Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt man. Trotzdem gibt es Proportionen, Formen, Linien, die (fast) alle schön finden. Der Streit darüber, was ein schönes Motorrad ausmacht, ist so alt wie die Redaktion MOTORRAD selbst. Findet sich bei der Beurteilung fahrdynamischer Fähigkeiten schnell eine gemeinsame Basis, liegt bei der Frage nach dem Aussehen vieles über Kreuz. Deshalb wurde abgestimmt, wurden sieben Motorräder aus den unterschiedlichsten Kategorien gewählt.
Um eine objektivere Perspektive zu erhalten, nahm MOTORRAD die Hilfe eines Profis in Anspruch. Hans-Georg Kasten, Chef von target-design, hat darauf eine ganz einfache Antwort. »Weil die Proportionen stimmen.« Dieses zentrale Glaubensbekenntnis der Designer gilt vor allem in der emotional besetzten Welt des motorisierten Zweirads.
Die Proportionen als Schlüssel zur Schönheit
Laut Kasten war die Ducati 916 ohne Frage ein ganz großer Wurf. Wegen der Proportionen. Geradlinig, ohne Schnörkel, da passe die Front zum Tank, der Tank zum Heck und damit sei schon das Meiste gewonnen. Die damals neuartige Anordnung der Scheinwerfer, die unter den Höcker gelegte Auspuffanlage und der freie Blick aufs Hinterrad: alles schön, aber Beiwerk. Ohne die Proportionen wäre alles nichts.
Ein Urteil, das Kasten uneingeschränkt auch für Harleys V-Rod gelten lässt. Die kraftvollen Formen würden diese Art, Motorrad zu fahren, perfekt wiedergeben. Mit einem mächtigen Heck, einem nur angedeuteten Tank und diesem flachen Lenkkopfwinkel. Bei so viel Stimmigkeit mag Kasten über kleinere gestalterische Fehlgriffe hinwegsehen, auch wenn er sie in markigen Worten abkanzelt. »Die Kühlerverkleidung ist eine Katastrophe, der Scheinwerfer auch. Und wie die Instrumente aus der Gabelbrücke wachsen, das erinnert an einen Stiftzahn.«
Pech für die Moto Guzzi V 11 Sport Scura. In der MOTORRAD-Wertung weit vorn, stutzt Kasten sie auf Designer-Maß zurecht. »Da haben die mit diesem Motor eine perfekte Basis für verhaltene Sportlichkeit. Und was tun sie? Pfropfen diese unglückliche Kombination von Tank und Sitzbank auf.« Einwand, euer Ehren, wir finden sie doch schön. Doch Kasten ist nicht zu bremsen. »Design muss auch kommerziell erfolgreich sein, bedeutet: in Konzepten denken und die Psychologie des Marktes verstehen. Vor 20 Jahren war Moto Guzzi Vorbild, heute verspielen sie Chancen. Der Neuanfang muss radikal sein.« Ob er dabei Triumph im Auge hat? Deren Speed Triple brach mit alten Traditionen, war radikal anders. Kasten nennt das »die Kommerzialisierung einer nicht kommerziellen Welt mit erstaunlich geringen Mitteln«. Denn abgesehen von den feststehenden Doppelscheinwerfern und dem Plastikaufsatz darüber sei »der Rest mehr oder weniger gewöhnlich«. Keine bahnbrechende Design-Meisterleistung.
Ebenso wenig wie die KTM 525 EXC. Die sei professionell gemacht, weil sich diese Form im Gelände, wo es einzig um die Funktion gehe, durchgesetzt habe. »Eine Enduro könnte aber auch ganz anders aussehen«, ist sich Kasten sicher. Immerhin attestiert er den Mattighofenern, sich durch Farbe und Grafik einen eigenen Charakter erarbeitet zu haben.
Den gesteht er auch Yamahas R1 zu, dem einzigen japanischen Motorrad im Feld. »Normalerweise zeichnet sich diese Art von Motorrädern durch üppige Bemalung aus. Die R1 kann getrost darauf verzichten. Vor allem die Seitenansicht wirkt stimmig, während aus anderen Perspektiven nicht alles aus einem Guss ist. Trotzdem: die R1 hat jenen Charakter, den ich an anderen japanischen Motorrädern vermisse.«
Bei der MV Agusta F4 vermisst den ganz sicher niemand. Auch nicht Hans-Georg Kasten. Dass sie in seiner persönlichen Rangfolge trotzdem hinter der Ducati liegt, hat einen anderen Grund. »Die 916 war ein Meilenstein, die MV ist ein »Me-too-Produkt«. Das gab es schon. Trotzdem hat sie im Detail viele interessante Lösungen.« Wir merken: Schön sein ist schwerer, als wir dachten.
Die 10 schönsten Motorräder aller Zeiten - eine persönliche Auswahl
Wir präsentieren eine persönliche Auswahl der schönsten Motorräder aller Zeiten:
- MV Agusta F4 750: Die glatten Flächen, die Farbkombination in Rot und Silber und am meisten der knackige Ar... machen die F4 der ersten Serie zu einem Meisterwerk.
- Husaberg FE 501: Die kompromisslose Natur, das niedrige Gewicht und die Leistung der frühen Modelle sind auch heute noch beeindruckend.
- Ducati Monster 1100: Der klassische Rundscheinwerfer, Gitterrohrrahmen, zum Fahrersitz hin abfallenden Tank und das knackige Heck machen sie sofort eindeutig identifizierbar.
- Vespa 946: Die Form der allerersten Modelle wie etwa der MP6 ist immer noch am allerschönsten - und genau diese Form greift die moderne 946 wieder auf und perfektioniert sie sogar.
- Ducati 1098: Sie hat unübersehbar das Erbe der 916 eindrucksvoll angetreten.
- Moto Guzzi Griso: Der typische längs verbauten V2-Motor mit den seitlich schräg nach oben gerichteten Zylindern ist ein absolutes Markenzeichen und die Griso setzt mit ihrem einzigartigen Design noch eins drauf.
- Yamaha YZF-R1: Die zweite Generation schaffte den Spagat zwischen brachialer Kraft und Eleganz perfekt.
- Kawasaki Drifter: Sie sieht tatsächlich unglaublich cool und edel aus und hat dazu noch die Zuverlässigkeit und solide Technik einer Japanerin!
- Aprilia Tuono 1000 R: Eine Außenseiterin, die niemals den Geschmack der Masse traf. Auch technisch ein großer Wurf, wurde sie immer unterschätzt und die Optik war vielen zu verspielt.
Die Qual der Wahl: Welches Motorrad ist das Richtige?
Die Naked Bike Klasse war schon immer ein Schmelztiegel unterschiedlicher Philosophien. Hier treffen japanische Perfektion auf österreichische Rebellion, hier kämpft bewährte Technik gegen innovative Konzepte. Die Preise? Erstaunlich nah beieinander. Doch Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit.
Ein Vergleichstest des Jahres 2025 mit fünf aktuellen Naked Bikes zeigt, dass es nicht das eine perfekte Motorrad gibt. Die Honda CB1000 Hornet SP sicherte sich den Gesamtsieg, gefolgt von der Yamaha MT-09 SP und der Suzuki GSX-S1000. Jedes Motorrad hat seine Stärken und Schwächen, und die Wahl hängt letztendlich von den persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen des Fahrers ab.
Die Honda ist der Überflieger für Puristen - mechanisch perfekt, elektronisch spartanisch, preislich attraktiv. Die Yamaha MT-09 SP bietet Hightech perfekt für Genießer, die es komfortabel mögen. Die Kawasaki Z900 SE ist der Allrounder schlechthin - sie macht nichts falsch und fast alles richtig. Die Suzuki GSX-S1000 ist die unterschätzte Größe - souverän, erwachsen, mit Rennstrecken-DNA. Und die KTM 990 Duke? Sie polarisiert und ist etwas für Individualisten.
Tabelle: Ergebnisse des Naked Bike Vergleichstests 2025
| Platz | Motorrad | Durchschnittsnote |
|---|---|---|
| 1 | Honda CB1000 Hornet SP | 2,21 |
| 2 | Yamaha MT-09 SP | 2,94 |
| 3 | Suzuki GSX-S1000 | 3,03 |
| 4 | Kawasaki Z900 SE | 3,26 |
| 5 | KTM 990 Duke | 3,38 |
Die wahre Entscheidung fällt nicht über den Geldbeutel, sondern über das Herz. Welchen Charakter suchen Sie? Die Antwort darauf kann nur eine ausgiebige Probefahrt liefern.
Motorrad des Jahres 2023
50.096 Leserinnen und Leser haben an der MOTORRAD Leserwahl 2023 teilgenommen! Hier werden die Sieger in 12 Kategorien enthüllt.
- Tourer/Sporttourer: BMW R 1250 RS
- Sportler: BMW M 1000 RR
- Chopper/Cruiser: Triumph Rocket 3 R/GT
- Enduros/Supermotos: Yamaha Ténéré 700
- Adventure Touring: BMW R 1250 GS
- Crossover: Ducati Multistrada V4 Pikes Peak
- Naked Bikes: Ducati Streetfighter V2
- Power Nakeds: BMW M 1000 R
- Modern Classics: Kawasaki Z 900 RS/SE
- Einsteiger Bikes: KTM 390 Duke
- 125er: KTM 125 Duke
- Roller: Vespa GTS 125/300
Verwandte Beiträge:
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Sauertal Radweg Karte: Streckenverlauf, Sehenswürdigkeiten & Tipps
- Kettenteilung beim Motorrad berechnen leicht gemacht – Der ultimative Leitfaden für präzise Ergebnisse!
Kommentar schreiben