Ducati Monster 821 Schwarz im Test: Eine Ikone im Detail

Nein, Liebe auf den ersten Blick ist es nicht. Wer die erst dieses Jahr erschienene Monster 1200 mit ihren vielen feinen Details noch vor Augen hat, erkennt schnell, dass die Monster 821 unter einem gewissen Spardiktat entstanden ist. Unter anderem sind die schöne Einarmschwinge und die Verstellmöglichkeiten der USD-Gabel auf der Strecke geblieben. Freilich ist das verständlich, denn die Monster 821 soll trotz ihres aufwendigen Testastretta-Motors nicht viel mehr als 10.000 Euro kosten, während die Zwölfhunderter fast 3.000 Euro höher liegt.

Die Ducati Monster 821 wurde bis 2020 gebaut und ist nur noch gebraucht erhältlich. Welche Stärken und Schwächen das sportliche Mittelklasse-Naked-Bike hat, zeigt der Fahrbericht aus der Zeitschrift MOTORRAD 24/2017.

Als im Oktober 1992 die Ur-Version M 900 vorgestellt wurde, ahnte noch niemand, dass im folgenden Vierteljahrhundert mehr als 320.000 Exemplare den V2-Takt orchestrieren würden. Es ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass jahrzehntelang Monster über die Straßen der Welt räuberten.

Motor und Leistung

Zu verdanken ist dies primär dem bestens im Futter stehenden Zweizylindermotor. 112 PS nennt das Datenblatt, und dazu ein beträchtliches Drehmoment von rund 90 Newtonmetern. Die Drehmomentkurve ist trotz des sportlichen Motor-Layouts keineswegs besonders spitz, so dass schon bei mittleren Drehzahlen praktisch immer mehr als nur ausreichend viel Kraft zur Verfügung steht. Zudem flitzt das Triebwerk bei Bedarf durchs Drehzahlband bis nahe 10.000 Touren, dass es eine reine Freude ist.

Unter frechem V2-Stakkato aus dem neuen, kantig akzentuierten Endschalldämpfer schießt die Monster engagiert vorwärts, läuft bereits unterhalb von 3000 Touren rund. Herrlich!

Fahrmodi und Elektronik

Das Motor-Management der neuen Monster ist natürlich up-to-date. Da die Voll-Elektronisierung der Monster 821 auch die Einbeziehung von ABS und Traktionskontrolle möglich macht, sind aus den drei Motor-Mappings drei differierende Fahrprogramme geworden. Natürlich ist auch diese Technologie der Monster 821 von der 1200er abgeleitet worden.

Intuitiv und mit nur einem Druck auf den Blinkerschalter an der linken Lenkerarmatur kann man eines der drei vorkonfigurierten, jedoch individualisierbaren Mappings auswählen. Sport, Touring (jeweils volle Leistung) und Urban (Leistung auf 75 PS reduziert) stehen zur Wahl, justieren die achtstufige Traktionskontrolle, das dreistufige ABS und den Power-Mode des Motors gleich mit. Noch erfreulicher ist es, dass der V2 in allen Modi gefühlvoll anspricht, im Sport-Modus Gasbefehle lediglich schneller, aber eben nicht härter umsetzt. Lastwechselreaktionen halten sich dabei ebenso in Grenzen wie die Vibrationen des Motors. Letztere sind zwar spürbar, aber nie störend.

Die Fahrmodi lassen sich übrigens während der Fahrt vom Lenker aus verstellen und zudem individuell verändern. Komplettiert wird das „Ducati Safety Pack“ durch eine in acht Stufen einstellbare Traktionskontrolle, die wie das ABS abschaltbar ist und vom Urban- über den Touring- bis hin zum Sport-Modus immer später regelnd eingreift.

Fahrwerk und Bremsen

Nicht nur akustisch, auch fahrdynamisch. Denn das gut abgestimmte Fahrwerk ist straff und direkt genug für sportives Angasen und zugleich komfortabel genug, um nicht gleich die Bandscheiben k.o. gehen zu lassen. Genauso messerscharf wie das Fahrwerk - der Radstand ist merkbar kürzer als bei der 1200er Monster - tut die feine Dreischeiben-Bremsanlage ihren Dienst, die zudem über ein unterschiedlich einstellbares, sehr hochwertiges Bosch-ABS verfügt. Kehrseite der sehr aktiven Fahrwerksabstimmung ist, dass das Fahrwerk nervös auf feine Unebenheiten des Straßenbelags reagiert; zudem verzeichneten wir eine leichte Aufstellneigung beim Bremsen in Kurven.

Die nicht einstellbare 43-Millimeter-Upside-down-Gabel dürfte dennoch etwas mehr Druckstufendämpfung besitzen, außerdem auf Querfugen feiner ansprechen. Das Federbein wiederum dämpft satt, kann in der Federbasis und der Zugstufe feinjustiert werden.

Design und Ausstattung

Zudem ist der Gitterrohrrahmen genauso identisch wie beispielsweise der Scheinwerfer, der am Rand eine hübsche LED-Kette aufweist. Auch der wunderbare Schwung der Krümmeranlage auf der rechten Fahrzeugseite und die gegossenen Sozius-Fußrastenausleger finden sich an beiden Fahrzeugen gleichermaßen.

Über dem Scheinwerfer prangt ein TFT-Farbdisplay. Es löst das monochrome Vorgänger-Instrument ab und liefert die volle Bandbreite an wichtigen Infos wie den eingelegten Gang, den Durchschnittsverbrauch und die Restreichweite. Die Ablesbarkeit bleibt dank kräftigen Kontrasts selbst bei direkter Sonneneinstrahlung erhalten.

Er verpasst der 821 im Vergleich zur Vorgängerin eine knackigere Linie, die wunderbar vom Heckrahmen aufgenommen und weitergeführt wird. An diesem sind die Soziusfußrasten befestigt. So haben die Stiefel des Fahrers mehr Spielraum nach hinten.

Ergonomie und Komfort

Womit wir schon beim ersten Kritikpunkt sind: Auch bei der 821 lässt sich der rechte Fahrer-Stiefel nicht „sportlich“, nämlich mit dem Ballen, auf der Raste platzieren, weil der dafür nötige Raum nach hinten fehlt. Der erwähnte Auspufftopf ist aber nicht nur aus dem eben genannten Grund für den Fahrer allgegenwärtig, sondern auch deshalb, weil den Ducati-Technikern bei der Monster 821 ein wirklich genialer Sound gelungen ist.

Erheblich aufgewertet wurde der jetzt in zwei Höhen verstellbare Sitz: Er ist jetzt sowohl im Fahrer- wie im Soziusbereich besser gepolstert.

Mit der guten, entspannten, aber dennoch aktiven Sitzposition, dem angenehm breiten Lenker, dem neutralen Lenkverhalten und dem tollen Kompromiss aus agilem Handling und Stabilität bietet die Mid-Size-Monster beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Motorrad-Saison. Zumal sie optional mit einem Schaltautomaten ausgestattet ist.

Technische Daten

Hier eine Übersicht der technischen Daten:

Merkmal Daten
Motor Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor
Hubraum 821 cm³
Nennleistung 82,4 kW (112 PS) bei 9250/min
Max. Drehmoment 89 Nm bei 7750/min
Radstand 1480 mm
Gewicht vollgetankt 206 kg
Tankinhalt 16,5 Liter

Preis und Verfügbarkeit

Wer auf mattschwarz steht, kann die Monster 821 ab Juli schon für 10.490 Euro kaufen; die in rot und mattweiß mit roten Rädern erhältliche Standardversion ist 200 Euro teurer; bei ihr ist die Soziussitz-Abdeckung im Preis enthalten.

Die Ducati Monster 821 ist ein schön anzuschauendes Mittelklasse-Nakedbike geworden und hat den Ruch des „Einsteigerbikes“ vollkommen abgelegt. Weil es sie auch als 48 PS-Version, gibt, ist sie auch für A2-Fahrer interessant. So muss sie sich vor keinem Konkurrenten verstecken.

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