“Das verrückteste Radrennen der Welt” ist ein Film von Stephan Wieser fürs ZDF. In der Dokumentation zeigt er Höhen und Tiefen von Jana Kesenheimer und Joschka Völkel während des Transcontinental Race 2024. Die Doku gibt ehrliche Einblicke, eine Empfehlung!
Das Transcontinental Race (TCR)
Das Rennen, abgekürzt TCR, gilt als eines der härtesten der Ultracycling-Szene. 2024 fand das Rennen, kurz TCR, zum zehnten Mal statt. Dieses Jahr mussten die Teilnehmenden von Roubaix nach Istanbul radeln. Die Route, etwa 4000 Kilometer und 42.000 Höhenmeter, musste größtenteils selbst geplant werden.
Gesetzt waren einige Checkpunkte sowie Pflicht-Parcours. Außerdem gab es eine Liste mit verbotenen Straßen und mehr. Wer eine verbotene Straße nutzt, wird disqualifiziert. Die Regeln des Transcontinental Race sind einfach, die Durchsetzung streng. Keine Hilfe von außen - und nicht untereinander und ein paar mehr.
Das macht es auch schwierig, ein solches Rennen filmisch zu begleiten, denn Foto- und Videografen dürfen nur kurz bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern sein und müssen in der übrigen Zeit großen Abstand halten. Beide Protagonisten hatten scheinbar eine Kamera dabei, oder haben per Smartphone festgehalten, was passiert.
Die Protagonisten
Der Film bietet tiefe und ehrliche Einblicke in die Gefühlslage der beiden Protagonisten, zeigt aber auch mal andere Teilnehmende. Erschöpfung, Überwindung, Hochgefühle: die deutschen Ultracycling-Athleten Jana Kesenheimer und Joschka Völkel beim TCR, dem härtesten Radrennen der Welt - über 4000 km ohne Hilfe.
Jana Kesenheimer
Jana Kesenheimer ist nicht nur in der Welt des Ultracyclings eine bekannte Größe. Man kann sagen, Jana ist ein “alter Hase” in dem Bereich. Sie bringt viel Rennerfahrung mit und erfüllt sich mit ihrer Teilnahme am TCR einen Traum.
Der Film Three Peaks and in between, ebenfalls von Stephan Wieser, hat sie beim Three Peaks Bike Race gezeigt und zahllose Menschen inspiriert, selbst loszufahren. Hervorzuheben ist hier, wie viele Frauen sie durch ihre Präsenz, ihren Mut, ihre Leidenschaft ermutigt und inspiriert, sich auch mal auf eine Langstrecke zu wagen.
Kesenheimer stammt aus Baden-Württemberg und war schon immer sportlich, sie lief Marathons und absolvierte Triathlons. 2018 ging sie nach Innsbruck, um an der dortigen Universität ihren Doktor in Psychologie zu machen - und entdeckte, dass sie auf dem Rad eine talentierte Bergfahrerin ist. Wenn sie etwas mache, dann richtig, das sagt Kesenheimer in verschiedenen Interviews über sich selbst.
Also stieg sie mit aller Energie in den Radsport ein und trainierte für den Ötztaler Radmarathon, der mit Start und Ziel in Sölden über mehr als 200 Kilometer und gut 5.000 Höhenmeter führt. Kesenheimers ehrgeiziger Plan: ein Platz in den Top-Ten der Frauen.
Doch es kam anders als geplant. Kurz vor dem Rennen stürzte die Psychologin im Training schwer, ihr Vorderrad hatte sich im Asphalt verkantet. Kesenheimers Kiefer war mehrfach gebrochen. Und erstaunlicherweise habe sie Erleichterung verspürt, den "Ötztaler" nicht fahren zu müssen, erzählt Kesenheimer im "The Red Bulletin", dem Magazin eines ihrer Sponsoren. Ihr sei nicht bewusst gewesen, wie viel Druck sie sich selbst wegen des Rennens gemacht habe. Ich bin erschrocken, dass dieser Freizeitsport so einen enormen Stellenwert für mich hat.
Danach schwenkte Kesenheimer auf das um, was ihr ohnehin am meisten Spaß macht: Lange Radtouren. Gern mit Gepäck. Aber das Wettkampf-Gen in ihrem Erbgut konnte sie nicht ausschalten. Und auch für diese Art des Radfahrens gibt es Wettbewerbe. Beim Ultracycling - das wohl bekannteste Rennen ist das "Race Across America" von der Westküste der USA zur Ostküste - radeln die Teilnehmer Tausende Kilometer mit Zigtausenden Höhenmetern und sind dabei ganz auf sich gestellt.
Was sie unterwegs brauchen, transportieren sie auf dem Rad. Die Route müssen sie, abgesehen von vorgeschriebenen Stopps an bestimmten Checkpoints, selbstständig planen. Sie schlafen am Straßenrand oder in Hotels, die Profis essen auf dem Rad und putzen sich auch dort die Zähne. Hilfe von außen anzunehmen oder gar ein Stück weit eine Mitfahrgelegenheit zu nutzen, ist absolut verboten.
Ihr Debüt im Ultracycling gab Kesenheimer beim "Three Peaks Bike Race" von Wien nach Nizza, sie wurde auf Anhieb Dritte und ein Jahr später siegte sie bei den Frauen und wurde insgesamt Fünfte. Kesenheimer machte sich schnell einen Namen in der Szene, heute gehört sie zu den weltbesten Frauen.
Vor dem Transcontinental Race hatte sie dennoch enormen Respekt, das Rennen war lange ihr großer Traum gewesen. Sie meisterte es dann bewundernswert souverän und schrieb anschließend auf Instagram: "Das Beste ist, dass mir dieses Rennen einen richtigen Selbstbewusstseins-Boost gegeben hat." Es sei ein großartiges Gefühl, "etwas komplett auf dich allein gestellt erreicht zu haben, das einst wie ein surreales und gigantisches Ziel gewirkt hat."
Nach 4.000 Kilometern, kurz vor dem Ziel in Istanbul, hätte eine Katze beinahe noch den großen Traum von Jana Kesenheimer platzen lassen. Sie sprang der 30-Jährigen unvermittelt vor das Fahrrad und sorgte für einen Sturz. Kesenheimer fluchte erst und weinte dann. Aber alles war heile geblieben, an ihr und an ihrem Fahrrad. Sie konnte auch die letzten Meter noch absolvieren und erreichte nach 4.008,61 Kilometern und nahezu 45.000 Höhenmetern in elf Tagen das Ziel des "Transcontinental Race" 2024. Als erste Frau.
Joschka Völkel
Joschka hat vor dem Transcontinental Race noch an keinem anderen Ultracycling Event teilgenommen. Das TCR ist also sein Debüt. Und sicher auch die Erfüllung eines Traumes für ihn.
Tiefe und ehrliche Einblicke
“Heute habe ich keinen Bock”, gibt Jana Kesenheimer an Tag 3 zu. Irgendwie beruhigend, dass es so starken Fahrerinnen wie Jana auch mal so geht. Joschka berichtet von Knieschmerzen und eine kaputte Luftpumpe bringt seine Weiterfahrt ins Wanken.
Weitere Informationen
Die "sportstudio reportage" begleitet die Ultracycling-Aktiven Jana Kesenheimer und Joschka Völkel bei diesem sportlichen Abenteuer, bei dem es zu improvisieren gilt: am Straßenrand schlafen, alle Ausrüstung selbst transportieren und gegen extremes Wetter kämpfen. Der Film von Stephan Wieser ist ab Freitag, 25. Oktober 2024, in der ZDFmediathek zu sehen.
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