Die Sonne brennt vom Himmel, der Asphalt flimmert, und das Thermometer klettert unaufhaltsam über die 30-Grad-Marke. Es sind genau diese Tage, an denen die Leidenschaft fürs Biken auf eine harte Probe gestellt wird. Die dicke Leder- oder Tourenjacke fühlt sich im Stadtverkehr an wie eine Sauna, und der Gedanke, nur im T-Shirt zu fahren, löst bei jedem verantwortungsbewussten Biker zu Recht ein mulmiges Gefühl aus. Was also tun?
Die Antwort ist so einfach wie genial: eine Meshjacke. Eine moderne Motorrad-Meshjacke ist ein technologisches Wunderwerk, das kompromisslosen Schutz an den sturzgefährdeten Zonen mit einem Luftstrom kombiniert, der Dich fast vergessen lässt, dass Du eine Schutzjacke trägst. Für Biker, die sich täglich durch den Stop-and-Go-Verkehr der aufgeheizten Innenstädte kämpfen, ist eine Meshjacke ein absoluter Game-Changer. Die größte Stärke der Meshjacke ist, dass sie die Ausrede "für eine Jacke ist es zu heiß" endgültig beseitigt.
Was ist eine Meshjacke?
Um zu verstehen, warum eine Meshjacke so effektiv ist, müssen wir ihre spezielle Konstruktion betrachten. Stell Dir das Grundgerüst einer normalen Textiljacke vor: Ein Chassis aus robustem, abriebfestem Gewebe (meist 600D Polyester oder Polyamid) an allen sturzgefährdeten Zonen wie Schultern, Ellenbogen und den seitlichen Flanken. Bei einer Meshjacke werden nun alle weniger sturzgefährdeten Bereiche - wie die Brust, der Rücken und die Innenseiten der Arme - durch großflächige Paneele aus einem speziellen Netzgewebe, dem Mesh, ersetzt.
Das verwendete Mesh-Gewebe ist kein einfacher Stoff. Es handelt sich um ein hochfestes, grobmaschig gewebtes Polyesternetz, das extrem reißfest und langlebig ist. Es ist so konstruiert, dass es maximale Luftmengen passieren lässt, aber gleichzeitig die strukturelle Integrität der Jacke bewahrt.
Alternativen im Vergleich
- Perforiertes Leder: Bietet zwar Kühlung, aber die kleinen Löcher können niemals den massiven Luftdurchsatz von großen Mesh-Paneelen erreichen.
- Belüftete Textiljacken: Verfügen über verschließbare Belüftungsreißverschlüsse (VCS). Diese sind großartig für die Übergangszeit, stellen aber nur punktuelle Lufteinlässe dar.
Sicherheit von Meshjacken
Eine der häufigsten Fragen ist: "Wie sicher sind Meshjacken?" Die Antwort liegt in der Hybrid-Konstruktion. Das Mesh-Gewebe selbst bietet nur geringen Abriebschutz. Entscheidend sind die sturzgefährdeten Zonen, die aus robustem Textil (meist 600D Polyester) gefertigt sind. Achte auf die Zertifizierung nach EN 17092.
Um den luftigen Charakter der Jacke nicht zu zerstören, werden meist dünne, flexible und gut belüftete Level-1-Protektoren (z.B. von SAS-TEC oder D3O®) verwendet. Eine gute Meshjacke muss relativ körpernah sitzen, um ein Flattern der leichten Stoffe bei höheren Geschwindigkeiten zu verhindern.
Dainese und Textiljacken: Ein Überblick
Viele Biker kaufen dennoch Textil-Modelle, da sie meist leichter und atmungsaktiver sind. Zudem verwendet Dainese häufig moderne Textil- und Kunststoffe wie Cordura, die ebenfalls ausreichende Sicherheitsreserven bieten. Weiterhin kommt es auch auf die Anforderungen an: Sport-Motorräder erreichen höhere Geschwindigkeiten, folglich steigt auch das Risiko. Bei Sport-Motorradjacken liegt der Fokus daher auf Sicherheits-Features wie schlagfesten Protektoren und stabilen Materialien. Bei Tourenfahrern spielen außerdem Komforteigenschaften wie beispielsweise die Wasserdichtigkeit eine große Rolle. Unabhängig davon sollte man immer auf die Beschaffenheit der Protektoren achten. Dainese verwendet häufig Protektoren, die nach dem CE-Prüfverfahren getestet wurden. Durch diesen genormten Test ist die Schutzwirkung sichergestellt. Um maximale Sicherheit zu gewährleisten, sollte die Jacke genau passen.
Nicht immer sind Lederjacke und Jeans die beste Wahl, wenn es auf große Tour geht. Trifft man auf unterschiedliche Wetter- und Temperaturbedingungen, fährt es sich mit einer anpassbaren Außenhaut deutlich komfortabler. Unser Testfeld bietet zu diesem Zweck jeweils ein wärmendes Innenfutter und eine wasserdichte Membran. So ausgestattet sind Textiljacken unerschrockene Reisebegleiter bei allen Wetterlagen.
Drei Schichten Schutz
Grundsätzlich ist eine Textiljacke in drei Schichten aufgebaut: Der äußeren Schicht, zumeist aus widerstandsfähigem Cordura, folgt eine wind- und wasserundurchlässige Membran. Hier unterscheidet man Z-Liner und ein 2- oder 3-Lagen-Laminat. Ein Z-Liner, in der Regel eine einzippbare Membranjacke, ist etwas kostengünstiger in der Produktion. Der Nachteil: Die Außenjacke saugt sich bei Regen voll, wird nass und schwer.
Bei den Membranen unterscheidet man porige und rein physikalische. Porige Membrane wie etwa Gore-Tex basieren auf einer Teflonschicht, die so lange gezogen wird, bis eine mikrofeine Porung entsteht, durch die nur noch Wasserdampf entweichen kann, die ansonsten aber wind- und wasserdicht ist. Anders funktionieren zum Beispiel SympaTex-Membrane. Das sind Stoffe, die so fein gewebt sind, dass sie zwar Wasser abhalten, Wasserdampf aber durchlassen.
Egal ob mit oder ohne Porung, zum Abtransport des Wasserdampfes nach außen ist ein Temperaturgefälle hin zur Außentemperatur nötig. Als Faustregel geht man hier von etwa 15 Grad aus, bei der eine Klimamembran am besten funktioniert.
Wohlfühlfahrten auch bei wechselhaften Bedingungen
Ab 25 Grad Außentemperatur lässt die Wirkung einer Membran nach. Dann müssen die Belüftungsöffnungen der Jacke ran, um im Fahrbetrieb das Temperaturgefälle wieder zu erhöhen und die Atmungsaktivität anzukurbeln.
Textilkombis im Rahmen des Alpen-Masters
Im Rahmen des Alpen-Masters testeten wir sechs Textilkombis neun Tage im Dauereinsatz. Dainese Carve 2 Lady, Büse Highland, Dainese Racing 3 D-Dry, Modeka Panamericana, FLM Reise Textilkombi 1.0 und Stadler 4All Pro mussten sich bei Sonne, Regen und Schnee bewähren.
Regen, Schnee, Wind und Wetter - das alpine Klima kennt eben nicht nur eitel Sonnenschein. Wer wie wir beim Alpen-Masters gar neun oder zehn Tage lang Pässe rauf und runter pendelt, womöglich gar auf Achse anreist, tut gut daran, im Voraus in dafür geeignete Bekleidung zu investieren.
Doch nicht nur komfortabel, auch praktisch und vielseitig sollte die Klamotte sein - alles Kernkompetenzen von Textilkombis. Denn im Gegensatz zu Leder ist ihr Außenmaterial aus Polyamid oder Polyurethan unempfindlich gegenüber Regen, im Unterschied zu Jeans oder Baumwolle lässt eine Klimamembran kein Wasser durch - zumindest nicht in flüssiger Form. Als Wasserdampf ist der Abtransport von Schweiß wiederum möglich. Mit großzügigen Belüftungsöffnungen bleibt man bei warmen Temperaturen cool, ein herausnehmbares Thermofutter sorgt als weitere Schicht für wohlige Wärme selbst bei Temperaturen unter zehn Grad. Damit ist man in Sachen Wetter schon mal für beinahe alles gerüstet.
Worauf beim Kauf achten?
- Kragen: Wichtig ist ein hoher Abschluss mit dichtem Übergang zum Helm. Der Kragen sollte sich auch mit Handschuhen leicht öffnen und verschließen lassen.
- Umbaumöglichkeiten: Thermofutter und Klimamembran (Ausnahme Direktlaminat) sollten herausnehmbar sein. Große, auch mit Handschuhen bedienbare Lufteinlässe und verstellbare Gurte zur Weitenregulierung an Ärmeln, Beinen und Hüfte sind ebenfalls Pflicht.
- Taschen: Zwei große, wasserdichte Außentaschen plus gepolsterte Innentaschen an der Jacke sollten es aber mindestens sein.
- Ärmel: Je nachdem, ob die Handschuhstulpen unter oder über den Ärmeln verstaut werden sollen, empfiehlt sich eine eher weite oder doch enge Öffnung.
- Frontreißverschluss: Auf gute Abdeckung durch ein nicht zu wulstiges Labyrinth achten.
- Übergang Jacke/Hose: Bei guten Kombis überlappen Jacke und Hose am Rücken großzügig - auch bei sportlicher Sitzhaltung. Ideale Kopplung: ein langer Verbindungsreißverschluss rundherum.
- Protektoren: Minimalausstattung sind zertifizierte Protektoren an Schulter, Ellbogen und Knie. Besser: auch an Hüfte und Rücken.
- Beinabschluss: Großzügige Öffnung, damit die Hose über dem Stiefelschaft getragen werden kann.
Einzeltestberichte der Textilkombis
Dainese Carve Master 2 Lady
- Preis: Jacke 519,95 Euro, Hose 399,95 Euro
- Größen: Damen 40 bis 44, Hose 40 bis 46
- Farben: Jacke in Schwarz, Schwarz/Hellgrau/Rot und Schwarz/Dunkelgrau/Gelb, Hose in Schwarz und Schwarz/Rot
- Gewicht: 4,1 kg (Größe 42)
- Materialien: Außengewebe als 3-Lagen-Laminat aus Nylon und Elastan, herausnehmbare Thermoisolierung aus Polyester
- Klimamembran: Gore-Tex
- Fazit: Die Carve Master 2 gefällt mit breiter Wettertauglichkeit und sinnvollen Features. Der nicht verstellbare und ohne den sehr warmen Einsatz nässeanfällige Kragen sowie die Sicherheit sind noch ausbaufähig.
- MOTORRAD-Urteil: gut
Büse Highland
- Preis: Jacke 249,95 Euro, Hose 199,95 Euro
- Größen: Jacke: 28 bis 32, 48 bis 64, 98 bis 110, 7XL bis 12XL (Damen: 36-58), Hose: 24 bis 32, 44 bis 64, 98 bis 114 (Damen: 19 bis 24, 34 bis 48, 72 bis 84)
- Farben: Jacke Hellgrau/Blau, oder Schwarz mit Anthrazit, Hellgrau, Neongelb, Orange bzw. Rot, Hose in Schwarz
- Gewicht: 4,2 kg (Gr. 52)
- Materialien: Außengewebe aus Polyamid (Tactel), Futterstoff und herausnehmbares Thermofutter aus Polyester, herausnehmbare Klimamembran aus Polyester
- Fazit: Der Schaumstoff am Rücken vermittelt den Eindruck eines echten Protektors, doch das täuscht - unbedingt beachten! Ansonsten macht die Büse-Kombi vieles richtig, stört aber leider durch die eine oder andere Druckstelle.
- MOTORRAD-Urteil: befriedigend
Dainese Racing 3 D-Dry
- Preis: Jacke 329,95 Euro, Hose (Carve Master 2) 399,95 Euro
- Größen: Herren 44 bis 64
- Farben: Jacke in Schwarz/Weiß/Rot, Schwarz/Rot, Schwarz/Weiß, Schwarz/Weiß/Gelb, Hose in Schwarz
- Gewicht: 3,9 kg (Gr. 56)
- Materialien: Außengewebe Nylon, Elastan und Polyurethan, herausnehmbares Thermofutter aus Nylon und Polyester
- Klimamembran: D-Dry (fest integriert)
- Fazit: Im Vergleich zur Dainese Carve Master gibt sich die Racing 3 in Sachen Materialien, Passform und Optik noch etwas sportlicher. Zwar besitzt auch sie ein Thermofutter, empfiehlt sich insgesamt aber eher für wärmere Temperaturen.
- MOTORRAD-Urteil: gut
Modeka Panamericana
- Preis: Jacke 369,90 Euro, Hose 279,90 Euro
- Größen: Herren S bis 5XL, LM bis LXL, KL bis K3XL, Damengrößen ab 2019
- Farben: Schwarz/Neongelb, Grau/Schwarz
- Gewicht: 4,5 kg (Gr. S)
- Materialien: Außengewebe aus Polyamid (Tactel und Cordura), Futterstoff und herausnehmbare Thermoisolierung aus Polyester
- Klimamembran: Sympatex, herausnehmbar
- Fazit: Für deutlich unter 1.000 Euro überzeugt die Modeka-Kombi mit ordentlicher und durchdachter Ausstattung sowie einer angenehm dezenten, dennoch aber dynamischen Optik. In Sachen Sicherheit, Verstaumöglichkeiten und Wettertauglichkeit vorbildlich!
- MOTORRAD-Urteil: sehr gut
FLM Reise Textilkombi 1.0
- Preis: Jacke 329,99 Euro, Hose 249,99 Euro
- Größen: S bis 3XL, M, L und XL als Langgrößen, L, XL und XXL als Kurzgrößen, Hose zusätzlich in 4XL
- Farben: Jacke und Hose in Schwarz oder Schwarz/Hellgrau
- Gewicht: 4,3 kg (Gr. XL)
- Materialien: Außengewebe aus Polyamid (in der dunklen Variante mit Wachsbeschichtung), Futterstoff und herausnehmbare Thermoisolierung aus Polyester
- Klimamembran: MVS-1, im Außenmaterial integriert
- Fazit: Der Name sagt es schon: Die FLM-Textilkombi taugt eher für die große Reise, für enge Passstraßen wirkt sie etwas zu touristisch. Mehr Flexibilität bei Kälte und Hitze wäre wünschenswert.
- MOTORRAD-Urteil: gut
Stadler 4ALL Pro
- Preis: Jacke ab 1.029 Euro, Hose ab 749 Euro, komplett ab 1.778 Euro
- Größen: Herren 48 bis 64, 98 bis 122, 25 bis 35, Damen 36 bis 46, 76 bis 84, 19 bis 27, Maßanfertigungen gegen Aufpreis
- Farben: Schwarz/Grau
- Gewicht: 4,5 kg (Gr. 50)
- Materialien: Außengewebe als 3-Lagen-Laminat, Futterstoff aus Polyamid, Abstandsgewebe aus Polyester, herausnehmbare Thermoisolierung aus Polyester
- Klimamembran: Gore-Tex
- Fazit: Mit dem Mindestpreis von 1.778 Euro ist die Stadler-Kombi absolut kein Schnäppchen. Dafür kann sie sehr vieles sehr gut, die Alpentour ist für sie eine fast schon zu leichte Übung.
- MOTORRAD-Urteil: sehr gut
Airbag-Jacken im Crashtest
Der ADAC hat 2020 die neueste Generation von Airbag-Jacken für Motorradfahrer im Crashtest überprüft. Im Ergebnis überzeugen alle Systeme - doch Wirkung hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab.
Die Schutzwirkung der Kleidung wirkt im Geschwindigkeitsbereich bis ca. 50 km/h, daher wurde diese Innerorts-Unfallkonstellation gewählt.
Getestete Produkte:
- Tech-Air Street-e System von Alpinestars
- Smart Jacket von Dainese
- eVest von HELD
Entscheidend beim Crashtest war die so genannte Interventionszeit (Dauer vom ersten Anstoß bis zum vollständigen Aufblasen des Airbags), die im Idealfall unter 120 Millisekunden betragen sollte. Dadurch ist die schützende Wirkung der integrierten Airbags bei allen Produkten bereits vor dem Anprall des Motorradfahrers am Auto gegeben.
Tipps für Biker
- Den eigenen Bedarf klären: Lieber eine Airbag-Weste über der vorhandenen Motorradschutzkleidung oder eine Airbag-Weste unter neu zu beschaffender Jacke?
- Eine ausgiebige Probefahrt mit der Airbag-Weste und der passenden Jacke durchführen. Hierbei besonders auf die Bewegungsfreiheit und das Gewicht der Kleidung achten.
- Regelmäßiges und rechtzeitiges Laden des Akkus nicht vergessen, ggf. Powerbank für das Aufladen unterwegs mitnehmen. Nicht während der Fahrt aufladen!
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