Das Überholen im Überholverbot ist nicht nur gefährlich, sondern kann auch teure rechtliche Konsequenzen haben. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte des Überholverbots für Motorräder in Deutschland.
Was gilt als Überholvorgang?
Nach § 5 StVO liegt ein Überholvorgang immer dann vor, wenn ein Fahrzeug an einem langsameren vorbeifährt. In der Regel sollte links überholt werden, wobei stets beim Überholen auf einen ausreichenden Abstand zu dem anderen Verkehrsteilnehmer geachtet werden sollte. Kann dieser nicht eingehalten werden oder an unübersichtlichen Stellen, besteht auch ohne explizite Anordnung ein Überholverbot.
Wie sieht ein Überholverbot aus?
Das Überholverbot kann durch verschiedene Verkehrszeichen und Fahrbahnmarkierungen signalisiert werden:
- Überholverbotsschilder: Das Überholverbotsschild 276 zeigt ein Überholverbot für alle Kraftfahrzeuge an. Dabei dürfen keine mehrspurigen Fahrzeuge und Motorräder mit Beiwagen überholt werden. Das Verkehrszeichen 277 gestattet kein Passieren von Fahrzeugen über 3,5 Tonnen. Das Symbol 277.1 signalisiert das Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen für mehrspurige Kraftfahrzeuge. Dies gilt auch für Krafträder mit Beiwagen.
- Fahrstreifenbegrenzung: Ist die Fahrstreifenbegrenzung (Mittellinie) durchgezogen, weist dies auf ein Überholverbot hin. Erst bei einer unterbrochenen Fahrbahnmarkierung ist das Überholen von Fahrzeugen erlaubt. Überholmanöver sind zu beenden, bevor eine durchgehende Bodenmarkierung beginnt.
Gibt es ein Überholverbot fürs Motorrad?
Ja. Im Rahmen der StVO-Novelle wurde ein Verkehrszeichen eingeführt, welches es anderen Kraftfahrzeugen verbietet, ein einspuriges Kraftfahrzeug, also zum Beispiel ein Motorrad, zu überholen. Im Jahr 2020 wurde das Verkehrszeichen 277.1 eingeführt. Es zeigt ein Überholverbot von einspurigen Kraftfahrzeugen für mehrspurige Kfz an.

Wo ist das Überholen immer verboten?
Ein Überholmanöver darf ausschließlich dann gestartet werden, wenn während des gesamten Vorgangs eine Beeinträchtigung der anderen Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen werden kann. Insbesondere an schlecht einsehbaren Stellen können plötzlich andere Beteiligte des Straßenverkehrs auftauchen. Die Gefahr ist groß, dass ein anderes Fahrzeug zu spät erkannt wird. Ein rechtzeitiges Anhalten ist dann kaum möglich. Da hier eine potenzielle Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer besteht, ist an unübersichtlichen Streckenabschnitten das Überholen verboten.
Die verwundbarsten Verkehrsteilnehmer sind Fußgänger. Deswegen muss ein sicheres Überqueren der Straße gewährleistet werden. Beim Überholen an gekennzeichneten Fußgängerübergängen kann es passieren, dass mögliche Passanten von einem anderen Fahrzeug verdeckt werden. Da Fußgänger zudem oft plötzlich auftauchen, ist ein rechtzeitiges Bremsen oft nicht mehr möglich - nicht zuletzt da die Bremswege für motorisierte Fahrzeuge sehr lang sind. Aus diesem Grund ist das Überholen an Fußgängerübergängen grundsätzlich verboten.
Ausnahmen: In diesen Fällen gelten die Regeln nicht
In Deutschland ist das Überholen im § 5 der StVO geregelt. Prinzipiell sieht die Straßenverkehrsordnung vor, dass der linke Fahrstreifen für einen Überholvorgang benutzt wird. Haben sich Fahrzeugschlangen gebildet, z.B. bei zähflüssigem Verkehr, Kolonnenverkehr oder Stau, darf rechts schneller gefahren werden als links. Linksabbieger, die sich bereits in der Mitte der Fahrbahn eingeordnet haben, dürfen auf dem rechten Fahrstreifen überholt werden. Innerhalb von Ortschaften kann auch rechts überholt werden. Die Voraussetzung hierfür ist, dass sich mindestens zwei Fahrstreifen in einer Richtung befinden. In Bereichen, die durch eine Ampel geregelt sind, ist das Überholen auf der rechten Seite ebenfalls erlaubt. In Deutschland dürfen Straßenbahnen auch auf der rechten Fahrspur überholt werden. Auf Autobahnen ist das Überholen auf dem Beschleunigungsstreifen auch rechts erlaubt. Sie gelten als eigenständige Fahrstreifen.
Wann ist ein Überholverbot aufgehoben?
Ein Überholverbot beginnt, sobald das Überholverbotsschild passiert wurde. Ab diesem Zeitpunkt darf kein Überholvorgang begonnen werden. Darüber hinaus müssen angefangene Überholmanöver vor dem Symbol abgeschlossen werden. Für jedes Verkehrszeichen, das ein Überholverbot ausspricht, existiert auch ein Zeichen, welches das Ende anzeigt. Die Beendigung dieser gekennzeichneten Zone erfolgt durch ein „Überholverbot Ende“-Schild. Außerdem können auch Verbote für bestimmte Fahrzeugkategorien signalisiert werden. Die Symbole 280 bis 282 zeigen die Aufhebung eines Überholverbotes an.
Nicht nur die Verkehrszeichen können das Ende eines Überholverbotes anzeigen: Straßenmarkierungen sind ebenfalls wichtige Marker. Die durchgezogene Mittellinie trennt die beiden Fahrstreifen und darf nicht überfahren werden. Sobald die Streifen in der Mitte nicht mehr durchgängig sind, ist das Verbot aufgehoben.
Welche Strafe droht bei Überholen im Überholverbot?
Wenn Sie trotz Überholverbot ein Motorrad überholen und dabei erwischt werden, müssen Sie mit einem Bußgeld in Höhe von 70 Euro sowie einem Punkt in Flensburg rechnen. Die Strafe beim „Überholen im Überholverbot“ fällt weitaus höher aus. Besonders teuer ist es, wenn zusätzlich zu einem unerlaubten Überholverbot noch eine Sachbeschädigung in unklarer Verkehrssituation dazukommt. Das Bußgeld beträgt 300 Euro.
Besondere Regeln und Konsequenzen beim Überholverbot für LKW
Große LKW haben sehr lange Überholwege. Dafür ist einerseits die Länge des Verkehrsmittels verantwortlich. Andererseits sind die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den großen Lastkraftwagen gering. Überholmanöver sind nur erlaubt, wenn der Vorgang innerhalb von 45 Sekunden abgeschlossen wird.
Die derzeitige Bußgeldtabelle für Lastwagen gibt einen detaillierten Überblick über die Strafen der unterschiedlichen Vergehen. Um einiges heikler sind die Sanktionen bei einem Überholvorgang im Überholverbot und bei unklarer Verkehrslage sowie einem daraus resultierenden Unfall.
Wie kann ein Überholen im Überholverbot bewiesen werden?
Ein Überholen im Überholverbot ist nicht erlaubt. Beim Nichteinhaltung drohen finanzielle und rechtliche Folgen. Doch wie kann dir das Vergehen nachgewiesen werden? Dafür gibt es einige Optionen. Entweder wurde der Vorgang von der Polizei direkt beobachtet, oder es gibt im Falle eines Unfalles Zeugenaussagen von anderen Verkehrsteilnehmern. Die andere Möglichkeit des Beweises des Überholens im Überholverbot sind Videoaufnahmen, die von Verkehrsüberwachungskameras oder in Autos installierten Dashcams aufgenommen wurden.
Bußgeldkatalog: Strafen für Überholverstöße
Die Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV) regelt Bußgelder, Fahrverbote und Verwarnungen nach der Straßenverkehrsordnung. Hier eine Übersicht über mögliche Strafen:
| Verstoß | Bußgeld | Punkte in Flensburg |
|---|---|---|
| Überholen im Überholverbot | 70 € | 1 |
| Überholen im Überholverbot mit Sachbeschädigung in unklarer Verkehrslage | 300 € | - |
| Rechts überholen außerhalb einer Ortschaft | Bis zu 145 € | 1 |
OLG Celle: Schadensersatz trotz Überholverstoß
Ein Motorradfahrer hat Anspruch auf Schadensersatz, obwohl er gegen ein Überholverbot verstoßen hatte. Dies entschied das Oberlandesgericht Celle am 13. März 2024 (AZ: 14 U 122/23), wie die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt. Das Gericht lehnte eine Mithaftung des Klägers aufgrund fehlender Schutzkleidung ab, da es keine gesetzliche Vorschrift hierfür gibt und das allgemeine Verkehrsbewusstsein im Jahr 2021 nicht ausreichte, um ein Mitverschulden zu begründen.
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