Damen Rennrad Pink Test: Das Liv Avail Advanced 1 im Detail

Das Liv Avail Advanced ist ein Endurance-Rennrad für Frauen. Und damit beansprucht Liv gleich ein Alleinstellungsmerkmal für sich, denn die Marke entwickelt Räder speziell für Frauen - ohne “shrink it and pink it” - mach es kleiner und pink.

Das Testbike

Das Liv Avail Advanced 1 in Größe S konnten wir im Winter ausprobieren. Das Größenspektrum reicht von XXS bis L - es gibt also kleinere Größen als sonst am Markt üblich, dafür keine großen. Passend sind auch die Anbauteile des Endurance-Renners gewählt. An kleinen Rädern finden sich kürzere Kurbeln (in Größe S 170 mm), der Lenker ist kompakt gestaltet - geringer Reach und geringerer Drop. Auch der neue Sattel ist frauenspezifisch. Üblich ist, dass ich mir bei Testrädern erstmal meinen eigenen Sattel montieren muss. Nicht so beim Liv.

Als Fahrerin mit einer Körpergröße von 1,60 Metern passe ich eigentlich besser auf die XS. Das ist auch an der Lenkerbreite spürbar. Der 400 Millimeter breite Lenker ist etwas zu breit. Die kleineren Größen kommen mit 380 Millimeter Lenker - bei vielen anderen Herstellern ist bei 400 Millimeter Schluss, also dennoch ein kleiner Pluspunkt für Liv. Der Reach des Lenkers ist mit 68 Millimetern vergleichsweise kurz und der Drop mit nur 120 Millimetern auch angenehm. Oft sind Lenker länger und weisen einen größeren Drop auf. Beides passt gerade für kleinere Personen nicht so gut. Auch die Rahmen unterscheiden sich bei den Geometrien von den Giant-Modellen, das Liv fällt noch etwas kürzer und höher aus als das Endurance-Bike von Giant. Insgesamt sitzt Frau also sehr aufrecht auf dem Avail. Wer ein hohes Sicherheitsgefühl und viel Übersicht sucht, sitzt auf dem Avil richtig. Frauen mit sportlichen Ambitionen dürfte die Position aber nicht sportlich genug sein.

Die Testfahrten

Der Endurance-Renner in Größe S musste mit mir längere Grundlagentrainings aber auch Bergintervalle absolvieren. Zum Abfahrts- und Kurvenverhalten kann ich als ängstliche Abfahrerin keine Einschätzung geben. Gesundes Mittelmaß hätte ich gesagt. Kurzerhand habe ich meinen Partner, ein hervorragender Abfahrer auf das Bike gesetzt und um seine Einschätzung gebeten. Praktisch, wenn die Sitzhöhe sich nur um ein paar Zentimeter unterscheidet. Er fühlte sich wohl auf dem Bike. Das Rad ließ sich gut um die Kurven steuern, er bestätigt “solides Mittelmaß”. Unsere Labortests ergeben bei den Rahmensteifigkeiten, die einem sicheren Fahrgefühl bei hohem Tempo zuträglich sind, keine Bestnoten. Aber für die erwartbar geringen Fahrergewichte ist das Niveau auch nicht bedenklich und durchaus okay.

Wieder in der Ebene, wieder ich auf dem Rad, jetzt geht es auf einen Gravel-Abschnitt. Die breiten Reifen fühlen sich auch auf leichtem Schotter wohl - demzufolge auch ich als Testerin. Hinzu kommt der wirklich bemerkenswerte Federkomfort des Rahmensets, der auch für leichte Fahrerinnen spürbar ist, die sonst wenig davon haben. Der liegt allerdings weniger am Rahmen, sondern an der gut flexenden, weit ausgezogenen und in ihrem Querschnitt speziell dafür konstruierten Sattelstütze. Vorn merke ich davon nicht ganz so viel, auch weil die Sitzposition sehr aufrecht ist und damit wenig Gewicht auf dem Vorderrad liegt. Dennoch bestätigen die Labormessungen, dass das Liv am Lenker etwas besser flext als die meisten anderen Straßenräder.

Fazit zum Liv Avail Advanced 1

Dass das Rad perfekt zu meiner Windjacke passt ist eine Augenweide. Aber um Optik geht es natürlich nicht beim Rennradkauf, jedenfalls sollten andere Aspekte wie Geometrie und Fahrverhalten höher gewichtet werden. Das Liv Avail Advanced 1 ist ein solides Endurance-Rennrad mit Tuning-Potenzial. Eine Besonderheit ist, dass es das Rad auch in sehr kleinen Größen gibt, wo bei vielen anderen Herstellern längst schon Schluss ist. Die Anpassung der Komponenten an kleine Fahrerinnen könnte für meinen Geschmack noch etwas konsequenter sein, aber immerhin gibt es eine.

An sich ist der Preis für das Rad mit einer elektrischen Schaltung überaus attraktiv, viel mehr bekommt man auch bei der Konkurrenz nicht für das Geld. Tuning-Potenzial sehen wir bei den Laufrädern. Mit einem leichten Carbon-Laufradsatz kann man hier das Gesamtgewicht ordentlich reduzieren. Und damit wird auch der Antritt spritziger. Serienmäßig bieten das die Advanced Pro-Versionen des Avail, die allerdings preislich deutlich teurer sind, weil sie auch eine leichtere Gabel mitbringen. Der Aufpreis von 1.300 Euro - bei identischer Schaltgruppe - ist allerdings deftig.

„Ui, das ist aber eine tolle Farbe!“, sagt die eigene Frau beim Blick auf das Rad, das an der Hauswand steht. „So ein Fahrrad will ich auch!“, meldet sich die Tochter gleich danach zu Wort, obwohl ihr ein halber Meter Körpergröße fehlt, um auf den Sattel klettern zu können. Egal, die Farbe macht’s. Was ist das eigentlich? Je nach Lichteinfall leuchtet es pink, rosa oder rot, „Matt Salmon“ nennt das der Hersteller Rose, lachsfarben.

Auch bei sogenannten „Frauen Rennrädern“ gilt es mit o.g. LIV verkörpert die Frauen Rennradmarke von GIANT und ist im Jahr 2008 auf den Markt gekommen. Sicherlich einzigartig weltweit ist die Tatsache, dass bei der Entwicklung und Produktion der Liv Rahmen, sowie bei der Komponentenauswahl und -entwicklung bzgl. Körpermaßen, Muskelaktivität und Kraftmuster tausende von analysierten Daten (z.B. aus der Global Body Dimension Database) weiblicher Probanden einfließen. Dabei wird u.a. Interessant: alle Rennräder der Advanced Serie gibt es in 5 verschiedenen Größen (XXS/XS/S/M/L - 145cm bis max. 183cm) - genau wie bei den Unisex Rädern des GIANT Bruders (S/M/ML/L/XL - 165cm bis max.

Der US-Hersteller SCOTT bewirbt schon seit gefühlten Ewigkeiten seine frauenspezifische Fahrradlinie Contessa. Und tatsächlich, schaut man mal genauer hin, finden sich beim Vergleich SCOTT Contessa vs. SCOTT Unisex Rahmen bei der Geometrie Unterschiede. Konkret beschrieben am ADDICT 15 Rahmen mit der Rahmenhöhe 52: der Contessa Rahmen fällt mit einem STR Wert* von 1,42 deutlich kürzer (und komfortabler) aus als der Unisex Rahmen, der bei dieser RH einen STR von 1,35 aufweist. Auch das Sitzrohr ist bei der Contessa Version kürzer und das Steuerrohr 1 cm länger! Interessant: sowohl die Einsteiger CONTESSA Speedster Serie als auch die CONTESSA Addict Modelle gibt es in 5 verschiedenen Größen (XXS-47cm/XS-49cm/S-52cm/M-54cm/L-56cm - <165cm bis max.

Die Franzosen von LAPIERRE haben einen ähnlichen Ansatz wie SCOTT und bauen, laut eigener Homepage, schon seit 1972 Räder für Frauen. Die Auswahl ist recht begrenzt, für das aktuelle Jahr 2023 findet sich lediglich ein einziges Modell (das unten vorgestellt wird). Die anderen noch verfügbaren Frauen Rennräder, die noch verfügbar sind, befinden sich hinsichtlich Preis (€ 1.000-1.200) und Ausstattung im Einsteigerbereich. Ein Vergleich des LAPIERRE Sensium 3.0 Disc Damen mit dem Unisexrahmen in Größe M zeigt: Der Frauen Rahmen hat einen STR von 1,50, der Unisex von 1,37. Interessant: die Frauen Rennräder gibt es nur in 3 Größen (S/M/L - <155cm bis max. 175cm Körpergröße), die Unisexrahmen hingegen in 6 Größen (XS/S/M/L/XL/XXL - 155cm bis max.

Im oberpfälzischen Waldershof ansässig, hat das 1993 gegründete Unternehmen in den vergangenen drei verrückten Jahren mit Corona, Krieg und Materialknappheit verdammt viel richtig gemacht. Im Vergleich zu vielen anderen namenhaften Bike Herstellern ist es Cube gelungen, die Preise in dieser Zeit einigermaßen stabil zu halten - und das, ohne qualitativ nennenswert nachzulassen. Auch die Fahrradmarke der Pending System GMBH hat eine eigene Frauen Modellserie, die den Namen CUBE AXIAL WS trägt. Eine Gegenüberstellung des CUBE Axial WS C:62 SLX und des Unisex CUBE Agree C:62 SLX in Rahmenhöhe 56 zeigt: STR Wert, Steuerrohrlänge, Oberrohrlänge und auch andere Geometriedaten - ALLES IDENTISCH!!! Hier wurde also nur (wahrscheinlich aus Marketingstrategie) einen „Frauenserie“ ins Leben gerufen - einzige Unterschiede werden in der Komponentenwahl gemacht, und das machen andere Hersteller auch! Interessant: die Frauen Rennräder gibt es nur in 4 Größen (47/50/53/56cm), die Unisexrahmen hingegen in 6 Größen (50-62 cm in 3cm Schritten). Die Körpergrößenempfehlung erfolgt jeweils über einen Rahmenrechner.

Die Koblenzer markieren ihre frauenspezifischen Bikes mit einem WMN hinter dem Modellnamen. Das bis 2022 noch verfügbare CANYON Endurance WMN AL und CF, sowie das Tria Rad CANYON Speedmax CF WMN hat der Online Versender von seiner Homepage genommen. Canyon reiht sich damit in den Trend der Branche ein, die sich in den letzten Jahren mit dem Bau frauenspezifischer Rennradrahmen mehr und mehr zurückhält! Der Grund hierfür könnte sein: es gibt immer mehr sogenannte Unisex Endurance (Komfort-) Modelle, die mit längeren Steuerrohren und größeren STR Werten daherkommen. Auch die Rennradfahrerin kann auf diesen Bikes aufrechter sitzen und z.B. Ich habe es selbst oft genug bei Vermessungen von Kunden und Kundinnen im Bikefitting erlebt. Das, was auch statistisch belegt ist: bei Frauen und Männern gibt hinsichtlich der Länge von Körperextremitäten erhebliche Unterschiede. Frauen haben im Allgemeinen längere Beine und einen kürzeren Rumpf als Männer, die Schultern sind bei ihnen schmaler, die Arme kürzer und die Hände kleiner.

Auf dem Rennradmarkt gibt immer wieder vereinzelt auch noch Rennräder mit 27,5 Zoll Laufrädern zu erwerben, die für kleine Frauen durchaus auch in Frage kommen können (Canyon hat z.B. in den letzten Jahren so ein Modell im Produktportfolio gehabt). Nachteil hier: Effizienzverlust beim Fahren, ein größeres Laufrad rollt besser! Die Auswahl an Teilen wie z.B. Mieke Kröger, Olympiasiegerin Bahn (ehem. ….. betreiben Radsport auf allerhöchstem Niveau - auf Rädern, an denen nur Komponenten wie kürzerer Vorbau, schmalerer Lenker und kürzere Kurbel der weiblichen Körperproportion angepasst sind. Das muss aber überhaupt kein Nachteil sein, meinen Kröger und Brauße ….. Tipp: Optimize Kettenwachs!

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