. Anfänger sollten deshalb besser eine Werkstatt aufsuchen.
Spezielle Hinweise für Carbon Laufräder
Das Zentrieren von normalen Laufrädern aus Aluminium haben wir ja in einem vorherigen Artikel schon detailliert beschrieben. Bei Carbon Laufrädern gibt es allerdings ein paar Feinheiten beim Zentrieren, die unbedingt beachtet werden sollten.
Um ein Carbon Laufrad zentrieren zu können ist in jedem Fall Spezialwerkzeug notwendig. Carbonfelgen sind teilweise speziell am Nippelsitz empfindlich gegen zu hohen Druck. Deswegen muss mit einem Speichentensiometer zuerst die Spannung der zu korrigierenden Speichen ermittelt werden.
Wenn die Speichenspannung bei alle Speichen zu niedrig ist, müssen diese gleichmäßig angezogen werden. Dadurch wird die Stabilität und Steifigkeit des Carbon Laufrads verbessert. Damit der Rundlauf auch nach vielen tausend Kilometern noch perfekt ist, ist eine gleichmäßige Speichenspannung - verteilt über alle Speichen - von enormer Bedeutung. Ohne dieses spezielle Messinstrument kann die Spannung der Speichen nicht gemessen werden.
Wenn bei einem Carbon Laufrad einen Höhenschlag auftritt, müssen ja bestimmten Speichen gelockert und bestimmte Speichen gespannt werden. Bei Carbonlaufrädern ist die Reihenfolge der beiden Arbeitsschritte wichtig. Es müssen zuerst die Speichen gelockert werden und danach die gegenüberliegende Seite angespannt werden.
Zusammenfassend gilt folgendes: Bei Carbon Laufrädern immer mit Speichentensiometer arbeiten und die Speichenspannung in regelmäßigen Abständen prüfen.
Lokalisieren des Seitenschlags
Um das Laufrad zu zentrieren, musst Du natürlich zuerst einmal wissen, wo an der Felge der Seitenschlag sitzt und zu welcher Seite er ausschlägt. Dazu hängst Du Dein Laufrad in den Zentrierständer. Stelle die Schenkel der sogenannten Justierzange so nahe an die Felgenflanke, dass sich das Laufrad gerade noch frei drehen kann. Der Abstand zwischen der Justierzange und der Flanke sollte also möglichst klein sein.
Wenn Du nun das Laufrad im Zentrierständer drehst und währenddessen die Justierzange noch näher an die Felge heranfahren lässt, wirst Du sehen, wie die Felge seitlich taumelt. Die Felgenflanke wird bald die Justierzange touchieren, aber nur an einem Teil der Felge. Dies macht sich durch ein kurzes, schabendes Geräusch bemerkbar. Genau dort sitzt Dein Seitenschlag! Schau Dir genau an, wo der Schlag beginnt und wo er wieder aufhört. Mit zwei Aufkleber-Schnipseln kannst Du Anfang und Ende des Schlags markieren.
Wenn Du keinen Zentrierständer zu Hause hast, kannst Du Dir aber auch mit einem kleinen Trick behelfen. Lass das betroffene Laufrad im Bike und spanne einfach einen Kabelbinder in Höhe der Felgenflanke um Deine Gabel oder Sitzstrebe, je nachdem ob Du das Vorder- oder Hinterrad zentrieren willst. Schneide ihn soweit ab, dass er so gerade kurz vor der Felgenflanke steht. Du kommst mit dieser Methode nicht auf die Präzision eines Zentrierständers - für den Notfall reicht es aber so.
Vorsicht bei Messerspeichen
Wenn Du Messerspeichen (also abgeflachte Speichen) hast, musst Du sie mit einem Speichenhalter festhalten. Sonst kann es sein, dass sie sich verdrehen. Das hat zwei Folgen: Die Speiche hat dann kaum noch Steifigkeit in die Belastungsrichtung und kann schnell brechen. Außerdem "schneidet" die auf Aerodynamik optimierte Speiche nun nicht mehr durch die Luft, sondern wirkt wie ein Segel. Der Vorteil der Messerspeiche ist damit dahin und kehrt sich gar zum Nachteil um.
Platziere den Speichenhalter beim Anziehen der Speichen so nah wie möglich am Speichennippel, um so wenig Torsion (Verdrehung) wie möglich zu erreichen.
Zentrieren
Schau, dass Du einen passenden Nippelspanner (auch: Speichenschlüssel) zur Hand hast, der exakt auf die Breite des Nippels passt. Hier gibt es kleine Unterschiede. Am Besten nimmst Du Dir einen Messschieber zur Hand und misst die Nippel aus. Viele Nippelspanner haben mehrere Größen integriert, damit Du immer den passenden Spanner hast.
Nun geht´s los. Drehe das Laufrad im Zentrierständer oder am Bike an. Schau genau hin, ob die Felge nach links oder rechts auslenkt. Zieht sie nach rechts, müssen die Speichen gespannt werden, die vom Felgenring aus zur Gegenseite hin zeigen, also zum linken Nabenflansch (Nicht-Antriebsseite). Zieht sie nach links, müssen die Speichen gespannt werden, die vom Felgenring aus zur Gegenseite hin zeigen, also zum rechten Nabenflansch (Antriebsseite).
Die Speichenspannung wird in Schritten von einer viertel Umdrehung des Speichennippels erhöht. Achtung: Dafür muss der Speichenschlüssel, wie abgebildet, von oben betrachtet gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden. Ziehe alle Speichen der entsprechenden Seite an, die sich auf dem Kreisbogen befinden. Gehe dabei kleinschrittig vor, am Besten in viertel Umdrehungen. Kontrolliere den Schlag direkt nach dem ersten Durchgang. Er wird nun dezenter als zuvor ausfallen, sowohl in der Auslenkung als auch in der Länge des Kreisbogens.
Taste dich nun weiter vor, bis der Schlag gänzlich oder fast ganz verschwunden ist. Wenn Du dich dem Optimalzustand annäherst, in dem die Felge schnurgerade ist, musst Du beim Anziehen noch kleinschrittiger werden. Lässt sich eine Speiche nur extrem schwer drehen, da sie schon stark gespannt ist, müssen zuerst die benachbarten Speichen der Gegenseite links und rechts davon etwas gelöst werden (Nippelspanner im Uhrzeigersinn drehen).
Als Faustregel für eine vernünftig Zentrierung gilt: Ein Laufrad für Felgenbremsen sollte nahezu perfekt gerade sein, da sich beim Bremsen sonst ein störendes Pulsieren bemerkbar machen kann. Ein Scheibenbrems-Laufrad ist da unkritischer: Da ist 1mm Seitenschlag gar nicht schlimm und kann ohne weiteres toleriert werden, solange die Speichenspannung stimmt.
Bitte bei der ersten Fahrt nach dem Zentrieren nicht erschrecken: Die Speichen haben nun mehr Spannung als vorher und können sich daher noch an den Speichenkreuzungen „setzen“. Dies macht sich durch ein deutlich hörbares Knarzen bemerkbar. Dieser Effekt ist ganz normal, sollte aber schon nach kurzer Fahrt aufhören.
Wenn Du noch Fragen hast oder unsicher bist, melde Dich einfach bei uns - wir helfen Dir weiter!
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