Gravelbikes sind angesagt wie nie zuvor und haben sich als ernstzunehmender Lückenfüller zwischen Rennrad und MTB etabliert. Sie sind das Bindeglied zwischen den Welten der schmalen und der breiten Reifen und kommen nicht nur bei Unentschlossenen, sondern auch bei Radfahr-Rookies oder Wiedereinsteigern gut an. Die Fahrradkategorie Gravelbike hat aus meiner Sicht eine absolute Berechtigung!
Was macht ein Gravelbike aus?
Ein Gravelbike ist positioniert als ein Rad für sehr viele Fälle. Einfach ausgedrückt, handelt es sich um ein komfortables Rennrad, das auch abseits befestigter Wege, wie z.B. Schotterwege, funktioniert (Anm.: Gravel = Schotter). Ein Gravelbike ist ein Fahrrad mit mittelbreiten 28- oder 27,5-Zoll-Reifen, einem Rennradlenker und -schaltung. Es ist vielseitig ausgelegt und erfüllt auch auf langen Strecken und unterschiedlichsten Untergründen seinen Dienst. Dabei ist es vergleichsweise schnell und bietet vielseitige Optionen in Bezug auf das Bikepacking und längere Touren.
Um diese kurze Definition mit erklärenden Fakten zu unterfüttern, betrachte ich das Gravelbike im Folgenden im Vergleich zum Cyclocrosser und dem Crossbike, weil sie sich auch in der Lücke zwischen den spezialisierteren Rennrädern und Mountainbikes befinden. Einen weiteren Vergleich stelle ich im Anschluss auch zum Rennrad und zum Mountainbike an.
Gravelbike oder Cyclocrosser (auch Crosser oder Crossrad)
Die vielleicht kleinste Lücke des Gravelbikes besteht zum Cyclocrosser, früher Crossrad genannt. Obwohl sich beide Fahrradkategorien in den letzten Jahren bei einigen Herstellern angenähert haben, bestehen weiterhin Unterschiede in der Rahmengeometrie, der Höhe des Tretlagers, der Breite der Reifen und der Übersetzung. Nichtsdestotrotz verläuft die Grenze zwischen beiden fließend.
Die Rahmengeometrie eines Cyclocrossers ist aggressiver als die eines Gravelbikes. Ein Cyclocrossrad ist auf Schnelligkeit und Agilität getrimmt. Im Gegensatz zu einem Cyclocrosser haben Gravelbikes einen längeren Radstand, was für eine ruhigere, komfortablere Fahreigenschaft sorgt. Der Rahmen eines Cyclocrossers ist nicht so flach wie der eines Gravelbikes, so dass man es besser schultern kann. Das Tretlager am Cyclocrosser sitzt der Agilität wegen höher.
Ein Cyclocrosser ist das richtige Rad für dich, wenn du ein agiles und schnelles Rad suchst, dass auf kürzeren Strecken auf- und abseits der Straße richtig Spaß macht. Willst du hingegen längere Touren auf unterschiedlichen Untergründen unternehmen, könnte ein Gravelbike aufgrund des Sitzkomforts und der Vielseitigkeit für dich eher in Frage kommen. Daneben kann ein Cyclocrosser auch für Rennradfahrerinnen und -fahrer als Zweitrad interessant sein, die im Winter mit den breiteren und profilierteren Reifen mehr Sicherheit auf rutschigen Untergründen bekommen.
Gravelbike oder Crossbike?
Unter einem Crossbike versteht man in der Regel ein sportliches Trekkingrad - ohne Schutzbleche, Ständer oder Gepäckträger. Das Crossbike ist eine Mischung aus Trekking- und Mountainbike. Der gerade Lenker, die Schaltung sowie die - häufig verbaute - Federgabel am Crossbike stammen meist aus dem Trekking-Bereich. Ein Crossbike bringt deshalb häufig etwas mehr Gewicht auf die Waage als ein Gravel- oder Mountainbike.
Im Prinzip eignen sich beide Radtypen für ähnliche Einsatzzwecke: Längere, verhältnismäßig komfortable Radtouren mit der Möglichkeit, Gepäckträger zu montieren. Mit einem Gravelbike bist du deutlich schneller unterwegs. Der Rennradlenker ermöglicht dir, tiefer zu greifen, um dem Fahrtwind jederzeit trotzen zu können. Mit einem Crossbike bist du hingegen - dank Federgabel und geradem Lenker - komfortabler, aber auch langsamer unterwegs.
Im Zweifel solltest du für dich zwei Fragen beantworten: Möchte ich lieber ein Rad mit einem Rennradlenker oder einem geraden Lenker und bevorzuge ich eine leichte Starrgabel oder eine komfortable Federgabel?
Das Gravelbike zwischen Rennrad und Mountainbike
Das Gravelbike steht irgendwo zwischen Rennrad und Mountainbike und ist im Vergleich zu beiden Spezialisten vielseitiger einsetzbar. Das Rennrad ist leichter und schneller, aber limitiert auf feste Untergründe. Das Mountainbike ist auf Trails und raues Gelände optimiert, aber auch schwerer und langsamer auf befestigten Strecken. Im Gegensatz zu beiden Kategorien eignet sich das Gravel perfekt zum beliebten Bikepacking beziehungsweise für Mehrtagestouren.
Ob deine Wahl auf ein MTB oder ein Gravel fallen sollte, lässt sich am besten beantworten, wenn du dir überlegst, wie viel du zukünftig auf Trails und im Gelände unterwegs sein wirst. Ja, man kann mit einem Gravelbike auch einen Trail fahren, nur Spaß macht das auf Dauer eher nicht. Willst du hingegen ein Fahrrad, mit dem du neben befestigten Untergründen auch Wald- und Schotterwege auf langen Strecken befahren kannst, wird ein Gravel interessant.
Für die Entscheidung zwischen Mountainbike und Gravelbike ist folgende Aussage entscheidend: Je mehr Trail, Wurzel, Steine und Felsen, desto eher ist das Mountainbike die richtige Wahl für dich. Bedenken solltest du auch, dass das sichere Fahren auf einem Mountainbike weit weniger Fahrtechnik benötigt als das sichere Manövrieren eines Gravelbikes. Ein MTB verzeiht mehr Fahrfehler als ein Gravel.
Anhand der bis hierher gemachten Aussagen sollte verständlich sein, wann für dich eher ein Rennrad und wann eher ein Gravelbike in Frage kommt. Wenn du fast nur auf Asphalt, befestigten Wegen und möglichst schnell unterwegs sein willst, liegst du mir einem Rennrad richtig. Wenn du aber auch mal rechts oder links in den Wald und die Wildnis einbiegen willst, dann leg dir ein Gravelbike (für komfortables Befahren langer Strecken) oder Cyclocrosser (für schnelles Fahren kurzer Strecken) zu.
Tatsächlich kann ein Gravel- oder Cyclocrossbike auch eine hervorragende Ergänzung für die Freundinnen und Freunde von MTB und Rennrad sein. In beiden Fällen erweitert ein Gravel oder Crosser die Freude am Radfahren. Der bislang Rennradfahrende kann ungewöhnliche Touren erkunden, der Mountainbikende kann neue Durchschnittsgeschwindigkeiten und Distanzen erleben.
Mountainbike oder Crossbike? - Gegenüberstellung beider Bikes
Beide Bikes sind durchaus offroadtauglich, jedoch in unterschiedlichen Arten von Gelände zuhause. Während das Mountainbike viele Talente von Uphill bis Downhill besitzt und auch für schwerstes Gelände geeignet ist, ist das Crossbike das schnelle Sportrad für leichtes bis mittelschweres Gelände. Je ruppiger und unwegsamer das Gelände wird, desto eher benötigst du eine Federung und breite Reifen, um das Bike in der Spur zu halten.
Sollten zudem Sprünge zu deinem Fahrstil gehören, ist eine (Voll)Federung unumgänglich - dieses Terrain kannst du nur mit einem Mountainbike bewältigen. Das Crossbike bietet dir auf der Straße und auf unbefestigten Wegen eine gleichermaßen gute Performance, dabei ist es robuster als ein Fitnessbike und schneller als ein Mountainbike. Als ergänzendes Trainingsrad für die Herbst- und Wintermonate eignet es sich ebenso gut, wie für alltägliche Trainingsfahrten in wechselndem Terrain, wobei sich die Offroadeignung auf Schotter- und Waldböden beschränkt.
Wahlmöglichkeiten bei Mountainbikes und Crossbikes
Wenn du dir Modelle beider Kategorien anschaust, wirst du je nach Preisklasse und Interpretation des Herstellers eine breite Auswahl an potentiellen Bikes für deine Zwecke vorfinden.
In der Übersicht kannst du die Gewichtung der einzelnen Kategorien beider Bikes gut erkennen:
| Kategorie | Mountainbike | Crossbike |
|---|---|---|
| Straße | +++ | |
| Lose und matschige Böden | +++++ | |
| Trails | +++ | |
| Sprünge/Downhill | +++ | |
| Tempo | ++++ | |
| Gewicht | +++ | |
| Training | ++++++ | |
| Wettkampf | +++ | |
| Reise/Gepäck | ++++ |
Mountainbike oder Gravelbike?
Schon auf den ersten Blick lassen sich Gravel Bikes und Mountainbikes klar unterscheiden. Mountainbikes sind in der Regel reine Geländefahrräder, die je nach Schwerpunkt unterschiedlich ausgestattet und aufgebaut sind - vom einfachen Hardtail über das vollgefederte Fully und das alpin einsetzbare Enduro bis hin zum aggressiven Downhill-Bike. Der breite Lenker sowie eine dem Einsatzzweck angepasste Federung und die Möglichkeit unterschiedlicher Laufradgrößen sind wohl die größten Unterschiede zum Gravel Bike.
Gravel Bikes sind eine noch junge Entwicklung aus dem Rennradbereich. Die Grundidee, das Rennrad alltagstauglicher zu machen und auch im leichten Gelände weiterfahren zu können, führte zu diesen schnellen und universell einsetzbaren Bikes. Für das Pendeln bei jedem Wetter, für Trainingsfahrten im Winter, für sportliche Radreisen und Abenteuertouren ist dieses Rad wie geschaffen - robust und flexibel im Aufbau, aber vortriebsstark genug, um als echtes Sportgerät wahrgenommen zu werden.
Wie unterscheiden sich die Komponenten beim Mountainbike und Gravel Bike?
Trotz des unterschiedlichen Designs haben Mountainbike und Gravelbike eines gemeinsam: eine ähnliche Zielgruppe. Denn MTB und Gravel Bike sprechen beide sportliche Fahrer an, die gerne in unterschiedlichem Gelände unterwegs sind. Dennoch unterscheiden sich die beiden Fahrradtypen in der Wahl der einzelnen Komponenten und im Design.
- Lenker: Im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrrädern sind Mountainbike-Lenker oft breiter. Gravel Bikes sind oft mit einem Drop-Bar-Lenker ausgestattet, der eine bequeme Positionierung der Hände in verschiedenen Griffzonen ermöglicht.
- Gewicht: Durch die Federung und den voluminösen Rahmen ist das Mountainbike meist etwas schwerer als die anderen Fahrradtypen. Das Gewicht eines Gravel Bikes liegt oft zwischen dem eines Rennrads und eines Mountainbikes, was es zu einer vielseitigen Wahl für unterschiedliche Geländetypen macht.
- Federung: Im Gegensatz zum Gravel Bike sind Mountainbikes fast immer mit mindestens einer Federung ausgestattet. Gravel Bikes haben in der Regel keine Federung.
- Reifen: Mountainbikes sind mit grobstolligen Reifen ab zwei Zoll ausgestattet. Die Reifenbreite beim Gravel Bike spiegelt den breiten Einsatzbereich wider und variiert von 28 mm (sehr sportlich) bis 42 mm (sehr komfortabel), wobei die Reifen durchgehend profiliert sind.
Fahrverhalten
Mountainbikes sind für den Einsatz in unwegsamem Gelände gebaut. Das Fahrverhalten von Mountainbikes ist charakteristisch und auf die Anforderungen des Geländes abgestimmt. Gravel Bikes liegen in der Kategorie zwischen Rennrad und Cyclocrosser und sind ideal für Fahrer, die auf der Straße, auf Schotter und im Wald unterwegs sein wollen. Das Fahrverhalten eines Gravel Bikes zeichnet sich durch eine ausgewogene Mischung aus Stabilität und Wendigkeit aus.
Kurze Einführung: Was ist Cyclocross?
Cyclocross ist eine kurzweilige, intensive Form des Radsports, die es Athleten ermöglicht, sich auch in den kälteren Jahreszeiten mit spannenden Rennen die Zeit zu vertreiben. Bei Wettbewerben wird die Disziplin häufig als CX (nicht zu verwechseln mit XC, Cross-Country) abgekürzt. Egal ob es regnet, schneit oder hagelt - die Rennen werden trotzdem ausgetragen und bekommen dadurch erst ihren Charme.
Die Kurse führen dabei über Sand, Schnee oder ähnlich unwegsames Terrain und überraschen die Fahrer mit zahlreichen Hindernisse, Sprüngen, Rock Gardens und verdammt steilen Anstiegen. Dabei werden Runden gefahren, die in der Regel ca. 4km lang sind und selten eine Gesamtrenndauer von ca. 45-60min überschreiten.
Cyclocross Rahmengeometrie
Ein Cyclocross Rad orientiert sich stark am Rennrad, verfügt aber über einige Features, die es von seinen Asphalt-Brüdern unterscheidet. Der größte Vorteil ist dabei die Vielseitigkeit: Mit einem Cyclocrosser kannst du komfortabel zur Arbeit pendeln, Rennrad-Touren fahren und dich bei Rennen im Gelände austoben.
Bei der Geometrie der Rahmen gibt es im Vergleich zum Rennrad zwei große Unterschiede: den Lenkwinkel und die Tretlagerhöhe. Letztere ist deutlich höher als beim Rennrad und ermöglicht es so, besser über Hindernisse zu kommen und in Kurven zu pedalieren. Nachteil ist ein höherer Schwerpunkt auf dem Bike, was dazu führt, dass sich das Cyclocross Rad schwieriger kontrollieren lässt und das Handling verschlechtert. Viele Fahrer kontern diesen Nachteil mit einer etwas tieferen Sattelhöhe.
Der flachere Lenkwinkel hilft dem Cyclocross Fahrer auf der Abfahrt und gibt ihm bei gemächlichem Tempo mehr Kontrolle über sein Bike. Da die Strecken ein Hindernis nach dem nächsten bereithalten und von der Länge eher kurz sind, ist die Endgeschwindigkeit selten so hoch wie beim Straßenradrennen, und ein verbessertes Handling bei geringen Geschwindigkeiten ist deswegen eher von Vorteil.
Weitere Cyclocross Features
- Flaches Oberrohr: Eine flachere Unterseite macht das Schultern angenehmer und ist angesichts dessen, dass auf vielen Strecken das Tragen des Bikes zum täglich Brot gehört und häufig schneller ist, als sich mit Mühe über ein Hindernis zu kämpfen, ein komfortables Feature.
- Höhere Reifenfreiheit: Trotzdem kommt es bei Profirennen häufig vor, dass Fahrer ihr Rad austauschen müssen, da sich zu viel Schmutz an den angesammelt hat. Die höhere Reifenfreiheit führt zwangsläufig zu einer höheren Gabel und damit insgesamt zu einer höheren Front des Cyclocross-Rads.
- Kleines Übersetzungsverhältnis: Da man im Cyclocross Sport nicht das gleiche Tempo erreicht wie auf dem Asphalt, werden kleinere Übersetzungsverhältnisse verwendet.
Cyclocross oder Gravel Bike?
Die Vielseitigkeit der Cyclocross-Bikes hat dazu geführt, dass sich in jüngster Vergangenheit weitere Bike-Typen herausgebildet haben. Gravel Bikes und All-Road Bikes finden sich immer häufiger in den Sortimenten der Hersteller und setzen auf die gleichen Attribute und Eigenschaften wie Cyclocrosser: Vielseitigkeit, Alltagstauglichkeit und Stabilität.
Gravel Bikes setzen dabei jedoch verstärkt auf Komfort. Der Radstand ist länger, die Geometrie etwas entspannter, die Sitzposition aufrechter und das Übersetzungsverhältnis größer. Breite Reifen und Scheibenbremsen sind wie beim Cyclocross der Standard.
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