Die Landstraße ist das primäre Revier der Motorradfahrer. Genau hier müssen die Reifen immer verlässlich, transparent und gerne lange funktionieren. Maximaler Fahrspaß geht einher mit viel Haftung, guter Rückmeldung und präzisem Handling.
Sport- und Hypersportreifen im Test
In der MOTORRAD Ausgabe 07/2025 und der PS Ausgabe 04/2025 wurden jeweils sechs Sport- und sechs Hypersportreifen in den Größen 120/70ZR17 und 190/55ZR17 getestet.
Die Kronen der Landstraßenwertung gehen an die beiden frischesten Gummis des großen Testfelds und ist somit „King of the Road“, während Michelins Power GP2 bei den Hypersportlern den größten Pokal einheimst.
Wer sich ein wenig mit Reifen beschäftigt, wusste im Vorfeld um die Dominanz der Straßensportreifen beim Nasstest. Hypersport - der Name ist Programm. Endlich können sie ihren Grip-Vorteil ausspielen und den Straßensportlern eine lange Nase ziehen. Wobei, die Grenzen sind fließend.
Testergebnisse im Überblick
Hier eine Zusammenfassung der Testergebnisse einiger Reifenmodelle:
- Bridgestone S23: SEHR GUT - Ein famoser Reifen für alle Bedingungen, alle Fahrer und fast alle Bikes. Im Alltag nicht zu biegen, kommt vor allem der Hinterreifen auf einem modernen Superbike auf der Rennstrecke gut spürbar ans Limit.
- Bridgestone RS11: BEFRIEDIGEND - Dem RS11 fühlt man ebenso wie dem Sportsmart TT das konstruktive Alter und geringe bis keine Weiterentwicklung bei der Mischung an.
- Continental RaceAttack 2 Street: GUT - Warmgeknetet kommt man bei sommerlichen Temperaturen und auf der Rennstrecke gut mit dem RaceAttack 2 Street klar.
- Dunlop SPORTSMART MK4: SEHR GUT - Spiel, Satz und Sieg, was will man als Reifenbäcker mehr erreichen?
- Metzeler Racetec M9 RR: SEHR GUT - Oldie but Goldie!
- Pirelli DIABLO ROSSO IV: SEHR GUT - Der Pirelli Diablo Rosso IV sammelt leise, still und heimlich Punkte. Im Gesamt-Ranking zwar „nur“ auf Platz 4, erfährt er sich dennoch denkbar knapp ein sehr gutes Urteil.
- Pirelli DIABLO SUPERCORSA SP V4: GUT - Der schnellste Reifen auf dem Track, zügig aufgewärmt auf der Landstraße und bei Nässe immer noch okay? Das riecht nach Testsieg mit klarer Rennstreckenempfehlung.
- Michelin Power 6: GUT - Der Power 6 zeigt eindrücklich, wie eng es bei den Sportreifen zugeht. Erst letztes Jahr überarbeitet, fehlt es ihm auf dem brachialen Superbike etwas an Stabilität, was wertvolle Punkte kostet.
- Michelin Power GP 2: GUT - Der neue GP2 ist weniger scharf gebacken als andere Hypersportreifen, was ihn in diesem Segment zum Regen- und Alltags-König macht.
ADAC Testurteil: CST Medallion All Season ACP1
Die Leistung des CST Medallion All Season ACP1 wird bei der Fahrsicherheit insgesamt mit nur mangelhaft bewertet. Auf winterlicher Fahrbahn zeigt der Reifen deutliche Schwächen, kommt aber auch auf trockener und nasser Fahrbahn nicht über befriedigende Bewertungen hinaus.
Der CST Medallion All Season ACP1 bietet dem Fahrer auf trockener Fahrbahn eine nur ausreichende Rückmeldung am Lenkrad und zeigt sich unpräzise. Der Fahrer muss sowohl beim Anlenken als auch im Kurvenverlauf korrigieren, da der Reifen verzögert auf Lenkbefehle anspricht, und das Testfahrzeug keinem gleichmäßigen Radius im Kurvenverlauf folgt. Zudem neigt das Testfahrzeug mit dem CST bei dynamischen Ausweichmanövern oder Spurwechseln recht früh zum Übersteuern - bezogen auf das Testfeld wird sein Verhalten aber gerade noch als befriedigend eingestuft. Da auch sein Bremsweg befriedigend ausfällt, reicht es am Ende noch für eine gerade so befriedigende Bewertung der Fahreigenschaften auf trockener Fahrbahn.
Auf nasser Fahrbahn kommt der Medallion All Season ACP1 beim Bremsen und im Aquaplaning Verhalten nicht über ein befriedigendes Resultat hinaus. Im Handling verpasst er aber selbst eine befriedigende Bewertung seiner Eigenschaften. Der Reifen bietet nur ausreichende Reserven und der Testwagen lässt sich nicht gerade präzise über den Parcours manövrieren.
Auf winterlicher Fahrbahn ist der CST Medallion All Season ACP1 auf Abwegen. Bereits bei den Bremsweg- als auch Traktionsmessungen kommt der Reifen nicht über ein befriedigendes Resultat hinaus. Im Handling wird seine Leistung, bezogen auf das Testfeld, gar als mangelhaft eingestuft. Der Reifen tut sich schwer, Längs- und Querkräfte gleichzeitig zu übertragen, wodurch er früh an Vortrieb verliert und früh zum Unter- und im weiteren Kurvenverlauf zum Übersteuern neigt - Reserven im Grenzbereich weist er kaum auf. Den Testwagen präzise über den Parcours zu manövrieren ist nicht möglich.
Bei den Bremswegmessungen auf Eis schneidet der CST ebenfalls nur mangelhaft ab - er weist das schlechteste Resultat auf Eis auf.
Bei der Umweltbilanz verpasst der, in China produzierte, CST Medallion All Season ACP1 eine gute Bewertung. Während sowohl seine prognostizierte Laufleistung als auch sein Abrieb als gut bewertet werden, kommt der Reifen bei der Effizient aufgrund seines hohen Gewichts nicht über ein befriedigendes Resultat hinaus. Bei der Nachhaltigkeit wird der CST gerade noch so als ausreichend bewertet. Der Hersteller/Importeur hatte keine der angefragten ISO-Zertifizierungen, noch den Nachweis über eine Teilnahme am UN-Global-Compact oder eine Bewertung durch EcoVadis geliefert.
ADAC Testergebnisse im Detail
| Kriterium | Gewichtung | Note |
|---|---|---|
| Fahrsicherheit | 70% | 4,8 |
| Trockene Fahrbahn | 35% | 3,5 |
| Nasse Fahrbahn | 45% | 3,3 |
| Winterliche Fahrbahn | 20% | 4,8 |
| Umweltbilanz | 30% | 2,8 |
| Laufleistung | 40% | 2,1 |
| Reifenabrieb | 20% | 2,3 |
| Effizienz | 20% | 2,8 |
| Geräusch | 10% | 3,4 |
| Nachhaltigkeit | 10% | 4,5 |
Legende:
- sehr gut: 0,6 - 1,5
- gut: 1,6 - 2,5
- befriedigend: 2,6 - 3,5
- ausreichend: 3,6 - 4,5
- mangelhaft: 4,6 - 5,5
Allgemeine Daten CST Medallion All Season ACP1
- Preis in Euro: 81
- Last- und Geschwindigkeitsindex: 94 W
- Reifenlabel (Rollwiderstand/Nasshaftung/Außenfahrgeräusch): C/B/B 71 dB
- Produktionsland Testreifen: China
Gemittelte Messwerte aus den Tests
- Bremsweg (100 - 0 km/h) trocken in m: 44,7 (38,0-45,3)
- Bremsweg (80 - 0 km/h) nasser Asphalt in m: 36,6 (31,3-42,6)
- Bremsweg (80 - 0 km/h) nasser Beton in m: 44,4 (38,4-52,6)
- Aquaplaning längs in km/h: 75,4 (78,5-65,6)
- Aquaplaning kreis: Querbeschleunigung in m/s²: 2,8 (2,8-1,8)
- Bremsen Schnee (30-0 km/h) in m: 9,6 (9,0-12,5)
- Traktion Schnee in dN: 216 (257-173)
- Bremsen Eis (20-0 km/h) in m: 18,7 (14,2-18,7)
- Prognostizierte Laufleistung in km: 47.600 (68.000-34.700)
- Reifenabrieb in mg/km/t: 73,0 (51,0-78,0)
- Testreifengewicht in kg: 10,1 (8,6-10,1)
- Kraftstoffverbrauch (bei 100km/h) in l/100km: 5,8 (5,5-5,8)
- Vorbeifahrgeräusch in dB(A) nach ISO: 73,5 (71,1-74,5)
Stärken und Schwächen des CST Medallion All Season ACP1
- Stärken:
- gute prognostizierte Laufleistung
- guter Abrieb
- Schwächen:
- Schwächen auf trockener Fahrbahn
- Schwächen auf nasser Fahrbahn
- sehr schwach auf winterlicher Fahrbahn
- höheres Reifengewicht
No-Name-Reifen im Test
Im Test wurden auch No-Name-Reifen der Dimensionen 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 unter die Lupe genommen, darunter Marken wie Nankang, Shinko und Mitas. Ziel war es zu klären, ob diese günstigeren Alternativen tatsächlich "nix drauf" haben.
Bewertung der No-Name Reifen auf Landstraße und Autobahn
Grundsätzlich lässt sich klar ablesen, welche gewaltigen Entwicklungssprünge moderne Motorradreifen in den letzten zwei Jahrzehnten gemacht haben. Relativ leicht ist es demnach, einen Radialreifen auch für PS-starke Motorräder zu bauen, der einfach nur geradeaus läuft. Aber wer will mit seinem Bike immer stur voranbolzen? In dem Augenblick, wo dem Reifen gleichzeitig mehr Dynamik abverlangt wird, beginnen die Schwierigkeiten. Stabilität behalten, gleichzeitig aber an Agilität zulegen: Wie umsetzen, ohne dass der Reifen kippelig oder nervös wird?
No-Name-Reifen bei Nässe
Für viele Motorradfahrer ist aber die Nassperformance ein entscheidendes, wenn nicht sogar das ausschlaggebende Kaufkriterium. Schließlich will man, dass der Reifen bei widrigen Umständen ein möglichst hohes Sicherheitspolster bietet: viel Grip in Kurven, klares Feedback für die Haftreserven, kurze Wege bei einer Notbremsung. Ein wichtiger Baustein ist beispielsweise der Einsatz von Silica, einer Kieselsäureverbindung, die das Gummi auch schon bei niedrigen Reifentemperaturen schön geschmeidig macht.
Einzelbewertungen der No-Name-Reifen
- Full Bore:
- Landstraße/Autobahn: (103 Punkte, Platz 4) Fährt sich gegenüber dem Shinko aus gleicher Fertigungsstätte spürbar besser. Dazu kommt eine bessere Rückmeldung, sodass sich im Vergleich zum Shinko eher ein Gefühl für das Haftpotenzial in Kurven einstellt. Besonders stört ein ausgeprägtes Shimmy - sowohl bei Geradeausfahrt wie auch in Schräglage.
- Nasstest: (56 Punkte, Platz 5) Bietet zwar eine bessere Rückmeldung und gibt sich handlicher als der Shinko, rutscht dafür aber beim Beschleunigen und in Schräglage deutlich früher.
- Fazit: Selbst bei Idealbedingungen bleibt die Performance des Full Bore mit seiner trägen Art, wenig Feedback und deutlicher Shimmy-Neigung dürftig.
- Maxxis:
- Landstraße/Autobahn: (118 Punkte, Platz 2) Der Maxxis gefällt zunächst durch sein vergleichsweise leichtes Einlenkverhalten, weshalb er sich deutlich handlicher als die Konkurrenten von Shinko und Full Bore gibt. Allerdings mangelt es an der Neutralität: Bei hohen Schräglagen fühlt sich der Supermaxx schnell kippelig an.
- Nasstest: (76 Punkte, Platz 2) Auch im Regen kann sich der Maxxis mit seinem breiter gestalteten Grenzbereich und Vorteilen bei der Handlichkeit und Rückmeldung etwas von den Konkurrenten Shinko, Full Bore und Nankang absetzen.
- Fazit: Der Supermaxx erntet am Ende des Tages trotz Platz zwei auch nur ein „bedingt empfehlenswert: Ist die Straße trocken, bleibt er noch akzeptabel.
- Mitas Sport Force:
- Landstraße/Autobahn: (129 Punkte, Platz 1) Auf der Landstraße überzeugt der Mitas Sport Force mit erstaunlich guten Fahreigenschaften, indem er sich sportlich und leichtfüßig einlenken lässt und auch bei hohen Schräglagen sehr neutral bleibt. Zudem vermittelt er bereits auf den ersten Metern eine ausgesprochen gute Rückmeldung für seine Haftreserven.
- Nasstest: (79 Punkte, Platz 1) Auch auf nassen Straßen kann der Slowenen-Reifen einen deutlichen Vorsprung zu den übrigen Reifen im Test herausfahren. Seine Messwerte liegen sogar auf dem Niveau guter Tourenreifen aus Teil zwei (Heft 11/2014).
- Fazit: Handlich, sportlich, günstig: Der Mitas Sport Force fährt sich deutlich anders als die Konkurrenz im Test. Und auch bei Regen geht er nicht vorzeitig in die Knie.
- Nankang Roadiac:
- Landstraße/Autobahn: (111 Punkte, Platz 3) Insgesamt lenkt der Roadiac etwas zu schwerfällig in Kurven ein, dazu sind leichte Gegenlenkkräfte erforderlich, um das Motorrad auf Kurs zu halten. Beim Bremsen in Schräglage stört ein deutlicher Aufstellimpuls. Die nur mäßige Rückmeldung vermittelt kein sicheres Gefühl für die Haftreserven in Kurven, und die durchwachsene Lenkpräzision vereitelt den sauberen Strich in Kurven.
- Nasstest: (66 Punkte, Platz 3) Die mäßige Handlichkeit und die geringen Haftreserven fordern gerade bei nassem Asphalt ihren Tribut: Bereits in verhaltener Schräglage müssen weite Bögen gefahren werden, um nicht ins Rutschen zu kommen. Insgesamt fällt der Grenzbereich viel zu schmal aus.
- Shinko:
- Landstraße/Autobahn: (91 Punkte, Platz 5) Der konzeptionell wohl älteste Reifen im Test (basierend auf Yokohama-Reifen aus den 90er-Jahren) zeigt sich auf der Landstraße besonders störrisch. Bereits ab geringen Schräglagen sind deutliche Gegenlenkkräfte erforderlich.
Neue CST Reifenmodelle
CST hat neue Reifenmodelle vorgestellt, darunter den CST Magsport und den CST CM-615/CM-616, die speziell für 125er-Maschinen entwickelt wurden.
- CST Magsport: Konzipiert für den Einsatz auf Motorrädern der 125er-Klasse, mit Fokus auf Laufleistung und Sicherheit bei Nässe.
- CST CM-615/CM-616: Entwickelt für Komfort und Stabilität, mit großer Aufstandsfläche in der Laufmitte und radialer Bauweise der Karkasse.
Diese neuen Profile sollen das Portfolio von CST erneuern und das Segment der beliebten Einsteigermodelle der 125er-Klasse bedienen.
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