Kristina Vogel ist die erfolgreichste Bahnsprinterin der Welt: Sie hat zwei Mal bei Olympia gewonnen und hält 17 Weltmeistertitel im Bahnradsport. Doch seit einem Unfall im Bahnradtraining sitzt Kristina Vogel im Rollstuhl. Jetzt kämpft sie für Inklusion und gegen Barrieren. Voller Vorfreude blickt die ehemalige Spitzen-Sportlerin auf die olympischen Spiele 2024: Sie wird als Kommentatorin aus Paris berichten.
Frühe Karriere und Erfolge
Kristina Vogel wurde am 10. November 1990 in Leninskoje, im heutigen Kirgisistan geboren. Als Russlanddeutsche kam sie im Alter von sechs Monaten nach Deutschland. In Erfurt entdeckte sie mit 10 Jahren ihre Leidenschaft für den Radsport. Sie fuhr von 2004 bis 2005 für den Verein SV Sömmerda. Lange verfolgte sie eine zweite Sportart mit Leidenschaft: das Tanzen.
Bei den Junioren wurde sie zweifache Europameisterin und sechsfache Weltmeisterin im Jahr 2007 und 2008. Vogel startet mittlerweile für den RSC Turbine Erfurt und fährt bei der Junioren-Europameisterschaft in Cottbus ihre ersten internationalen Erfolge ein. Sie gewinnt Gold im Sprint sowie im 500-Meter-Zeitfahren. Im Keirin wird sie Dritte.
Bei der Junioren-WM in Aguascalientes (Mexiko) gewinnt Vogel sogar drei Titel - im Zeitfahren, Sprint und Teamsprint. Vogel wird erneut dreifache Weltmeisterin bei der Junioren-WM in Kapstadt (Südafrika). Sie gewinnt im Sprint, Zeitfahren und Keirin. "Wir haben perspektivisch die Hoffnung, dass sie auch bei den Frauen den Sprung in die Weltspitze schafft", sagt Bundestrainer Detlef Uibel schon damals.
Der erste schwere Unfall
Am 20. Mai 2009, als Vogel nach dem Training nach Hause fährt, erfasst sie ein Zivilfahrzeug der Thüringer Polizei. Sie knallt mit etwa 50 Stundenkilometern in die Seite des Autos. Bei dem Unfall erleidet sie eine leichte Gehirnblutung, sie bricht sie sich mehrere Brustwirbel, den Kiefer und die Handwurzelknochen. Außerdem verliert sie sechs Zähne, eine Glasscheibe des Autos zerschneidet ihr Gesicht, eine Gesichtshälfte bleibt anschließend taub. Im Krankenhaus muss sie ins künstliche Koma versetzt werden.
"Ohne Helm wäre ich tot gewesen, ohne trainierte Rückenmuskeln querschnittsgelähmt", erklärt sie anschließend. Fünf Jahre streitet sie sich gerichtlich mit dem Freistaat Thüringen um Schmerzensgeld.
Bei der Bahn-Weltmeisterschaft in Kopenhagen gibt Vogel ihr Comeback nach einem langen Krankenhaus-Aufenthalt mit mehreren Operationen. Bei der Deutschen Meisterschaft in Cottbus gewinnt Vogel dreimal Gold - im Sprint, Keirin und Zeitfahren. Im kolumbianischen Cali erringt Vogel ihren ersten Weltcup-Sieg im Sprint.
Nach ihrem ersten schweren Unfall kehrt Vogel erfolgreich auf die Bahn zurück. Im australischen Melbourne feiert Vogel, die nun für das Team Erdgas 2012 startet, ihren ersten Weltmeistertitel bei den Erwachsenen. Gemeinsam mit Miriam Welte siegt sie im Teamsprint, außerdem holt sie Bronze im Keirin.
Olympische Erfolge und Weltmeistertitel
Vogel und Welte werden erstmals Olympiasiegerinnen. Im Teamsprint profitieren sie von einem Wechselfehler ihrer chinesischen Konkurrentinnen. "Auf der einen Seite ist es nicht der Weg, wie man gewinnen möchte. Auf der anderen Seite sind die Regeln für alle da. Weltmeister ist man nur einmal, Olympiasieger bleibt man für immer", so Vogel anschließend. "Wir haben ein Stück Geschichte geschrieben."
Vogel rast bei der WM in Cali (Kolumbien) zu drei Weltmeister-Titeln, im Keirin, Sprint und Teamsprint (mit Welte). Sie ist damit die erfolgreichste weibliche Sportlerin bei der WM. Das Landgericht Erfurt spricht Vogel im Streit mit dem Freistaat Thüringen um Schmerzensgeld wegen des Unfalls fünf Jahre zuvor 92.000 Euro zu.
Bei der Weltmeisterschaft in London (Großbritannien) wird Vogel Weltmeisterin im Keirin und gewinnt zudem zweimal Bronze, im Teamsprint (mit Welte) sowie im Sprint. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (Brasilien) gewinnt Vogel mit Welte die Bronzemedaille im Teamsprint. Im Sprint krönt sie sich sogar zur Olympiasiegerin - trotz einer Panne. Ihre Sattelstütze löst sich vom Fahrrad und fällt unmittelbar nach der Ziellinie auf die Bahn, sodass sie das Rennen im Stehen zu Ende bringt.
Bei der WM in Hongkong gewinnt Vogel zweimal Gold, im Sprint und im Keirin, im Teamsprint gibt es gemeinsam mit Welte Bronze. Zudem wird Vogel in die Athletenkommission des internationalen Radsportverbandes UCI gewählt. Bei der Bahnrad-WM im niederländischen Appeldoorn wird Vogel erneut Doppel-Weltmeisterin, gewinnt im Sprint und Teamsprint (mit Welte).
Der schicksalhafte Unfall in Cottbus
Am 26. Juni 2018 kollidiert Vogel beim Training in Cottbus mit einem niederländischen Fahrer. Im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn muss sie mehrfach operiert und ins künstliche Koma versetzt werden. Doch die Verletzungen sind so schwer, dass sie von der Brust abwärts gelähmt bleibt. Das gibt sie am 7. September 2018 bekannt.
Es gibt einen Tag im Jahr, an dem Kristina Vogel auf ihr Leben zurückschaut: Es ist der Tag des Unfalls im Juni 2018, der Tag an dem ihr auf dem Rennrad die Vorfahrt genommen wurde und sie stürzte. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.
Leben nach dem Unfall
Seit 2019 ist Vogel als Expertin im ZDF zu sehen. So kommentierte sie unter anderem die deutsche Bahnmeisterschaft 2019 und die Olympischen Sommerspiele 2021 in Tokio. Seit Mai 2019 sitzt Kristina Vogel als parteilose Abgeordnete für die CDU im Erfurter Stadtparlament und setzt sich dort unter anderem für die Inklusion von Menschen mit Behinderung und den Abbau von Barrieren ein. Sie ist angestellt bei der Bundespolizei und wird als Keynote-Speakerin von Unternehmen oder als Sportkommentatorin gebucht.
Kristina Vogel findet es gut, dass sie jetzt bei der Polizei als Trainerin arbeiten kann. Sie kritisiert, dass viele Berufe nicht barrierefrei konzipiert werden. Diversität und Inklusion sind auch Thema in ihrem kürzlich erschienenen Kinderbuch "Hier kommt Mila!". Mit ihrem Kinderbuch möchte Kristina Vogel Mut machen, aufeinander zuzugehen und ins Gespräch zu kommen. Kristina Vogel das Thema Barrierefreiheit in der Schule und der Ausbildung sehr wichtig. Diversität könne man nur erreichen, wenn verschiedene Einflüsse und Meinungen zusammenkommen.
2024 musste sie einen weiteren Schicksalsschlag verarbeiten: Sie kam mit einer Lungenembolie ins Krankenhaus. Erkannt, dass etwas nicht stimmt, hat ihre Smartwatch. In SWR1 Leute erzählt sie aber auch, wie bedrohlich sich die Embolie angefühlt hat und wie sie versucht, nach der erzwungenen Sport Pause wieder ins Training zu kommen. In SWR1 Leute blickt sie trotz aller Rückschläge voller Energie in die Zukunft.
Es gibt einen Tag im Jahr, an dem Kristina Vogel auf ihr Leben zurückschaut: Es ist der Tag des Unfalls im Juni 2018, der Tag an dem ihr auf dem Rennrad die Vorfahrt genommen wurde und sie stürzte. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.
"Es ist wichtig, sich die richtigen Ziele zu setzen", sagt Kristina Vogel, querschnittsgelähmte Olympiasiegerin und erfolgreichste Bahnradfahrerin der Welt. "Ich war nicht die Schnellste, aber ich glaube, ich war mental immer die Härteste", schreibt Kristina Vogel in ihrem Buch. "Ich glaube, dass man immer vor Dingen Angst hat, die man nicht kennt. Und wenn man "normale" Menschen fragt, ob sie behinderte Menschen kennen oder nicht, dann heißt es ganz oft: Nein. Und ich erlebe selber im Alltag, dass solche Menschen ein bisschen Berührungsangst haben. Ich finde, dass das alltäglicher werden muss, weil: Ich bin immer noch ich, nur halt eben anders.
Seit 30 Jahren setzt sich das Magazin für Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Handicap ein. "Immer noch ich - nur anders", so lautet ihr Lebensmotto, und so heißt auch ihr Buch. Wer es liest, erfährt viel über ihre Kindheit und Jugend, über ihre Partnerschaft, die Anfänge auf dem Rad und ihre großen sportlichen Erfolge.
Am 26. Juni 2018 fährt die damals 27-Jährige auf der Bahn in Cottbus mit hoher Geschwindigkeit ihre Runden. Wie aus dem Nichts steht plötzlich ein anderer Fahrer auf der Bahn. Kristina Vogel stürzt und bleibt lebensgefährlich verletzt liegen. Sofort ist ihr klar: Es ist ernst. Sie kann ihre Füße nicht mehr spüren. Ihre Lunge kollabiert. Für die Doppel-Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin ein Déjà-vu: Bereits 2009 hatte sie einen schweren Verkehrsunfall mit lebensgefährlichen Verletzungen.
Ein halbes Jahr liegt sie in Berlin in der Unfallklinik in Marzahn, muss mehrfach operiert werden und in der Reha vieles neu lernen. Die heute 30-Jährige beschreibt die teils unerträglichen Schmerzen, die vielen dunklen Stunden, die sie überstehen muss; ihre Hilflosigkeit und Verzweiflung. Aber auch wie sie sich nach und nach ihr Leben zurückholt.
Kämpfen, sich Durchbeißen, immer wieder über die eigenen Grenzen gehen: Das, was sie als Sportlerin aus dem Effeff beherrschte, half Kristina Vogel dabei, auch den zweiten Unfall und die Folgen zu bewältigen. Den Rollstuhl-Bodentransfer beherrscht sie längst und sie hat - mühsam - gelernt, Hilfe anzunehmen. Der Unfall, so sagt sie, habe sie freier gemacht.
Kristina Vogel hat ihren Weg mit Handicap gefunden. Kristina Vogel: "Immer noch ich. Einfach tun zu können, was ich möchte und wann ich das möchte. Vor drei Jahren endete Kristina Vogels (30) altes Leben und ihr neues begann. Auch wenn es so etwas wie ihr neuer Geburtstag ist - eigentlich ist der 26. Juni ein Tag, den man nicht feiert, ein Unglückstag. Kristina Vogel tut es trotzdem.
Sie machte sich selbst ein Geschenk. Buchte eine Fotografin, gönnte sich die Fotos, die wir hier sehen. Auf den ersten Blick sind die Bilder wunderschön. Auf den zweiten Blick offenbart sich ihre Tiefe. Wir sehen Narben, riesige Narben. Auf dem Rücken, der Brust, der Schulter. Narben, die Kristina Vogel mit Stolz trägt. Wie eine Königin.
Nach diesen Schicksalsschlägen will sie allen Menschen zeigen, „wie ich alles gemeistert habe und wie ich durch die Welt gehe“, sagt sie: „Klar gibt es Hindernisse, aber ich mache aus jedem Hindernis eine Aufgabe und lasse mich nicht bemitleiden.“ Es ist dieselbe Einstellung, die sie einst zur Spitzensportlerin machte. Aufgeben war für sie nie ein Thema, sonst wäre sie mit elfmal Gold nicht Rekord-Weltmeisterin.
Vogel: „Ich hatte mir vor drei Jahren ein anderes Leben vorgestellt, das ist unstrittig. Aber nun bin ich echt froh, was nach dem Unfall entstand und welche Möglichkeiten ich habe. Ich habe eine andere Sicht auf viele Dinge. Das macht mich glücklich.“ Sie kämpft! Als Mensch. Als Sportlerin. Als Stadtverordnete von Erfurt. In jeder Alltagssituation, die ihr sauer aufstößt: gegen Ungerechtigkeiten, ungerechtfertigtes Parken auf Behinderten-Parkplätzen oder fehlende Barrierefreiheit.
„Als Frau war ich vor dem Unfall vollkommen im Reinen mit mir, mit meinem Leben, meinem Körper. Dann kam der Unfall und alles änderte sich. Ich musste herausfinden: Wer bin ich überhaupt?“ Es begann eine Reise, die wohl nie enden wird, aber lohnenswerte Zwischenziele bietet. „Das ist eine Reise, in der ich jetzt wieder zu mir und meinem Körper finde. Und dazu gehören auch die Narben. Die sind für fast jeden ein Makel, aber ich sehe das volle Gegenteil. Sie gehören zu mir wie meine Haare. Sie zeigen, dass ich überlebt habe.“
Vor allem zwei Narben fallen auf: eine an der Seite und eine am Rücken. „Die an den Rippen vergesse ich immer, obwohl sie mir lange Probleme gemacht hat. Dort hatte ich eine Lungen-Drainage“, sagt sie und lacht leise.„Und die auf dem Rücken ist krass groß, aber sie erschreckt mich nicht. Ich verstecke sie nicht, das will ich nicht“, sagt sie. Die Gedanken gehen zurück zum ersten Unfall 2009, wo sie viele Zähne verlor und ihr Gesicht durch die Glasscherben zerschnitten wurde. Auch hier blieben Narben zurück, sichtbar für ein ganzes Leben.
Fast schon erschreckend kühl sagt sie: „Durch diesen ersten Unfall habe ich ein gutes Training. Da waren die Narben im Gesicht. Andere Leute haben andere Dinge an anderen Stellen. Niemand ist makellos.“ Dann sagt sie: „Man kann auch mit Narben schön sein. Sie gehören zu mir, und ich finde das wunderschön.“
Kristina Vogel ist eine ehemalige deutsche Bahnradsportlerin und zweifache Olympiasiegerin. Doch seit einem schweren Trainingsunfall im Jahr 2018 sitzt die Sportlerin im Rollstuhl.
Doch seit dem 26. Juni 2018 ist alles anders: Vogel prallte beim Training mit einem anderen Bahnradfahrer zusammen und ist seither querschnittsgelähmt. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach dem schweren Trainingsunfall im September desselben Jahres zeigte sie sich zuversichtlich: "Was soll ich bedauern? Die Situation ist, wie sie ist."
Ihr Rückenmark war am siebten Brustwirbel durchtrennt. Sie kann nie wieder laufen, nie wieder Rad fahren.
Mit ihrem Schicksal hat sich Vogel schnell abgefunden. Denn: Das Leben im Rollstuhl brachte ihr nicht nur Einschränkungen, sondern auch neue Möglichkeiten. Heute arbeitet sie als Trainerin in der Spitzensportfördergruppe der Bundespolizei. Außerdem kommentiert und moderiert sie für das ZDF und Eurosport und setzt sich seit 2019 auch politisch in ihrer Heimat Erfurt ein.
Doch nicht nur das: Um sich für Inklusion und Barrierefreiheit einzusetzen, ist sie auch als Markenbotschafterin für das Unternehmen trivida aktiv, die innovative Technologien für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer entwickeln wollen.
Zusammenfassung der Erfolge von Kristina Vogel
| Ereignis | Jahr | Ort | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Junioren-Europameisterschaft | 2007 | Cottbus | Gold (Sprint, 500-Meter-Zeitfahren), Bronze (Keirin) |
| Junioren-WM | 2007 | Aguascalientes (Mexiko) | Gold (Zeitfahren, Sprint, Teamsprint) |
| Junioren-WM | 2008 | Kapstadt (Südafrika) | Gold (Sprint, Zeitfahren, Keirin) |
| Weltmeisterschaft | 2012 | Melbourne | Gold (Teamsprint), Bronze (Keirin) |
| Olympische Spiele | 2012 | London | Gold (Teamsprint) |
| Weltmeisterschaft | 2014 | Cali (Kolumbien) | Gold (Keirin, Sprint, Teamsprint) |
| Weltmeisterschaft | 2016 | London | Gold (Keirin), Bronze (Teamsprint, Sprint) |
| Olympische Spiele | 2016 | Rio de Janeiro (Brasilien) | Gold (Sprint), Bronze (Teamsprint) |
| Weltmeisterschaft | 2017 | Hongkong | Gold (Sprint, Keirin), Bronze (Teamsprint) |
| Weltmeisterschaft | 2018 | Appeldoorn | Gold (Sprint, Teamsprint) |
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