Wenn sich Joe Breeze, Charles Kelly und Gary Fisher an ihre Jugend Anfang der siebziger Jahre in Kalifornien zurückerinnern, sehen sie nicht Drogen, freie Liebe oder die Friedensbewegung, sondern ihre eigene Revolution. Noch heute zieren sie mit ihren Namen die Rahmen Hunderttausender Mountainbikes.
Die Anfänge in Marin County
Damals waren sie Teil einer Bande von Nobodys, die in den Hügeln von Marin Country um Mount Tamalpais nach neuen Wegen suchten, sich auf zwei Rädern auszutoben. "Wir besaßen zwar alle hochwertige italienische Rennräder, doch für den Alltag waren die fragilen Maschinen einfach zu unpraktisch", erklärt Breeze. Also besorgten sie sich, nicht selten von Schrottplätzen oder aus dunklen Kellern, simple und vor allem billige Vorkriegsräder mit breitem Lenker und Ballonreifen. "Ein Kumpel scherzte, wir sollten es einmal mit den alten Rädern der Zeitungsjungs probieren. Ich kaufte für fünf Dollar einen maroden 1941er Schwinn-Cruiser und los ging's", erzählt Breeze.
Bleischwer, ohne Gangschaltung und nur mit Rücktrittbremsen ausgestattet, waren die Räder für den Einsatz im Gelände allerdings denkbar ungeeignet. "Bergauf war an Fahren nicht zu denken, stattdessen wurde geschoben und sich auf die Abfahrt gefreut", erinnert sich Charles Kelly, ein weiterer Pioneer und wohl der erste Mountainbike-Journalist.
Das "Appetite Seminar" und die Geburtsstunde des "Repack"
Mit der Routenlegung des "Appetite Seminar", einer 20-Meilen-Ausfahrt, die, wie im Namen angedeutet, den Appetit auf den Truthahn beim traditionellen Thanksgiving-Festmahl schüren sollte, geriet im November 1974 das Rad endgültig ins Rollen. Nach der Quälerei der ersten 18 Meilen wartete nämlich am Ende des Ausflugs - quasi als Belohnung - ein 2,1 Meilen langer Bergabritt an der Flanke des Mount Tam: 400 Höhenmeter vernichtete ein Fahrer auf dem kurzen Streckenabschnitt, durch uneinsehbare Haarnadelkurven über Geröll, Sand und Baumwurzeln - Schwerkraft und Materialgüte hoffnungslos ausgeliefert.
Tatsächlich sorgte die Kombination aus übermotivierten Piloten und unterdimensionierten Fahrrädern für manch spektakuläre Bodenprobe oder Ausritte in die Botanik am Wegesrand. Lenker und Gabeln, ausgelegt für Sonntagsausflüge und die morgendliche Runde der Zeitungsboten, brachen in den Händen der Schotter-Hasadeure wie Streichhölzer. "Im unteren Teil der Strecke überhitzten die Bremsen und wurden wirkungslos. Nach jedem Lauf mussten die Fahrer ihre Naben neu mit Fett befüllen (englisch "to repack") - und verpassten damit dem Serpentinen-Rennen, das ab 1976 regelmäßig ausgetragen wurde, seinen Namen.
Die Poster-Ankündigungen zum "Repack Downhill Time Trial" hängen heute in der Mountainbike-Ruhmeshalle in Crested Butte, Colorado.
Die ersten Modifikationen und Innovationen
"Repack war der Startschuss für die Massenbewegung. Doch nicht nur der Trend wurde von dem Downhill-Trial beflügelt, sondern auch die Technik. Unzufrieden mit Fahr- und vor allem Bremsverhalten ihrer Räder, die oft genug nicht mehr als eine Abfahrt überstanden, begannen Breeze, Kelly und Co., mit den ersten Modifikationen ihrer Bikes. An Bauteilen fand alles Verwendung, was Stabilität und Funktionalität versprach.
Trommelbremsen (vom Tandem) und Gangschaltungen (dem Rennrad entliehen), massive Lenker und robuste Bremshebel (aus der Moto-Cross-Szene) machten aus den gemütlichen Alltagsrädern martialische Rennmaschinen, die sogenannten "Klunker" und Vorfahren der heutigen Hightech-Mountainbikes. Und so brutzelte Breeze 1977 aus hochwertigem Stahl eine Kleinstserie haltbarer Rahmen, die praktisch sofort ausverkauft waren.
Als nächster versuchte sich der talentierte Schweißer Tom Ritchey am Stollenreifen-Trend. Als er für seine edlen (und teuren) Kreationen einen Vertrieb und vor allem einen Namen suchte, sprangen Fisher und Kelly ein. 1979 gründeten sie mit einigen hundert Dollar Startkapital die Firma "Mountainbikes".
Die Verbreitung der Mountainbike-Idee
Annoncen in BMX-Magazinen und erste Fachartikel, nicht selten von Charles Kelly selbst verfasst, trugen die Botschaft der radelnden Hippies ins Land. Schnell etablierte sich der Begriff des Mountainbikes, und immer mehr Radsportfreunde wollten wissen, was es mit dieser merkwürdigen Erfindung aus der kalifornischen Provinz auf sich habe. "Die Nachfrage war so hoch, dass selbst unser Mangel an Geschäftssinn das Unternehmen nicht ruinieren konnte. Immerhin musste der Kunde uns windigen Gestalten eine erhebliche Summe vorab zahlen und dann monatelang auf sein Bike warten", erinnert sich Kelly.
Mit ihrer Kombination aus Offroadfähigkeit, Komfort und Stabilität im Alltag eroberte die Allzweckwaffe auf Stollenreifen schnell die USA - und weckte das Interesse von Mike Sinyard. Als dieser die Produktion seiner Specialized-Bikes nach Asien auslagerte, konnte er Großserien-Räder zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten.
Die Anerkennung als Sportart
1990 wurde das Mountainbiken vom Weltverband „Union Cycliste International“ (UCI) offiziell anerkannte, 1991 veranstaltete man den ersten Worldcup. Während die allersten Mountainbikerennen am Mount Tamapais reine Downhillrennen waren, wurden mit Ausstattung und Fortentwicklung der Räder mit Komponenten wie vor allem der Gangschaltung auch Cross-Country- und Uphillrennen ausgetragen und später in den Worldcup aufgenommen.
Heute sind im Wettkampfsport neben den Up- und Downhillrennen, sowie den Cross-Countries auch der Dual Slalom, Speed-Biking, Trial-, Fun- und Stuntwettkämpfe beliebte Disziplinen.
Der Einfluss auf Freizeit und Gesundheit
Das Mountainbike hat seit seiner Erfindung nicht nur im Rennsektor für viel Bewegung und Veränderung gesorgt, auch im Freizeit- und Gesundheitsbereich haben sich durch diese geländetaugliche Fahrradvariante viele neue Möglichkeiten eröffnet, die über Nutzung des Fahrrades zur reinen Fortbewegung von A nach B hinaus gingen.
Besonders die Möglichkeit, abseits der autobefahrenen Straßen auf unbefestigten Wegen zu radeln, übt einen großen Reiz aus. Mountainbiker haben einen großen Aktionsradius und können größere Entfernungen zurücklegen als bei einer Fußwanderung, aber dabei zugleich die Natur genau so unmittelbar und direkt erleben.
Besonders Kinder wurden durch die Entwicklung des Mountainbikes auf die Fahrräder gelockt, denn der besonders in Kindern noch stark ausgeprägte Entdeckergeist wird geweckt durch die Möglichkeit, auf dem Fahrrad neue Wege und Strecken zu erschließen, Hindernisse zu überwinden und schwieriges Gelände zu bewältigen.
Eine Fahrradtour mit dem Mountainbike ist für die ganze Familie ein ausgesprochen befriedigendes und forderndes Erlebnis, das ganz neue Reize und Anforderungen an Körper und Geist stellt, die so im Alltag unseres digitalisierten Lebens normalerweise nicht mehr zu finden sind. Kehrt man müde, hungrig und ausgepowert von einer Mountainbiketour zurück, schmeckt das Abendessen doppelt so gut, fühlt sich das Bett doppelt so bequem an und ist die warme Dusche doppelt so angenehm.
Wer nach einer Mountainbiketour voll neuer Eindrücke ist und jede Muskelfaser seines Körpers spürt, der hat einen leeren Kopf und spürt vor allem eines: eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit!
Die Geburtsstunde einer Idee
Wir schreiben das Jahr 1973. Das Problem: Die Berghänge bestehen aus steilen Schotterpisten, die mit einem herkömmlichen Rad nicht zu befahren sind. Aber der Ehrgeiz der drei Freunde ist geweckt: Es muss doch möglich sein, auch diesen Untergrund zu bewältigen! Von Schrottplätzen besorgen sie sich Fahrräder aus den 30er Jahren, die sogenannten Schwinn Cruiser: Ballonreifen, 26-Zoll-Felgen, breite Lenker, keine Gangschaltung - alte Räder für eine neue Idee.
Der Weg hinauf auf den Berg ist mühsam: An Fahren ist nicht zu denken, sie müssen ihre weit über 20kg schweren Räder schieben. Erste Zweifel machen sich breit: Wird alles so klappen, wie sie es sich vorgestellt haben? Doch dann kommt die Abfahrt und alle Zweifel sind wie weggeblasen. Als sie die Schotterpisten hinunterdonnern, über holprige Waldwege dahinrasen, ist ihnen klar: Das kann noch nicht alles gewesen sein!
Erste Rennen, viele Innovationen
Mit ihrer Begeisterung für diese neue Art des Bikens stehen die drei Freunde nicht alleine da: Im Jahr 1976 trifft man sich zu ersten sportlichen Wettkämpfen. Die rund 3 km lange Strecke rund um den Mount Tamalpais ist eine Herausforderung für Fahrer und Material. Die Rücktrittbremse ist solch hohen Belastungen ausgesetzt, dass das Fett qualmend aus den Naben tritt.
Nach jeder Abfahrt müssen die Bremsen neu geschmiert werden (Englisch: to repack). Liebevoll wird der Kurs in „Repack“ umgetauft.
Der Wille, bei jedem Rennen als Schnellster ins Ziel zu kommen, ist zugleich der entscheidende Ansporn, die Räder stetig weiterzuentwickeln. Vom Rennrad wird die Gangschaltung übernommen, vom Motorrad der massive Lenker mit Bremshebeln. Es folgt der Einbau von Daumenschaltung und Trommelbremsen. Vom alten Schwinn Cruiser ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Das erste Mountainbike der Geschichte
Die Konstruktion des ersten „echten“ Mountainbikes wird Joe Breeze zugeschrieben. Dieser baut im Jahr 1977 ein Rad, das kein nachträglich umgerüsteter Cruiser ist, sondern aus einem eigenständig entwickelten Rahmen besteht.
Breeze weiß: Um das neue Rad noch geländetauglicher zu machen, muss er das Gewicht deutlich reduzieren. Bei der grundsätzlichen Rahmengeometrie orientiert er sich am Vorbild der Schwinn Cruiser, verwendet dabei jedoch dünnwandige Chrom-Molybdän-Rohre. Für eine bessere Stabilität bringt er Versteifungsrohre an. Das Ergebnis ist ein voller Erfolg. Das Bike ist äußerst robust und mit seinen etwa 17kg deutlich leichter als seine Vorgänger.
Als Tim Ritchey zwei Jahre später zu der Gruppe der Mountainbike Pioniere stößt, gelingt es ihm, das Gewicht noch einmal um rund 1,5kg zu reduzieren. Ein weiterer Meilenstein der Mountainbike-Geschichte ist gelegt.
Eine Idee breitet sich aus
Trotz aller technischen Fortschritte ist das Mountainbike vom großen Durchbruch zunächst noch weit entfernt. Und wer weiß, wie die Fahrradwelt heute aussähe, wenn es Charles Kelly nicht gegeben hätte. Er ist es, der die ersten Rennen organisiert, er ist es aber auch, der die neue Idee über die Grenzen des 5000-Seelen-Ortes Fairfax hinausträgt.
Voller Enthusiasmus berichtet er in mehreren Artikeln, unter anderem im bekannten Outside Magazine, über die Bike-Szene rund um den Mount Tamalpais. Er beschreibt die Erfolge und Rückschläge bei der Weiterentwicklung der Räder; er lässt die einmalige Atmosphäre der „Repack“-Rennen greifbar werden; er bringt die Philosophie einer völlig neuen Outdoor-Sportart zu Papier. Und der Funke springt über: Immer mehr Leser beginnen sich für diese Idee zu interessieren, die schon bald überregional bekannt ist.
Von der Resonanz überwältigt ruft Kelly 1981 eine eigene Zeitschrift ins Leben: Mit dem Fat Tire Flyer Magazine ist das erste Mountainbike-Magazin der Welt geboren.
Der Höhenflug
Mit dem zweiten Teil der Reise durch die Geschichte des Mountainbikes sind wir mittlerweile im Amerika der frühen 80er Jahre angekommen. Erste Wettkämpfe, fortwährende technische Neuerungen und Publikationen in bekannten Magazinen hatten aus einer kleinen Idee ein überregionales Phänomen werden lassen. Damit war aber nur der erste Schritt zum weltweiten Erfolg des Mountainbikes getan.
Aluminium-Felgen für ein neues Fahrgefühl
Derweil tüfteln die Mountainbike-Pioniere um Gary Fisher an weiteren technischen Innovationen, um ihre Bikes stetig zu verbessern. Dabei verlieren die Freunde nie die generellen Entwicklungen in der Fahrrad-Welt aus dem Blick. Mit großem Interesse verfolgen sie z.B. den Erfolg des BMX-Rads. Gibt es hier womöglich Ideen, die sich auch auf das Mountainbike übertragen lassen?
Schon bald werden sie fündig: Komponenten aus Aluminium. Schnell rüstet die Gruppe ihre Bikes um: Statt der alten Stahlfelgen nutzen sie nun Felgen aus Aluminium. Was für ein Unterschied! Auf einen Schlag sparen sie so knapp 3 kg beim Gewicht ihrer Räder ein - Welten im Radsport.
Das Ergebnis begeistert alle: Als sie mit ihren umgebauten Bikes durch die wunderschöne Naturlandschaft Kaliforniens brausen, erleben sie ein völlig neues Fahrgefühl. Jeder Berg scheint jetzt bezwingbar zu sein!
„Mountainbike“ - ein Name wird geboren
Vieles wurde erreicht in den letzten Jahren, doch eines fehlt noch: ein Name für das neue Bike! Am Ende ist es Gary Fisher, der den Namen Mountainbike ins Leben ruft - und das eher zufällig, denn ursprünglich ist dies nur als Modellbezeichnung gedacht. Doch schnell wird klar, dass es keinen passenderen Namen geben könnte, um mit einem einzigen Wort eine ganze Philosophie zum Ausdruck zu bringen. So wird aus einer Modellbezeichnung der Name einer neuen Fahrradgattung.
Wie aber ist es um die weitere Verbreitung der Mountainbike-Idee bestellt? Die Grundlagen sind schließlich gelegt: 1977 hatte Joe Breeze das erste „echte“ Mountainbike konstruiert und auch Tim Ritchey entwirft seit dem Ende der 70er Jahre immer neue Räder.
Vor allem das „Ritchey Mountainbike“ wird dabei zum wahren Verkaufsschlager. Doch dies sollte erst der Anfang sein.
Ein Fahrrad auf dem Vormarsch
Es ist die Firma Specialized Bicycle Imports, die als erste das riesige Potential erkennt, das in den Mountainbikes schlummert. Im Jahr 1980 kauft sie vier der von Gary Fisher und Charles Kelly vertriebenen neuen Räder und bringt schon ein Jahr später den Specialized Stumpjumper auf den Markt. Auch wenn dieses Bike technisch noch weit vom Standard der heutigen Mountainbikes entfernt ist, so stellt es doch die Geburtsstunde der weltweit ersten Mountainbike-Großserie dar.
Eines ist nun klar: Die Mountainbike-Bewegung ist nicht mehr aufzuhalten. Weltweit begeistern sich immer mehr Menschen für diese neue Sportart. Es ist dieses einzigartige Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das die Menschen dazu anregt, es den Freunden aus Kalifornien gleichzutun.
Mehr Hersteller, mehr technische Verbesserungen
Immer mehr Fahrrad-Hersteller werden auf das Mountainbike und die gewaltige Nachfrage aufmerksam. Shimano und Suntour, zwei japanischen Fahrradteile-Giganten, produzieren erstmals Komponenten speziell für das Mountainbike. Sie übernehmen dabei nicht nur die altbewährten Einzelteile, sondern entwickeln diese stetig weiter: Verbesserte Bremsen (Cantilever-Bremsen), Schaltungen (Lenker-Schalthebel, Rasterschaltung) sowie immer schmutzbeständigere Naben und Tretlager kommen auf den Markt.
Diese innovativen und hochbelastbaren Komponenten sind es, die den letzten Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des Mountainbikes darstellen. Zahlreiche Fahrrad-Hersteller (z.B. Cannondale, Specialized oder Trek) gehen nun mit eigenen Mountainbikes in die Massenproduktion. Die technische Entwicklung ist rasant und hält bis heute an: Immer leichtere Rahmen (aus Aluminium, Titan und Carbon) und neue Federungen (z.B. Hardtail- und Fully-Bikes) machen das Mountainbike zum dem, was es heute ist: ein einzigartiges Sportgerät, was weltweit Millionen Menschen begeistert.
Was Gary Fisher, Joe Breeze und Charles Kelly im Jahr 1973 am Mount Tamalpais wohl nie für möglich gehalten hätten, ist nun Realität: Das Mountainbike hat die Welt erobert. Doch wie immer hat der Erfolg auch seine Schattenseiten. Es ist die Freundschaft der Gruppe, die beim Höhenflug des Mountainbikes auf der Strecke bleibt: Nach großen Streitigkeiten geht 1984 jeder seiner Wege.
Die wichtigsten Daten auf einen Blick:
- 1973: Idee des Mountainbikes wird geboren
- 1976: erstes „Repack“-Rennen findet statt
- 1977: erstes „echtes“ Mountainbike wird konstruiert
- 1979: Tim Ritchey schließt sich der Gruppe um Fisher, Breeze und Kelly an
- ca. 1980: Name Mountainbike wird ins Leben gerufen
- 1980: Stahlfelgen werden durch Aluminiumfelgen ersetzt
- 1981: Gründung des ersten Mountainbike-Magazins der Welt
- 1981: Erste Großserien-Produktion eines Mountainbikes (Specialized Stumpjumper)
- 1982: Produktion spezieller MTB-Komponenten läuft an
Das Specialized Stumpjumper: das erste Serien-Bike
Der College-Abschluss war in der Tasche und das Bier floss in Strömen. Wer den Ursprung des ersten Serien-Mountainbikes der Welt verstehen möchte, muss in das Jahr 1974 zurückblicken. Genauer: Zum Oktoberfest 1974 in München. Dort beschloss der heutige Specialized-Chef Mike Sinyard, sein Geld mit Radteilen zu verdienen. Kaum wieder in den Staaten, startete Sinyard mit 1500 Dollar Startkapital das Kapitel Specialized. Rahmenbauer Tom Ritchey war einer von Sinyards ersten Kunden. „Der erzählte mir von diesen neuartigen Mountainbikes”, erinnert sich Sinyard, der sich umgehend von Ritchey solch ein Bike schweißen ließ.
Damals waren Bikes nur über wenige kleine Garagen-Schmieden zu bekommen. „Das müsste anders laufen”, dachte sich Geschäftsmann Sinyard. So ließ er sich 1980 von Tim Neenan in Santa Cruz einen Rahmen bauen und gab davon unter dem Namen „Specialized” 450 Stück bei einer Firma in Japan in Auftrag. Knapp 750 Dollar kostete das erste Stumpjumper 1981. Die erste Serie verkaufte sich innerhalb weniger Wochen. Das Tor in die weltweite Radszene war aufgestoßen, Mountainbiken konnte vom Hippie-Spaß zur Sportart wachsen. Das Stumpjumper war somit das Urmodell aller Serien-Bikes, läuft mittlerweile seit 28 Jahren in unzähligen Modellvarianten und verkörpert die Tradition des Sports wie kein anderes Mountainbike.
Nein, Romantik war nicht im Spiel. Auch kein kalifornischer Sonnenuntergang, kein Lagerfeuer. Die Ursprünge des ersten Serien-Mountainbikes der Welt liegen im Rausch auf dem Münchner Oktoberfest. Dort kämpfte 1974 unter anderem ein gewisser Mike Sinyard mit Artikulation und Schwerkraft. Das College war geschafft. Der Rad-Trip durch Europa genau das Richtige, um nach der Paukerei ordentlich die Sau rauszulassen. Ausgerechnet in einer bayerischen Trinkhalle hatte Mike die Idee, sein Geld künftig mit Radteilen zu verdienen. Eine Zecherei mit Folgen.
Zurück in Amerika verscherbelte Sinyard sofort seinen klapprigen VW-Bus. Die 1500 Dollar Erlös waren das Startkapital für seine Vertriebsfirma von italienischen Rennradteilen. Rahmenbauer Tom Ritchey war einer von Sinyards ersten Kunden. „Der erzählte mir von diesen neuartigen Mountainbikes“, erinnert sich Sinyard, der sich umgehend von Ritchey solch ein Bike schweißen ließ. Eine schicksalhafte Begegnung: „Das Bike gab mir das Gefühl, wieder ein Kind zu sein“, schwärmt Sinyard heute noch. Das Problem damals: Bikes waren - wenn überhaupt - nur über wenige kleine Garagen-Schmieden zu bekommen, Vorkasse und viel Geduld vorausgesetzt. „Das müsste anders laufen“, dachte sich Geschäftsmann Sinyard. Das naive Hippie-Flair der Szene kam ihm dabei entgegen. Die Rahmen-Schweißer dachten damals an alles Mögliche, nur nicht an Patente.
So war es Sinyard 1980 ohne große Entwicklungsarbeit möglich, unter dem Namen „Specialized“ 450 Rahmen bei einer Firma in Japan in Auftrag zu geben. 450 Stück! Eine bis dahin noch nie da gewesene Menge. Knapp 750 Dollar kostet das Stumpjumper (zu Deutsch: Wurzelspringer) - mit französischen Mafac-Bremsen, Suntour-Schaltung und Kurbeln der Schmiede TA. Die Garagen-Schmieden verlangten das Doppelte bei langer Wartezeit. Kein Wunder, dass die erste Serie innerhalb weniger Wochen ausverkauft war. Das Tor in die weltweite Radszene war aufgestoßen, die Saat bestellt. Mountainbiken konnte vom Freak-Sport zur Sportart wachsen.
Das Stumpjumper ist wohl der entscheidende Meilenstein in der Erfolgsstory des MTB, der erste richtige Schritt nach den jahrelangen Krabbelversuchen von Bike- Pionier Gary Fisher und seinen „Klunker“-Jungs. Fast schon hellseherisch bewarb Sinyard 1982 seinen Stumpjumper mit doppelseitigen Anzeigen: „Das ist nicht nur ein neues Bike, das ist ein neuer Sport.“
Technisch war das Bike eher lausig. Das Stumpjumper hatte einen viel zu langen Radstand - zwei Zentimeter länger als heutige Bikes. Kurven waren damit die reinste Plage, erinnerte sich Cross-Country-Legende Ned Overend später in einem Interview. Und auch die Art und Weise der Entstehung war heftig umstritten. Tom Ritchey sieht im Stumpjumper bis heute eine Kopie seines für Sinyard geschweißten Rahmens. Bike-Pionier Joe Breeze behauptet, eine seiner Konstruktionszeichnungen habe als Vorlage gedient, diese sei über Steuersatz-Guru Chris King in Sinyards Hände gelangt.
Geniestreich oder Plagiat? Wie auch immer, die Welle war nicht mehr aufzuhalten. Biken wurde zum Volkssport. Die kleine Nische zu einem boomenden Weltmarkt. Der Sport zu einer olympischen Disziplin. Bis heute setzt Specialized mit dem Stumpjumper immer wieder Trends. 1990 zum Beispiel war der Rahmen der erste und einzige der Welt, der aus Carbon-Rohren und geschweißten Titan-Muffen zusammengefügt wurde. Eine Saison später präsentierte Specialized einen zunächst limitiertes Stumpjumper aus der Alu-Legierung „M2“. Bis dahin war das Material nur in der Luftfahrt verwendet worden. Später erlangte das Stumpjumper als voll gefederte „FSR“- Version Weltruhm.
Weit mehr als Jahre ist die Geburtsstunde des ersten Serien-Bikes inzwischen her. Die Pionierzeit ist vorbei, das Stumpjumper ist geblieben. Zeit für Oktoberfestbesuche hat Mike Sinyard heute nicht mehr. Das Stumpjumper hat aus seiner Bierlaune ein riesiges Unternehmen gemacht. Und es sieht nicht so aus, als würde sich irgendwann eine Staubschicht über den Klassiker legen.
Marin County: Das Herz des Mountainbikens
Marin County ist Teil der sogenannten San Francisco Bay Area, nahe der Stadt San Francisco im Norden Kaliforniens. Ungefähr eine viertel Million Menschen leben in Marin County, das für die Städter der Metropolregion San Francisco traditionell ein Naherholungsgebiet darstellt.
Die Gegend bietet seinen Besuchern ein abwechslungsreiches Programm, das von blühenden Wäldern mit Mammutbäumen und ausgedehnten Wanderwegen über wundervolle Küstenabschnitte und einmalige kulinarische Entdeckungstouren oder auch Museen und Freilufttheater reicht.
Aber Marin hat auch eine reiche Musikvergangenheit: Grateful Dead, Journey, Jefferson Airplane und Starship, Steve Miller und viele andere trugen zur reichen Historie der Musikkultur in Marin bei.
Das Marin „Museum of Bicycling“ ist eine gemeinnützige Organisation, die die Wahrnehmung des Fahrrads in der Öffentlichkeit verbessern und das Verständnis für Fahrrad-Geschichte und Kultur fördern will. Die öffentliche Wertschätzung des Fahrrads als effizienteste Form des Verkehrs, die je ersonnen wurde, soll erweitert werden.
Das Museum ist in Fairfax, Kalifornien, angesiedelt, offiziell als gemeinnützige Bildungseinrichtung anerkannt und von Freiwilligen, also ehrenamtlich, geschaffen und betrieben. Es ist auch die neue Heimat der „Mountain Bike Hall of Fame“, die in Crested Butte, Colorado im Jahr 1988 gegründet wurde.
Die Sammlung enthält Exponate von den 1820er Jahren bis heute. Die Eröffnung des 3.000 Quadratmeter großen Komplexes, zu dem auch ein Kino gehört, fand am 6. Juni 2015 statt.
Marin Bikes ist in einem Bike-Mekka entstanden und noch heut das Unternehmen dieselben Trails und Strecken, auf denen die ersten Mountainbikes das Licht der Welt erblickten.
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