Der Harz mit seinen kurvenreichen Strecken gilt als Paradies für Motorradfahrer. Die Motorradsaison hat kaum begonnen, schon häufen sich die Schreckensnachrichten von den Straßen. In den vergangenen Wochen meldeten die Polizeiinspektionen der Region wieder zahlreiche Unfälle, bei denen mindestens fünf Motorradfahrer ums Leben kamen. Aber: Die Gefahr eines tödlichen Unfalls fährt immer mit.
Unfallhäufigkeit und Risikogruppen
Der kurvenreiche Harz gilt seit jeher als Paradies für Motorradfahrer - und die Biker kommen für die landschaftlich reizvollen und technisch anspruchsvollen Strecken aus ganz Europa. Laut ADAC zählen besonders die Biker zu den überaus stark gefährdeteten Verkehrsteilnehmern. Gerade an verlängerten Wochenenden strömen die Motorradfahrer in die Region, und das führt auch zu mehr Unfällen. Allein an Himmelfahrt prallten zwei Biker frontal mit Autos zusammen und wurden dabei tödlich verletzt. Besonders gefährdet sind junge Biker: Die unter 25-Jährigen sind an einem Drittel aller Unfälle beteiligt. Doch ungefährlicher wird es mit dem steigenden Alter nicht, weil dort die Schwere der Verletzungen zunimmt.
Das Todes-Risiko ist für Motorradfahrer deutlich gestiegen. Im Verhältnis zu den gefahrenen Kilometern sind 2022 10,6 % mehr Fahrer tödlich verunglückt als noch 2012.
Ursachen von Motorradunfällen
Der Automobilclub hat Anfang Mai knapp 2500 Unfälle mit Biker-Beteiligung außerhalb von Ortschaften untersucht, um Potenziale zur Unfallvermeidung aufzuzeigen. Bei rund einem Drittel handelt es sich um Alleinunfälle, bei denen die Biker meist auf kurvigen Streckenabschnitten die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren, stürzen und von der Straße abkommen. Entsprechende Unfallschwerpunkte untersucht zudem eine Kommission, bestehend aus dem Verkehrssicherheitsberater der Polizei, den Kommunen und den Straßenmeisteren, die diese auch bei Ortsterminen begutachtet.
Bei Alleinunfällen verlieren die Motorradfahrenden oftmals auf kurvigen Streckenabschnitten die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Sie verbremsen sich, sind unaufmerksam, stürzen und/oder kommen von der Straße ab. Mit 47 Prozent sind solche Fahrfehler die häufigste Unfallursache. Die zweithäufigste Ursache von Alleinunfällen ist mit 39 Prozent eine überhöhte Geschwindigkeit. Diese führt oft in einer Kurve zum Unfall.
Bei knapp zwei Dritteln der Unfälle prallen die Motorradfahrenden mit anderen Fahrzeugen zusammen. Von Kradfahrerinnen und -fahrern verursachte Kollisionen treten am häufigsten aufgrund von Fehlern beim Überholen, einer unangepassten Geschwindigkeit und einem ungenügenden Abstand auf.
Technische Möglichkeiten zur Unfallvermeidung
Bei Motorrädern hätte ein Kurven-ABS in Kombination mit einer Traktionskontrolle ein hohes unfallvermeidendes Potenzial. Dadurch könnte ein großer Teil der Fahrunfälle verhindert werden. Aber auch ein Abstandsregeltempomat (ACC) und ein Totwinkelassistent könnten die Sicherheit der Motorradfahrerinnen und -fahrer erhöhen. Ein eCall-System würde die Hilfeleistung nach dem Crash verbessern.
Da überdies die Hälfte aller Kollisionen beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen passieren, könnten Linksabbiegeassistenten und Kreuzungsassistenten bei Pkw das Sicherheitsniveau deutlich erhöhen. Denn durch eine Notbremsung könnten diese einen Zusammenstoß verhüten.
Präventive Maßnahmen und Tipps zur Sicherheit
Schon durch kostengünstige Maßnahmen wie das Zurückschneiden der Bepflanzung, das Entfernen von Hindernissen neben der Fahrbahn, das Herabsetzen der Höchstgeschwindigkeit oder das Aufstellen von Richtungstafeln in Kurven können Unfallschwerpunkte entschärft werden. Etwa indem sie passende Schutzkleidung, idealerweise sogar eine Airbag-Weste, tragen, sich und die Reifen zu Beginn jeder Fahrt "warm" fahren und einen Sicherheitscheck durchführen.
Da die meisten Unfälle auf ein Fehlverhalten von Fahrerinnen und Fahrern zurückzuführen sind, haben Bikerinnen und Biker, aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmenden die Möglichkeit, Unfälle durch ein vorausschauendes, defensives Fahrverhalten zu vermeiden.
Praktische Tipps für Biker zur Unfallvermeidung
- Schütze dich bei jeder Fahrt mit einem ECE-Helm, Motorradhandschuhen, -stiefeln, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt.
- Achte bei deiner Jacke und Hose auf Protektoren im Bereich der Schultern, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Knie.
- Für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr sind kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen hilfreich.
- Checke die Bremsen, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager, Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor vor jeder Fahrt.
- Übe Bewegungs- und Bedienungsabläufe in Ruhe ein.
- Auch die Reifen brauchen Zeit, bis sie eine Mindesttemperatur erreicht haben.
- Halte dich selbst körperlich fit, damit du auch bei langen Fahrten unter ungünstigen Bedingungen noch Reserven hast.
- Wähle in Linkskurven eine Fahrlinie, die möglichst weit rechts ist. Dadurch hältst du den Abstand zum Gegenverkehr am größten. Außerdem brauchst du in Schräglage mehr Platz.
- Trainiere die spezielle Blickführung für die Kurvenfahrt: Einlenkpunkt, Scheitelpunkt, Kurvenausgang, weiterer Straßenverlauf. Die Blickführung gehört zur den wichtigsten Lenkungsinstrumenten.
Die dunkle Seite der Biker-Szene
Freiheit, Kameradschaft, Rebellion - auf diesen Werten fußt der Mythos der Motorrad-Rocker. Die Realität sieht anders aus: Es herrscht ein Regiment der Angst in den Klubs, dazu strikte Hierarchie mit drakonischen Strafen für Ausreißer - und machtgeile „Brüder“ bekämpfen sich bis zum Tod!
Kriminelle Motorrad-Rocker leben in einem undurchdringlichen Paralleluniversum, sie bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Ganz unten anfangen, mit Drecksarbeit hochbuckeln - wie Szene-Aussteiger berichten, mussten sie als Neu-Rocker mit dem Hund des Chefs Gassi gehen, Taxifahrer spielen, das Klubhaus bohnern, aber auch Rivalen verprügeln, Huren gefügig machen und Drogen schmuggeln. Das trifft die unterste Rocker-Ebene, sogenannte Prospects und Hangarounds (Anwärter und Leute, die mit den Rockern abhängen). Den Anweisungen der Vorgesetzten muss man gehorchen - oder es drohen drakonische Strafen.
Alles ist geregelt, nicht nur der eigene Status, sondern auch die persönliche Erscheinung: Erst als Vollmitglied darf man das komplette Abzeichen („Patch“) der Klubs auf die Kutte nähen. Die Kutte ist heilig: Die Aufnäher (Colour / Patch) darauf müssen von den Membern gekauft werden - sie bleiben aber Eigentum des jeweiligen Klubs. Wenn ein Member ausscheidet, werden ihm alle Sachen abgenommen. Wer sie verliert oder von Rivalen abgenommen bekommt, wird von seinen „Brüdern“ bestraft, in manchen Fällen sogar krankenhausreif geschlagen.
In vielen Städten ist das öffentliche Zur-Schau-Stellen von Klub-Logos strikt verboten. Tattoos mit Klub-Motiven werden vom Club erst nach einigen Jahren erlaubt (Hände und Hals nach fünf Jahren, Rücken nach zehn Jahren Zugehörigkeit). Bei Nicht-Beachtung dieser Regeln wird das Tattoo kurzerhand überstochen - wenn nötig mit Gewalt.
Die Rolle der Frau in Rocker-Clubs
Frauen sind nett anzusehende Statussymbole, aber niemals Mitglieder. Sie werden für den Drogenschmuggel eingesetzt, berichten Insider - weil sie weniger auffällig sind als die Rocker selbst. Und als Huren. Dies sind ungeschriebene Gesetze.
Interne Konflikte und Gier nach Macht
Abtrünnige („Out in Bad Standing“) sind zum Abschuss freigegeben - und das ist keine hohle Phrase. Neid, Rache, die Gier nach Macht - die Rocker-Klubs schlachten sich aus Profitgründen nicht nur gegenseitig ab oder haben es auf Abtrünnige abgesehen. Es geht auch intern zur Sache.
Motorrad-Influencer und ihre Verantwortung
In sozialen Netzwerken werden sie tausendfach angeschaut: Videos von riskanten Motorrad-Manövern. Für "exactly" ordnet der bekannte Motorrad-Influencer Sören Aulbach alias "Blackout" Clips ein und stellt mit Blick aufs Publikum klar: "Die Leute sind sensationsgeil." Wie er die Nachfrage nach adrenalinhaltigen Videos mit seiner Verantwortung als Vorbild für die eigene Community zusammenbringt und warum er schon früh in seiner Influencer-Laufbahn Besuch von der Polizei bekommt, erzählt er erstmals detailliert vor unserer Kamera.
Wie kann man jungen Bikern dabei helfen, die Gefahr auf dem Motorrad korrekt einzuschätzen? Diese Frage beschäftigt Sören Aulbach, alias Blackout, einen der größten Motorradinfluencer Deutschlands. "Das ist grundsätzlich der Auslöser von dem Ganzen, weil es abgefeiert wird, je extremer das wird." Er selbst bekam schon früh einen Weckruf von der Polizei: Frühmorgens stand sie bei ihm vor der Tür.
Die Gemeinschaft und der Abschied
Trotz der Gefahren beim Motorradfahren: Manche verschreiben ihr Leben dem Bike und dem Gemeinschaftsgefühl, das durch die Motorradleidenschaft entstehen kann. Präsident Bernd Stellmacher erzählt, was "Rededge" ihm bedeutet. "Alles. Das ist meine Familie und wir helfen uns gegenseitig. Es ist eine richtige Freundschaft entstanden."
Der Verstorbenen gedenkt die gesamte Motorrad-Community regelmäßig. Katrin gehört zu einer Zweckgemeinschaft, zu der keine Mama und kein Papa gehören möchte. Zu den Eltern, die ein Kind durch einen Motorrad-Unfall verloren haben. Ihr 19-jähriger Sohn Adrian-Nick kehrt von einem kurzen Ausflug am Herrentag 2022 nicht mehr zurück. Er kommt in einer Kurve von der Fahrbahn ab, prallt gegen einen Baum und stirbt: "Dieser Tag trennt mein Leben in zwei Hälften.
Motorradbestattungen: Ein letzter Ritt
Auch ihre letzte Reise können Motorradfans nun mit einer Harley Davidson antreten. Ein Bestattungsunternehmen aus der Oberpfalz (Bayern) bietet die Fahrt zur Beerdigung mit der legendären Bikeermarke an. Das schwarze Sondermodell mit Beiwagen hat Platz für einen Sarg oder eine Urne. "Es geht darum, den Verstorbenen zu würdigen", sagt Wolfgang Frisch. Der 55-Jährige ist selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer.
Die Maschine ist extra umgebaut worden, um das Gewicht eines Sarges halten zu können. 900 Kilogramm Zuladung seien genehmigt, das genüge auch für einen Sarg in Übergröße. Fahrwerk und Bremsanlage seien verstärkt und zudem ein Rückwärtsgang eingebaut worden.
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