Viele Fahrradfahrer nutzen ihr Smartphone als Ersatz für einen klassischen Fahrradcomputer. Über entsprechende Apps navigiert es zum Ziel, trackt Fitnessdaten und streamt Musik. Am E-Bike kann es zum zentralen Display für die Motorsteuerung werden. Smartphone-Halterungen sollen dem Radler während der Fahrt die Funktionsvielfalt der digitalen Begleiter verfügbar machen - auf sichere Weise.
Sicherheit und Rechtliche Aspekte
Das Handy im Sichtfeld erhöhe den Druck, zum Beispiel auf einkommende Nachrichten sofort zu reagieren, sagt der Experte: "Dies ist für andere Verkehrsteilnehmer vielleicht etwas weniger gefährlich als beim Auto, für den Radfahrer selbst aber doppelt gefährlich." Fürs Telefonieren hält der Unfallforscher Halterungen schlicht für überflüssig. Dies funktioniere auch gut mit Kopfhörern und dem Handy in der Tasche. Nur eine Ausnahme lässt Brockmann gelten: wenn das Handy ausschließlich als Navigationsgerät mit Sprachausgabe genutzt wird.
Wer sich das Telefon an den Lenker schnallt, wird es auch benutzen. Und damit werden Radler zu illegalem Handeln verleitet. Faktisch befinden sich Radler beim Interagieren mit dem Smartphone in einer Grauzone. Denn schnell passiert es, dass sie dem Gerät mehr Aufmerksamkeit widmen, als sie das dürften.
Erlaubt ist es laut Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung (StVO) Fahrrad- wie Autofahrern gleichermaßen, "ein elektronisches Gerät, das der Kommunikation, Information oder Organisation dient", zu benutzen, wenn es dafür "weder aufgenommen noch gehalten wird". Dieses Problem lösen Handyhalterungen. Die StVO erlaubt dazu zwar, eine "kurze, den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen angepasste Blickzuwendung zum Gerät" oder auch eine Sprachsteuerung und Vorlesefunktion. Doch der Sicherheit sei all das nicht förderlich, sagt Roland Huhn, der beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) als Rechtsreferent arbeitet. Er sagt: "Am sichersten ist das Fahren mit dem Handy in der Tasche."
Das Angebot an Smartphone-Halterungen
Ungeachtet dessen ist das Angebot an Halterungen fürs Smartphone und deren Produktvielfalt groß. "Von aufwendig bis total simpel ist alles dabei", sagt David Koßmann vom industrienahen Pressedienst-Fahrrad (pd-f) in Göttingen, einer Art Lobby-Agentur in Sachen Fahrrad. Als Preisspanne nennt Koßmann rund 10 bis 60 Euro. Das Spektrum reiche von einfachen Silikonbändern, die um den Lenker gewickelt werden, bis zu Geräten mit Stromversorgung des Smartphones über den Nabendynamo.
Es gibt Halterungen mit Regenschutzhülle, mit zusätzlicher Box für Kleinkram oder Upcycling-Produkte aus Lkw-Plane oder ausgedienten Schläuchen von Traktorreifen. Teils ist für Radler, die keinen Dynamo am Rad haben, eine Powerbank mit USB-Ports schon integriert. Andere Halterungen sind universell einsetzbar, zum Beispiel am Kinderwagen oder an der Autowindschutzscheibe mit Zusatzadapter. Die Halterungen nehmen manchmal nur bestimmte Smartphone-Modelle auf oder sind in der Größe variabel auch für XXL-Handys geeignet.
Achten sollte man vor dem Kauf auch darauf, wie die Halterung befestigt wird. Es gibt Schellen für Vorbau oder Lenker, teils auch zur werkzeuglosen Montage. Manche werden mit Gummibändern oder Kabelbindern befestigt, andere mit Klettverschlüssen. Grundsätzlich gilt: Schnell anzubringende Lösungen eignen sich für spontane Einsätze - etwa, wenn man mehrere Fahrräder hat oder sein Telefon am Bikesharing-Rad fixieren möchte. Doch sie bieten dem Telefon oft weniger Halt und Schutz vor Vibrationen.
COBI Bike im Detail
Unter den vielen Herstellern sticht Cobi hervor, nicht nur beim hohen Preis. Über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter mit Geld versorgt, weckte das 2014 gegründete Start-up schnell Interesse von Bosch, das das Unternehmen aufkaufte. Für pd-f-Mitarbeiter Koßmann bietet das System Cobi die "weitestgehende Smartifizierung von Telefon und E-Bike". Das Handy findet ebenfalls in einer Halterung Platz. Über Bluetooth mit der Einheit gekoppelt, ersetzt es über eine App das Display des E-Bikes, erweitert es aber um Funktionen des eigenen Handys.
Zum Tracking von Tour- oder Fitnessdaten - zum Beispiel wird die Trittfrequenz direkt vom Rad abgegriffen - ist Cobi kompatibel mit den gängigen Apps Komoot und Strava. Während das System für E-Bikes nur mit Boschmotoren zusammenarbeitet, gibt es auch eine Produktvariante für alle normalen Fahrräder. Mit abgespecktem Funktionsumfang - der aber immer noch groß und teuer ist.
Schließlich bediene der Radler alles per Daumen-Controller und müsse die Hände nicht vom Lenker nehmen. Zudem sei die Cobi-App bewusst minimalistisch und ablenkungsarm gestaltet und biete für selbst getätigte Anrufe nur Zugriff auf sieben vorausgewählte Kontakte sowie verkürzte Spotify-Listen.
Installation und Inbetriebnahme
Getestet wurde ein COBI.Bike Plus System für E-Bikes mit Bosch Antrieb, welches gegen das originale Intuvia Display ausgetauscht wurde. Die Montage ist simpel: der Hub ist einfach auf die Intuvia Basisplatte aufzustecken, der universale Smartphone Halter wird mit den zwei mitgelieferten Schrauben am Hub fixiert, das kabellose Rücklicht ist mittels der beiliegenden Halterung schnell montiert. Die universale Handyhalterung hält mein Smartphone mit 4,5“ Super AMOLED-Display sicher auch bei Erschütterungen an Ort und Stelle.
Das Smartphone ist einfach fixier- und abnehmbar. Das Handy wird via Mini USB mit Energie versorgt (es liegen verschiedene Adapter bei). Die Inbetriebnahme ist so gar nichts für Ungeduldige. Haben Hub bzw. Rücklicht nicht ausreichend Akkuladung, geht erst mal gar nichts, obwohl ja „eine Etage darunter“ der eigentliche E-Bike Akku zumindest den Hub mit mehr als ausreichend Spannung versorgen könnte.
Da die Übertragung zwischen Smartphone und Handy ja via Bluetooth erfolgt, dauern die Updates natürlich auch noch ihre Zeit. Also: genügend Zeit einplanen - die erste Tour muss warten!
Software und Funktionen
Die Software bietet solche Features, die man heutzutage von einer Fahrrad Display App erwarten kann:
- Navigation
- Fitnessfunktionen inklusive der Möglichkeit der Anbindung von Hardware zur Pulsmessung
- Telefonieren
- Musik hören - hier gibt es keine Limitierungen auf gespeicherte Songs - auch Internetradio ist natürlich möglich
- Elektronischer Diebstahlschutz
Neben den zu erwartenden Standardfunktionen bietet die Software folgende Sonderfunktionen:
- Akustische Klingel - im Hub integriert - funktioniert auch ohne Smartphone - recht dezent und praktisch.
- Diebstahl-/Softwareschutz - diese wird mittels des kleinen „Schloss Symbols“ unten links aktiviert. Wird das Bike unrechtmäßig bewegt, geht die Alarmanlage los.
Die Besonderheit bei der Ausführung für Bosch E-Bikes ist der Zugriff und die Anzeige aller relevanten Funktionen wie Akkuladezustand, Restreichweite, Unterstützungsstufe, Motorleistung, Eigenleistung, Trittfrequenz etc.
Die Navigation kann entweder über das integrierte, downloadbare (kostenlose!) Kartenmaterial oder die Anbindung einer Drittsoftware wie z.B. Komoot erfolgen. Die Nutzung der Komoot Software via COBI.Bike gestaltete sich sehr einfach und problemlos. Allerdings gab es bei der Routenführung via Komoot folgende Überraschung: So konnte eine „Offline verfügbar gemachte Route“ dank WLAN am Startpunkt problemlos absolviert werden. Beim Versuch, die Route nach Beendigung unterwegs für die Rückfahrt wieder aufzurufen, machte sich jedoch Ernüchterung breit: Dafür ist ein minimaler Datenzugriff nötig - ganz ohne Sim Karte läuft es also doch nicht - die sollte man sich dann schon gönnen.
Für die akustischen Navigationsansagen sollte man auf einen (Bluetooth) Kopfhörer zurückgreifen - die Ansagen via Smartphone werden von Fahrtwind und Umgebungsgeräuschen weitgehend verschluckt.
Beleuchtung
Das COBI.Bike Plus für E-Bikes kommt mit einem Frontlicht mit 65 Lux (StVZO konform!), sowie mit einem kabellosem Rücklicht (ebenfalls StVZO konform). Die Lichtausbeute ist akzeptabel.
Bekannte Probleme und Herausforderungen
Einige Nutzer haben jedoch auch Probleme mit dem COBI-System festgestellt:
- Defekte Smartphonehalterung: Bei einigen Nutzern ist die Smartphonehalterung am Hub bereits mehrfach defekt gegangen, auch bei normaler Nutzung auf Wald- und Feldwegen.
- Probleme mit der Tourendatenübertragung: Die Übertragung von Tourendaten zu Google Fit funktioniert bei manchen Nutzern nicht, obwohl Google Fit im Partner Account aktiviert ist.
- Startprobleme: Nach längerer Inaktivität kann es vorkommen, dass sich das COBI-System nicht mehr einschalten lässt oder die blaue Lampe nicht leuchtet.
- Verbindungsprobleme: Es kann vorkommen, dass sich Bike und COBI nicht finden.
- Eingefrorene Karte: Auf Touren kann die Karte einfrieren oder falsche Standorte anzeigen.
- Kalorienverbrauch: Der Kalorienverbrauch wird zwar angezeigt und vorgelesen, aber danach sind die Daten weg.
Vor- und Nachteile des COBI Systems
Vorteile:
- Integration von Smartphone-Funktionen in das E-Bike-System
- Kompatibilität mit Fitness-Apps wie Komoot und Strava
- Zusätzliche Sicherheitsfunktionen wie Diebstahlschutz
- Basisfunktionen auch ohne Smartphone nutzbar
Nachteile:
- Hoher Preis
- Abhängigkeit von einem funktionierenden Smartphone
- Mögliche Ablenkung durch Smartphone-Nutzung während der Fahrt
- Einige Software- und Hardware-Probleme
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