Der Motorradkauf ist ein wichtiger Schritt im Leben eines jeden Bikers. Im Gegensatz zum Auto, wird kaum eine Maschine geleast oder geliehen. Dieser Ratgeber bietet praxisnahe und strukturierte Tipps, die dabei helfen, den Motorradkauf fundiert und sicher anzugehen.
Die Vorbereitung: Was Du Vorab Beachten Solltest
Mit den nun definierten eigenen Vorstellungen geht es ins Internet. Die zwei gängigsten Fahrzeugbörsen sind derzeit mobile.de und ebay Kleinanzeigen. Sucht man nach Methode eins, ist es empfehlenswert, die Suchkriterien über mobile.de abzuarbeiten. Hat man die Optionen der möglichen Motorradkauf Kandidaten eingekreist, sollte man sich auf zwei bis drei Offerten konzentrieren.
Die Online-Anzeige: Was Verraten Bilder und Beschreibung?
Bevor der Griff zum Telefonhörer oder zum Messenger geht, betrachten wir die Anzeige einmal genau. Zunächst: Sind alle wichtigen Angaben vorhanden? Kilometerstand, Leistung, Erstzulassung, Gültigkeit der HU. Das sind die Basics - genauso wie gute Fotos. Im Zeitalter hochauflösender Smartphone-Kameras ist es schon auffällig, wenn die Anzeige keine oder schlechte Bilder aufweist.
Schon auf den Bildern lässt sich einiges erkennen. Passen die Bilder der Maschine zum angegebenen Baujahr? Gerade bei Superbikes gibt es viele Lackierungen/ Dekore nur für ein oder zwei Jahre, das lässt sich leicht über Google herausfinden. Stimmt also die Erstzulassung in etwa mit dem Farbschema der Maschine überein? Egal wie die Maschine angepriesen wird, sollte schon vorab auf die Suche nach Kratzern auf Bildern gegangen werden. Auch lässt sich gut erkennen, um welche Reifen es sich handelt und wie abgefahren diese sind.
Der Kilometerstand bei Motorrädern wird meist in den Tachos gespeichert. Hier wird der Kilometerstand immer vermerkt. Andere Instrumente gibt es für einen zweistelligen Eurobetrag auf gebraucht im Internet, sodass es gilt, nach alten TÜV-Berichten zu forschen.
Sieht auf den ersten Blick alles gut aus, kann ein Besichtigungstermin erfolgen. Vorab kann man sich ein Bild vom Fahrzeugschein schicken lassen. Der gibt zum einen Auskunft über vorhandene Eintragungen, zum anderen aber auch, ob es sich um ein Importfahrzeug handelt. Das heißt auch, dass die Erstzulassung in den Papieren der ersten Zulassung in Deutschland entspricht, aber nicht der ersten Zulassung des Fahrzeugs generell.
Ob beim Erstkontakt mit dem Verkäufer viele Fragen gestellt werden müssen, ist Geschmackssache.
Händler oder Privatkauf: Was Sind Die Unterschiede?
Oben genannte Punkte treffen sowohl auf private wie auch auf gewerbliche Offerten zu. Ob man lieber beim Händler oder beim Privatmann kauft, ist Geschmackssache. Garantie und Gewährleistung beim Motorradkauf gibt es nur beim Händler. Ein möglicher Schaden im Rahmen der Gewährleistung wird meist direkt in den Verkaufspreis mit einkalkuliert, sodass Händler-Angebote im Vergleich meist teurer sind im vergleich zur Privatofferte.
Auch Privatpersonen müssen beim Fahrzeugverkauf mittlerweile eine Gewährleistung geben, diese wird aber oftmals mit Klauseln wie “Gekauft wie gesehen” ausgeschlossen. Beiden Parteien kann der Interessent allerdings nur bis vor die Stirn schauen. Nur weil die Maschine vom Händler kommt, ist das kein Garant für ein “sauberes” Fahrzeug. Auch Motorradhändler sind nicht allwissend und können sich beim Ankauf täuschen lassen.
Was klar für einen Deal beim Händler spricht, ist, wenn der Motorradkauf über einen Kredit oder eine Finanzierung realisiert werden soll. Das können zumeist nur Motorradhändler darstellen.
Die Besichtigung: Dein Auge ist Dein Bester Freund
Ein erster Punkt ist die Präsentation des Motorrads. Ist die Maschine sauber oder muss sie verstaubt aus der Ecke gezogen werden?
Schau dir das Mopped ganz genau an. Kratzer, Dellen, Rost - klar, das kann vorkommen. Aber wenn dir die Karre direkt mit Öl schwitzt oder die Gabel sifft wie ’ne undichte Cola-Dose, solltest du stutzig werden.
Unbedingt checken: Wie alt sind Reifen, Kette und Bremsen? Abgefahrene Schlappen oder eine rostige Kette bedeuten Zusatzkosten, die du vorher einplanen musst und sich ganz schon aufsummieren können.
„Unfallfrei“ steht oft groß in der Anzeige. Aber ob das wirklich stimmt, musst du selbst rausfinden. Schau dir den Rahmen genau an - ist er irgendwo nachlackiert, verzogen oder wirkt geschweißt? Dann besser Finger weg! Auch Lenkeranschläge verraten einiges: Wenn die Dinger nicht mehr gleichmäßig sind, könnte das Bike mal einen Abflug gemacht haben.
Richte deinen Blick auch auf Fußrasten, Hebel und Spiegel. Sind sie neu, obwohl das Bike alt ist? Dann könnte das ein Hinweis auf einen Umfaller oder gar einen richtigen Unfall sein.
Checkliste für die Detailprüfung
- Undichtigkeiten: An Motor, Kühlsystem, Kraftstoffanlage und Getriebe sind vor allem für die Umwelt schädlich und sollten möglichst schnell beseitigt werden.
- Schleifspuren: An den Lenkerenden, Schwingungsdämpfern und den Armaturen geben Hinweise auf Stürze.
- Rahmen: Grobe Schleifspuren am Rahmen weisen auf einen Off-Road-Einsatz oder Unfälle hin.
- Umbauten: Klären Sie mit dem Verkäufer, welche Komponenten und Bauteile verändert oder umgebaut wurden, weshalb dies vorgenommen wurde und wie diese eingetragen bzw. zugelassen wurden.
- Sitzbank: Nehmen Sie in jedem Fall die Sitzbank herunter, um auch hier den Pflegezustand der Maschine zu prüfen.
Besondere Vorsicht bei längerer Standzeit
Bei Maschinen, die längere Zeit nicht bewegt und zudem für die Einlagerung bzw. Standzeit nicht vorbereitet wurden, sollten Sie folgende Komponenten prüfen:
- Kunststoff- und Gummiteile
- lackierte oder durchgefärbte Verkleidungsteile
- elektrische Anlage inkl. Batterie
- Kraftstofftank und Kraftstoffleitungen
- Bremsanlage, besonders die Bremszangen und -kolben
Die Probefahrt: Fühle die Maschine
Ist die oben genannte Checkliste abgehakt, steht einer Probefahrt nichts mehr im Wege. Beim Motorradkauf Probefahrt Check sollte der Motor kalt gut anspringen, besonders bei im Alter anfälligeren Vergasermodellen ist darauf Acht zu geben.
Auch sollte der warme Motor die Maschine auch aus niedrigsten Drehzahlen sauber Hochtouren lassen. Verschluckt sich hier das Motorrad, ist das ein Anzeichen für einen Wartungsstau. Arbeiten die Federelemente und Reifen normal? Wie bissig ist die Bremse? Wie groß ist der Leerweg am Bremshebel? Entspricht die Bremsleistung der Erwartung? Ist ABS vorhanden, sollte unbedingt eine Bremsung bis in den Regelbereich erfolgen - die Räder dürfen auf keinen Fall blockieren.
Ein Indiz beim Motorradkauf dafür, dass die Maschine verzogen ist, ist der Geradeauslauf. Um diesen zu prüfen, kann man vorsichtig während der Fahrt den Lenker loslassen und schauen, ob die Maschine auch ohne Lenkeinfluss geradeaus läuft. Das benötigt allerdings eine gewisse Fahrpraxis sowie eine sauber ausgebaute Landstraße ohne Verkehr.
Und die wichtigste Frage zum Schluss: Fühle ich mich auf dem Motorrad wohl? So seltsam es klingt - sagt die innere Stimme zum Fahrzeug jetzt laut “Nein” - lässt man es besser stehen.
Was während der Probefahrt zu beachten ist:
- Wie verhält sich das Motorrad beim Kaltstart?
- Wie ist das Gefühl beim Anfahren?
- Wie spricht der Motor an?
- Gibt das Motorrad während der Fahrt ungewöhnliche Geräusche von sich?
- Singt das Getriebe?
- Lässt sich der Lenker leichtgängig bewegen (ansonsten Lenkkopflager defekt), oder zieht das Motorrad in eine Richtung?
- Funktionieren alle Anzeigen der Armaturen?
- Funktioniert die Zusatzausstattung (Griffheizung, elektr.
- Funktioniert die Beleuchtung?
Der Preis: Was ist die Maschine Wert?
Sind Besichtigung und Probefahrt zufriedenstellend verlaufen, gilt es, sich auf den Preis zu einigen. Als grobe Faustregel gilt, ist die Maschine nicht mit Festpreis ausgeschrieben, gehen eigentlich immer 10 % nach unten. Der Motorrad Markt ist groß, wenn man nicht gerade einen Exoten sucht. Wird man sich nicht einig, ist das deshalb kein Beinbruch.
Auch setzt eine weite Anfahrt immer einen gewissen Kaufdruck voraus. Hat man bereits einige Stunden im Auto verbracht, fällt es schwer, die Maschine aufgrund kleiner oder mittlerer Mängel doch stehenzulassen.
Auch geht aus dem Preisgefüge ein gewisser Erwartungshorizont hervor: Das Motorrad für 1200 Euro fährt, bremst und lenkt, wie es soll - und hat frischen TÜV. Was will man mehr erwarten? Kann man selbst schrauben, sind technische Mängel an “alten Hündchen” noch verkraftbar. Spielen die Steuergeräte bei einer BMW aus den 2010er-Jahren verrückt, hilft dem besten Schrauber auch keine Vergaserkunde mehr.
Entsprechend muss der Preis passen. Sind auch nur die Reifen abgefahren, schlagen für einen neuen Satz Pneus schnell 500 Euro (inkl. Aus- und Einbau) zu Buche. Jetzt muss man die Frage stellen, ob man für 500 Euro mehr nicht eine bessere Maschine - ohne diesen Mangel - bekommt.
Faustregeln für die Preisverhandlung:
- Ehrlich sein: Scheue nicht zurück, mögliche Mängel aufzuzeigen.
- Respektvoll bleiben: Insbesondere bei Privatverkäufern solltest du diesen Tipp beachten.
- Standhaft bleiben: Egal ob von Privat oder einem Händler - diese Person will verkaufen und du bist der potentielle Geldgeber.
- Bares ist Wahres: Oft kann Bargeld die Meinung von Menschen ändern.
Der Kaufvertrag: Schriftliches Festhalten
Ist alles paletti und man hat sich auf einen Kaufpreis geeinigt, gilt es Papier zu machen. Zum einen erhält der Verkäufer das gedruckte mit Zahlen darauf, aber beide Seiten sollten auf einen üblichen Kaufvertrag bestehen. Einfach um alle Unklarheiten auszuschließen. Natürlich gibt es noch immer den Kauf auf Handschlag, aber im Regressfall steht Aussage gegen Aussage - nur Gedrucktes hiflt dagegen.
Fehlen Papiere sind mehrere Amtsgänge nötig - wir raten an diesem Punkt generell vom Kauf ab. Alte TÜV-Berichte sind nett für die Historie und den Nachweis des Kilometerstands. Auch wichtig sind zwei Zündschlüssel - verbiegt sich doch altes Metall gerne mal oder bricht ab.
Was im Kaufvertrag stehen sollte:
- Name & Adresse von Käufer und Verkäufer
- Fahrgestellnummer
- Kaufpreis
- Datum & Uhrzeit der Übergabe
- Ausschluss der Gewährleistung („gekauft wie gesehen“)
- Kilometerstand bei Übergabe
- Bestätigung, dass das Motorrad frei von Rechten Dritter ist
Die Ummeldung: Bürokratie Muss Sein
Du hast das Motorrad im Sack? Glückwunsch! Jetzt geht’s zum Amt - oder auch online, wenn du Bock auf Digitalisierung hast. Für die Ummeldung brauchst du:
- Einen gültigen Kaufvertrag
- (D)einen gültigen Personalausweis
- Zulassungsbescheinigung Teil I & II
- Nachweis über Versicherung (EVB-Nummer)
- HU-Bericht (Bzw. §57a-Prüfbericht)
- ggf. Kennzeichen (wenn du’s behältst)
Laufende Kosten: Was Kommt Nach Dem Kauf?
Nicht vergessen - nach dem Kauf ist vor der Kasse. Neben dem Kaufpreis kommen noch ein paar laufende Kosten auf dich zu:
- Versicherung - je nach Alter, Typklasse, Wohnort und Schadenfreiheitsklasse
- Steuer - je nach Hubraum und Abgasnorm (aber meist recht günstig)
- Wartung - Ölwechsel, Kette fetten, Luftdruck checken etc.
- Verschleißteile - Reifen, Bremsen, Flüssigkeiten
- Zubehör - neuer Helm gefällig? Navi, Tankrucksack, Gepäcksystem?
Zusätzliche Tipps für den Gebrauchtkauf
- Fahrgestellnummer checken: Vergleichen Sie die Fahrgestellnummer am Motorradrahmen mit den Papieren.
- Begleitung mitnehmen: Nehmen Sie einen erfahrenen Motorradfahrer zur Besichtigung mit.
- Bauchgefühl: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Wenn etwas nicht stimmt, suchen Sie weiter.
Checkliste für den Gebrauchtkauf zum Ausdrucken
Hier finden Sie die komplette Checkliste zum Ausdrucken und Mitnehmen:
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