Rennrad Carbon Laufradsatz Felgenbremse Test: Eine umfassende Analyse

Unter Rennradfahrern ist die Frage nach Felgen- oder Scheibenbremse eine der meistdiskutierten. Während die Scheibenbremse in der Produktentwicklung der Radhersteller immer häufiger die tragende Rolle übernimmt, erfreuen sich Felgenbrems-Laufräder im Nachrüstmarkt immer noch großer Beliebtheit. Wer seinem Felgenbrems-Renner mit neuen Laufrädern frischen Schwung verleihen möchte, findet derzeit noch eine große Auswahl an Produkten.

Test von 20 Laufrädern für Felgenbremsen

ROADBIKE hat 20 aktuelle Modelle in drei Preiskategorien getestet: um 600 Euro, um 1000 Euro und um 2000 Euro. Das Testfeld setzt sich aus alten Bekannten und Newcomern zusammen. Neu entwickelte Felgenbrems-Laufräder in den beiden günstigeren Preiskategorien waren nicht zu kriegen - hier findet offenbar keine Entwicklung mehr statt. Also wurden für die Preisbereiche um 600 und um 1000 Euro bekannte und teils schon länger am Markt befindliche Modelle getestet.

Wenn überhaupt noch wirklich neue Laufradmodelle für Felgenbremsen auf den Markt kommen, geschieht dies offenbar "nur" noch im hochpreisigen Sektor. "Felgenbrems-Laufräder profitieren von den technischen Erkenntnissen und Fortschritten aus der Disc-Laufradentwicklung", erklärt Alex Gebert, Produktmanager bei Giant. Aero-Optimierung, Carbon-Speichen, Hookless-Felgen - all das übernimmt zum Beispiel der getestete Cadex-Laufradsatz von seinem Schwesterprodukt für Scheibenbremsen.

Preisklassen im Vergleich

Die Leistungsschau verschiedener Preisklassen zeigt, wie und wo sich höhere Preise bemerkbar machen. Die vier getesteten High-End-Laufradsätze um 2000 Euro kommen ausschließlich mit Carbon-Felgen, überzeugen mit top Steifigkeitswerten und liefern mehrheitlich Spitzenwerte, was Gewicht und Trägheitsmessungen angeht. Teurer bedeutet hier also tatsächlich auch besser.

Gleichzeitig gilt aber auch: Die besten Vertreter der Preisklasse um 1000 Euro bleiben auf Schlagdistanz - egal, ob sie mit Carbon- oder Alu-Felgen aufgebaut sind. Und selbst die Modelle um 600 Euro, die ausschließlich auf Alu-Felgen setzen, schlagen sich wacker. Freunde von Felgenbrems-Laufrädern finden aktuell noch viele überzeugende Produkte - selbst wenn es die letzten ihrer Art sein sollten.

Testergebnisse zusammengefasst

Von den vier neu entwickelten Laufrädern der Preisklasse um 2000 Euro überzeugen besonders das teure 42 Tubeless von Cadex und das deutlich günstigere RC Fifty Carbon von Rose. In der Preisklasse um 1000 Euro gefällt besonders das EA90 SL von Easton. Ein Allzeit-Preis-Leistungs-Tipp ist und bleibt Campagnolos Zonda für unter 500 Euro.

Testkriterien

Im Mittelpunkt stehen dabei die Faktoren Gewicht (25 %), Seitensteifigkeit (25 %), Torsionssteifigkeit (5 %), Trägheit (10 %), Aufbau (10 %) und Fahreindruck (25 %).

Detaillierte Testergebnisse der Laufräder um 2000 Euro

Cadex 42 Tubeless (Testsieger)

Cadex 42 Tubeless begeisternde Laborwerte Messerspeichen aus Carbon teuer, eingeschränkte Reifenwahl. Im Labor begeistern die 42 Tubeless mit hohen Steifigkeitswerten und extremem Leichtgewicht. Möglich wird dies unter anderem durch Messerspeichen aus Carbon. In der Praxis gefallen die gute Beschleunigung und die tolle Bremspower, allerdings bringt Seitenwind schnell Unruhe ins Fahrwerk. Die hakenlose Felge schränkt die Reifenauswahl stark ein, der sehr laute Freilauf ist Geschmackssache. Cadex’ teures Erstlingswerk legt beeindruckende Laborwerte hin. In der Praxis trüben kleine Details die Freude.

  • Gewichte: VR 556 g/HR 717g
  • Preis: 2599 Euro
  • Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe): 19 mm/24 mm/42 mm
  • Speichen: v 16 radial/h 21, links radial, rechts 2x gekreuzt
  • Lieferumfang: Schnellspanner, Bremsbeläge, Tubeless-Ventile und -Felgenband, Laufradtaschen
  • Gewichtslimit: 126,5kg Systemgewicht (Fahrer, Rad, Ausrüstung)
  • Wertung: ÜBERRAGEND (93 Punkte)

Rose RC Fifty Carbon (Preis-Leistungs-Tipp)

Rose FC Fifty Carbon toller Fahreindruck sehr viel Leistung fürs Geld Garantie- und Crash-Replacement-Bestimmungen. Ähnlich wie sein Disc-Pedant überzeugt es auf der Straße mit spritzigem Antritt dank Fliegengewicht, großer Lenkpräzision und hoher Fahrstabilität. Vor allem aber hält das RC Fifty Carbon hohes Tempo beeindruckend leicht - womöglich der Aero-Vorteil der höchsten Felge im Test. Auch die Bremspower der SwissStopp-Beläge stimmt. Bei den Steifigkeitsmessungen sind die Konkurrenten etwas besser, Roses Werte sind aber über alle Zweifel erhaben. Großzügig: sechs Jahre Garantie und Crash-Replacement. Spritzig, agil, schnell: Zum vergleichsweise attraktiven Preis schnürt Rose ein tolles Paket.

  • Gewichte: VR 617 g/HR 757 g
  • Preis: 1499 Euro
  • Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe): 19,5 mm/28 mm/47 mm
  • Speichen: v 20 rad./h 21, links radial, rechts 3x gekreuzt
  • Lieferumfang: Schnellspanner, Bremsbeläge, Tubeless-Ventile und -Felgenband, Laufradtasche
  • Gewichtslimit: 110kg Systemgewicht (Fahrer, Rad, Ausrüstung)
  • Wertung: ÜBERRAGEND (95 Punkte)

Campagnolo Bora WTO 33

Campagnolo Bora WTO 33 leicht, steif, schnell tolle Bremsleistung, aber... ...lautes Pfeifen beim Bremsen. Mit knapp über 1400 Gramm Set-Gewicht gefällt der Satz aber auch als Gipfelstürmer, der im Labor bei Steifigkeits- und Trägheitsmessungen fleißig Punkte sammelt. Auf der Straße gefallen die quirlige Beschleunigung und die sehr präzise Lenkung, auch die Bremspower beeindruckt. Geschmackssache ist dabei aber das sehr laute Pfeifgeräusch beim Bremsen, die aufgeraute Flanke sorgt zudem für ordentlichen Belagverschleiß. Drei Jahre Garantie sind kundenfreundlich, der Verzicht auf ein Crash Replacement ist es weniger. Die flinken Bora WTO 33 sind nicht nur für Campa-Fans eine Empfehlung, bremsen allerdings recht laut.

  • Gewichte: VR 607g/HR 809g
  • Preis: 2160 Euro
  • Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe): 19 mm/26,7mm/33mm
  • Speichen: v 18 radial/h 21, links radial, rechts 2x gekreuzt
  • Lieferumfang: Schnellspanner, Bremsbeläge, Tubeless-Ventile und Reduzierhülse, Reifenheber
  • Gewichtslimit: 120kg Systemgewicht (Fahrer, Rad, Ausrüstung)
  • Wertung: SEHR GUT (84 Punkte)

DT Swiss PRC 1400 Spline 35

DT Swiss PRC 1400 Spline 35 toller Fahreindruck Garantie- und Crash-Replacement-Bestimmungen niedrigstes Gewichtslimit im Vergleich. Auf der Straße gefällt es mit einem sehr ausgewogenen Fahreindruck: Die Beschleunigung ist sehr gut, die Lenkung extrem präzise, hohes Tempo hält das Set ausgesprochen willig, die Bremspower ist hoch. Akustisch fallen der sehr laute Freilauf, leises "Bollern" der Felgen und dezentes Sirren beim Bremsen auf. Im Labor hingegen kosten das in diesem Vergleich hohe Set-Gewicht und die Trägheitswerte wertvolle Punkte. Großzügig: Für Carbon-Felgen gewährt DT Swiss kundenfreundliche Garantie- (lebenslang) und Crash-Replacement-Bestimmungen (10 Jahre 249 Euro für eine Ersatzfelge). Macht Spaß: Das PRC 1400 von DT Swiss ist vielseitig und schnell. Im Labor sammeln andere mehr Punkte.

  • Gewichte: VR 667g/HR 826g
  • Preis: 1957 Euro
  • Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe): 18 mm/25mm/35mm
  • Speichen: v 20 radial/h 24, links und rechts 2x gekreuzt
  • Lieferumfang: Schnellspanner, Bremsbeläge, Tubeless-Ventile und -Felgenband, Sram XDR-Body
  • Gewichtslimit: 100kg Systemgewicht (Fahrer, Rad, Ausrüstung)
  • Wertung: SEHR GUT (80 Punkte)

Detaillierte Testergebnisse der Laufräder um 1000 Euro

Easton EA90 SL (Testsieger)

Easton EA90 SL leicht, steif, komfortabel tolles Bremsverhalten kein Gewichtslimit Garantie nur ohne Rennen. Trotz massiver Naben und breiter Felge bleibt der Satz locker unter der für Alu-Laufräder magischen Gewichtsgrenze von 1500 Gramm und sammelt fleißig Punkte bei den Steifigkeitsmessungen. Im Sattel begeistern die EA90 SL mit sattem Vortrieb und spritziger Beschleunigung, das Lenkverhalten ist wendig-agil und zugleich absolut präzise. Dank breit bauender Reifen stimmt auch der Komfort. Crash-Replacement bietet Easton nicht, dafür aber zwei Jahre Garantie - ohne Renneinsatz. Positiv: kein Gewichtslimit. Einziges Manko für Interessenten: Easton stellt zum Modelljahr 2021 komplett auf Disc um - Restbestände sind aber noch erhältlich. Leicht, steif, komfortabel - Eastons EA 90 SL überzeugt auf ganzer Linie. Auch als Tipp für schwere Piloten.

  • Gewichte: VR 653 g/HR 829 g
  • Preis: 1098,80 Euro
  • Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe): 20 mm/25 mm/27 mm
  • Speichen: v 20 rad./h 24, li 1x, re 2x
  • Lieferumfang: Schnellspanner, Tubeless-Ventile und -Felgenband, Ventilschlüssel
  • Gewichtslimit: keins
  • Wertung: ÜBERRAGEND (95 Punkte)

Mavic Ksyrium Pro UST (Preis-Leistungs-Tipp)

Mavic Ksyrium Pro UST sehr leicht und sportlich großer Lieferumfang mit Tubeless-Vollausstattung geringste Torsionssteifgkeit. Die Beschleunigung und Agilität zaubert dem Fahrer ein breites Grinsen ins Gesicht. Die Torsionsmessung hingegen ist traditionell Mavics Achillesferse. Den Preis-Leistungs-Tipp sicherten sich die Franzosen durch den großen Lieferumfang mit Tubeless-Vollausstattung: Reifen und Ventile sind schon montiert, nur Dichtmilch einfüllen und ab dafür. Zwei Jahre Garantie werden bei Produktregistrierung um ein weiteres Jahr ergänzt. Findet Mavic nach unternehmerischen Querelen zurück in die Spur? Produktseitig spricht nichts dagegen.

  • Gewichte: VR 596 g/HR 842 g
  • Preis: 949 Euro
  • Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe): 17 mm/21 mm/ v 17, h 20 mm
  • Speichen: v 18 rad./h 20 re rad., li 2x
  • Lieferumfang: Schnellspanner, Tubeless-Reifen und Zubehör, Werkzeug, 10-fach-Distanzring
  • Gewichtslimit: 120 kg Systemgewicht
  • Wertung: SEHR GUT (82 Punkte)

DT Swiss PR 1400 Dicut Oxic 21

DT Swiss PR 1400 Dicut Oxic 21 leicht , steif, schnell dauerhaft schwarze Bremsflanke etwas schwächere Bremsleistung bei Nässe. Die flache Version (es gibt noch eine mit 32-mm-Felge) ist betörend leicht, beschleunigt wieselflink, bietet ordentlichen Komfort und überzeugte auch auf den Prüfständen. Die Bremswirkung ist hoch, setzt bei Nässe aber verzögert ein - der einzige Kritikpunkt. Der DT-Satz überzeugt in Labor und Praxis, dank dauerhaft schwarzer Bremsflanke gibt’s auch was fürs Auge.

Zipp 303 Firecrest im Test

Die Zipp 303 Firecrest sind ein Paradebeispiel für Innovation und Leistung im Bereich der Carbon-Laufradsätze für Felgenbremsen. Die kompletten Palette der Carbon-Laufradsätze für Felgenbremsen wurde geupdated. Neben den Topmodellen der NSW-Serie wurden auch die Firecrest-Modelle komplett überarbeitet. Der Zipp 303 Firecrest wurde einige Wochen auf den unterschiedlichsten Terrains getestet und die Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.

Technologie und Design

Im Zentrum der neuen Firecrest 303 drehen sich die Zipp 77/177 Naben, welche seidenweich laufen und durch jahrelange Erfahrungen im Einsatz bei den Frühjahrsklassikern auch extrem haltbar sind. Die Verbindung zu den in Indianopolis handgefertigten Felgen wird mit Sapim CX-Ray Speichen hergestellt. Die 45mm hohen Felgen haben eine Innenweite von 17mm und sind vollgepackt mit den besten Technologien von Zipp: AeroBalance Felgenprofil, ABLC SawTooth Dimples und Showstopper Bremsfläche. Das Gesamtgewicht beträgt selbst gewogene 1518 Gramm, was für einen 45mm hohen Clincher-Laufradsatz durchaus konkurrenzfähig ist. Die Zipp 303 Firecrest verlangen nach Speed!

Aerodynamik und Fahrverhalten

Das „AeroBalance“ - Felgenprofil soll laut Zipp zu einem sehr stabilen, schnellen Fahrverhalten ohne Windanfälligkeit führen und das kann bestätigt werden. Die Seitenwindanfälligkeit ist gleich Null und die Beschleunigung ist nahezu explosiv. Der charakteristische Sound der Zipp-Felgen verstärkt das Feeling nochmals und es macht einfach Spaß mit diesen Laufrädern schnell zu fahren. Dazu trägt auch die „ABLC SawTooth-Technologie“ bei - der Name für die „Dimples“, der Golfball-ähnlichen Oberfläche auf den Felgen. Diese wurden nochmals optimiert und helfen dabei, bereits bei niedrigen Geschwindigkeiten den Luftstrom gekonnt um die Felge zu führen und Luftverwirbelungen auf ein Minimum zu reduzieren. Aerodynamisch sind die Zipp 303 definitiv führend!

Bremsleistung

Zipp hat hier eine Menge Entwicklungsarbeit geleistet, was in der einzigartigen „Showstopper-Technologie“ resultiert. Die Bremsfläche ist hier nicht aus gewöhnlichen Carbonfasern, sondern aus Silikon Carbid und erlaubt eine hervorragende, vorhersehbare Modulation der Bremse. Charakteristisch sind dabei die 317 Querrillen in Rotationsrichtung auf der Bremsflanke, die Nässe schnell abtransportieren und speziell auf die Interaktion mit den Zipp Tangente Platinum Pro EVO Bremsbelägen hin entwickelt wurden. Im Nassen überzeugt die Bremsleistung besonders. Hier kommt man nicht nur sehr schnell zum Stehen, sondern hat eine für Nässe unerreicht gute Dosierbarkeit zur Verfügung. Einziger Wermutstropfen ist hier der Verschleiß der von Zipp empfohlenen Bremsbeläge, welche nach 800km und knapp 10.000 hm bereits deutlichen Verschleiß zeigten.

Tabelle: Vergleich der getesteten Laufräder (basierend auf den vorliegenden Daten)

Modell Preis (ca.) Gewicht LRS (g) Felgenmaterial Besondere Merkmale Wertung
Cadex 42 Tubeless 2599 € 1273 Carbon Messerspeichen aus Carbon, hakenlose Felge ÜBERRAGEND (93)
Rose RC Fifty Carbon 1499 € 1374 Carbon Hohe Lenkpräzision, große Fahrstabilität ÜBERRAGEND (95)
Campagnolo Bora WTO 33 2160 € 1416 Carbon Leicht, steif, schnelle Beschleunigung SEHR GUT (84)
DT Swiss PRC 1400 Spline 35 1957 € 1493 Carbon Ausgewogener Fahreindruck, hohe Bremspower SEHR GUT (80)
Easton EA90 SL 1098,80 € 1482 Aluminium Leicht, steif, komfortabel ÜBERRAGEND (95)
Mavic Ksyrium Pro UST 949 € 1438 Aluminium Sehr leicht und sportlich, Tubeless-Vollausstattung SEHR GUT (82)
DT Swiss PR 1400 Dicut Oxic 21 ca. 1000 € ca. 1500 Aluminium schwarze Bremsflanke SEHR GUT
Zipp 303 Firecrest ca. 2000 € 1518 Carbon AeroBalance Felgenprofil ÜBERRAGEND

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