Der Däne ist ja nicht gerade berühmt dafür, Fahrzeuge aller Art zu bauen. Dafür schaffte es eine Motorradmarke zu weltweiter Bekanntheit: Nimbus.
Die Anfänge: Fisker & Nielsen
Gegründet wurde Nimbus von P. A. Fisker, der hauptberuflich Staubsauger herstellte. Zusammen mit H. M. Nielsen gründete er das Unternehmen Nilfisk. Schon 1910 kamen die beiden mit ihrem "C1" genannten Erstlingswerk auf den Markt und revolutionierten die Reinigungsbranche. Heute beschäftigt Nilfisk über 4000 Leute und gehört zu den ganz Großen im Saugerbereich.
Wie so oft, wenn der Vater erfolgreich ist, haben die Kinder Flausen im Kopf. Sohn Anders wollte Motorräder bauen. Während seines Ingenieurstudiums konstruierte er schon einen Vierzylinder und zeigte ihn stolz seinem Vater. Dieser war wohl ziemlich beeindruckt von der konstruktiven Leistung seines Juniors und beschloss kurzerhand, gemeinsam mit ihm das Motorrad zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Schon zuvor hatte Vater Fisker sechs Jahre lang die Nimbus I produziert, das legendäre Ofenrohr. So genannt wegen dem mächtigen Zentralrohrrahmen.
Nimbus I: Das "Ofenrohr" (1924-1928)
1919 war der erste Prototyp mit längs eingebautem, wechselgesteuerten 750 ccm - Reihenmotor fertig. Die vier Zylinder standen einzeln auf dem Motorgehäuse. Über ein handgeschaltetes Dreigang-Getriebe und Kardanantrieb gingen die 16 Pferdestärken ans Hinterrad. Charakteristisches Merkmal des „Nimbus“ genannten Motorrades war das riesige Rahmen-Oberrohr, das als Tank diente. Nur 1.250 Exemplare der sogenannten „Ofenrohr-Nimbus“ wurden bis 1928 hergestellt.
Dann änderte der dänische Staat das Umsatzsteuergesetz: Motorräder wurden mit einer 100% Abgabe belegt. Das machte die Herstellung unrentabel und die freigewordenen Kapazitäten wurden für die wieder stärker gefragten Staubsauger genutzt.
Nimbus II: Die "Hummel" (1934-1960)
Während der sechs Jahre dauernden Produktionspause beschäftigten sich Vater und Sohn Fisker mit der Entwicklung eines neuen Nimbus-Motorrades. Im April 1934 wurde die erste Nimbus II vorgestellt.
In einem einfachen, aus Stahlblechprofilen zusammengenieteten Rahmen ohne Hinterradfederung, aber mit der damals revolutionären Telegabel vorne, saß wieder ein 750er Vierzylinder-Reihenmotor. Zuerst waren vier einzelne Zylinder wie bei der Ur-Nimbus vorgesehen. Man kam jedoch auf die Idee der vier Zylinder in einem Block, dessen Guss damals Neuland war. Eine obenliegende Nockenwelle (OHC) wurde damals nur bei teuren Rennmaschinen verwandt. Und bei Nimbus. Eine Königswelle sorgt für den Antrieb. Hierbei verbindet eine Welle die Kurbelwelle mit der Nockenwelle. Für die Umlenkung der Antriebskräfte sind vier Kegelräder nötig.
Vor dem Zylinderblock sitzt die Königswelle bei der Nimbus und treibt auch die Lichtmaschine an. Die Kurbelwelle wurde an beiden Enden in großen Kugellagern aufgehängt. Dazwischen gab es keine Lager. Dieses zeigt auch die Grenze der Leistung des Motors mit seinen exakt 746 ccm und 22 PS bei 4.500 Umdrehungen pro Minute mit einem Verdichtungsverhältnis von 5,7 : 1. Die ersten Baujahre hatten nur 18 PS bei 4.000 U/min und 5,0 : 1.
Wie Henry Ford bezüglich seiner legendären „Tinn Lizzy“ sagte P.A. Fisker: Jede Farbe wird geliefert, Hauptsache sie ist schwarz. Das änderte sich jedoch bald. Ab 1935 kamen die Farben weinrot und grün dazu, 1937 blau. Am Aussehen und an der Technik änderte sich wenig in den 26 Jahren Bauzeit. Ab 1937 gab es Fußschaltung anstelle des veralteten Systems der Handschaltung. Nach dem 2. Weltkrieg saßen die Faltenbälge der Telegabel über statt unter dem Schutzblech. Letzteres war auch ganz offen ohne Seitenbleche. Die letzte große Änderung war 1956: Gekapselte Ventile. Jedoch gab es Probleme mit Schmierung und Wärmeableitung.
Die größten Abnehmer waren das dänische Heer, Polizei und Post. Viele waren mit Lieferbeiwagen als sogenannte Lieferkräder unterwegs. Bis 1976 benutzte die königlich-dänische Post diese Lieferkräder für die Postkastenleerung.
Technische Details der Nimbus II
- Motor: Luftgekühlter, längs eingebauter Reihenvierzylinder-Viertaktmotor
- Hubraum: 746 cm³
- Leistung: 18 bis 22 PS bei 4500/min
- Kraftübertragung: Einscheiben-Trockenkupplung, Dreiganggetriebe, Kardanantrieb
- Höchstgeschwindigkeit: zirka 120 km/h
Konstruktionsmerkmale
Für ein europäisches Motorrad war die Nimbus geradezu luxuriös aufgebaut: längs eingebauter Reihenvierzylindermotor, Kardanantrieb, Teleskopgabel. Eine gusstechnische Meisterleistung bedeutete dabei der einteilige Zylinderblock, der gleichzeitig die obere Gehäusehälfte darstellt. Mit dieser Graugusskonstruktion betraten Vater und Sohn Fisker Neuland.
Als Schwachpunkt der Motorkonstruktion gelten die anfälligen Weißmetall-Pleuellager. Die Kurbelwelle ist zudem nur in zwei Lagern gefasst, eine ziemlich wackelige Konstruktion. Das spart zwar enorm Bauteile und Baulänge, mutet der Welle aber große Biegeschwingungen zu. Das ist auch der Grund, warum nie wirklich starke Nimbusmotoren hergestellt wurden.
Aus dem Brückenbau könnte der Flachstahlrahmen stammen. Ihn zieren Nieten und Schrauben, so wie es eben bei alten Stahlkonstruktionen üblich war. Gleichzeitig mit BMW erfanden Vater und Sohn Fisker diese Vorderradführung, wie sie bis heute weltweit in Zweirädern verwendet wird.
Das Ende der Produktion
Marktveränderungen, das Auto als Konkurrenz und hohe Kosten für Importmaterialien führen zu Absatzrückgängen und letztlich zur Einstellung der Nimbus-Produktion. Das Unternehmen beschließt 1959, sich ausschließlich auf Reinigungsgeräte zu konzentrieren.
Es wurden von 1934 bis 1960 genau 12.715 Nimbus II hergestellt. Etwa 33 % davon sollen noch fahrbereit sein, allein rund 4.000 Maschinen in Dänemark. Diese Zahlen sind ein deutlicher Beweis für die solide und zuverlässige Konstruktion.
Nimbus heute
Der heute noch vorhandene weltweite Bestand dieses Motorrades wird auf circa 8.000 Stück geschätzt. Die Ersatzteilversorgung ist problemlos. Viele Nimbus-Fahrer haben die Zuverlässigkeit ihrer Maschinen eindrucksvoll bewiesen, beispielsweise durch Weltumrundungen.
Nimbus Model E: Eine elektrische Neuauflage?
Seit 2020 wird das Revival der Nimbus geplant, als Retro-Konzept mit ähnlichem Design, aber mit Elektromotor statt Vierzylindermotor. Dafür ist eigens die Nimbus Motorcycles Holding in Kopenhagen gegründet worden. Seit Juli 2023 werden weitere Investoren und Aktionäre gesucht - bevorzugt dänische.
2025 soll dann das neue Motorrad, Marke Nimbus, folgen. Ebenfalls mit Elektromotor. Dessen technische Daten liegen noch nicht vor, doch auf den virtuellen Darstellungen der Nimbus Typ E ist seine Einbaulage zu sehen: koaxial an der Lagerung der Hinterradschwinge, mit konstant gespanntem Zahnriemen zum Hinterrad.
Die neue Lampe ist zwar wieder rund, soll aber per LED leuchten. Es heißt nun gespannt warten, bis weitere Mitteilungen aus Dänemark kommen, die nicht nur die technischen Eckdaten des neuen Model E beinhalten, sondern dazu einen genauen Termin für die Markteinführung. Und die Preisansage für das dänische Elektro-Motorrad.
Nilfisk: Mehr als nur Staubsauger
Nilfisk wurde 1906 von Peder Andersen Fisker in Kopenhagen gegründet. Das Unternehmen eroberte zunächst die Haushalte Europas mit Staubsaugern und die Straßen mit Motorrädern. Heute ist Nilfisk einer der weltweit größten Hersteller von Reinigungsgeräten.
Und damit hat dies der Gründervater selbst tatsächlich fast noch erlebt: Peder Andersen Fisker stirbt im biblischen Alter von 100 Jahren am 8.
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