No-Name-, Exoten- oder Billigmarken: In diesem Artikel geht es primär um das große Geld, Globalisierung, Wachstum und neue Märkte. Hier haben sich im sogenannten Ersatzgeschäft die sechs bekannten Premiummarken den Markt aufgeteilt. Knapp 70 Prozent des Markts teilen sich Bridgestone, Metzeler und Michelin. Die restlichen 30 Prozent werden von Conti, Dunlop und Pirelli bestimmt, während andere Hersteller nahezu bedeutungslos sind.
Besonders gefragt sind Sport- sowie Touren(sport-)reifen in Radialbauweise mit jeweils 350.000 Reifen pro Jahr. Die Dimensionen 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 kommen auf über 30 Prozent.
Hintergründe zu den Herstellern
Diese Informationen sind selbst für Brancheninsider schwer zu beschaffen. Hinter Maxxis verbirgt sich CST, das Kürzel für „Cheng Shin Taiwan“, seit 1967 im Geschäft. Maxxis ist der Name für das Europa- und USA-Geschäft. Die Gruppe erreichte 2012 mit 3,4 Milliarden Euro Umsatz Platz neun im Ranking der größten Unternehmen in der Reifenbranche. Der Supermaxx ist technisch über zehn Jahre alt!
Ganz anders das zweite Taiwan-Gummi vom Hersteller Nankang mit Sitz in Taipeh: Dessen Roadiac wurde erst 2010 vorgestellt und ist deren erster echter Motorradreifen. Mit der Zweikomponenten-Mischung setzt man beim Roadiac und neuem Schwestermodell Sportiac durchaus auf Hightech, um sich künftig bei Bikern einen Namen zu machen.
Mitas kennt vor allem die Speedway-Szene. Seit Jahrzehnten kennt vor allem die Speedway-Szene die Marke. Sie gehört zur tschechischen ČSG-Gruppe, die einen Großteil des Umsatzes (2011: 430 Mio. Euro) mit Treckerreifen macht. 2012 hat man den slowenischen Hersteller Savatech übernommen und setzt nun unter Mitas-Beflaggung die dort begonnene Entwicklung von Radialreifen fort.
Shinko hat 1994 die Produktion der japanischen Yokohama-Motorradreifen inklusive der Technologie und Werkzeuge übernommen. Shinko selbst, die 1946 mit der Produktion von Fahrradreifen in Japan begonnen haben, gehören heute zur südkoreanischen Shin Hung-Gruppe, die seit 1979 Motorradreifen produziert.
Testergebnisse auf Landstraße und Autobahn
Welche gewaltigen Entwicklungssprünge moderne Motorradreifen in den letzten zwei Jahrzehnten gemacht haben, lässt sich klar ablesen. Relativ leicht ist es, einen Radialreifen auch für PS-starke Motorräder zu bauen, der einfach nur geradeaus läuft. In dem Augenblick, wo dem Reifen gleichzeitig mehr Dynamik abverlangt wird, beginnen die Schwierigkeiten.
Keine Chance für den konzeptionell ältesten Reifen im Test: Der Shinko ist, obwohl unsere Testreifen aus dem Handel im Laufe des vorigen Jahres produziert wurden, eindeutig ein Kind der 90er-Jahre - basiert er doch auf alten Yokohama-Pellen, die seit knapp 20 Jahren nicht mehr angeboten werden! Mäßige Handlichkeit, dürftige Lenkpräzision, Schwächen in Kurven und obendrein wenig Gripreserven. Mit einem Paarpreis von rund 220 Euro rangiert der Shinko auf dem Niveau der Premiummarken.
Der Maxxis gefällt zunächst durch sein vergleichsweise leichtes Einlenkverhalten, weshalb er sich deutlich handlicher als die Konkurrenten von Shinko und Full Bore gibt. Bei hohen Schräglagen fühlt sich der Supermaxx schnell kippelig an. Insgesamt vermittelt der Taiwan-Reifen anders als die Koreaner ein besseres Feedback für seine Haftreserven, weshalb sich die CB 1000 R in beachtlichen Schräglagen durch Kurven steuern lässt. Allerdings fehlt es an der nötigen Kurvenstabilität bei zügigem Tempo.
Auf der Landstraße überzeugt der Mitas Sport Force mit erstaunlich guten Fahreigenschaften, indem er sich sportlich und leichtfüßig einlenken lässt und auch bei hohen Schräglagen sehr neutral bleibt. Zudem vermittelt er bereits auf den ersten Metern eine ausgesprochen gute Rückmeldung für seine Haftreserven. In diesen Punkten rangiert er schon auf dem Niveau bekannter Premiummarken und kann sogar bei den besten aus dem Tourenreifentest (Conti Road Attack 2 Evo, Michelin Pilot Road 4) mithalten.
Als einziges Reifenpaar in diesem Test ist der besonders günstige Roadiac vorn und hinten mit jeweils zwei verschiedenen Gummimischungen („Bicompound“) aufgebaut, die für weniger Abrieb (Reifenmitte) und mehr Haftung (Reifenschulter) sorgen sollen. Doch die Abstimmung überzeugt nicht: Insgesamt lenkt der Roadiac etwas zu schwerfällig in Kurven ein, dazu sind leichte Gegenlenkkräfte erforderlich, um das Motorrad auf Kurs zu halten. Beim Bremsen in Schräglage stört ein deutlicher Aufstellimpuls.
Zusammenfassung der Ergebnisse auf Landstraße und Autobahn
| Reifen | Punkte (Landstraße/Autobahn) | Bewertung | Kaufpreis (vorn/hinten) |
|---|---|---|---|
| Mitas Sport Force | 129 | Platz 1 | 69,70/83,90 Euro |
| Maxxis Supermaxx | 118 | Platz 2 | 76,60/97,70 Euro |
| Nankang Roadiac | 111 | Platz 3 | 53,00/75,70 Euro |
| Full Bore | 103 | Platz 4 | 58,60/82,40 Euro |
| Shinko F/R009RR | 91 | Platz 5 | 84,70/135,90 Euro |
Testergebnisse bei Nässe
Von der Gewichtung her ist das Nasstest-Kapitel dem Alltags-Landstraßentest nachgeordnet - was viel mit der Realität zu tun hat: Motorräder werden einfach öfter bei idealen (trockenen) Bedingungen genutzt. Für viele Motorradfahrer ist aber die Nassperformance ein entscheidendes, wenn nicht sogar das ausschlaggebende Kaufkriterium.
Im direkten Vergleich der fünf Testkandidaten zeigt auch hier der konzeptionell recht junge Mitas Sport Force die beste Performance. Allerdings trennen ihn immerhin ganze 15 Punkte vom Tourenreifen-Testsieger aus Teil zwei unseres Reifentests. Es ist also noch reichlich Ausbaupotenzial vorhanden.
Der Full Bore bietet zwar eine bessere Rückmeldung und gibt sich handlicher als der Shinko, rutscht dafür aber beim Beschleunigen und in Schräglage deutlich früher. Dies schlägt sich auch mit der langsamsten Rundenzeit und dem geringsten Kurventempo in den Messwerten nieder.
Auch im Regen kann sich der Maxxis mit seinem breiter gestalteten Grenzbereich und Vorteilen bei der Handlichkeit und Rückmeldung etwas von den Konkurrenten Shinko, Full Bore und Nankang absetzen. Dennoch klafft zum Besten im Test (Mitas Sport Force) eine deutliche Lücke auf.
Die mäßige Handlichkeit und die geringen Haftreserven des Nankang Roadiac fordern gerade bei nassem Asphalt ihren Tribut: Bereits in verhaltener Schräglage müssen weite Bögen gefahren werden, um nicht ins Rutschen zu kommen. Insgesamt fällt der Grenzbereich viel zu schmal aus.
Der Shinko zeigt sich auf der Landstraße besonders störrisch. Bereits ab geringen Schräglagen sind deutliche Gegenlenkkräfte erforderlich.
Zusammenfassung der Ergebnisse bei Nässe
| Reifen | Punkte (Nasstest) | Platzierung |
|---|---|---|
| Mitas Sport Force | 79 | Platz 1 |
| Maxxis Supermaxx | 76 | Platz 2 |
| Nankang Roadiac | 66 | Platz 3 |
| Full Bore | 56 | Platz 5 |
| Shinko F/R009RR | - | - |
Fazit
Um Radialreifen zu bauen, die mit modernen Bikes auf kurvenreichen Landstraßen und bei Highspeed auf der Bahn funktionieren, reicht nicht der Aufguss alter Konzepte. Shinko und Full Bore machen keinen Schnitt mehr, Maxxis ist noch akzeptabel. Nankang wagt es mit zeitgemäßer Bicompound-Gummimischung, muss aber noch kräftig dazulernen. Dagegen dicht an der Premiumklasse: die neuen Reifen von Mitas.
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