Monster Energy Supercross 25 greift einen Aspekt auf, der in etlichen Rennspielen immer noch zu kurz kommt: das Nachahmen des Bodens, auf dem man fährt. Wobei deren Monster Energy Supercross 25 gegenüber den erwähnten älteren Dreckschleudern aus rein technischer Sicht natürlich etliche Schippen drauflegt. Einen Teil trägt der Umstieg auf Unreal Engine 5 dazu bei und einen anderen Teil die nach dem Vorgänger verbesserte Physik.
Das ist ja längst nicht so einfach, wie es vielleicht den Anschein hat - jedenfalls nicht für mich als vorwiegend auf Asphalt rasenden Rennthusiasten. Was einiges an Umgewöhnung erfordert! Zumal es da diesen kurzen Punkt gibt, an dem die Maschinen bei zu viel Gas binnen eines Wimpernschlags massiv übersteuern - oft dann, wenn man aus einer Kurve herausbeschleunigen will, um die folgende Anhöhe zu überspringen. Gibt man in der Kurve vor einer Geraden aber zu viel Gas, kippt ein bereits schief stehendes Motorrad schon mal komplett um.
Es ist gar nicht so leicht, den Sweet Spot genau dazwischen zu finden. Denn so genau die Bikes auf Eingaben reagieren und so deutlich man die mit steigender Renndauer immer tiefer werdenden Spurrillen spürt - beziehungsweise, gerade weil man das tut -, so wenig unterstützt einen das Programm in diesen kritischen Momenten.
Dabei ist Supercross 25 ja keine Hardcore-Simulation, die ohnehin nur eingefleischte Könner anspricht. Das schnelle Fahren der agilen Zweiräder ist nun mal so knifflig, dass es die Freude an den Sandrennen deutlich schmälert, wenn man nicht mit lebhaftem Schwung einfach daran Spaß haben kann.
Nun lassen sich Fehler immerhin ausgleichen, indem man jederzeit und relativ weit zurückspulen darf, um es anschließend besser zu machen. Gleichzeitig kommt man auf diese Art aber freilich kaum in einen dauerhaften Flow. Ich will aber auch unbedingt darauf hinweisen, dass es sich immer dann dafür richtig klasse anfühlt, wenn man dann doch mal im Flow ist.
Zumal man sich dank fünf verschiedener Schwierigkeitsgrade stets einer passenden Herausforderung gegenübersieht. Nur die müden Wassertropfen auf der Kamera sind mir als Darstellung des Regens eine Idee zu… trocken. Außerdem ist es klasse, dass durch flatternde Trikots der Eindruck von starkem Gegenwind erzeugt wird. Schade nur, dass das nach wie vor nicht durch physikalisch berechnete Kleidung, sondern einen beim genauen Hinsehen dezent befremdlichen Effekt dargestellt wird.
Das Programm von Supercross 25 sieht mit engen Stadionkursen (die machen das Gros aus), relativ weiten Wald- und Wiesenstrecken sowie speziellen Duellbahnen, auf denen man ähnlich wie in Drag-Rennen gegen nur einen einzigen Kontrahenten antritt, eine halbwegs abwechslungsreiche Karriere plus natürlich davon unabhängige Einzelrennen oder Turniere vor. Immerhin nutzt Milestone die offizielle Lizenz einschließlich realer Strecken und Fahrer.
Weder macht sie etwas neu noch wird sie über Interviews erzählt oder Ähnliches. Mir ist eine nüchterne Präsentation in einem halbwegs realen Sportspiel aber ohnehin lieber. Schließlich darf man an dafür vorgesehenen Punkten Team und Sponsor wechseln, steigt dadurch vom Nachwuchs- zum 250cc- sowie 450cc-Star auf und entwickelt die Eigenschaften des aktuellen Motorrads langsam weiter, indem man bei jedem Schritt entscheidet, ob Höchstgeschwindigkeit, Beschleunigung, Handhabung oder Bremse verbessert werden sollen.
Die Konsolenfassungen von Monster Energy Supercross 25 - The Official Video Game sind sowohl digital als auch im Handel erhältlich, während die PC-Version ausschließlich digital per Steam und im Epic Games Store vertrieben wird. Letztere schlagen mit knapp 60 Euro zu Buche, auf PlayStation 5 und Xbox Series S/X fallen knapp 70 Euro an.
Über gut beschriebene Setup-Einstellungen kann man das Bike zudem vor jedem Lauf variabel einstellen (ich wünschte nur, das Programm würde beim Speichern von sich aus einen Dateinamen vorschlagen, den man nur noch „returnieren“ müsste) und vor jedem Rennwochenende hat man nicht zuletzt die Wahl, ob man komplette Veranstaltungen samt aller Heats erleben, nur Qualifikation und Hauptrennen fahren will oder sich gar alleine mit Letzterem zufriedengibt.
Worauf ich hätte verzichten können, ist dagegen der Messenger: eine Art Social-Media-Plattform, auf dem ständig dieselben Nachrichten reinkommen („Du hast mich gerammt, verdammt!“), die man dann erstens liken oder disliken und oft genug auch mit ebenso einförmigen Antworten kommentieren kann. Ich will das auch abseits dieser Ärgernisse eher unbequeme Menü gar nicht in die Wertung einfließen lassen. Wenn man das erste Mal auf Steam Deck gespielt hat und dann zum PC wechselt, ist das nämlich eine unsägliche Prozedur.
So richtig rund ist Monster Energy Supercross 25 also nicht. Im Grunde steckt also mehr in Supercross 25 als die Entwickler rausholen, denn solange man sich schwungvoll durch den Dreck wühlt, spielt die feine Physik große Stärken aus - spätestens in den letzten Runden, wenn man geschickt durch tiefe Spurrillen lenken muss.
Die umfassende Lizenz und eine nüchterne, aber gelungene Karriere runden das Zweiradfahren auf gelungene Art ab. Auf das nervtötende Messenger-System hätte ich zugunsten besserer Fahrhilfen allerdings gerne verzichtet, denn die gleichen häufige Fehler nicht gut genug aus, damit auch Gelegenheits-Biker so richtig auf ihre Kosten kommen. Der Sprung auf ein neues technisches Level ist Milestone also gelungen.
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