Fahrräder auf das Autodach wuchten? Das machen nur noch die wenigsten Autofahrerinnen und -fahrer. Auch deshalb, weil häufig die Dachlast für schwere E-Bikes nicht ausreicht, haben sich die praktischeren Heckträger mittlerweile durchgesetzt. Welche Heckträger aktuell zu empfehlen sind, hat der ADAC zusammen mit dem Schweizer Automobilclub TCS untersucht.
Arten von Fahrradträgern für E-Bikes
Je nach Fahrzeug und Anspruch gibt es unterschiedliche Träger:
- Fahrradträger für die Anhängerkupplung
- Fahrradträger für das Autodach
- Fahrradträger für die Heckklappe
Fahrradträger für die Anhängerkupplung
Der Fahrradträger für die Anhängerkupplung (Kupplungsträger) ist individuell einsetzbar und passt bei jedem Auto, das eine Anhängerkupplung hat. Wie bei einem herkömmlichen Anhänger, wird der Träger an der Anhängerkupplung befestigt. Hierbei wird der Träger festgeklemmt und befindet sich direkt hinter dem Auto. Eine Montage ist somit unkomompliziert und geht schnell von der Hand. Mit einem Schloss wird das unerlaubte „Abkuppeln“ verhindert.
Wichtige Aspekte beim Kupplungsträger
Das Beachten der Stützlast des Fahrzeugs bzw. der Anhängerkupplung ist maßgeblich wichtig. Mit dem Gewicht des Fahrradträgers und den Fahrrädern kann schnell die zulässige Stützlast erreicht werden. Dieser Hinweis ist vor allem beim Mitführen von E-Bikes zu beachten.
Beispiel: das Pedelec Kreidler Vitality Elite wiegt über 25 kg. Die Stützlast Ihrer Anhängerkupplung lesen Sie im Fahrzeugschein unter Punkt 13 nach.
Beispielrechnung zur Tragkraft und Stützlast: Maximale Stützlast von 50 Kg - 13 kg Eigengewicht vom Träger = 37 kg Zuladung durch Fahrräder. Alle Räder zusammen dürfen die 37 kg nicht überschreiten.
Alle einzuhaltenden Werte für das Maximalgewicht, der Tragkraft und die Höchstgeschwindigkeit, findet man auf einem Aufkleber oder einer Plakette auf dem Träger (siehe Bild).
Um das Gewicht möglichst gering zu halten, werden zumeist Aluminium und Edelstahl verwendet. Ein weiterer Vorteil der Materialien, sie setzen keinen Rost an.
Einige Kupplungsträger haben eine Klappfunktion mit der man den Träger nach vorne (weg von der Kofferraumklappe) klappen kann. Die Heckklappe kann so weiterhin Problemlos geöffnet werden.
Bei allen Fahrradträgern kommt während der Autofahrt eine hohe Belastung auf das Material. Qualität hat auch hierbei seinen Preis, einfache und billige Fahrradträger können schnell zum Sicherheitsrisiko werden. Bei der Neuanschaffung sollte immer auf ein TÜV Siegel oder ein GS Zertifikat geachtet werden. Ebenfalls sollte der Fahrradträger eine Zulassung in Deutschland haben. Wichtig ist, dass man den Träger nach Herstellerangaben befestigt. Egal ob auf der Anhängerkupplung, auf dem Dach oder an der Heckklappe. Beim Fahrradträger Test wird auf diese Dinge mit eingegangen.
Fahrradträger für die Heckklappe - Heckgepäckträger
Ist die Heckklappe oder Kofferraumklappe groß genug, gibt es für einige Fahrzeugmodelle Fahrradträger, die man an der Heckklappe befestigt (Heckträger). Geeignete Fahrzeugmodelle hierfür wären beispielsweise der VW Touran, Caddy oder der VW Bus (T2, T3, T4, T5 oder T6). Hier wird der Fahrradträger z. B. mit einem Haken an der Klappe eingehängt, siehe auch den Carry Bike Test. Damit der Lack nicht beschädigt wird, werden die Haken vom Fahrradheckträger mittels Gummiüberzug vom Lack ferngehalten.
Diese Variante hat den Vorteil, dass die Anhängerkupplung frei bleibt und zusätzlich für einen Wohnwagen ö. a. genutzt werden kann. Hat man keine Anhängerkupplung, ist der Heckklappenträger / Heckgepäckträger eine gute Alternative. Der Heckträger hat neben dem Kupplungsträger einen geringeren Luftwiderstand als der Dachträger und der Fahrradheckträger ebenfalls einfacher beladen werden. Wer gleichzeitig noch eine Dachbox benötigt, der kommt um den Einsatz eines Heckklappen- oder Kupplungsträgers nicht herum.
Hinweis für Heckklappendämpfer beim Heckfahrradträger
Ist der Fahrradträger an der Heckklappe montiert (Heckfahrradträger), reichen bei den meisten Autos die Heckklappendämpfer nicht mehr aus, um die Kofferraumklappe oben zu halten. Hierfür kann man sich kleine Aluminiumprofile in den Kofferraum legen. Diese können auf die Dämpfer gelegt werden. Die Kofferraumklappe kann dann nicht mehr schließen. Sind auf dem Träger Fahrräder montiert, ist ein Öffnen oftmals gar nicht mehr möglich. Wichtige Dinge aus dem Kofferraum sollte man möglicherweise an einem anderen Ort verstauen.
Dachträger für Fahrräder
Ist am Auto keine AHK montiert und gibt die Heckklappe keine Möglichkeit der Befestigung her, kann alternativ ein Dachträger genutzt werden. Hierbei werden die Fahrräder auf dem Autodach in einer Radschiene befestigt. Streben sorgen für die nötige Stabilität. Der Dachträger hat jedoch ein paar Nachteile:
- Höherer Luftwiderstand mit Fahrrädern auf dem Dach
- Schwere Fahrräder sind unter hoher Kraftanstrengung auf das Dach zu bekommen
- Der beladene Fahrraddachträger ist anfälliger für Seitenwinde
- Grundlage ist (nicht immer) eine Dachreling
Dachfahrradträger sind in der Anschaffung oftmals günstiger als die anderen Modelle. Die Flexibilität für unterschiedliche Fahrräder ist durch individuell einstellbare Halterungen gegeben. Auch hier kann das Fahrrad am Dachträger angeschlossen werden. Jeder sollte unbedingt auf die Herstellerangaben zur Befestigung und Zuladung achten. Wie immer gilt, wer an der falschen Stelle spart, zahlt am Ende doppelt.
Fix4Bike-Fahrradträger
Fix4Bike ist eine neue Variante der Trägerbefestigung, die anstelle der Klemmung am Kugelkopf eine Fixierung über zwei Zapfen unterhalb des Kugelkopfs ermöglicht. Die Handhabung ist sehr einfach: Dank dieses Befestigungssystems wird der Fahrradträger mit nur einem Klick montiert und sofort ausgerichtet.
Dafür ist eine spezielle Anhängerkupplung mit einem geeigneten Kugelkopf nötig, der aber mittlerweile bei aktuellen Volvos und Teslas mit Anhängerkupplung serienmäßig lieferbar ist. Auch für die meisten anderen Automodelle am Markt gibt es die Möglichkeit, eine Fix4Bike-Variante anstelle der konventionellen zu wählen.
Fix4Bike-Fahrradträger sind für Fix4Bike-Anhängerkupplungen gedacht, die einen speziellen Haltemechanismus mit seitlichen Pins für die Befestigung des Heckträgers aufweisen. Normale Anhängerkupplungen haben diese seitlichen Zapfen nicht. Daher passen Fahrradträger in der Fix4Bike-Variante nicht ohne Anpassungen auf normale Anhängerkupplungen. Fix4Bike-Anhängerkupplungen sind dagegen mit allen gängigen Fahrradträgern kompatibel.
Gewicht der Fahrradträger beachten
Nicht ganz unwichtig ist, immer auch das Gewicht der Fahrradträger zu beachten, da die Stützlast des Autos nicht überschritten werden darf. Generell gilt: Je leichter ein Träger ist, desto schwerer dürfen die zu transportierenden Fahrräder sein.
Das geringste Eigengewicht mit 13,2 Kilogramm hatte Testsieger Uebler. Die Heckträger der nahezu baugleichen Modelle von Norauto (ATU-Eigenmarke) und Hapro sowie des Modells von Eufab hingegen wiegen dann schon knapp 19 Kilogramm. Das schwerste Modell im Test war der Heckträger von Atera mit 21 Kilogramm. Aber auch hier ist es kein Problem, zwei durchschnittlich schwere E-Bikes à 25 Kilogramm zu befördern.
Vor dem Kauf zu beachten
- Maximal zulässige Stützlast des Autos ermitteln (siehe Fahrzeugschein).
- In Bedienungsanleitung des Autos auch maximale Stützlast für Fahrradheckträger überprüfen, da diese bei manchen Herstellern von der maximalen Stützlast abweicht.
- Gewicht zu transportierender Fahrräder ermitteln. Dann prüfen, wieviel Fahrräder auf dem Heckträger transportiert werden dürfen.
- Bei höherwertigen Fahrrädern oder Pedelecs bzw. E-MTBs darauf achten, dass auch der Heckträger über eine Diebstahlsicherung verfügt.
- Platz zur Lagerung des Fahrradträgers nach Demontage aussuchen. Auf die passende Steckverbindung achten (7 oder 13 Pole).
- Zusätzliche Angaben in der Fahrzeug- und Heckträgerbenutzungsanleitung beachten. Zum Beispiel maximaler Überstand nach hinten, maximale Anzahl an Fahrrädern, D-Wert-Anforderungen an die Anhängerkupplung.
Vor der Fahrt zu beachten
- Anhängerkupplung muss sauber und fettfrei sein.
- Beladungshinweise des Trägers beachten. Fahrradträger nicht überladen: Eigengewicht Fahrradträger + Gewicht aller Fahrräder ≤ Stützlast.
- Fahrradträger und Fahrräder auf sicheren Halt überprüfen.
- Sperrige, schwere oder leicht zu verlierende Teile nach Möglichkeit vom Fahrrad abmontieren, wie zum Beispiel Akkus von Pedelecs.
- Funktion der Beleuchtungsanlage prüfen. Zudem darf die Ladung laut StVZO nicht weiter als 40 Zentimeter über den Rand der Schlussleuchten des Heckträgers hinausragen. Sonst auf beiden Seiten mit der Beleuchtung durch eine weiße Leuchte nach vorne und eine rote Leuchte nach hinten kenntlich machen.
- Nach 50 Kilometern anhalten und alle Schrauben und Gurte kontrollieren.
- Ist eine dritte Bremsleuchte vorhanden, darf diese nicht verdeckt sein.
- Achtsam fahren: Durch den Träger wird das Fahrverhalten des Fahrzeuges beeinflusst, es kann in Extremsituationen ungewohnt reagieren.
- Empfohlene Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h bei Benutzung eines Heckträgers einhalten.
- Kennzeichen am Auto und Kennzeichen am Fahrradträger müssen gleich sein. Wenn das Hecktragesystem das amtliche Kennzeichen verdeckt, muss ein sogenanntes Wiederholungskennzeichen angebracht werden. Auf dem Wiederholungskennzeichen muss keine Prüfplakette angebracht sein, wenn diese auf dem Originalkennzeichen lesbar ist.
- Abdeckplanen oder -hüllen nicht über den Fahrradheckträger ziehen, da sie den Luftwiderstand erhöhen, zulässige Kräfte am Träger überschritten werden können und die Fahreigenschaften des Fahrzeugs beeinträchtigen können.
Testergebnisse
Die Preisspanne ist bei Heckträgern groß, doch der Test hat gezeigt, dass ein guter Fahrradheckträger nicht so teuer sein muss. Zwar wurde das teuerste Model von Uebler für den Preis von 730 Euro Testsieger und erhielt als einziges Modell das ADAC Urteil "sehr gut". Aber auch für rund 400 Euro ist schon ein guter Fahrradträger zu bekommen. Damit sind die Modelle insbesondere auch für den Transport von E-Bikes geeignet.
Die ADAC Experten bewerteten im Test ein Modell mit "sehr gut", zehn Modelle mit "gut" und zwei Modelle mit "befriedigend". Hinweis: Das Modell wurde mittlerweile umbenannt, zum Testzeitpunkt hieß der Fahrradträger noch Uebler i21/Variante 90°. Zudem ist der Träger - bewertet mit dem ADAC Urteil "sehr gut" - das leichteste Modell im Test und zusammengefaltet nach der Demontage vom Fahrzeug das Modell mit dem geringsten Platzbedarf in der Garage. Das hat aber seinen Preis: Der Heckträger von Uebler kostet stolze 730 Euro und liegt im Testfeld damit am oberen Ende.
Das Modell von Menabo war mit einem Preis von 327 Euro einer der günstigen Fahrradträger im Test. Das günstigste Modell von Fischer kostete nur rund 280 Euro und erhielt im Test mit einer Gesamtnote von 2,6 das zweitschlechteste Ergebnis.
Montagehinweise
Bei der Montage der Fahrradträger auf der Anhängerkupplung gibt es jeweils einige Besonderheiten. Sie ist bei Menabo am schwierigsten, da der Spannhebel nicht seitlich, sondern nach hinten gespannt werden muss. Eine Montage des zusammengefalteten Modells ist damit schwierig. Es fehlt zudem eine exakte Angabe der benötigten Spannkraft.
Beim Heckträger von Fischer muss die Kraft für die Befestigung auf der Anhängerkupplung mit einem Inbusschlüssel eingestellt werden. Die beiden fast baugleichen Modelle von Oris und MFT müssen gewöhnungsbedürftig auf die Anhängerkupplung aufgesetzt werden, haben aber einen sehr ausgeklügelten Anziehmechanismus. Ein sehr gut funktionierendes eigenes System für die Montage hingegen bietet der Hersteller vom Testsieger Uebler.
Methodik des ADAC-Tests
Für den Test wurden 13 Heckträgermodelle für zwei Fahrräder anonym beschafft und abwechselnd sechs unterschiedliche Fahrräder darauf montiert. In einem Praxistest wurden die Fahrradträger überprüft auf ihre Handhabung (40 Prozent der Gesamtnote), Qualität (40 Prozent der Gesamtnote) und Sicherheit (20 Prozent der Gesamtnote).
Für die Bewertung der Handhabung wurde Folgendes betrachtet: Bedienungsanleitung bzw. Hinweise am Fahrradträger, Erstmontage, Montage und Demontage am Auto, Auf- und Abladen unterschiedlicher Fahrradtypen, Zugang zum Kofferraum (u.a. Bedienung der Kippfunktion), Reparaturfreundlichkeit des Trägers (u.a. der Beleuchtung) und der Faltmechanismus.
In die Bewertung der Qualität flossen ein: das Material und die Verarbeitung (u.a. der elektronischen Bauteile), das Gewicht des Heckträgers und die Diebstahlsicherung.
Beim Thema Sicherheit wurde bewertet: Sicherheitshinweise auf dem Träger (z.B. über maximale Zuladung, Eigengewicht, etc.), Verhalten bei Vollbremsungen aus 100 km/h und aus 20 km/h, Ergebnis des Bremsschwellentests (Überfahren einer ca. 10 Zentimeter hohen Schwelle mit 30 km/h) und Verhalten beim Ausweichen. Bei Fahrtests wurde der Heckträger mit dem maximal zulässigem Gewicht beladen und Bremstests durchgeführt, eine Schwelle überfahren und Ausweichmanöver gefahren.
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