Offroad-Motorradreifen im Test: Welcher Reifen ist der Beste für Ihre Reiseenduro?

Für den Offroad-Motorradreifen-Test wurden sechs Paar Geländereifen auf sechs BMW R 1250 GS montiert und einem umfassenden Test in den Bereichen Gelände, Landstraße, Nässe und Verschleiß unterzogen.

In der Welt der Offroad-Motorradreifen für große Reiseenduros gibt es nicht die eine Universalwaffe, die für alle Bedürfnisse passt. Natürlich könnte man nach Punkten einen Gesamtsieger küren, doch das würde die individuellen Stärken und Schwächen der einzelnen Reifenmodelle nicht ausreichend berücksichtigen.

In Summe haben wir hier sechs Reifen für Individualisten. Und das ist gut so.

Die Testkandidaten im Überblick

  • Bridgestone AX 41
  • Continental TKC 80
  • Metzeler Karoo 3
  • Michelin Anakee Wild
  • Mitas E-07+
  • Pirelli Scorpion Rally

Bridgestone AX 41

Der Bridgestone Battlax AX 41 ist der Tipp für offroad-orientierte Reiseenduristen.

Gewicht: vorne 5,3 kg, hinten 7,6 kg

Geschwindigkeitsindex: Q (bis 160 km/h)

Landstraße/Alltag (104 Punkte, Platz 5): Der Blick aufs Profil weckt Zweifel, dass der neue AX 41 auf Asphalt überzeugen wird. Und so ist es: In engen Kurven wirkt der Offroader leicht kippelig, beim Beschleunigen sowie höherem Tempo stören Walkbewegungen. Ab Tempo 80 nehmen die Abrollgeräusche deutlich zu.

Offroad/Gelände (124 Punkte, Platz 2): Abseits der Straße überzeugt der AX mit toller Performance, verzahnt sich stark auf Schotter und Geröll, punktet beim Bremsen im Gelände.

Nasstest (74 Punkte, Platz 3): Im Regen vermittelt der Bridgestone ein gut einschätzbares Feedback und gefällt durch satte Haftreserven. Manko: die Bremsperformance!

Verschleiß (78 Punkte, Platz 3): Mit seinen groben Stollen bietet der AX viel Angriffsfläche, trotzdem steckt er den Stresstest im Straßen- und Offroad-Mix noch gut weg.

Fazit: Ein Tipp für offroad-orientierte Reiseenduristen. Die Nachteile auf asphaltierten Pisten halten sich im Rahmen, auf der Habenseite stehen souveräne Geländeleistungen, ausreichend Grip im Regen sowie geringe Verschleißwerte.

MOTORRAD-Bewertung: gut

Continental TKC 80

Der Continental TKC 80 überzeugt auch nach über drei Jahrzehnten mit Ausgewogenheit.

Gewicht: vorne 4,5 kg, hinten 6,7 kg

Geschwindigkeitsindex: Q (bis 160 km/h)

Landstraße/Alltag (116 Punkte, Platz 4): Auf geteerten Wegen kann der TKC besser überzeugen als die ähnlich grob profilierten Konkurrenten von Bridgestone und Michelin, bleibt unterm Strich noch einigermaßen harmonisch und neutral steuerbar. Auch Bremsperformance, Geradeauslauf und Fahrgeräusche gefallen besser.

Offroad/Gelände (117 Punkte, Platz 3): Hier passen „look and feel“. Im groben Geländeeinsatz fühlt sich der Grobstöller richtig wohl. Nur wenn es richtig deftig wird, haben Bridgestone- und Michelin-Piloten die Nase vorn.

Nasstest (67 Punkte, Platz 5): Bei Regen ist inzwischen zu spüren, dass der TKC der Opa im Feld ist. Die Konkurrenz punktet durch mehr Grip und ist besser einschätzbar.

Verschleiß (80 Punkte, Platz 1): Hinten schwindet das Gummi, vorne dagegen nicht. Damit Sieger im Kapitel „Wirtschaftlichkeit“.

Fazit: Der Klassiker in dem Segment sieht auch nach über drei Jahrzehnten nicht wirklich alt aus und überzeugt mit ausgewogenen Eigenschaften auf Asphalt, einer Top-Geländeperformance sowie den besten Verschleißwerten.

MOTORRAD-Bewertung: gut

Metzeler Karoo 3

Der Metzeler Karoo 3 macht auf der Straße einen guten Job.

Gewicht: vorne 5,4 kg, hinten 7,6 kg

Geschwindigkeitsindex: T (bis 190 km/h)

Landstraße/Alltag (120 Punkte, Platz 3): Das Stollendesign weist in Richtung Straße, das ist auch tatsächlich zu spüren. Auf Asphalt punktet der Karoo 3 mit guten Haftreserven, seine Handlichkeit und Stabilität in Kurven spricht besonders sportlich orientierte Reiseenduristen an. Beim Bremsen in Schräglage ist ein kleiner Aufstellimpuls zu spüren.

Offroad/Gelände (106 Punkte, Platz 5): Auf Schotterpisten bereitet der Metzeler keine Probleme, auch Bergaufpassagen meistert er mit guter Verzahnung. In gröberem Gelände sowie auf Schlamm kann er aber nicht mithalten.

Nasstest (83 Punkte, Platz 2): Satter Grip, gut abgestimmter Grenzbereich, klasse Bremswerte. Ein Reifen für Regentage.

Verschleiß (74 Punkte, Platz 4): Vorne passt es, hinten bleibt allerdings reichlich Profil auf der Strecke. Insgesamt durchwachsen

Fazit: Die Marschrichtung des Karoo 3 weist klar in Richtung Straße, wo er auch bei widrigen ­Bedingungen, zum Beispiel im Regen oder auf Rollsplitt, einen guten Job macht. Ernsthafte Geländeausritte sind allerdings nicht sein Ding.

MOTORRAD-Bewertung: gut

Michelin Anakee Wild

Der Michelin Anakee Wild ist mit seiner Top-Performance spitz auf offroad konfiguriert.

Gewicht: vorne 5,2 kg, hinten 6,5 kg

Geschwindigkeitsindex: R (bis 170 km/h)

Landstraße/Alltag (97 Punkte, Platz 6): Der Weg ins Gelände muss förmlich erkämpft werden, auf asphaltierten Straßen macht der Anakee Wild keine besonders gute Figur - kippelig in Schräglagen, deutlich spürbare Walkbewegungen beim Beschleunigen und in Kurven, ­dazu eine nur mäßige Stabilität und eine insgesamt sehr verhaltene Bremsperformance.

Offroad/Gelände (129 Punkte, Platz 1): Feiner Schotter oder grobes Geröll, bergauf oder bergab, Schlammpassagen oder nasse Wiesenhänge - in diesem Terrain fühlt sich die Michelin-bereifte Reiseenduro pudelwohl. Top!

Nasstest (61 Punkte, Platz 6): Beim Bremsen im Regen noch okay, ansonsten sind die Gripreserven im Nassen sehr mau.

Verschleiß (71 Punkte, Platz 5): Die groben Stollen lassen beim Kilometerschrubben on- wie offroad besonders schnell nach.

Fazit: Die Top-Performance im Gelände ist über jeden Zweifel erhaben. Dafür müssen viele Nachteile im Alltagseinsatz auf „normalen“ Straßen in Kauf genommen werden. Für einen On-/Off­roader ist der Anakee Wild sehr spitz konfiguriert.

MOTORRAD-Bewertung: befriedigend

Mitas E-07+

Der Mitas E-07+ steht für die Kombination aus Straßenperformance und kerniger Optik.

Gewicht: vorne 5,8 kg, hinten 8,0 kg

Geschwindigkeitsindex: T (bis 190 km/h)

Landstraße/Alltag (125 Punkte, Platz 1): Mit seinem neutralen Lenkverhalten, ausreichend Stabilität und souveränem Auftritt beim Bremsen fährt der Mitas der Konkurrenz in diesem Testkapitel davon. Der Speed-Index kann dank geringer Walkbewegungen bis zum Limit von 190 km/h problemlos ausgereizt werden, und mit seinen moderaten Abrollgeräuschen punktet der E-07+ auch in der Komfortwertung.

Offroad/Gelände (88 Punkte, Platz 6): Das straßenorientierte Profil mit geringem Negativanteil kommt abseits geschotterter Wege mangels Traktion schnell an seine Grenzen.

Nasstest (72 Punkte, Platz 4): Gerade hinten sind die Haftreserven schnell aufgebraucht. Das Feedback bei Nässe ist aber okay.

Verschleiß (79 Punkte, Platz 2): Die großen Profilblöcke zeigen sich besonders hinten sehr zäh und robust. Gut gemacht!

Fazit: Wer Straßenperformance mit kerniger Optik kombinieren will, sollte zum Newcomer von Mitas greifen. Onroad überzeugt der E-07+ beim Kurvenwedeln, offroad darf das Gelände aber nicht zu rau werden. Top im Verschleiß.

MOTORRAD-Urteil: gut

Pirelli Scorpion Rally

Der Pirelli Scorpion Rally überzeugt mit brillanter Ausgewogenheit.

Gewicht: vorne 5,5 kg, hinten 7,5 kg

Geschwindigkeitsindex: T (bis 190 km/h)

Landstraße/Alltag (121 Punkte, Platz 2): Sein leichtes Einlenkverhalten, das satte Grippolster, ein geringes Abrollgeräusch sowie das gute Feedback machen den Offroader von Pirelli zu einem sehr guten Straßenreifen. Auch der Geradeauslauf überzeugt mit überdurchschnittlicher Stabilität. Mit seiner leichten Tendenz zur Kippeligkeit müssen bei der Lenkpräzision Abstriche in Kauf genommen werden.

Offroad/Gelände (111 Punkte, Platz 4): Auf losem Terrain schaufelt sich der Pirelli förmlich durch den Untergrund. Besonders klasse: der spurstabile Vorderreifen. Im Schlamm hapert’s.

Nasstest (84 Punkte, Platz 1): Breiter, gut einschätzbarer Grenzbereich plus reichlich Grip. Ein Tipp für die Regenzeit!

Verschleiß (71 Punkte, Platz 5): Starker Raubbau an den Profilblöcken vorne wie hinten. Die Performance kostet Laufleistung.

Fazit: Seine Ausgewogenheit macht ihn klar zu einem der besten On-/Offroad-Reifen in diesem Testfeld. Brillante Performance auf der Straße gepaart mit guten Geländeeigenschaften sowie einer Top-Vorstellung auf nassem Asphalt.

MOTORRAD-Urteil: gut

Offroad-Motorradreifen auf der Landstraße

Kaufempfehlung für alle, die in erster Linie einen Grobstöller für die Straße suchen: Hervorragend funktioniert der sehr präzise Mitas, knapp dahinter platzieren sich Gummis von Metzeler und Pirelli.

Gleichwohl dürfen die Reifenkonstrukteure diesen im 50/50-Mix aufgebauten „Sowohl-Straße-wie-auch-Gelände-Reifen“ kein zu kleines Grundkorsett für den regulären Straßenbetrieb überstülpen. Denn wer will schon bei aller Liebe zur Natur auf eine feiste Kurvenorgie verzichten, wenn sich diese plötzlich vor dem Vorderrad auftut?

Dazu gesellen sich sicherheitsrelevante Parameter wie beispielsweise eine starke Bremsperformance. Gerade in diesem Bewertungspunkt klafft die Schere besonders weit auf. Zwischen Bestem (Mitas) und Schlechtestem (Michelin) beträgt der Unterschied knapp fünf Meter. Das ist eine Autolänge. Oder noch drastischer in Form der Restgeschwindigkeit ausgedrückt: Wenn die Mitas-bereifte GS steht, hat der Michelin-Pilot noch 32 km/h drauf. Das klingt schon sehr krass.

Es gibt klar „auf Straße“ gestrickte Gummis (Mitas, Metzeler, Pirelli), und es gibt Reifen, bei denen Straße unter„ferner liefen“ im Lastenheft steht (Bridgestone, Conti, Michelin).

Offroad-Motorradreifen im Gelände

Im Gelände zeigt Michelins wilder Anakee der Konkurrenz was Sache ist.

Gemäß dem Motto „Wo kein Schild, da kein Richter“ schlagen wir uns mit den sechs GS-en immer wieder ins Abseits und lassen uns ziehen - einfach der Nase nach, die Sonne als Fixpunkt, denn Kartenwerk, aber auch Google Maps haben schon längst aufgegeben.

Die treten je nach Untergrund auch offen zutage. Erwartungs- gemäß trumpfen jetzt nämlich die drei Paarungen auf, die sich zuvor auf festem Boden - sprich der Straße - als besonders zickig erwiesen haben. Sie ziehen die Karre (und so manchen verzweifelten Piloten) sozusagen mit Sternchen-Plus-Auszeichnung wieder aus dem Dreck.

Offroad-Motorradreifen im Nässe-Test

Der Anakee Wild gibt bei Nässe sehr schnell auf. Einwandfrei die Leistung von Pirelli und Metzeler mit sattem Grippolster und gut einschätzbarem Grenzbereich.

Deshalb testen wir, wie die sechs Reifen normale Fahrsituationen auf Asphalt absolvieren.

Ort des Nässetests für die Reifen 2019: das Testareal von Bridgestone nahe Rom, wo wir zwei Tage lang einen permanent bewässerten Rundkurs nutzen können. Regen auf Bestellung sozusagen, mit dem Vorteil, dass der Wasserfilm stets gleichmäßig auf der Asphaltfläche verteilt ist und weitere Störeinflüsse wie zum Beispiel schlechte Sicht durch Gischt und Regentropfen auf dem Visier ausgeschlossen sind.

Allerdings lassen sich erst durch dieses von MOTORRAD quasi normierte Testverfahren genaue Aussagen zum „Was wäre, wenn …“ treffen. Wenn zum Beispiel eine Notbremsung im Regen eingeleitet werden muss!

Offroad-Motorradreifen im Verschleiß-Test

Die weicher aufgebauten Geländereifen verschleißen schneller als die mehr straßenorientierten Profile? Pustekuchen.

Reifen Landstraße/Alltag Offroad/Gelände Nasstest Verschleiß Gesamt
Bridgestone AX 41 104 124 74 78 380
Continental TKC 80 116 117 67 80 380
Metzeler Karoo 3 120 106 83 74 383
Michelin Anakee Wild 97 129 61 71 358
Mitas E-07+ 125 88 72 79 364
Pirelli Scorpion Rally 121 111 84 71 387

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