Cube schießt mit seinem neuen Trailhardtail den Vogel ab. Denn für 1100 € liefern die Bayern ein Trailhardtail, dem auf den ersten Blick nichts fehlt. Trailhardtails legen eine Gratwanderung zwischen Vergötterung und Verachtung hin. Die einen lieben sie, aufgrund ihrer simplen Technik und dem ungefilterten Fahrgefühl. Die anderen hassen sie, weil sie keinen Komfort bieten und im rauen Gelände einem Fully ganz klar unterlegen sind.
Cube stellt mit seinem neuen Reaction TM One vor allem ein Argument für Trailhardtails ins Rampenlicht: Den Preis. Und das ist wohl für die allermeisten das ausschlaggebende Kaufkriterium. Verdammt sexy für 1100 €.
Optik und Preis-Leistungs-Verhältnis
Die Optik von Cubes Trail-Hardtail stimmt. Viele, vor allem junge Biker träumen von einem Fully zum Trails shredden. Denn das Cube Stereo One 22 Fully gibt es zwar ab 1999 €, also etwas weniger als den doppelten Preis. Man kann die Marktübersicht abkürzen. Unter 2000 € wird es verdammt schwer, ein Fully mit gleichem Einsatzbereich und ähnlicher eleganter Optik zu finden. Viele träumen von Fullys wie dem Stereo One22. Aber vollgefederte Bikes kosten mindestens doppelt so viel.
Trotz Kampfpreis lässt sich Cube bei der Qualität und Optik des Rahmens nichts nachsagen. Hier hat sich in der Alu-Verarbeitung in den letzten Jahren wirklich nochmal einiges getan. Cube weiß es, die neuesten Entwicklungen beim Schweißen von Alu-Rahmen perfekt umzusetzen.
Das geschraubte BSA-Tretlager und die Zugverlegung durch das Unterrohr bzw. Details wie die stabil abgestützte Direkt-Mount-Bremsaufnahme am Hinterrad, die ab Werk für eine 180er-Scheibe vorbereitet ist, oder das Gusset im Sitzrohrbereich zeigen, dass man bei Cube die Bedürfnisse der Zielgruppe endlich ernst nimmt. Der Rahmen macht einen deutlich stabileren Eindruck als der alte Reaction TM Rahmen.
Gewicht und Reifen
Mit 15,5 Kilo ohne Pedale ist das Bike für ein Hardtail schwer. Zwar wiegen andere Trailhardtails in dieser Preisklasse ähnlich viel, aber Fullys wie das Canyon Spectral CF schaffen es mit Dämpfer und mehr Federweg auf das gleiche Gewicht. Normalerweise spart ein Hardtail gegenüber einem Fully ca. 1,5 Kilo Gewicht, weil der Dämpfer und die Gelenke bei einem starren Rahmen wegfallen.
Die Schwalbe-Reifen haben massiv Grip und mit ihrer doppelten Karkasse auch den Pannenschutz, den man sich für ein Trailhardtail vorstellt. Aber sie drücken mit über 1300 Gramm pro Reifen auch ordentlich auf die Waage. Hinzu kommt, dass man die Reifen mit ihrem Drahtkern auch nur mit Schlauch und nicht Tubeless fahren kann. Das ist richtig üppig und das macht das Bike beim Antreten oder im Uphill auch spürbar behäbig.
Das Gute an der Sache ist aber auch, dass man hier im Nachgang relativ leicht tunen kann. Denn wenn man den ersten Satz Reifen mal runtergefahren hat, lassen sich mit einem Budget von 80 - 100 € schnell mal ein Kilo Gewicht sparen, ohne dass man an Grip oder Pannenschutz eingebüßt.
Schaltung und Bremsen
Hochwertige Mountainbikes sind in der Regel mit Shimano Schaltungen oberhalb des Deore Niveaus (Deore, SLX, XT oder XTR) oder eben Sram Schaltungen ausgestattet. Die verbaute Cues Schaltungen sortieren sich vom Qualitätsniveau unterhalb der Deore Gruppe ein. Shimano versucht dabei mit nur zehn Ritzeln an der Kassette einen niedrigeren Preispunkt zu realisieren. Dennoch soll die Gruppe den Geländespaß abkönnen.
Das liegt vor allem daran, dass die Schaltung pro Gangwechsel auch größere Sprünge machen muss. Denn mit nur zehn Ritzeln fallen die Gangsprünge größer aus als bei einer Schaltung mit 12 Ritzeln. Und das, obwohl die Gangspreizung mit der Kassette mit 11 -48 Zähnen sogar deutlich kleiner ausfällt. Im Großen und Ganzen funktioniert die Schaltung zuverlässig und auf einem Niveau, das für den Mountainbike-Einsatz ok ist. Bei Schaltperformance und Bandbreite muss man sich aber bewusst sein, dass teure Optionen mehr drauf haben.
Bei den Bremsen lässt Cube nichts anbrennen. Der 4-Kolben-Magura-Bremssattel am Vorderrad ist in Kombination mit der 203 mm großen Scheibe einer der stärksten Stopper, die man sich vorstellen kann. Die Anlage im Heck ist etwas schwächer, aber immer noch absolut ausreichend. Cube investiert hier an der richtigen Stelle.
Federgabel
Die SR Suntour Federgabel hat nicht den Ruf einer Rock Shox oder Fox Gabel, funktioniert aber auf dem selben Niveau wie die günstigen Gabeln der Marktführer im Highend Segment. Wichtig ist vor allem, dass die Gabel mit einer Luftfeder, und nicht mit einer Stahlfeder arbeitet. So manche Gabel in diesem Preissegment macht das nämlich noch. Die Luftfeder hat den Vorteil, dass ich mit einer einfachen Gabelpumpe die Federhärte an mein Körpergewicht oder meine Vorlieben auf dem Trail anpassen kann. Außerdem ist sie deutlich leichter als die Stahlfedergabel.
Die Zugstufe ist einstellbar und sogar die Druckstufe, also die Einfedergeschwindigkeit, lässt sich mit 7 Klicks leicht feintunen. Wobei der letzte Klick hier oben am rechten Gabelholm im Lockout endet und die ersten 2-3 Klicks kaum eine Wirkung haben. Vor allem bei großen schnellen Schlägen bauen hochwertigere Gabeln die Energie besser ab. Da erreicht man mit dieser sowie den meisten anderen Gabeln in dieser Preisklasse schneller den Zustand, dass sie durchschlagen. Und bei ganz schnellen Schlagabfolgen halten diese hochwertigeren Gabeln den Kontakt zum Boden etwas besser.
Geometrie und Fahrgefühl
Bei der Geometrie geht Cube endlich den richtigen Weg. Mit dem neuen Rahmen ist Cube im Trailhardtail Game angekommen. Mit dem 65 Grad Lenkwinkel trifft man den Nagel auf den Kopf. Lass krachen! Eine Sache muss man bei der Geometrie betonen. Mit den Größen XS und S hat man selbst als kleiner, vielleicht noch nicht ausgewachsener Mensch, zwei Rahmengrößen zur Auswahl. Das ist absolut sinnvoll. Das Gewicht ist ein Thema bei dem Bike und mit den kleinen Laufrädern wird es einfach noch einmal circa ein halbes Kilo leichter. So lässt es sich, auch für leichte Fahrer, besser handhaben.
Ab der Größe M hat das Reaction TM 29er-Laufräder. Das Bike ist nicht super quirlig, sondern schlägt sich tendenziell eher auf die laufruhige Seite. Es wäre übertrieben, wenn man sagen würde heftige Trails wie der Little Champery in Finale Ligure wären ein Zuckerschlecken für das Bike. Das Zusammenspiel aus den soliden Reifen, der gelungenen Geo und den Bremsen schafft es selbst dann, wenn es richtig knifflig wird, ein sicheres Fahrgefühl aufzubauen.
Für 400 € mehr liefert Cube das Reaction TM Pro. Das Bike hat denselben Rahmen, ist aber besser ausgestattet und wiegt über 1 Kilo weniger. Achtung: Die Reaction Bikes ohne den Modellzusatz TM haben zum Verwechseln ähnliche Modellnamen, mit nur 100 mm Federweg aber eine ganz andere Ausrichtung.
Das Reaction TM schwimmt gegen den Trend. Cube liefert für 1100 € genügend Mountainbike, um den Sport in seiner vollen Bandbreite, von leichten Hometrails bis zu den Killer Trails von Finale auszuüben. Unterm Strich ist es aber ein Paradebeispiel dafür, wie einst hochpreisige Technologien mittlerweile in bezahlbaren Preisregionen angekommen sind.
Die Wahl des richtigen Reifens
Schwalbe, MAXXIS, Conti, Pirelli, Michelin, WTB, Kenda und Co.: Die Auswahl an Mountainbike-Reifen ist riesig und unübersichtlich. Wir haben über 50 Reifen für euch getestet - und keinen klaren Sieger auserkoren. In diesem Vergleichstest küren wir weder einen klaren Testsieger noch einen Kauftipp. Denn bei MTB-Reifen gibt es zahlreiche Faktoren, die die Performance maßgeblich beeinflussen.
Aus gutem Grund bieten die Hersteller eine breite Palette an Modellen und Versionen an - abgestimmt auf verschiedene Fahrertypen und - niveaus, Bikes und Trail-Bedingungen. Wer sein Enduro-Bike hauptsächlich mit dem Shuttle nach oben bringt, stellt ganz andere Anforderungen an seine Reifen als jemand, der mit demselben Bike in den Alpen unterwegs ist und sich jede Abfahrt aus eigener Kraft verdient.
Selbst wenn wir uns in der Redaktion auf ein bestimmtes Modell einigen könnten, wäre es lediglich der bestmögliche Kompromiss für möglichst vielseitige Einsätze. Also einen perfekten Reifen, der für alle Biker gleichermaßen passt, gibt es schlichtweg nicht!
Stattdessen wollen wir euch erklären, auf was ihr in Zukunft achten müsst, welche Unterschiede es gibt und was ihr von gewissen Anpassungen - wie dem Luftdruck oder der Karkasse - erwarten könnt. Zudem erklären wir euch die unterschiedlichen Philosophien der Hersteller und deren - teils sehr verwirrenden - Produktpaletten, damit ihr in Zukunft die perfekte Wahl für eure Reifen treffen könnt.
Wir haben alle relevanten Profile, Gummimischungen und Karkassen aller bekannten Hersteller über Monate hinweg für euch getestet. Damit dieser Test für euch gut übersichtlich bleibt, haben wir ihn in insgesamt drei Teile aufgegliedert. Im ersten Teil findet ihr alles, was ihr grundlegend über Reifen wissen müsst. Die vier wichtigsten Faktoren, auf die ihr bei der Reifenwahl achten müsst, haben wir im zweiten Teil erklärt. Im letzten Teil verraten wir euch, wie ihr die zu euch passenden Reifen findet. Und im Anschluss daran geben wir euch einen Überblick über alle bekannten Hersteller.
Tubeless-Montage
Die Vorteile von tubeless montierten Reifen liegen auf der Hand: weniger Gewicht, mehr Grip, geringerer Rollwiderstand und höherer Pannenschutz. Auch wenn die Montage etwas mühsam sein kann (nicht muss!), sind fast alle modernen MTB-Reifen sowie -Felgen für den Tubeless-Einsatz vorgesehen.
Für den Fall, dass ihr noch mit normalen Schläuchen unterwegs seid, haben wir für euch eine detaillierte Tubeless-Montage-Anleitung und die dringliche Empfehlung, sich endlich an den Umbau zu wagen. Wir selbst fahren nur tubeless und haben auch alle Reifen nur ohne Schlauch für euch getestet.
Seit kurzem gibt es aber auch den Trend, mit sogenannten TPU-Schläuchen zu fahren, die wesentlich leichter, etwas robuster, allerdings auch deutlich teurer sind als herkömmliche Schläuche. Wir haben TPU-Schläuche meist nur als Pannenset dabei, weil sie eben kleiner und leichter als herkömmliche Schläuche sind, und würden euch weiterhin das Tubeless-Setup ans Herz legen.
Wenn ihr noch nie etwas von Tubeless gehört habt, dann checkt unseren großen MTB-Tubeless Guide.
Luftdruck und Reifenbreite
Der richtige Luftdruck im Reifen ist essenziell: Zu viel davon und ihr könnt euch von Komfort und Grip verabschieden. Bei einem zu geringen Luftdruck sind ein unpräzises, schwammiges Fahrverhalten und Defekte vorprogrammiert. Der passende Druck ist dabei sehr individuell und hängt von unzähligen Faktoren ab, wie der Karkasse, Gummimischung und den Bedingungen auf der Strecke.
Wir empfehlen euch, vor jedem Ride den Luftdruck mit einem Luftdruckprüfer zu checken und etwas zu experimentieren - die Minute und Investition lohnt sich!
Wie breit ist zu breit und wie schmal ist zu schmal? Prinzipiell gilt: Die Reifenbreite muss zur Felgenweite passen. Ein breiterer Reifen hat eine größere Aufstandsfläche und kann so mehr Grip generieren. Zudem kann das erhöhte Volumen den Pannenschutz und den Komfort erhöhen.
Mit Reifen, die breiter als 2,6” sind, haben sportlich-aggressive Fahrer in Kurven aber oft mit negativen Effekten zu kämpfen: Das Fahrverhalten wird schwammig und unpräzise, wodurch sich enge Linien oft nicht mehr halten lassen. In Anliegern knicken die breiten Reifen schneller und heftiger weg.
Sowohl die Felge als auch das Profil beeinflussen die tatsächliche Breite des Reifens enorm. Gemessen wird nämlich immer an der breitesten Stelle: also ganz außen an den Seitenstollen. Somit sind die Reifenbreiten der unterschiedlichen Hersteller nicht direkt vergleichbar und ein 2,5”-Reifen von MAXXIS kann breiter oder schmaler sein als ein 2,5”-Reifen von SCHWALBE, Continental oder anderen Herstellern.
Gewicht der Reifen
Das Gewicht eurer Reifen solltet ihr nicht unterschätzen: Der Reifensatz alleine, ohne Tubeless-Milch und Co., trägt mit etwa 2,5 kg zum Gesamtgewicht eures Bikes bei. Das kommt zwar einer gefüllten großen Trinkblase gleich, dennoch wirkt sich das Gewicht des Reifens deutlich spürbarer auf die Fahrperformance aus.
Zum einen sind die Reifen Teil der rotierenden Masse, die ihr bei jedem Antritt und bei jeder Bremsung beschleunigen und abbremsen müsst. Zum anderen fungieren die Reifen - noch vor eurer Gabel - als Federelement und reagieren auf Schläge, wodurch sie massiven Einfluss auf euer Fahrwerk haben.
Schwere Reifen können das Fahrverhalten aber auch positiv beeinflussen: Geht es heftiger zur Sache, helfen euch schwere Reifen, die Linie im Steinfeld oder über den Wurzelteppich zu halten, was eure Fahrt stabilisiert. Leichte seitliche Schläge versetzen sie deutlich weniger.
Robuste und stabile Reifen sind schwer - bringen aber klare Vorteile in der Abfahrt.
Vorder- vs. Hinterradreifen
Die Anforderungen am Vorderrad unterscheiden sich von denen am Hinterrad. Beim MTB gilt es, so viel Grip wie möglich am Vorderrad zu generieren, während man am Hinterrad Kompromisse zwischen Traktion und Rollwiderstand eingehen muss. Auch beim Thema Pannenschutz gibt es massive Unterschiede, die Kräfte am Hinterrad sind oftmals um ein Vielfaches höher. Wenn wir unsere Platten zusammenzählen, hatten wir den Bärenanteil davon am Hinterrad.
Ihr habt also viel Spielraum bei Profil, Karkasse und Gummimischung. Auch wenn ihr nicht wie so manche Profis täglich auf neuen Reifen unterwegs seid, schlagen Reifen als Verschleißteil immer wieder große Löcher in die Urlaubskasse. Fakt ist: Ein hochwertiger Reifen ist relativ teuer, hat aber auch einen massiven Einfluss auf eure Trail-Performance und kann über Frust oder Spaß im Urlaub entscheiden. Denn wer flickt schon gerne unter nervigem Zeitaufwand seine Reifen, während die Kumpels amüsiert daneben stehen und Scherze über eure kleine Pumpe machen.
Ihr solltet euren Reifen deshalb als Tuning und nicht als Verschleißteil betrachten.
Tire Inserts
Tire Inserts gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und die Preisspanne dieser Systeme ist riesig. Das Funktionsprinzip ist bei den meisten Systemen dasselbe: Ein Schaumstoff agiert bei heftigen Einschlägen als Puffer zwischen dem Felgenhorn und dem Reifen. Dadurch schlägt der Reifen nicht mehr oder deutlich weicher auf der Felge auf und wird nicht so schnell von ihr beschädigt. Andere Probleme wie Burping können nur die wenigsten Systeme verhindern.
Viele der verbreiteten Tire Inserts haben wir für unseren Tire-Insert Vergleichstest schon auf dem Trail und im Labor getestet. Am Ende hat uns aber immer derselbe Reifen mit einer stabileren Karkasse überzeugt. Warum? Der Gewichtsunterschied zwischen einem Reifen mit Tire-Insert und einem Reifen mit der nächst stärkeren Karkasse fällt oft nur marginal aus. Obendrein sind die Reifen mit stärkerer Karkasse deutlich robuster, erhalten nicht so leicht Löcher oder Risse und knicken in Kurven weniger schnell ein - mit einer stabileren Karkasse habt ihr also gleich drei Vorteile zum Preis von einem.
Deshalb gilt: Erst wenn ihr mit der stabilsten Karkasse im Line-up weiterhin Probleme habt, solltet ihr über einen Tire-Insert nachdenken.
Weitere Reifen-Tipps
Auch wenn ein Reifen speziell für das Vorder- oder Hinterrad designt wurde, kann er auch am jeweils anderen Laufrad zum Einsatz kommen. Ein Minion DHR II (Downhill Rear II) funktioniert auch am Vorderrad sehr gut und bietet eine etwas schmalere Alternative zum voluminösen Minion DHF. Darüber hinaus habt ihr auch die freie Wahl beim Einsatzzweck: Ein „Matschreifen“ funktioniert im Hochsommer bei super staubigen, weichen Trails in der Regel ebenfalls hervorragend. Die Reifenhersteller geben euch einen groben Überblick, wofür sich der Reifen eignet.
Reifengrößen im Vergleich: 26, 27.5 und 29 Zoll
Mountainbiker können seit neuestem zwischen drei Reifengrößen wählen: 26 Zoll, 27,5 Zoll (auch 650B genannt) und 29 Zoll. Viele entscheiden sich für die Maximalausgabe. Wissenschaftler versuchen, das Geheimnis der Riesenräder zu ergründen.
Für Mountainbiker waren 26 Zoll lange das Maß der Dinge. Seit einigen Jahren aber gibt es die Geländeräder aber auch mit deutlich größeren 29-Zoll-Reifen - und immer mehr Fahrer schwören auf deren gute Fahreigenschaften, die sich vor allem im Gelände auszahlen. Größere Räder rollen einfach besser über Unebenheiten hinweg, sie glätten den Weg regelrecht.
Doch die Monsterreifen haben auch Nachteile. Zum einen sind sie schwerer, und damit ist auch ihre rotierende Masse größer. Das macht die Räder insgesamt träger, man kann mit ihnen nicht so schnell beschleunigen. Kleinere Laufräder sind oft agiler und lassen sich in verwinkeltem Gelände leichter um die Kurven zirkeln. Zum anderen sind 29 Zoll für Fahrer unter 1,80 Meter oft auch zu groß, weil die Monsterfelgen entsprechend große Rahmen erfordern.
Wer sein Fahrrad agiler machen will, wird versuchen, beim Gewicht abzuspecken. Vor allem Rennradfahrer, aber auch Mountainbiker, greifen deshalb zu Karbon. Ein leichteres Laufrad zahlt sich im Vergleich zu einem leichteren Rahmen dabei doppelt aus, denn es reduziert nicht nur die kinetische Energie, die in der Vorwärtsbewegung selbst steckt, sondern auch die Rotationsenergie. Daher kommt auch der Spruch: Die Räder zählen doppelt.
Vorteile größerer Räder
Kaum zu bestreiten sind die spürbaren Vorteile der größeren Räder. Man rollt sicherer durchs Gelände, sie verzeihen mehr Fahrfehler. Was aber macht größere Reifen besser? Sind sie schneller, weil sie nicht so tief in Schlaglöcher hineinfallen? Oder bieten sie vor allem mehr Grip, also besseren Halt auf dem Untergrund, wie viele behaupten?
Nicht jedes Argument, das für größere Räder angeführt wird, stimmt tatsächlich. Beispiel Grip: Mit welcher Fläche ein Reifen auf dem Boden aufliegt, hängt eigentlich allein vom Luftdruck im Pneu ab. Je niedriger dieser ist, umso größer die Aufstandsfläche. Gleich schwere Räder belegen bei gleichem Luftdruck die gleiche Bodenfläche - der Raddurchmesser ist dabei unerheblich.
Es gibt aber trotzdem einen Unterschied, der womöglich den besseren Grip der größeren Reifen erklärt: "Bei 29 Zoll ist die Aufstandsfläche länger und schmaler als bei 26 Zoll", sagt Markus Hachmeyer, Produktmanager beim Reifenhersteller Schwalbe. "Man spürt definitiv, dass die Traktion bei 29 Zoll besser ist", sagt er.
Dahinter steckt laut Hachmeyer jedoch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. 29-Zoll-Räder profitierten beispielsweise auch vom größeren Abstand zwischen Tretlager und Hinterradachse. "Das Vorderrad hebt nicht so leicht ab, weil der Drehpunkt weiter hinten liegt." Womöglich ist es erst der Mix aus längerer, schmalerer Aufstandsfläche, anderen Hebelverhältnissen und besserem Rollverhalten, der den Nachteil der größeren Masse der 29-Zöller mehr als kompensiert.
Eine streng wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens ist schwierig, weil die Vor- und Nachteile jeder Reifengröße sich auf jeder Strecke anders auswirken können. Bei engen Kurven und viel Auf und Ab kann ein 26-Zoll-Bike nach wie vor am schnellsten sein.
Vergleichstests
Das Schweizer Nationalteam hat Ende 2011 einen Vergleichstest 26 versus 29 Zoll durchgeführt. Die Sportler fuhren denselben 615 Meter langen Rundkurs mehrmals abwechselnd mit kleinen und großen Reifen. Im Schnitt waren sie mit 29-Zöllern eine Sekunde schneller.
Das Magazin "Mountain Bike" sah bei einem Vergleich ebenfalls die 29-Zöller vorn. Der Rollwiderstand war acht Prozent geringer als bei 26 Zoll - und auch die meisten Testfahrer bewerteten die Fahreigenschaften als besser.
Die Deutsche Sporthochschule Köln hat ebenfalls beide Größen miteinander verglichen. Beim Rollwiderstand schnitten die großen Räder deutlich besser ab, vor allem wenn der Reifendruck wie im Gelände üblich gering war. Zusätzlich schickten Achim Schmidt und seine Kollegen 50 Studenten mit beiden Radgrößen auf einen 1400 Meter langen Testparcours. Die Probanden fühlten sich auf den 29-Zöllern bergab sicherer und attestierten ihnen auch bergauf den besseren Grip.
Auf glatter Straße gelten übrigens ganz andere Regeln als im Gelände. Sind die Reifen hart aufgepumpt, sind die Unterschiede im Rollwiderstand zwischen verschiedenen Reifengrößen nur noch marginal. Dann haben größere Durchmesser im Grunde nur den Nachteil, dass sie schwerer und damit träger sind.
Zukunftsperspektiven
Für Mountainbike-Fahrer bleibt die Situation aber weiterhin unübersichtlich. Was passiert als nächstes? Verschwindet 29 Zoll wieder? Verdrängt 27,5 Zoll das alte Maß von 26 Zoll, was viele Experten für wahrscheinlicher halten? Oder gibt es die drei Reifengrößen auf Dauer parallel? Das hätte unbestritten Vorteile für die Rahmengeometrien. Denn mit der Körpergröße könnte dann nicht nur der Rahmen wachsen, sondern auch die Felgengröße.
Bei Kindern ist das schon lange üblich: Es gibt die Reifengrößen 12, 16, 18, 20 und 24 Zoll. Warum sollte es für Erwachsene nicht auch drei Felgendurchmesser geben?
Ein Blick in die Zukunft der drei Laufradgrößen:
- 29 Zoll: Besser über Hindernisse, ruhigeres Fahrverhalten, verbesserte Traktion, größere Laufruhe bei höheren Geschwindigkeiten. Nachteile: höheres Gewicht, höhere Massenträgheit, weniger agil, Rahmengeometrien für kleinere Fahrer oft weniger geeignet.
- 26 Zoll: Umgekehrte Eigenschaften im Vergleich zu 29 Zoll.
- 27,5 Zoll (650B): Kompromiss zwischen den Vorteilen und Nachteilen der beiden anderen Maße.
Für viele Cross-Country Hardtail-Racer hat sich 650B jedoch bereits als idealer Kompromiss aus Laufeigenschaften, Größe, Gewicht, Agilität und Geometrie etabliert. Es ist allerdings die Körpergröße des Fahrers zu berücksichtigen, ob man nicht doch zu den 29 Zoll Laufrädern greift, die ab 1,80m Körperhöhe sicher eine überlegenswerte Option ist.
Im Enduro und Gravity-Bereich wächst die Nachfrage an Laufrädern in 27,5 Zoll. Das liege hauptsächlich daran, dass man bei Enduros größere Federwege verbaut und hier stößt 29 Zoll bei 150mm noch an seine Grenzen. Auch 26 Zoll könnte da wegen der Wendigkeit der kleineren Räder weiterhin punkten.
Die bevorzugten Marathonfullys um die 100 mm sind die 29er, vor allem bei Strecken die nicht so verwinkelt sind. Das Segment der Allmountain Trail- und Tourenbikes von 110 mm bis 140 mm wird von 27,5 Zoll und 29 Zoll parallel abgedeckt, je nach Vorliebe des Fahrers. Gerade bei den sehr großen und kleinen Rahmengrößen kann es sich aber dann auf eine Größe beschränken - ein 29er ist in XS genauso wenig sinnvoll wie 27,5 Zoll bei XL.
Die Zeitschrift Bike veröffentlichte in der Heftausgabe 1/2013 eine Untersuchung mit 3 identischen Bikes (XC Race-Hardtails) in den unterschiedlichen Laufradgrößen:
"Unsere Messungen führen zu einem klaren Ergebnis: Alle drei Laufradgrößen sind auf dem Rundkurs gleich schnell. Aber: Ein größeres Laufrad schont den Fahrer, klettert besser, lenkt ruhiger, fährt sicherer bergab und spart damit Energie. Diese Vorteile zeigen sich beim 29er besonders, hier gibt es den vielzitierten Aha-Effekt. Das neue Maß 650B fühlt sich mehr nach 26 Zoll an, hier sind die Unterschiede lange nicht so deutlich. Biker, die Beschleunigung und Spritzigkeit über alles stellen, bleiben bei 26 Zoll."
Und wie immer isst auch das Auge mit:
Für die Akzeptanz von 27,5 Zoll spricht, dass der visuelle Unterschied zu 26 Zoll sehr gering ist.
Abschließende Gedanken
Wie eingangs erwähnt, hat Cube bei seinen Hardtails der Einstiegs- und Mittelklasse ordentlich Hand angelegt. Die auffälligste Veränderung im Vergleich zu den 2021er-Modellen sind die deutlich flacheren Rahmen. Das Oberohr - das Sattelrohr und Steuerrohr verbindet - liegt nun deutlich tiefer, was im Gelände und beim Auf- und Absteigen praktisch ist, da man nun mehr Platz über dem Rad hat. Insgesamt ist die Rahmengeometrie etwas sportlicher geworden. Man sitzt also etwas weniger aufrecht, als noch in den Jahren davor. Die Sitzposition bleibt aber Cube-typisch moderat-sportlich.
Alle CMPT-Modelle verbindet, dass sie eine 100 Millimeter Federgabel verbaut haben, die je nach Modellvariante technische Unterschiede aufweist. Eine 100 Millimeter Federgabel ist die klassische Federgabel an Hardtail-Mountainbikes.
Auch das Cube-typische „Smart Sizing“ darf bei dem Aim und den anderen CMPT-Modellen natürlich nicht fehlen. Die kleinsten Rahmengrößen XS und S haben 27,5 Zoll Reifen, die Größen M, L, XL und XXL rollen auf 29 Zoll Reifen.
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