Carbon- und Aerolaufräder sind ein begehrtes Upgrade für viele Rennradfahrer. Dieser Artikel untersucht, was von den Marketingversprechen übrig bleibt. Tiefere Carbonlaufräder versprechen in Kombination mit den richtigen Reifen mehr Geschwindigkeit. Kaum ein Upgrade ist so vielversprechend wie ein neuer Laufradsatz, aber auch keine andere Komponente ist so kostspielig.
Testfeld und Testbedingungen
Im Laufrad-Test sind alle großen und wichtigen Hersteller vertreten, von Carbon-Pionieren wie Lightweight über absolute Klassiker wie Mavic und DT Swiss bis hin zu etablierten Hausmarken der großen Bike-Hersteller und den neuesten Playern in der Laufradwelt. Wir haben die leichtesten und schnellsten Allrounder und die angesagtesten Modelle im Laufrad-Test. Die Compliance der Räder entscheidet viel über den tatsächlichen Einsatzbereich.
Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, haben wir unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht. Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet.
Technologien und Features
Weil alle getesteten Wheels für moderne Reifen, ob tubeless oder nicht, geeignet sein sollen, achten wir auf modern gewählte Felgenbreiten und Maulweiten. Ebenfalls zur Felge gesellt sich das aktuell heiß diskutierte Hookless-Thema. In unserem Testfeld sind hakenlose sowie klassisch behakte Modelle vertreten. Carbonspeichen machen ein steifes Laufrad, was wiederum ein reaktives und agiles Rad bedeutet, meist geht das aber auf Kosten der Compliance.
Hookless-Technologie
Im Laufrad-Test hatten wir allerdings keine Probleme, ganz im Gegenteil: Die hakenlosen Räder funktionieren problemlos und teils besser als die behakte Konkurrenz. Im Laufrad-Test sind hakenlose sowie klassisch behakte Modelle vertreten.
Fahreigenschaften und Handling
Laufräder bestimmen das Fahrgefühl und Feeling des Bikes wie kein anderes Bauteil am Rad. Ein steifes Laufrad bedeutet vor allem ein reaktives und agiles Rad, das auf Lenkimpulse und Antritte flink reagiert und den Input direkt umsetzt. Eine Kombination aus Compliance und Steifigkeit, die aber auch stark von individuellen Präferenzen abhängt.
So kristallisieren sich beispielsweise die sehr leichten Lightweight Obermayer EVO als absolute Kletter-Freunde heraus. Oder das DT Swiss ERC 1100, ein unglaublich ausgeglichenes Laufrad ohne Zicken oder unerwartetem Verhalten. Auch Carbonspeichen, wie sie an den Rädern der 50-mm-Gang HUNT und CADEX verbaut sind, ergeben ein einzigartiges Fahrgefühl.
Aerodynamik im Windkanal
Wir waren mit den Laufrädern in Deutschlands neuestem radsport-spezifischen Windkanal. Getestet wurden dabei alle Laufräder im Bike bei 45 km/h Windgeschwindigkeit und mit angetriebenen Rädern. Ein aktuelles Canyon Ultimate CFR dient uns als Benchmark für moderne Racebikes.
Erstens: Der Wert der aerodynamischen Belastung, hier angegeben mit Cx*A (aus dem Englischen als CdA-Wert bekannt), gibt an, wie viel Luftwiderstand ein Objekt hat. Da das Canyon Ultimate CFR, in dem die Laufräder verbaut werden, jedes Mal dasselbe ist, vergleichen wir lediglich die Unterschiede zwischen den Laufrädern.
Zweitens: Die im Radsport beliebte Kennzahl Watt. Außerdem ist der Gierwinkel, aus dem Englischen als Yaw Angle bekannter Anströmwinkel, relevant. Dieser bezeichnet den Winkel, aus dem der Luftstrom auf das zu messende Objekt trifft, in unserem Fall das Bike mit den Testlaufrädern.
Testergebnisse und Erkenntnisse
Schon mal vorweg: Alle Laufräder im Test funktionieren hinsichtlich der Aerodynamik. Zum Vergleich hatten wir ein Einsteiger-Alu-Laufrad im Windkanal, und im Schnitt lagen die Performance-Laufräder über 12 Watt weiter vorn. Doch auch unter den Laufrädern gibt es klare Unterschiede. Laufräder mit gemischten Tiefen liegen knapp darüber. Dabei ist der Gedanke, die Anfälligkeit für Seitenwind an der sensiblen Front zu minimieren und mit einem tiefen Hinterrad für gesteigerte Effizienz und einen höheren Segeleffekt zu sorgen.
Eine weitere Überraschung ist die sehr gute Performance der Bontrager Aeolus RSL 51 TLR. Vermutlich erkauft sich das Bontrager-Entwicklungsteam durch eine vergleichsweise schmale Felge und eine daraus resultierende kleinere Stirnfläche, also durch schmalere Felgen und Reifen, viel Performance bei niedrigen Gierwinkeln.
Der Laufrad-Testsieger Syncros Capital SL Aero kann auf ganzer Linie überzeugen. Dazu kommen das geringe Gewicht und ein perfekt ausbalanciertes Fahrgefühl. Die Reserve 52|63-Laufräder sind die unangefochtenen Sieger der Herzen. Mit klassischer behakter Felgenkonstruktion, überraschend starker Aero-Performance und einem vielseitigen Fahrgefühl bestechen die Räder durch verlässliche und ausgewogene Leistung in fast jeder Situation.
Weitere Testberichte und Modelle
Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz
Der Shimano Ultegra C36-Laufradsatz ist ein leichter, aerodynamisch-optimierter Allrounder für Rennräder. Mit 36 Millimetern Felgenhöhe durchaus im moderaten Aero-Bereich unterwegs, fährt sich der Laufradsatz bei Seitenwind absolut stabil und berechenbar.
Campagnolo Shamal C23
Die Campagnolo Shamal C23 sind Carbon-Hochprofil-Laufräder für den Allround- und Gravel-Einsatz.
Aerycs GCX Terra 50
Die Aerycs GCX Terra 50 sind aerodynamische Gravel-Race-Disc-Laufräder mit hoher Seitensteifigkeit und starkem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Leeze CH 30 Allroad Basic
Der Leeze CH 30 Allroad Basic ist ein Gravel-Laufradsatz mit herausragenden Aerodynamik-Werten und geringem Gesamtgewicht sowie starkem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Fulcrum Sharq
Der italienische Hersteller präsentiert einen leichten Allroad-Laufradsatz mit charakteristischem Wellen-Design.
Leeze CC58 Disc Evo Waso
Die Leeze CC58 Disc Evo Waso sind leichte Allround-Laufräder mit Top-Werten beim Luftwiderstand.
Rennrad-Laufräder mit Carbonspeichen
Geringes Gewicht und höchste Steifigkeit verbanden sie auf eine Art, wie sie mit den damals üblichen Alu-Felgen und Stahlspeichen nicht ansatzweise zu erreichen war. Spätestens mit den ersten prominenten sportlichen Erfolgen wurden sie bei Profis wie Hobbyfahrern so begehrt, dass die Nachfrage über Jahre hinweg nicht gesättigt werden konnte.
Mehrere Hersteller rütteln am Thron des Leichtbau-Pioniers und wollen das leichtfüßige Fahrgefühl eines Carbonspeichen-Laufrades zu günstigeren Preisen einem breiteren Publikum zugänglich machen.
Durch Carbonspeichen können die Laufradsätze gegenüber vergleichbaren Konstruktionen mit Stahlspeichen gut und gerne 100 Gramm leichter werden. Solche niedrigen Gewichte waren seit dem Abschied von Felgenbremsen und Schlauchreifen nicht mehr möglich.
Die Speichen bestehen aus einem Faserstrang je Seite. Das Konstrukt ist sensationell leicht.
Laufrad-Dauertest
Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke
"Die Beschleunigung ist mega, die Räder rollen leicht, halten spielerisch hohes Tempo, und auch bei High Speed bergab fühle ich mich jederzeit sicher", so die Vielfahrerin, die in kurzer Zeit über 6000 Kilometer mit dem Laufradsatz abspulte.
Fulcrum Sharq
Mit satten 25 Millimetern Maulweite richten sich die brandneuen Fulcrum Sharq-Laufräder an Fans üppiger Bereifung.
Black Inc 28/33
Mit flachen Felgen und Carbon-Speichen ist der Laufradsatz leicht und steif zugleich. Entsprechend spritzig gerät der Antritt, das Handling ist agil, und auch bei hohem Tempo und Seitenwind kommt nie Unruhe auf.
Scope Cycling Artech 4
Erstmals verbauen die Niederländer hier Carbon-Speichen, ein auffälliges Schuppenprofil sowie 3D-gedruckte Naben. Ergebnis: begeisternd leichte Laufräder mit nur 1124 Gramm Set-Gewicht.
DT Swiss ARC 1100 Dicut 38
Dass die niedrigste Aero-Felge von DT dennoch "segelt", spürt man deutlich: Fahrt- und Seitenwind heften sich an und tragen zum Vortrieb bei. Wer maximale Laufruhe sucht, sollte vor dem Kauf aber besser eine Probefahrt machen. Oder den neuen Aero-Reifen von DT/Conti/Swiss Side montieren, der spürbar zu mehr Laufruhe beiträgt.
Newmen Streem Allround Vonoa
Mit 15 bzw. 18 Carbon-Speichen drücken das Set-Gewicht auf attraktive 1305 Gramm - erfreulicherweise nicht zu Lasten der Steifigkeit.
Sieben Carbon-Laufradsätze im Test
Aerycs Aero WT 30
Im Vergleich zum letzten Jahr wurde die Carbon-Felge überarbeitet: Satte 23 Millimeter Maulweite bietet die nun in allen der fünf erhältlichen Felgenhöhen - entsprechend breit bauen die Reifen, die mindestens 28, höchstens 65 Millimeter messen dürfen.
Fulcrum Wind 42
Die höchste Felge in diesem Vergleich schneidet zudem pfeilschnell durch die Luft und zeigt sich selbst bei böigem Wind und hohem Tempo absolut fahrstabil. Ebenfalls positiv: Die Laufräder fahren sich recht komfortabel, was durch breit bauende Reifen dank 23er-Maulweite verstärkt wird.
Leeze CC 38 Basic R
Dank des geringen Gewichts gehen die hervorragend aufgebauten Laufräder gut nach vorn, halten dank der aerodynamischen 38-Millimeter-Hakenfelge sehr gut hohes Tempo und bleiben dabei jederzeit fahrstabil.
Mavic Cosmic SL 32
In der Fahrpraxis gefällt vor allem der hohe Dämpfungskomfort. Dieser wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Maulweite gegenüber früheren Ausführungen der Laufräder auf nun 21 Millimeter angewachsen ist und Reifen entsprechend breiter bauen und noch besser dämpfen können.
Newmen Streem Climbing
Richtig gelesen: Die neuen Streem Climbing-Laufräder von Newmen wiegen als Set unter 1200 Gramm! Und das, obwohl die Felgen 35 bzw. 38 Millimeter hoch und innen immerhin 22 Millimeter weit sind.
Shimano Ultegra WH-RS8170 C36
Der Laufradsatz als ausgewogen, laufruhig und grundsolide, überzeugt in der Praxis mit guter Kraftübertragung, stoischer Ruhe bei Seitenwind und angenehmem Dämpfungskomfort.
Winspace Lún Grapid
Streng genommen handelt es sich dabei um einen Gravel-Laufradsatz mit 25er-Maulweite, der aber mit Reifen ab 30 Millimetern bestückt auch an Performance- und Endurance-Rennrädern eine gute Figur abgibt. Denn mit 1355 Gramm Set-Gewicht spielt er ganz vorne mit und gefällt mit sportlich-agilem Handling.
Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse
Nach all dem Sichten von Daten und dem Besprechen von Testeindrücken haben sich einige Erkenntnisse besonders herauskristallisiert. Ein paar Punkte und Features haben uns dabei nachträglich überrascht oder die Augen geöffnet. Dazu gesellen sich auch einige Dinge, die wir an unseren nächsten Laufrädern nicht missen wollen.
- Carbonspeichen: Machen ein steifes Laufrad, was wiederum ein reaktives und agiles Rad bedeutet, meist geht das aber auf Kosten der Compliance.
- Tubeless-Montage: Ein ungebohrtes Felgenbett, wie es Syncros, Lightweight und Mavic bieten, macht selbst den größten Tubeless-Skeptikern richtig Spaß.
- Segeleffekt: Je tiefer die Felge und je mehr Fläche durch breite Speichen, desto mehr Angriffsfläche für den Wind.
- Reifenbreite: Breitere Reifen bieten dank geringerem Druck mehr Grip und Compliance, das schont auf der großen Fahrt und macht einfach mehr Spaß.
- Hookless: Die hakenlosen Räder funktionieren problemlos und teils besser als die behakte Konkurrenz.
Tabelle: Übersicht der getesteten Laufradsätze
| Laufradsatz | Gewicht (Satz) | Felgenhöhe | Maulweite | Besondere Merkmale |
|---|---|---|---|---|
| Lightweight Obermayer EVO | ca. 1200g | Variabel | Variabel | Extrem leicht, Kletter-Freund |
| DT Swiss ERC 1100 | ca. 1400g | Variabel | Variabel | Ausgeglichen, zuverlässig |
| Hunt 50-mm-Gang | ca. 1500g | 50mm | Variabel | Carbonspeichen |
| CADEX 50 Ultra | ca. 1450g | 50mm | Variabel | Carbonspeichen |
| Syncros Capital SL Aero | ca. 1300g | 60mm | Variabel | One-Piece-Konstruktion |
| Reserve 52|63 | ca. 1455g | 52mm/63mm | Variabel | Behakte Felgen |
| Shimano Ultegra C36 | 1488 g | 36 mm | 21 mm | Leichter Allrounder |
| Fulcrum Sharq | 1462 g | Variabel | 25 mm | Allroad-Einsatz |
| Scope Cycling Artech 4 | 1124 g | 45 mm | 23 mm | Carbon-Speichen |
| Newmen Streem Climbing | ca. 1200g | 35/38mm | 22mm | Leichtgewicht |
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