Welche Fahrradhelme sind wirklich gut? Diese Frage hat der ADAC zusammen mit Stiftung Warentest beantwortet - mit überraschendem Ergebnis.
Angesichts zunehmender Unfallzahlen ist die niedrige Helm-Tragequote besorgniserregend. Dabei ließen sich viele schwere Kopfverletzungen mit einem geeigneten Fahrradhelm mindern oder verhindern. Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) trugen 2022 nur 40,3 Prozent der Radfahrer einen Helm. Vor allem Berufspendler in Städten zeigen Verbesserungspotenzial.
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat der ADAC zusammen mit Stiftung Warentest 14 Helme zwischen 15 und 149 Euro getestet. Zwei gute Nachrichten: Alle Produkte erzielten eine ausreichende Schutzwirkung und Frauen sind nicht auf spezielle Helme beschränkt.
Der ADAC hat im Frühjahr 2024 mit der Stiftung Warentest elf City- und Urban-Fahrradhelme für Erwachsene sowie drei Fahrradhelme für S-Pedelecs getestet. Neben teuren Markenprodukten bis 149 Euro wurden auch günstige Helme von Discounter-Eigenmarken ab 20 Euro bewertet. Das Urteil: ein Totalausfall, ein breites Mittelfeld und drei klare Empfehlungen.
Testergebnisse im Detail
Die erfreuliche Nachricht zuerst: Alle Helme - bis auf den Testverlierer - erhalten im Punkt Unfallschutz mindestens die Note "Befriedigend" (bis 3,5). Die besten Fahrradhelme im Test sind nach Gesamtnoten der Uvex Urban Planet LED (ADAC Urteil: 2,0), der Alpina Gent MIPS (ADAC Urteil: 2,2) und der Limar Torino (ADAC Urteil: 2,2), wobei der Testsieger auch in der Kategorie Unfallschutz am besten abscheidet.
Günstig muss nicht schlecht heißen, wie das Urteil des Tests untermauert: Der Crivit-Fahrradhelm - eine Eigenmarke des Discounters Lidl - für 20 Euro schneidet im Test mit dem Gesamturteil gut (2,6) ab und landet so auf Platz fünf. Der Testsieger von Uvex kostet im Vergleich knapp das Achtfache.
Das Schlusslicht im Test, der Casco E.Motion 2 für etwa 120 Euro, erfüllt dagegen nicht einmal die gültigen Mindestanforderungen gemäß der DIN-Norm EN 1078 und fällt somit im Punkt Unfallschutz durch.
Crivit Fahrradhelm im Fokus
Besonders bemerkenswert ist sein Preis, der ihn im Vergleich zum rund sechsmal teureren Testsieger von Uvex als preiswerten Kopfschutz hervorhebt. Und: Das Modell von LIDL zeigte die geringste Beeinträchtigung des Sichtbereichs aller Helme im Test.
Der mit Abstand billigste Helm im Test ist mit 15 Euro der »Crivit Fahrradhelm mit Rücklicht« vom Discounter Lidl. Er schneidet zwar auch »befriedigend« (Note 2,6) ab, findet aber besondere Erwähnung: als der einzige Helm, der im Test im Dunkeln »gut« erkennbar sei. Er hat ein Rücklicht und Reflektoren: neben der Qualität der Reflektoren mache die Größe der reflektierenden Flächen einen Unterschied, so die Tester.
ADAC Testurteil für Crivit Fahrradhelm
Der Helm der Lidl-Eigenmarke Crivit (2,6) präsentierte sich als solide Wahl im Mittelfeld. Die Non-Food-Artikel werden immer erfolgreicher und decken die unterschiedlichsten Sparten ab. Dazu gehört auch eine professionelle Ausstattung für alle Fahrradfans. Angefangen von passender Sportbekleidung bis hin zu den sicheren Fahrradhelmen sind im Sortiment viele Produkte vertreten.
Nahezu unschlagbar ist der günstige Preis. Die Erwachsenenhelme sind bereits für unter 10 Euro zu haben und auch viele bunte Kinderhelme findest du im Angebot. Aber halten sie den hohen Anforderungen und Sicherheitsansprüchen stand und überzeugt der Tragekomfort?
Der ADAC-Test bemängelte zudem die Schläfenbereichs-Sicherheit einiger Modelle. Die Helme von Cube, Decathlon, Abus (S-Pedelec), Prophete und Lidl wiesen Schwächen in der Stoßdämpfung auf.
Details zum Crivit Fahrradhelm
Die Crivit-Modelle sind für Damen und Herren gleichermaßen zu tragen. Hergestellt werden sie nach der modernen und bekannten Inmold-Bauweise. Die stoßfeste Außenschale aus Polycarbonat sorgt für Stabilität und der hochabsorbierende EPS-Hartschaum im Inneren für einen angenehmen Tragekomfort und Schutz bei einem Sturz oder Unfall. Beide Elemente sind fest miteinander verschweißt und nicht nur punktuell geklebt.
Vom Design her wirken sie sehr dynamisch und sportlich. Dabei wählst du zwischen hellen und neutralen Farben wie Weiß oder Grau. Aber auch schwarze Modelle sind im Sortiment zu finden.
Die Modelle von Crivit sind alle mit einem Einhand-Verstellsystem für die Größe ausgestattet. Im Inneren verläuft ein Ring aus Kunststoff, der deinen Kopf umschließt. Drehst du nun am kleinen Rad am Hinterkopf, zieht sich der Ring noch fester, damit der Helm nicht mehr verrutscht. Der Drehschalter ist stufenlos, sodass sich das System wirklich an jede Kopfform und an jeden Kopfumfang anpassen kann.
Bei heißen Temperaturen im Sommer ist eine gute Luftzirkulation unter dem Fahrradhelm zwingend notwendig. Bei der Marke Crivit sind insgesamt 13 Luftkanäle vorgesehen mit großen und kleineren Öffnungen. An der Front sind die Öffnungen nochmals mit einem Insektenschutz abgesichert.
An der Vorderkante der Produkte ist eine kleine Blende beziehungsweise ein Visier angebracht. Es schützt dich vor direkter Sonneneinstrahlung, sodass auch die Fahrt ohne Sonnenbrille möglich ist. Außerdem schützt es zuverlässig dein Gesicht vor herabhängenden Zweigen und vor Regen bei schlechter Witterung.
Rings um den Helm gibt es reflektierende Elemente für eine bessere Sichtbarkeit im Dunkeln. Zusätzlich bietet Crivit eine LED-Rückleuchte, um von einem Auto eher wahrgenommen zu werden. Das Rücklicht ist abnehmbar und besitzt einen modernen Leuchtbandcharakter.
Für die kleinsten Radfahrer bietet Crivit eine eigene Serie an. Die Modelle besitzen immer eine Einheitsgröße von 49 bis 54 cm Kopfumfang und lassen sich über das Drehradsystem auch ideal an den kleinen Kinderkopf anpassen. Ebenso ein Vorteil: durch die Größenspanne ist der Helm mehrere Jahre im Einsatz und wächst förmlich mit deinem Kind mit. Auch er ist nach Inmold-Verfahren gefertigt und besitzt ein sehr leichtes Eigengewicht, um die Nackenmuskulatur der Kleinen nicht zu stark zu belasten.
Wahre Allrounder sind die Crivit-Skaterhelme. Sie eigenen sich zum Skaten, Inlinern und Radfahren. Als Halbschale konstruiert reichen sie sehr weit in den Hinterkopfbereich und schützen auch die Schläfen. 11 Luftöffnungen sorgen für ausreichend Ventilation. Daneben sind die Modelle sehr leicht mit einer ABS-Außenschale und einer EPS-Innenschale gefertigt. Das Kopfbandsystem garantiert eine individuelle Weiteneinstellung. Auch die zusätzlichen Innenpolster dienen der Größenanpassung.
Crivit PRO-Serie für ambitionierte Sportler
Wer besonders sportlich auf dem Fahrrad jenseits der City unterwegs ist, sollte sich auch auf professionellen Schutz verlassen. Selbst in diesem Bereich bietet Crivit mit der PRO-Serie zuverlässige und auch preisgünstige Modelle. Ambitionierte Sportler bekommen einen Helm mit sehr leichtem Eigengewicht, der modernen Inmold-Bauweise und einem Fidlock-Magnetverschluss. Mit nur zwei Fingern ist der Verschluss einfach wieder geöffnet. Das besondere Anatomic-Fit-Verstellsystem sorgt für eine optimale Passform. Außerdem nimmt das Innenfutter den Schweiß sehr schnell auf, damit er dir nicht in die Augen läuft. Das Material ist geruchshemmend und lässt sich nach dem Sport in der Maschine waschen. Ein zusätzlicher Satz waschbarer Innenpolster gehört zum Lieferumfang. Ebenso gibt es am Kinn ein Polster. Im Windkanal getestet erzeugen die aerodynamischen Modelle kaum Windgeräusche oder Verwirbelungen und sind für ambitionierte Sportler geeignet.
Kundenmeinungen und Fazit
Die Kunden sind von den Fahrradhelmen beeindruckt. Sie zeugen von einem leichten Tragekomfort und auch das Einstellen von Gurten und Größe ist schnell erledigt. Selbst Herren mit einem sehr großen Kopfumfang sind zufrieden mit der Größe und können problemlos eine Mütze als Kälteschutz drunter tragen. Besonders überzeugend ist jedoch der günstige Preis der Artikel. Mit etwa 10 Euro pro Fahrradhelm erhältst du einen sehr günstigen Schutz, der trotzdem allen Sicherheitsbestimmungen folgt. So sind die Modelle beispielsweise EN-1078-geprüft und für das Fahrrad geeignet oder bei manchen Serien auch für Inliner oder Skater.
Kauftipps für Fahrradhelme
Auf der Suche nach einem passenden Fahrradhelm muss auf die Sicherheit Verlass sein. Die DIN-Norm EN 1078 gibt einen groben Anhaltspunkt. Sie zeichnet in der Regel einen sicheren Helm aus. Die strengere NTA-Norm für S-Pedelec-Helme ist ebenfalls ein Indikator für einen geeigneten Schutzhelm. Über den Preis allein lässt sich nicht bestimmen, wie sicher das Produkt tatsächlich ist.
Genauso wichtig für eine gute Kaufentscheidung ist der Sitz. Daher die dringende Empfehlung: den Helm vor dem Kauf aufsetzen. Ist der Helm mit den gegebenen Einstellungsmöglichkeiten korrekt auf die Kopfform angepasst, sollten keine unangenehmen Druckstellen zu spüren sein. Auch der Verschluss sollte kein Druckgefühl verursachen.
Der Fahrradhelm muss richtig sitzen
Der Helm sollte gerade auf Ihrem Kopf sitzen - also nicht nach hinten oder vorne kippen. Die Riemen sollten direkt unter den Ohren zusammenlaufen und ein "V" bilden. Stellen Sie die Bänder um beide Ohren herum ein, bis Sie einen bequemen Sitz haben. Es sollte gerade so viel Platz sein, dass Ihr Finger zwischen den Riemen und Ihr Kinn passt.
Test, ob alles sitzt: Kinnriemen offen lassen und Kopf vorne über beugen. Prüfe nach dem Feststellen des Rads, ob der Helm auch nicht mehr verrutscht oder sich vom Kopf drehen lässt. Erst dann stellst du die Länge der Kinnriemen ein und verschließt ihn. Ein Kinnpolster unter dem Klickverschluss sorgt für noch mehr Tragekomfort.
Weitere Kauftipps
- Radfahrende mit Brille sollten zudem beim Kauf darauf achten, ob die Sehhilfe durch den Helm auf die Nase oder die Schläfen gedrückt wird. Selbiges gilt auch für Sonnenbrillen.
- Auch die Sichtbarkeit durch Reflektoren oder LED zeichnet einen guten Helm aus, so der ADAC.
- Für eine möglichst lange Nutzungsdauer sollte der Helm regelmäßig gepflegt sowie die Innenpolster gereinigt werden.
- Nach etwa fünf Jahren empfehlen Expert:innen den Helm auszutauschen, da das Material über die Zeit spröde werden und nicht mehr den bestmöglichen Schutz versprechen kann.
Helmpflicht für S-Pedelecs
Während in Deutschland bei Fahrrädern ohne Elektromotor und Pedelecs mit Tretunterstützung (rein elektrisches Fahren nicht möglich) bis maximal 25 km/h keine allgemeine Helmpflicht besteht, müssen S-Pedelec-Fahrer:innen mit Kopfschutz unterwegs sein.
Auch wenn keine Pflicht besteht, empfiehlt der ADAC dennoch allen Radfahrenden, einen Helm zu tragen, um bei einem Sturz lebensbedrohliche Kopfverletzungen abzumildern oder ganz zu vermeiden. Die Helm-Tragequote sei dem Automobilclub nach weiterhin zu niedrig.
Tabelle: ADAC Testurteil Crivit Fahrradhelm
| Kriterium | Gewichtung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Unfallschutz | 55% | 2,9 |
| Handhabung & Komfort | 40% | 1,9 |
| Schadstoffe | 5% | 1,9 |
| Testergebnis gesamt | 2,6 |
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