Über vier Jahre sind seit unserem letzten Lenker-Vorbau-Test aus dem Jahre 2014 mit ernüchterndem Ergebnis vergangen. Vor allem die Serienstreuung bei Carbon-Lenkern und das damit verbundene Bruchrisiko waren bedenklich. Bei den Carbon-Lenkern im Test schwankten damals die Ergebnisse im Durchschnitt um 74 Prozent, was für eine schlechte Qualitätssicherung sprach.
Im aktuellen BIKE-Lenkertest mussten sich daher erneut Lenker-Vorbau-Kombinationen beweisen - vom Cross-Country- bis hin zum Enduro/Downhill-Einsatz, aus Alu und Carbon. Im Vergleich zum Test von vor vier Jahren gibt es einen durchaus positiven Trend in Sachen Haltbarkeit und Sicherheit. Statt nur 24 Prozent schaffen diesmal 45 Prozent der Lenker-Vorbau-Kombinationen die Maximal-Hürde von 250.000 Lastwechseln und halten damit auch langjährigem Downhill oder sogar E-MTB-Einsatz stand. Lediglich ein Lenker scheiterte bereits an der geringen ISO-Norm und versagte extrem früh.
Testverfahren
Zusätzlich zum ISO-Test, der mit geringen Belastungen arbeitet, wurden jeweils drei Testmuster im sogenannten Advanced Plus Test beim unabhängigen Prüfinstitut Zedler in Ludwigsburg getestet. Der deutlich härtere Test basiert auf Realdaten aus der Praxis und setzt sich aus unterschiedlichen Prüfblocken zusammen, die Belastungssituationen aus der Praxis widerspiegeln. Der Test lief für alle Lenker-Vorbau-Kombis bis zum Versagen eines Bauteils oder maximal 250.000 Lastwechsel. Je nach Kategorie sind folgende Lastwechsel für eine uneingeschränkte Empfehlung relevant:
- Cross Country: ab 100.000 Lastwechsel
- Enduro: ab 150.000 Lastwechsel
- Downhill: ab 200.000 Lastwechsel
- E-MTB: ab 250.000 Lastwechsel
Ausgewählte Modelle im Test
Folgende MTB-Lenker wurden im Test berücksichtigt:
- Beast Components MTB Flatbar (Cross Country / Trail)
- Aliexpress Carbon-Modell für 20 Euro (Cross Country / Trail)
- Enve M5 Mountain Handlebar (Cross Country / Trail)
- FSA SL-K MTB CSI Flat (Cross Country / Trail)
- Newmen Advanced SL 318.00 (Cross Country / Trail)
- Newmen Advanced 318.20 (Cross Country / Trail)
- PRO Tharsis XC (Cross Country / Trail)
- Race Face Next SL (Cross Country / Trail)
- SQLab 311 FLX Carbon (Cross Country / Trail)
- Syncros Fraser iC SL (Cross Country / Trail)
- Beast Components MTB Riser 25 (Enduro / Downhill)
- Enve M7 Mountain Handlebar (Enduro / Downhill)
- FSA Gradient Riser (Enduro / Downhill)
- PRO Tharsis Trail (Enduro / Downhill)
- Race Face Turbine-R (Enduro / Downhill)
- SQLab 30X 12° low (Enduro / Downhill)
- Syncros Hixon iC 1.0 Rise (Enduro / Downhill)
- Syntace Vector Carbon Superlight (Enduro / Downhill)
- Syntace Vector 7075 (Enduro / Downhill)
- Truvativ Descendant Carbon DH (Enduro / Downhill)
- Truvativ Kyle Strait CoLab Bar (Enduro / Downhill)
Ergebnisse im Detail
Ein MTB-Lenker versagte im ISO-Test. Der sehr breite Alu-Lenker schaffte nur die Cross-Country-Hürde und riss jedes Mal nahe der Vorbauklemmung. Die Carbon-Lenker/Vorbau-Kombination von der Online-Plattform Aliexpress hatte starke Probleme.
Truvativ Descendant Kyle Strait
104.601 Lastwechsel. Der sehr breite Alu-Lenker schaffte nur die Cross-Country-Hürde und riss jedes Mal nahe der Vorbauklemmung.
Aliexpress
Die Carbon-Lenker/Vorbau-Kombination von der Online-Plattform Aliexpress hatte starke Probleme.
Besondere Features und Alltagstauglichkeit
Neben der Sicherheit steht bei manchen Herstellern auch die Alltagstauglichkeit im Fokus. Syntace und Pro bieten mit ihren Vorbauten einen Zusatznutzen für den Kunden. So lässt sich beim Pro-Vorbau ein Shimano Di2-Akku im Gabelschaft unterbringen. Syntace schafft über die Twinfix-Klemmen mit nur elf Gramm Mehrgewicht eine super stabile Schnittstelle für Smartphone- und/oder Lichthalterung. Die Klemmen sind mit dem Syntace Megaforce 2 und dem neuen Megaforce 3 kompatibel.
Enve Mountain Stem
Eigentlich ist der Verbundstoff Carbon nur bei Rennrädern, Cyclocross oder XC-Race Bikes zu entdecken. Für den Enduro oder Traileinsatz ist allerdings nur ein einziger Vorbau freigegeben. Die Spezialisten von Enve haben jahrelang getüftelt um einen robusten und dennoch unglaublich leichten Vorbau zu entwickeln. Doch was kann das Fliegengewicht unter den Vorbauten wirklich auf dem Trail? Mit seinen 92g (in der 55mm Variante) liegt er auf der Spitzenposition - dies gilt auch leider für den Preis. Schon beim Unboxing fällt eins auf. Das Gewicht. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ENVE hier ein Meisterstück abgeliefert hat. Den ENVE Mountain Stem gibt es in insgesamt drei verschiedenen Längen. Entgegen des Trends, Lenker mit 35mm zu bauen, folgt ENVE eher bekannten Normen und Funktionsmustern und stellt Lenker sowie eben auch den Vorbau mit einem Klemmmaß von 31.8mm her. Auch von der Bauweise ist der ENVE Mountain Stem eher kompakt gehalten. Aufgrund des unidirektionalen Carbonfaser Layouts ist es bei dem ENVE Mountain Stem besonders wichtig, angegebenen Drehmomente einzuhalten. ENVE empfiehlt die verwendung von Spacern unter und über dem Vorbau, damit genug Kontakt vorhanden ist. Kontakt ist auch genau das passende Stichwort. Es ist nur Konsequent, bei einem Vorbau solcher Güte auch bei den Schrauben Leichtbau zu betreiben.
Es ist selbstverständlich schwer etwas über die Trailperformance eines Vorbaues zu er-fahren. Den meisten Impact auf Fahrgefühl hat natürlich der Lenker. Daher sind es natürlich nur Nuancen die man auf dem Trail mit einem neuen Vorbau erkennen kann. Es sei denn der Vorbau gibt komplett seinen Geist auf. Bei einem Sturz verdrehten sich Lenker und Vorbau, so dass wir es auf dem Trail kurzerhand richten mussten. Dabei löste sich der Vorbau und musste erneut komplett eingestellt werden. Passiert dies auf dem Trail ist das natürlich ärgerlich, wenn man kein Drehmomentschlüssel dabei hat. Passiert dies im Rennen Modus ist es natürlich noch einmal um ein vielfaches ärgerlicher als wenn es nur bei einer normalen Trainer Runde passiert.
Betrachtet man das ganze logisch und neutral, dann könnte man auch jeden anderen Vorbau nutzen. Natürlich hat ein Vorbei für sich gesehen keine großen Auswirkungen auf Fahrqualität und Komfort. Allerdings ist der Enve Mountain Stem stellen einfach zu schön und zu besonders um ihn zu ignorieren.
Newmen Evolution SL Vorbau und Advanced Lenker
Auf den ersten Blick wirkt die Kombination aus Newmen Evolution SL 318.2 Vorbau und Advanced Carbon-Lenker unauffällig: schwarz, kurz, breit - ein modernes MTB-Cockpit eben. Nimmt man die Teile jedoch in die Hand scheint die Schwerkraft für einen Moment ausgehebelt. Trotz ausladenden Maßen ist das Zusammenspiel aus Lenker und Vorbau auffällig leicht. Doch ist eine MTB-Steuerzentrale wirklich der richtige Ort um Gewicht zu sparen? Die Parts kommen jedenfalls ohne Limitierung beim Fahrergewicht. Im Test wollten wir herausfinden, ob der Leichtbau auch Tücken hat.
Laut dem deutschen Label handelt es sich um den leichtesten 3D-geschmiedeten Vorbau, den der MTB-Markt zu bieten hat. Erreicht wird das Traumgewicht von 69 Gramm durch eine Halbierung der Anzahl an Schrauben. Statt vier klemmen den Lenker lediglich zwei Schrauben und fürs letzte Gramm Gewichtsersparnis sind diese auch noch aus Titan. Zur Montage muss der Lenker durch den Vorbau geschoben werden. Bestimmte Modelle mit viel Rise können da schon mal zu Kompatibilitätsproblemen führen.
Die Gewichtsoptimierte SL-Version für den Cross-Country-Einsatz wiegt bei 760 Millimetern Breite nur 180 Gramm. Auch für den leichten Carbon-Lenker gibt Newmen keine Einschränkungen zum maximalen Systemgewicht und gibt den Bügel auch für schwere E-Bikes frei. Die Entwickler entschieden sich bewusst für einen geringen Backsweep von acht Grad um eine aggressivere Abfahrtsposition ohne Handgelenkfehlstellungen zu ermöglichen. Auch die Entscheidung für das schmale 31,8-Millimeter Klemm-Maß ist nicht zufällig. Im Vergleich zu 35-Millimeter-Lenkern soll der Advanced mehr Komfort, weniger Gewicht und eine bessere Haltbarkeit aufweisen. Unsere vergangenen Tests bestätigen diese Einschätzung teilweise.
Das Newmen-Cockpit im Gelände
Die Montage der Newmen-Teile geht leicht von der Hand und macht dank hochwertiger Verarbeitung gleich von Beginn an Freude. Beim Übertragen des Lenkers von einem anderen Vorbau müssen Griffe und Armaturen demontiert werden, um das Teil durch den Evolution SL Vorbau zu fädeln. Dies wiederum bereitet keinerlei Probleme. Leider weist der Advanced Carbon-Lenker keine Markierungen zum Kürzen auf. Zudem litten die aufgebrachten Folien-Decals unter der Klemmung von Bremshebeln und Dropper-Remote bereits nach einem Mal montieren.
Abgesehen von Handling und Optik hinterlässt die Lenker-Vorbau-Kombination einen sehr guten Eindruck. Steifigkeit und Flex liegen auf dem Trail in einem angenehmen Verhältnis zueinander: nicht ganz so unkontrolliert lebendig, wie spezielle Flex-Lenker, und nicht ganz so ermüdend steif, wie dicke 35-Millimeter-Systeme. Die Ergonomie passt sowohl sitzend als auch im Stehen gut zu modernen Geometrien und bringt den Piloten in eine ausgewogene Fahrposition. Sprünge und Drops steckt die Kombi ohne zu Murren ein. Stabilitätsbedenken hatten wir trotz Fliegengewicht auch in heftigem Terrain nicht.
FSA Gradient Serie
Seit 2013 speziell für Enduro- und Trail-Enthusiasten entwickelt, soll die Gradient-Serie von FSA Robustheit mit geringem Gewicht vereinen. Die FSA Gradient i30 Aluminium-Laufräder wurden sowohl in einer 29”- als auch in einer 27,5”-Version entwickelt und gehen für 629 € über die Ladentheke. Wir haben die i30-Laufräder in 29” getestet, die inkl. Felgenband und SRAM-XD-Freilaufkörper 2.247 g auf die Waage bringen. Ein stolzes Gewicht, auch wenn der Preis für einen robusten Alu-Laufradsatz akzeptabel ist. Die von Hand eingespeichten Laufräder setzen dabei auf eine asymmetrische Bauform. FSA verbaut an Vorder- und Hinterrad eine unterschiedliche Anzahl von Speichen: 28 am Vorderrad und 32 am Hinterrad. Dadurch kann die gleiche Felge verwendet werden mit unterschiedlich vielen Bohrungen, während die Steifigkeit hauptsächlich über die Speichenart, die Speichenzahl und deren Spannung geregelt wird.
Der FSA Gradient Carbon-Lenker wandert für 189 € über die Ladentheke. Dabei hat man die Wahl zwischen 20 und 30 mm Rise bei einem Durchmesser von 35 mm. Zusätzlich gibt es noch eine 31,8-mm-Version. Die ist zwar 10 € günstiger, allerdings auch nur mit 20 mm Rise erhältlich. Zusätzlich zum Carbon-Modell wird das Lenker-Line-up durch die Aluminium-Version ergänzt. Hier steigt man ab 89 € ein. Der Lenker kommt mit 8° Backsweep (die Enden zeigen leicht horizontal zum Fahrer) und 5° Upsweep (die Enden zeigen leicht vertikal nach oben). Beide Winkel unterstützen eine ergonomische Griffposition, können jedoch je nach Fahrstil und Vorlieben variieren.
Der FSA Gradient-Vorbau ist in drei Längen erhältlich - 35, 40 und 50 mm - und wechselt für stolze 229 € den Besitzer. Gefertigt aus CNC-gefrästem Aluminium wirkt der Vorbau robust. Die FSA Gradient-Kurbelgarnitur hat eine modulare Bauweise, die es laut FSA ermöglicht, einzelne Komponenten wie das Kettenblatt selbst auszutauschen. Die Kurbel ist in drei Längen erhältlich: 165, 170 und 175 mm. Während die Varianten mit 170 und 175 mm mit einem 32-Zahn-Kettenblatt ausgestattet sind, kommt die 165-mm-Version mit einem 36er-Kettenblatt.
Fahrverhalten und Performance
Auf dem Trail liefert der FSA Gradient i30-Systemlaufradsatz einen angenehmen Flex: Feine Vibrationen werden effektiv gedämpft, während Traktion und Präzision ausreichend erhalten bleiben. Mit einem Upsweep von 5° und einem Backsweep von 8° sorgte der FSA Gradient-Lenker bei unserem Tester - mit langen Armen und schmalem Rücken - für eine angenehm natürliche Handgelenksposition. Bei längeren Geländefahrten zeigt sich der Lenker eher von der steiferen Seite. So setzt er Lenkimpulse, auch wenn man mal am Lecker reißt, präzise um. Bei längeren und anspruchsvollen Abfahrten mit vielen kleinen Schlägen spürt man jedoch, dass die Arme etwas schneller ermüden. Das liegt daran, dass der Lenker Vibrationen vom Untergrund ungedämpfter in den Körper weiterleitet.
Das Ergebnis: Bei einem Gewicht, das in 20 mm Entfernung von einem Lenkerende angebracht wurde - also genau dort, wo normalerweise die Hände greifen und die Kraft übertragen wird -, betrug die Auslenkung 4,34 mm. Der Labortest bestätigt damit unseren Fahreindruck: Der FSA Gradient-Lenker bietet insgesamt etwas weniger Komfort als andere Modelle auf dem Markt.
| Komponente | Preis | Gewicht | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| ENVE Mountain Stem (55mm) | Hochpreisig | 92g | Leichtbau, 31.8mm Klemmmaß |
| Newmen Evolution SL Vorbau | - | 69g | Leichtbau, Titan Schrauben |
| FSA Gradient Carbon-Lenker | 189 € | 244 g | 8° Backsweep, 5° Upsweep |
| FSA Gradient-Vorbau | 229 € | - | CNC-gefrästes Aluminium, Oilslick-Färbung |
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