DDR Rennfahrer Motorrad Geschichte

Die Geschichte des Motorsports in der DDR ist reich an Erfolgen, Tragödien und technischen Innovationen. Der Sachsenring, gegründet 1927, ist ein zentraler Ort dieser Geschichte und jährlicher Austragungsort des deutschen Motorrad-Grand-Prix.

Entlang einer chronologischen Rennstrecke können Besucher die Entwicklung des Sachsenrings nachvollziehen: von den ersten Badberg-Vierecks-Rennen 1927 über den Großen Preis von Europa in den 1930er Jahren, die Weltmeisterschaftszeit von 1961 bis 1972, das Ende der alten Rennstrecke 1990 bis zum Neubeginn des MotoGP auf dem Sachsenring 1998.

Technische Entwicklung der Rennmaschinen

Die technische Entwicklung der Rennmaschinen von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart wird durch 30 Motorräder dokumentiert. Darunter finden sich Namen wie Ifa-DKW, BMW, Bianchi, Yamaha, Suzuki, Ducati, Honda, Montesa und natürlich MZ in zahlreichen Varianten.

Als herausragendes Beispiel für die Zeit der Autorennen in der "Formel 1 des Ostens" steht der DDR-Rennwagen MT 77 auf dem Sachsenring.

Vielfalt des Rennsports am Sachsenring

Themen wie der "Kleine Sachsenring" von 1949 bis 1960, die Rad-WM 1960, ein Starterfeld, Frauen am Ring, der Kampf MZ gegen Honda, Organisatoren und Helfer an der Strecke, Risiken und Unfälle sowie die Entwicklung der Minibikes zeigen die Vielfalt des Rennsports am Sachsenring.

Mit der Inszenierung eines Hochsitzes und dem Campingplatz in den 1960er Jahren wird aus Besuchersicht ein Blick auf das jährliche Großereignis geworfen. Thematisiert sind auch das Sachsenringfieber und die Vermarktung des Rennspektakels.

Große Legenden und unbekanntere Rennfahrer

In der Ausstellung sind die Namen der großen Legenden wie auch die der zahllosen unbekannteren Rennfahrer zu finden: Jimmie Guthrie, Ewald Kluge, Christa Böttcher, Helga Heinrich-Steudel, Giacomo Agostini, Heinz Melkus, Horst Fügner, Dieter Braun, Frank Wendler, Klaus Klötzer, Steve Jenkner, Dirk Heidolf, Ralf Waldmann u. v. a. mehr.

Rennprogramme, Plakate, Siegerpokale und Siegerkränze, Rennbekleidung und Helme begleiten die chronologische Entwicklung der über 90-jährigen Rennstrecke.

Neu hinzugekommen ist ein Kinobereich, in dem vier Filme von den Anfängen der Rennstrecke 1927 bis in die heutige Zeit auszuwählen sind.

Das 1936 entwickelte Sachsenring-Spiel kann auf einer vergrößerten Darstellung auf dem Fußboden von Jung und Alt gespielt werden. Mit einem Foto auf dem Siegertreppchen oder im Kinderrennauto vor dem alten Start- und Zielturm kann der Museumsbesuch als bleibende Erinnerung mit nach Hause genommen werden.

Ernst Degner und seine Flucht

Er sollte den ersten WM-Titel für den Motorsport der noch jungen DDR holen: Ernst Degner. Doch der MZ-Pilot, der noch im Juli mit seinem Sieg auf dem Sachsenring 250.000 Zuschauer in Ekstase versetzte, hat andere Pläne. Er ist wild entschlossen, die DDR zu verlassen. Und zwar für immer.

Dabei hätte die DDR eine Erfolgsgeschichte gerade gut gebrauchen können. Der Arbeiter- und Bauernstaat durchlebt die schwierigste Phase seit seiner Gründung. In Berlin ist Wochen zuvor der "antifaschistische Schutzwall" errichtet worden, die Mauer.

Am 12. August 1961 startet Degner beim Ulster Grand Prix im irischen Dundrod und erringt einen zweiten Platz. Glücklich und zufrieden fällt er am Abend nach dem Rennen ins Bett. In der Gewissheit, dass seine Frau Gerda, die an diesem Tag mit ihren beiden Söhnen nach Potsdam gereist ist, am nächsten Morgen die Republik mit der S-Bahn für immer verlassen wird.

Monza, Anfang September 1961: Degner übernimmt mit seinem Grand-Prix-Sieg die Führung in der WM-Wertung. Vor dem Start im schwedischen Kristianstad ist er außergewöhnlich nervös. Doch im Zschopauer Racingteam fällt das niemandem auf. Schließlich kann der MZ-Star Weltmeister werden.

Niemand ahnt, dass Degner noch einen anderen Grund hat, ziemlich unruhig zu sein. Auf dem Weg nach Schweden hat er erfahren, dass Frau und Kinder im Kofferraum eines amerikanischen Straßenkreuzers in den Westen geschleust worden sind.

Das Rennen um den Großen Preis von Schweden gerät für MZ zum Desaster. Da aber auch Degners Mitkonkurrenten auf ihren Hondas patzen, nehmen alle seinen Kolbenfresser als gegeben hin. Der DDR-Fahrer liegt in der WM-Wertung noch immer vorn.

In der Nacht nach dem Rennen setzt sich der kommende Weltmeister ab und übergibt dem Fluchthelfer vom japanischen Suzuki-Team zunächst die avisierten Bauteile und Konstruktionsunterlagen des MZ-Zweitakters.

Für Degner ist es die Anschubfinanzierung für sein neues Leben. Am 1. Oktober füllt Ernst Degner ein letztes Mal die Schlagzeilen der DDR-Presse. Das SED-Sprachrohr "Neues Deutschland" meldet: "Ernst Degner ist zum Verräter geworden, [...] hat sich von kapitalistischen Konzernen kaufen lassen, [...] verriet Werksgeheimnisse über die erstklassigen und in aller Welt gefragten MZ-Maschinen.

Für MZ war die Wirkung von Degners Flucht verheerend. Die erwartete finanzielle Unterstützung des Motorsports vom Staat blieb aus. Kurz vor ihrem Höhepunkt brach die Entwicklung der MZ-Rennmotorräder jäh ab.

Degner selbst gewann für den japanischen Hersteller Suzuki 1962 auf Anhieb den Weltmeistertitel in der neu gegründeten 50-Kubikzentimeter-Klasse. In den Folgejahren konnte er jedoch nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen. 1963 und 1965 stürzte er schwer und trug Verbrennungen und Knochenbrüche davon.

"Gestohlene Geschwindigkeit - Der größte Spionageskandal der Motorsportgeschichte", Original von Mat Oxley, Deutsche Übersetzung aus dem Englischen von Andy Jordan.

Motorsport in der "Mangelwirtschaft" der DDR

Heutzutage scheint es kaum glaubhaft, wie verbreitet der Motorsport in der "Mangelwirtschaft" der DDR war. In dieser Rubrik soll vor allem auf die Vielfalt und die Breitenwirkung des Motorsports eingegangen werden.

Ich möchte hier wenigstens einen Teil der einstigen und auch teilweise heute noch existierenden Vereine innerhalb des ADMV vorstellen. Diesen Bereich der Site gliedere ich geografisch.

Am 2. Juni 1957 wurde im Eichensaal des Hauses der DSF in Berlin der Allgemeine Deutsche Motorsport Verband e.V. gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. Egbert von Frankenberg und Rennfahrer, wie Eugen Bieberle und Silberpfeil-Legende Manfred von Brauchitsch.

Der Motorsportjournalist und langjährige hauptamtliche Mitarbeiter des ADMV Harald Täger hat die Entwicklung und Strukturen des Motorsports in der DDR im Beitrag “Von der Sektion Rennsport zum ADMV” kurz und eindrücklich dargestellt.

Die erste Motorsportveranstaltung in Ostdeutschland nach dem Krieg war wohl das Sandbahnrennen auf der Pferderennbahn Berlin-Karlshorst am 20. Juli 1947. Das erste Straßenrennen in der SBZ fand 1948 in Wittenberg statt.

Es folgten Rennen im Leipziger Stadtpark (heute Clara Zetkin Park) und das Stralsunder Bäderrennen. Noch vor der Gründung der DDR kamen im Jahr 1949 ca. 160.000 Zuschauer zum Schleizer Dreieck und 450.000 zum Sachsenring.

Hartmut Thaßler

Hartmut Thaßler begann seine Rennfahrerkarriere 1963 auf einer selbstgebauten Rennmaschine mit einem 250 cm³-MZ-Motor. Für das "wilde Training" benutzte er unter Beobachtung seiner Fans und Freunde eine Landstraße zwischen Wiederitzsch und Lindenthal bei Leipzig.

Damals begann die Leidenschaft des Bauens, des Verbesserns und des immer wieder in Frage stellen. Da die Motorräder zu Rennbeginn angeschoben werden mussten, war es das Ziel von Hartmut Thaßler, zwei Schritte zu tun, dann ordentlich auf den Sitz springen, um die volle Last auf die Hinterachse zu bringen und dabei die Kupplung los zu lassen. Dies brachte ihm oft schnelle Starts ein.

Die folgenden Bilder sind Aufnahmen von den Rennstrecken: Halle-Saale-Schleife, Bautzener Autobahnring und das Frohburger Dreieck.

Stromhardt Kraft

In seiner neuen Autobiografie erzählt der ehemalige Motorrad- und Autorennfahrer Stromhardt Kraft von seinem Traum Weltmeister zu werden. Um es vorweg zu nehmen, als Weltmeister in die Motorsport-Geschichtsbücher schaffte es der Mann mit dem außergewöhnlichen Vornamen nicht, dennoch errang er im Laufe seiner Karriere Rennsiege auf zwei und vier Rädern.

Bekannt ist Stromhardt Kraft heute vor allem als Organisator des ADAC Haigo Historic Cups (Historische Automobilrennsport Interessengemeinschaft Ostdeutschland).

Wir entdeckten bei der üblichen Durchsicht, die nach jedem Einsatz stattfinden musste, dass mein linkes hinteres Federbein undicht geworden war und wir beschlossen, der Sache sofort auf den Grund zu gehen. Als wir das Ding ausbauten, wurde es plötzlich unruhig im DDR-Fahrerlager.

Ich lief ein paar Meter vor und sah zu meinem Erstaunen, dass Walter Kaaden und Horst Fügner scheinbar auf einem Rundgang durch das Privat-Fahrerlager waren. Das hatte für mich keine große Bedeutung, aber ich hätte mich schon gefreut, wenn Horst Fügner mal wieder bei uns vorbei geschaut hätte.

Ich ging wieder an meine Arbeit zurück und erzählte Helmut und Karin, dass die MZ-Leute sich hier zu uns „verlaufen“ hätten und ich überhaupt nicht verstehen könne, was die hier wollen. Ich erzählte einfach so weiter und brachte unverblümt zum Ausdruck, dass wir für die unwichtig sind und sie an uns ja sowieso kein Interesse haben.

Ich erzählte immer weiter und ließ meiner Meinung freien Lauf. Helmut aber, an den meine kritischen Worte eigentlich gerichtet waren, antwortete mir nicht. So hob ich den Kopf, um zu sehen ob er überhaupt noch da ist und schaute mitten in das Gesicht von Walter Kaaden. Mir blieb bald das Herz stehen, denn genau der sollte das überhaupt nicht hören.

Er war auch ganz ernst und sagte nur leise: „Wenn sie so von uns denken, dann können wir ja wieder gehen.“ Ich war so schockiert, dass ich kein Wort heraus brachte und Helmut versuchte die Situation zu retten, indem er zu Walter Kaaden sagte: „Das hat doch Stromhardt nicht so gemeint.“

Horst Fügner rettete mich wieder einmal und ging einfach zur Tagesordnung über, indem er mich zu meiner sehr guten Trainingszeit beglückwünschte. Dann sagte er: „Wir werden uns das morgen noch einmal anschauen und wenn das wieder so gut läuft…“.

Der tödliche Unfall von Erhard Tatarczyk

Erhard Tatarczyk, ehemaliger Monteur von Helga Heinrich, verunglückte am 14.07.1985 auf dem Sachsenring nach Fahrmanövern gegen seinen Kontrahenten, Gerhard Friedrich, am "Heiteren Blick" und kommt mit knapp 260 km/h von der Strecke ab. Der Rettungswagen wurde zur Unfallstelle in Rennrichtung geschickt. Ihm hinterher fuhr ein Motorrad, dessen Fahrer ein Leibchen mit dem Rot-Kreuz-Symbol trug. Vor der Unfallstelle wurden gelbe Flaggen geschwenkt. Das ist alles Regel-konform.

40 Minuten später kommt Erhard Tatarczyk hinter Jürgen Meißner am "Heiteren Blick" bei einer Kollision mit einem anderen Rennwagen von der Straße ab, stürzt kopfüber mit seinen Rennwagen in einen tiefen Graben am Straßenrand und verstirbt eine Woche später an der Folgen des Unfalls.

In der DDR war es unerwünscht, dass Unfälle dokumentiert wurden. Es gehörte zur Staatsräson, dass es im "Sozialismus" keine Unfälle gibt.

Der Versuch der Ehefrau den Unfall aufzuklären und den Hergang zu rekonstruieren, um die Schuldfrage zu stellen, wurde durch die Staatsanwaltschaft mit den Worten abgewiegelt: „In Sozialismus gibt es keine Unfälle …“ (wörtlich von der Witwe wiedergegeben).

Mit seiner Unterschrift bestätigte der Rennfahrer, dass er bei einem Unfall keine Ansprüche gegen den Veranstalter, dessen beauftragte Personen und gegen die Unfallgegner stellt. Damit kann der Staat zwar Untersuchungen einleiten, muss sie jedoch nicht veröffentlichen.

Es ist purer Sarkasmus, dass ein Drängen auf Untersuchung und die peinliche Klärung der Schuldfrage die Staatsorgane auf den Plan gerufen hätte. Würde das Ergebnis für den Veranstalter oder gar den Staat negativ auslaufen, könnte das auch bedeuten, das man diese Rennstrecke dicht gemacht hätte.

In der beiliegenden Dokumentation des Unfalls ist nur die Rede von einem schwerverletzten Fahrer. Und natürlich waren die Veranstalter aus der Verantwortung raus, denn ein Versagen von stattlicher Seite ist undenkbar. Da Erhard Tatarczyk später im Krankenhaus verstarb, brauchte es auch keine offizielle Erwähnung mehr geben. Nur wer denkt an die Angehörigen?

Der Vollständigkeit halber ist hier noch aus den Stasiakten der Bericht zum tödlichen Unfall, der einen Motorradrennfahrer betraf, dokumentiert. In den Stasiakten befanden sich keine weiteren Hinweise zum Unfall von Erhard Tatarczyk.

ADAC-GT-Cup 1993/94

Als ich vor einiger Zeit Fotos des ADAC-GT-Cups aus den Jahren 1993/94 angeboten bekam, fragte ich mich als erstes, ob sich die Mühe des Katalogisierens lohnt und ob diese Motive ins Portfolio des Archives passen.

Zum Beispiel der 2. Lauf zum Warsteiner ADAC GT-Cup am 29.-30. Mai 1993 im belgischen Zolder. Im ersten Jahr dieses neuen Cups mit einer Markenvielfalt, welche einen heute staunen lässt, waren in der Gesamtwertung die BMW M3 GTR von Johnny Cecotto, dem ehemaligen Motorrad-Weltmeister, und Kris Nissen überlegen.

Wenn auch in Zolder Armin Hahne mit dem Honda NSX gewann, da Cecotto zwanzig Strafsekunden für einen Frühstart auferlegt wurden.

Einer der Starter im damals in zwei Divisionen unterteilten, rießigen Teilnehmerfeld war der Thüringer Hans-Dieter Kessler (*1942 - †2024), der siebenmalige Tourenwagen-DDR-Meister (3x mit Trabant, 4x mit Zastava). Kesser startete damals in der Division II mit einem Nissan 200 SX und nahm im späteren Verlauf seiner Karriere auch noch an Wüstenrallyes teil.

Beim Rennen in Zolder 1993 belegte er einen 28. Gesamtrang und wurde in der Division II Siebenter. 1993 war auch das Jahr in dem sich in Deutschland das Formel-1-Fieber ausbreitete, denn mit dem jungen Michael Schumacher gab es endlich wieder einen Siegfahrer in der Königsklasse.

Kein Wunder also, dass im Rahmenrennen der Formel Junior alle Augen auf Michaels jüngeren Bruder Ralf gerichtet waren. Ralf Schumacher wurde in Zolder Zweiter hinter Wolf Hensler. Schumachers Teamkollege im Abt-Team war Ronny Melkus aus der bekannten Dresdner Rennfahrerdynastie.

Vater Ulli (*1950 - †1990, fünffacher DDR-Meister bei den Rennwagen) und Großvater Heinz (*1928 - †2005, sechsfacher DDR-Meister) machten den Namen Melkus in Ostdeutschland zu einem Synonym für Erfolg im Motorsport. Ronny Melkus war bereits seit 1985 im Kartsport zu Hause. In Zolder 1993 beendete der damals 19jährige das Rennen als Fünfter. Am Ende der Saison hieß die Reihenfolge in der Gesamtwertung Ralf Kalaschek vor Ralf Schumacher und Ronny Melkus.

Hans-Dieter Kessler und Ronny Melkus sind nur zwei Beispiele für Motorsportler aus dem Osten Deutschlands, die sich kurz nach der politischen Wende 1989/90 im gesamtdeutschen Motorsport versuchten. Die Bilddokumente darüber sind Beleg für die Geschichte des Motorsports in der ehemaligen DDR und wie diese in den 1990er Jahren weitergeschrieben wurde.

Ein weiteres Beispiel ist der vierfache Tourenwagen-DDR-Meister Peter Mücke, der nach der Wende dreimal Europameister im Auto-Cross wurde und nach der Jahrtausendwende eines der erfolgreichsten Privatteams im deutschen Motorsport betrieb.

Für die meisten Motorsportler der ehemaligen DDR scheiterte ein Engagement im bundesdeutschen Motorsport am Geld oder den notwendigen Beziehungen, um im großen Renngeschehen mitzumischen.

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