Demo gegen Motorrad Fahrverbot am Sudelfeldpass

Im Südosten Bayerns, am herrlichen Alpenrand, ist der Sudelfeldpass eine der beliebtesten Strecken - nicht nur, aber besonders für Motorradfahrer. Überregional bekannt ist "das Sudelfeld" allerdings auch als umstrittener "Raser-Treffpunkt", Unfallschwerpunkt und dementsprechend als Problemzone. Mit den in solchen Fällen üblichen Begleiterscheinungen: Polizeikontrollen und laufende Diskussionen um Streckensperrungen.

Streckensperrung am Sudelfeldpass

Mitte April 2025, um Ostern, erschienen am Sudelfeldpass plötzlich neue Schilder. Mit unerfreulichem Aufdruck: Streckensperrung für Motorräder auf der B307 (Sudelfeldstraße/Deutsche Alpenstraße) zwischen dem Tatzelwurm und Bayrischzell - von 11 bis 21 Uhr. Immerhin nur in eine Richtung und mit dem Zusatz "Leichtkrafträder frei" - 125er sind von der teilweisen Streckensperrung demnach ausgenommen.

Wann und wo gilt das Motorrad-Fahrverbot am Sudelfeld?

Am Abend des 23. April 2025 veröffentlichte das Landratsamt Rosenheim eine Stellungnahme zu den neuen Schildern: "Die Sudelfeldstrecke (B307) wird ab dem 30. April 2025 bis einschließlich 31. Oktober 2025 saisonal einseitig in Fahrtrichtung Bayrischzell täglich von 11 bis 21 Uhr für Motorräder gesperrt. Die Maßnahme betrifft aus dem Landkreis Rosenheim kommend den Streckenabschnitt zwischen der Einmündung der Kreisstraße RO 52 (direkt im Anschluss an den Parkplatz bei der Einmündung) und der Landkreisgrenze Miesbach.

Für den weiteren Verlauf der B307 bis Bayrischzell gilt eine entsprechende Anordnung des Landratsamtes Miesbach. Mofas und Kleinkrafträder sind von der Sperre ausgenommen. Im kommenden Jahr 2026 gilt die Sperre vom 1. April bis zum 31. Oktober. Nicht von der Sperrung betroffen ist die Gegenrichtung aus Bayrischzell in Richtung Rosenheim."

Teilweise Streckensperrung als Unfallprävention

Als Begründung für das Motorrad-Fahrverbot auf der Sudelfeldstrecke nennt das Landratsamt Rosenheim: Unfallprävention. Explizit: "Hintergrund der Entscheidung ist die seit Jahren hohe Zahl an Verkehrsunfällen auf diesem Abschnitt, insbesondere mit Beteiligung von Motorrädern. Trotz umfangreicher Geschwindigkeitsbegrenzungen, Überholverboten, baulicher Maßnahmen sowie intensiver Polizeikontrollen ist es nicht gelungen, das Unfallgeschehen nachhaltig zu reduzieren. Allein zwischen 2018 und 2024 ereigneten sich auf der Strecke 97 Unfälle mit Motorrad-Beteiligung - mit tragischen Folgen: 2 Menschen starben, 40 wurden schwer verletzt, 58 leicht."

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht", betont Rosenheims Landrat Otto Lederer. "Aber wir müssen handeln. Der Schutz von Leben und Gesundheit steht über allem - und alle bisherigen Maßnahmen haben leider nicht ausgereicht. Die Sperre ist ein schwerwiegender, aber zwingend notwendiger Schritt. Ich appelliere an die Vernunft der Motorradfahrer und hoffe, dass durch die Maßnahme die Zahl der schweren Unfälle in den kommenden beiden Jahren signifikant sinken wird."

Sein Kollege, der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis merkt an: "Wir haben es hier mit einer Strecke zu tun, die in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz schwerer Motorradunfälle war. Unser vorrangiges Ziel ist es, die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer deutlich zu erhöhen."

Die Sperrung gilt probeweise und wird im Rahmen eines zweijährigen Versuchs intensiv ausgewertet. Neben Unfallzahlen und Verkehrszusammensetzung werden auch mögliche Ausweichverkehre beobachtet. Während des gesamten Zeitraums bleibt die Strecke für Motorräder in der Gegenrichtung (von Bayrischzell kommend) befahrbar. Damit bleibt auch die Zufahrt zu gastronomischen Betrieben und für weitere Anlieger gewährleistet. Die Behörden betonen, dass auch weiterhin Ausnahmen für berechtigte Einzelfälle möglich sind.

Die Maßnahme wird von den Landkreisen Rosenheim und Miesbach gemeinsam getragen. Die Entscheidung wurde im Vorfeld mit dem Staatlichen Bauamt Rosenheim, als Straßenbaulastträger der Bundesstraße und Mitglied der Unfallkommission, dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd sowie der Regierung von Oberbayern abgestimmt.

Demonstration des BVDM gegen die Sudelfeld-Sperrung

Seit über drei Monaten ist Ruhe am Sudelfeld - zumindest beschreiben es so einige Anwohner. Die bei Motorradfahrern beliebte Strecke ist seit dem 30. April für Biker einseitig gesperrt. Und was die einen freut, sorgt bei den anderen für Frust. Denn eine Art „Sippenhaft“ für alle Motorradfahrer, nur weil sich manche nicht zu benehmen wissen, stößt an mancher Stelle auf Unverständnis. So auch beim Bundesverband der Motorradfahrer, der am 20. September zu einer Demonstration gegen die Sperrung aufruft.

"Wir lassen uns das nicht gefallen, wir sind ungehalten", macht Rainald Mohr, Vorstandsmitglied im Motorradfahrer-Verband und Referent zum Thema Streckensperrung, deutlich. Und das wolle man mit der Demo auch den Politikern in der Region zeigen. Losgehen soll es am 20. September, ab etwa 12 Uhr, auf der Loretowiese in Rosenheim. Dort sind verschiedene Reden geplant. Zum Abschluss soll ein Demo-Zug in Richtung Sudelfeld, die gesperrte Strecke hinauf bis zum Schnauferlwirt führen.

Railand Mohr vom Bundesverband der Motorradfahrer macht deutlich: „Wir lassen uns das nicht gefallen, wir sind ungehalten“. Also genau über die Strecke, die die Biker unter normalen Umständen nicht mehr befahren dürften. „Normalerweise kann man eine Demonstration auch über eine gesperrte Strecke nicht verbieten“, sagt Mohr. „Nur wenn ganz schwerwiegende Gründe, also schwere Gefahr oder schwere Gewalt, drohen. Das ist aber bei uns nicht der Fall.“ Bei der Demo stehe das Demonstrationsrecht über dem Straßenverkehrsrecht.

Dem Verband ist es wichtig zu betonen, dass er die Missachtung von Verkehrsregeln, die Manipulation von Fahrzeugen, Raserei und Posen ebenso ablehnt, wie einseitig gegen Motorradfahrer gerichtete Maßnahmen. Man wolle die Kundgebung auch nutzen, um Motorradfahrer zu rücksichtsvollerem Verhalten im Straßenverkehr aufzufordern.

Zur Demo eingeladen sind nicht nur Motorradfahrer und -freunde. Auch an einige Politiker gingen Einladungen raus, wie Mohr erklärt. So unter anderem an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Der hat abgesagt, das war zu erwarten“, sagt Mohr. Zudem wurden Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) eingeladen. Bereits abgesagt hat hingegen die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete und Innen-Staatssekretärin Daniela Ludwig (CSU) - zur großen Enttäuschung der Demo-Organisatoren.

„Daniela Ludwig behauptet auf ihrer Webseite, sie habe sich massiv für diese Sperrung eingesetzt“, sagt Mohr gegenüber dem OVB. „Ich hatte sie angeschrieben, wir haben ihr ein Gespräch angeboten, das hat sie aber nicht angenommen.“ Ludwig hingegen dementiert diese Behauptung.

Weiterhin offen ist auch noch die Einladung von Rosenheims Landrat Otto Lederer (CSU). Der Motivation der Demo-Organisatoren tut das allerdings keinen Abbruch. „Die Demo hat die Aufgabe, politischen Druck zu erzeugen“, macht Mohr deutlich. Und er kündigt auch direkt weitere Demos an, sofern das Verbot - wie bisher geplant - auch im kommenden Jahr noch bestehe.

Parallel hat der Verein auch eine Klage gegen die Sperrung beim Verwaltungsgericht München eingereicht.

Weitere Demonstrationen gegen Streckensperrungen

An vielen Orten werden DEMO´s gegen Streckensperrungen organsiert. Hier den Überblick zu behalten ist aktuell kaum möglich. Die Kommunikationswege der verschiedenen Veranstalter sind extrem unterschiedlich.

Die verschiedenen Demonstrationen am 04.07.2020 und am Wochenende 11./12.07.2020 haben mit extrem hoher Resonanz stattgefunden. Realistisch waren es über 100.000 Motorrädern bei allen Veranstaltungen.

Der BVDM handelt: Wir reichen Klage ein, eine Demonstration ist angemeldet.

Der rechtliche Hintergrund besagt zusammengefasst, dass die Sperrung einer Straße erst zulässig ist, wenn andere, geringere Eingriffe (z.B. Beratung von Behörden und einfordern baulicher Maßnahmen (z.B.

Leider ist es dem BVDM als eingetragener Verein nicht möglich gegen eine Sperrung zu klagen. So sind wir immer auf Mitglieder angewiesen, die ihren Namen dafür hergeben. Bevor eine Klage eingereicht wird entscheidet aber erstmal der Vorstand, ob dies überhaupt geschehen soll - allein schon aus finanzieller Sicht.

Deine Solidarität ist gefragt - Der BVDM unterstützt und finanziert die Klage von Motorradfahrern gegen die Streckensperrung für Motorräder auf der sogenannten „Sudelfeldstrecke“ in Bayern. Das alles kostet sehr viel Geld.

Unfallstatistik Sudelfeldstrecke (2018-2024)

Art der Verletzung Anzahl
Todesfälle 2
Schwerverletzte 40
Leichtverletzte 58
Gesamtzahl Unfälle mit Motorradbeteiligung 97

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