Unbeschwert mit dem E-Bike unterwegs sein macht enorm viel Spaß. Wären da nicht ab und zu die Gedanken an den Akku. Wie weit komme ich mit der aktuellen Ladung noch? Wo kann ich ihn am besten aufladen? Auf diese Fragen gibt es heutzutage ganz verschiedene Antworten. Meist spielt es eine Rolle, wo ihr euch gerade befindet, welchen Anlass eure aktuelle Fahrt hat und wie weit euer Ziel entfernt ist.
Verschiedene Möglichkeiten zum Laden des E-Bike Akkus
Es gibt verschiedene Szenarien, in denen Sie Ihren E-Bike Akku laden können. Hier sind einige Optionen:
- Zuhause laden: Komfortabler als an einer gut gewarteten Ladestation laden Sie Ihr E-Bike wahrscheinlich nur zu Hause auf. Kein Ladegerät, höchstens ein passendes Ladekabel oder einen Adapter - mehr braucht es dafür nicht.
- Öffentliche Ladestationen nutzen: Sowohl in touristischen Regionen als auch im urbanen Raum an zentralen Orten wie Bahnhöfen, Busbahnhöfen, Einkaufscentern oder so manchen öffentlichen Einrichtungen finden sich solche Ladestationen. In Gegenden, in den viele Menschen ihren Urlaub verbringen, sind Restaurants, Hotels oder Museen die jeweiligen Anlaufstellen. Errichtet haben die Ladesäulen unterschiedlichste Anbieter. Haben Sie daher zur Sicherheit das Ladekabel für Ihr E-Bike lieber griffbereit.
- Tankstellen anfragen: Je nach Gegend finden Sie eher eine Tankstelle als per App eine Ladestation zum Laden des Akkus. Wer dort höflich nach einer Erlaubnis zum Aufladen fragt, wird wohl nur selten abgelehnt. Und wenn Sie bei der Gelegenheit noch etwas zu trinken oder essen bestellt, gibt’s den Strom am Ende vielleicht sogar gratis.
Das richtige Ladegerät für unterwegs
Trotz Ladestationen kommt die Sprache beim Laden des E-Bikes unterwegs schnell auf das Ladegerät. Sein Mitführen versetzt Sie schnell in die Lage, flexibel auf verschiedene Gegebenheiten reagieren zu können. Heute gestaltet sich die Situation deutlich übersichtlicher. Für viele E-Bike-Systeme von Bosch, Shimano, Mahle, Fazua, TQ, Brose, Pinion und Co. werden nur noch ein, höchstens zwei Ladegeräte angeboten. Häufig beträgt deren Ladestrom zwischen zwei Ampere und vier Ampere. Dank steter Weiterentwicklung braucht es dieses breite Spektrum nicht mehr. Ladegeräte wiegen inzwischen etliche Gramm weniger als noch vor fünf oder zehn Jahren.
Beispiele für Ladegeräte
- Amflow 12A Ladegerät für DJI Avinox
- Fazua Ride 60 3A Ladegerät
- Sram Eagle Powertrain 4A Ladegerät
- TQ 4A Ladegerät
Ob Sie unterwegs lieber ein Ladegerät bei sich haben oder nicht, richtet sich vermutlich meist nach dem Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen. Zurecht trägt es die Bezeichnung Schnellladegerät. Dieser Typ Ladegerät ist keineswegs neu. Ganz unterschiedliche elektrisch betriebene Gegenstände vom Smartphone bis zum E-Auto kennen irgendeine Form von Schnellladetechnologie. Amflow nutzt zum Beispiel einen GaN-Schnellladeanschluss. Hinter GaN verbirgt sich das kristalline Halbleitermaterial Galliumnitrid. Es taucht immer häufiger in Stromversorgungen und Ladegeräten auf und ersetzt dort als Alternative Silizium. Galliumnitrid leitet Strom sehr gut und hält auch hohen Temperaturen stand, was die Lebensdauer des jeweiligen Gerätes erhöht. In der Praxis bedeutet das: Ein Ladegerät von Amflow ist nur unwesentlich größer und rund 250 Gramm schwerer als ein Bosch 4A Ladegerät für das Smart System.
Alternativen zum Laden: Akkutausch und DualBattery
Zugegeben, das Ladegerät von DJI ist verdammt fix. Noch schneller sind Sie jedoch, wenn Sie unterwegs einfach den ursprünglichen Akku gegen einen Zweitakku tauschen. Nachteil dieser Lösung ist verständlicherweise ein größeres Gewicht während der Fahrt. Schließlich wiegt ein Akku mehr als ein Ladegerät. Allerdings sagt auch niemand, dass Sie den identischen Akku einsetzen müssen, den Sie am E-Bike entnehmen. So hält etwa Bosch für einen Teil seiner Intube-Akkus einen Adapter parat. Mit dessen Hilfe können Sie einen PowerTube 750 gegen einen PowerTube 500 tauschen, der immerhin rund 1,3 Kilogramm leichter ausfällt. Oder Sie ersetzen einen PowerTube 750 gegen einen PowerTube 625. Bis zum Wechsel kann der Zweitakku in den Gepäcktaschen Platz finden. Ein guter Bike-Rucksack tut’s natürlich auch. Als ausgesprochen praktisch kann sich außerdem eine platzsparende Rahmentasche erweisen.
Bosch DualBattery
Wollen Sie zwei Akkus nutzen, liegt es nahe, sie von Anfang an im beziehungsweise am Rahmen zu montieren. Alle, die ein E-Bike mit Bosch-Antrieb fahren, können dafür theoretisch auf die Option Bosch DualBattery zurückgreifen. Für wen dieser Begriff neu ist, nur so viel: Bosch Dualbattery ermöglicht den gleichzeitigen Einsatz zweier Akkus und damit das Verdoppeln der Reichweite oder sogar noch größere Steigerungen. Oftmals werden ein Intube-Akku mit einem Rahmenakku oder einem Gepäckträgerakku kombiniert. Das E-Bike-System greift abwechselnd auf beide Akkus zu und entlädt sie so möglichst schonend. Einschränkend gilt: Nicht jedes E-Bike besitzt vom jeweiligen Hersteller die Freigabe für das Bosch Dualbattery. Wer DualBattery einmal verwendet hat, wird in vielen Fällen nicht mehr zur Variante mit einem einzigen Akku zurückkehren wollen. Der Reichweitengewinn eröffnet ungeahnte Freiheiten und lässt die Angst um ein plötzliches Ausbleiben der elektrischen Unterstützung ganz weit nach hinten rücken.
Range Extender und größere Akkukapazitäten
So gut wie jeder Hersteller eines E-Antriebs, der etwas auf sich hält, führt inzwischen einen Range Extender m Programm. Im Grunde handelt es sich um eine abgewandelte Form der DualBattery-Variante. Allerdings verfügt der zweite Akku absichtlich über eine geringere Kapazität. So lässt sich zwar weniger zusätzliche Reichweite generieren. Dafür schrumpft der Akku auf das Maß ähnlich einer herkömmlichen Trinkflasche und lässt sich so mit geringem Aufwand im E-Bike-System und am Rahmen hinzufügen. Am Ende kommen zwischen einem Drittel oder gar der Hälfte an Kilometern auf die ursprüngliche Reichweite darauf - je nach Antrieb und der Größe des serienmäßig verbauten Akkus.
Angesichts von kontinuierlich gestiegenen Akkukapazitäten, ausgefeilterer Batterie-Management-Systeme und modernerer Akkuzellen hat das Laden des E-Bikes unterwegs zum Glück ein wenig an Brisanz verloren. Erst recht, wenn wir einen Blick auf das S-Pedelec werfen. Akkus der Schweizer Hersteller Opium und Stromer erreichen Kapazitäten von mehr als 1.500 Wattstunden. Zudem kommen Akkuzellen anderen Typs zum Einsatz. Die lang genutzten 18650er Zellen gelten heute weitestgehend als ausentwickelt.
Einheitliche Ladeinfrastruktur und Rekuperation
Trotz ausdauernderer Akkulösungen und dem gleichzeitigen Nutzen zwei Akkus wird das Laden des E-Bikes unterwegs künftig weiterhin ein Thema bleiben. Aktuell nutzt beinahe jeder Systemhersteller einen eigenen Ladeanschluss. Das stößt nicht nur bei vielen E-Bike-Fahrenden auf Unverständnis, sondern erschwert gleichzeitig das Etablieren einheitlicher und damit einfach zugänglicher Ladeinfrastruktur. Initiativen wie die des Konsortiums CHAdeMO wollen hier Abhilfe schaffen. CHAdeMOs Ansatz für das Laden von E-Bikes heißt Charge2Bike. Diese als herstellerübergreifender Industriestandard konzipierte Ladelösungen wird von internationalen Fahrrad- und E-Bike Herstellern und dem Zweirad-Industrieverband (ZIV) aus Deutschland unterstützt. Charge2Bike von CHAdeMO soll künftig eine Ladespannung von maximal 60 Volt ermöglichen. Dies würde sich für Akkus eignen, deren nominalen Nennspannung maximal 50,4 Volt beträgt. Als Resultat ließe sich damit ein Ladestrom von maximal 20 Ampere erzeugen. Wenn Sie das in Relation zu den Ladeströmen heutiger Ladegeräte setzen, erkennen Sie, welchen enormen Sprung das bedeuten würde.
Vollkommen überflüssig wäre das Laden des E-Bikes unterwegs, wenn sich der Akku während der Fahrt wie von selbst aufladen könnte. Einige E-Bike-Antriebe, etwa von Cixi oder Opium, ermöglichen genau dies. Das entsprechende Prinzip heißt Rekuperation. Sie sorgt dafür, dass ein sich bewegendes E-Bike einen Teil der dabei entstehenden Energie zurückgewinnt. Dieser fließt dann zurück in den Akku. Je nach System geschieht dies beim Pedalieren, beim Bremsen oder beim Fahren im Leerlauf zum Beispiel während einer Abfahrt. Auf diese Weise kann sich die Reichweite erheblich verlängern. Andere Hersteller wie Anod und Pi-Pop kombinieren die Rekuperation mit Superkondensatoren und verzichten - teilweise oder gänzlich - auf einen Akku. Ausgereizt sind diese Ansätze noch lange nicht. Gut vorstellbar, dass wir mittelfristig in bestimmten Nischen E-Bikes sehen, die kaum noch an die Steckdose müssen.
Akku laden und pflegen
Es gibt gleich mehrere gute Gründe, Ihren E-Bike-Akku korrekt zu laden und zu pflegen. Schließlich ist der Akku das Herzstück, der Energiespeicher Ihres Elektrofahrrads, ohne den der Pedelec-Antrieb nicht arbeiten kann. Darüber hinaus ist ein E-Bike-Akku nicht günstig, da sollte er auch möglichst lange halten und so viele Ladezyklen wie möglich überstehen, oder?
Tipps zur Akkupflege
- Akku einfahren: Bevor Sie Ihre ersten Ausfahrten unternehmen, sollten Sie den E-Bike-Akku „einfahren“. Das bedeutet, dass Sie ihn 3-5 Mal abwechselnd vollständig laden und wieder entladen.
- Zwischenladen: Nachdem Sie Ihren Akku eingefahren haben, sind die Lithium-Ionen-Akkus sehr dankbare und pflegeleichte Energiegeber und müssen nicht mehr mühsam komplett entleert werden, bis sie neu geladen werden können. Im Gegenteil, denn der Lithium-Ionen-Akku verträgt das Zwischenladen viel besser als eine ständige Entleerung. Platzieren Sie also ruhig ein zweites Ladegerät auf Ihrer Arbeitsstelle, um den E-Bike-Akku zwischen den Fahrten laden zu können!
- Ladevorgang unterbrechen: Sie müssen auch nicht darauf warten, dass der Ladestand Ihres Pedelec-Akkus 100 % erreicht hat - Sie können den Ladevorgang jederzeit unterbrechen, ohne den Akku zu schädigen. Sie können sogar die Lebensdauer Ihres Akkus erhöhen, indem Sie ihn stets nur auf 80 % laden: So wird der hohe Spannungsbereich vermieden, der bei einer Ladung von 100 % erreicht wird und die Zellchemie schädigen kann.
- Komplettladung alle 2-3 Monate: Alle 2-3 Monate sollten Sie Ihren Akku dann aber einmal komplett entladen und wieder aufladen. Dieser Vorgang ist nötig, damit das Battery-Management-System den Zustand des E-Bike-Akkus erkennt und so auch der Ladestandsanzeige korrekte Werte übermittelt.
- Kein Memory-Effekt: Aber keine Sorge, in neuen E-Bikes von renommierten Herstellern finden Sie ausschließlich leistungsfähige und pflegeleichte Lithium-Ionen-Akkus. Diese haben keinen Memory-Effekt und deshalb dürfen Sie den E-Bike-Akku auch jederzeit an das Ladegerät anschließen.
- Richtige Lagerung: Die richtige Lagerung des E-Bike-Akkus kann die Lebensdauer des Akkus erheblich beeinflussen. Lagern Sie den Akku an einem trockenen kühlen Ort bei etwa 10 bis 15 Grad. Achten Sie auch unbedingt auf den Ladestand, bevor Sie den Akku einlagern: Optimal ist ein Ladestand von etwa 50 %, der etwa alle drei Monate kontrolliert werden sollte. Der Grund liegt in der Selbstentladung des Akkus.
- Temperaturempfindlichkeit: Lithium-Ionen-Akkus sind wie die meisten Akkusysteme temperaturempfindlich, sie fühlen sich bei durchschnittlich 20 Grad am wohlsten. Genauso verhält es sich mit dem E-Bike-Akku: Ist es zu kalt, entlädt sich der Akku schneller, da die chemischen Prozesse im Inneren nicht mehr so effizient ablaufen können - Kapazitätseinbußen sind die Folge. Sie sollten Ihr E-Bike also wenn möglich im Schatten parken und direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.
- Schutz vor Flüssigkeiten: Wie jedes elektronische Gerät reagiert auch der Akku Ihres Elektrofahrrads nicht gut auf Flüssigkeiten. Säubern Sie Ihr E-Bike deshalb niemals mit einem harten Wasserstrahl, wie dem eines Hochdruckreinigers oder etwa mit einem Dampfreiniger. Selbst wenn der Akku zu diesem Zeitpunkt nicht am Bike befestigt ist, kann Wasser durch die Kontaktstellen in die Elektronik eindringen und sie beschädigen.
- Transport: Wenn Sie Ihr E-Bike im Auto transportieren, sollten Sie den Akku vom Pedelec trennen und ihn vor Hitze, Stößen und Schlägen schützen. Die Anschlüsse am Pedelec können Sie ganz einfach mit einer Plastiktüte schützen, wenn Sie das Bike zum Beispiel auf der Fahrradhalterung am Auto befestigen.
- Entsorgung: Defekte E-Bike-Akkus dürfen nicht im Hausmüll entsorgt werden.
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