BMW Motorrad: "Der Morgen stirbt nie" und die Modelle der 1990er

Die 1990er Jahre waren bei BMW eine Dekade voller Innovationen und Erfolge. Die wohl wichtigste Neuerung betraf aber kein Fahrzeug an sich, sondern einen Motor: der neue Vierventil-Boxer. Der löste den alten Zweiventiler ab und wurde zusammen mit der R 1100 RS erstmals 1993 vorgestellt.

Der neue Vierventil-Boxer

Wenn ein neuer Boxer kommen soll, muss er technisch fit fürs nächste Jahrzehnt sein. Allerdings: Der Boxer-Motor ist so typisch für BMW wie das Weißbier für Bayern. An Grundfesten wie der Luftkühlung durfte (noch) niemand rütteln. Um trotzdem mehr Leistung zu generieren, erhielt der neue Boxer Vierventil-Köpfe, die wegen der halbhohen Anordnung der Ventilsteuerung erfreulich schräglagentauglich ausfielen. Von den K-Modellen adaptierte man die Zünd- und Einspritzelektronik, die Bosch Motronic MA 2.2, und passte sie an den neuen Boxer an. Damit’s dem Motor nicht zu heiß wird, senkt an die Kolbenböden gespritztes Öl die Temperatur. Ein taugliches Layout, das dem neuen Boxer zu 90 PS bei 7.250/min verhilft.

Als erstes Motorrad von BMW erhält die R 1100 RS einen Telelever. Der entbindet die Radführung vorn von den Federungs- und Dämpfungsaufgaben. Die übernimmt ein Federbein, das oben am Rahmen und unten an einem Längslenker befestigt ist. Der Vorteil: ein mechanischer Brems-Nickausgleich. Auf diese Fahrwerkstechnik setzt BMW bis heute, wenn der Bauraum vor dem Motor dafür ausreicht.

Nach der R 1100 RS schiebt BMW im Jahr 1994 den ersten Entenschnabel, die R 1100 GS, nach, allerdings mit angepasstem Boxer-Motor. Ihr Antrieb leistet in der Spitze 80 PS und liefert ein Drehmomentmaximum von 97 Nm. Dies erreicht BMW durch eine leicht zurückgenommene Verdichtung im Vergleich zur R 1100 RS sowie eine modifizierte Motorsteuerung. Auch wenn ihr Design nicht sofort alle überzeugt, in Sachen Funktion machen ihr die damaligen Mitbewerber-Modelle nichts vor. Die R 1100 GS überdauert die 1990er-Jahre aber nicht. Im Jahr 1999 stellt BMW bereits die R 1150 GS vor. Der Entenschnabel bleibt, dafür gibt’s jetzt unterschiedlich große Rundscheinwerfer und einen Boxer-Motor mit 1130 cm³, der mit 85 PS noch kräftiger antritt.

Wer damals bei all den Neuheiten rund um die GS den alten Zweiventiler-Boxermodellen noch eine Träne nachweint, kann 1996 bei der Abschiedsvorstellung des ehrwürdigen Antriebs zur R 80 GS Basic greifen. Nach mehr als 70 Jahren und über 684 830 gebauten Einheiten beschließt sie das Kapitel Zweiventil-Boxer endgültig.

Die "Funduro" BMW F 650

Mit der F 650 bringt BMW 1993 einen neuen Einzylinder auf den Markt, den ersten seit 1966. Aprilia unterstützt bei Entwicklung und Produktion, Rotax liefert den Antrieb zu. Die "Funduro" richtet sich vor allem an Einsteiger, die BMW bisher nicht bediente. Als erste BMW hat die F 650 einen Ketten-Endantrieb statt Kardan. Neben der Zweizylinder-GS wird sie zum bestverkauften Modell im BMW-Programm der 1990er-Jahre.

Roller mit Dach - BMW C1

1992 zeigt BMW erstmals eine Designstudie des C1, 1999 betritt er in der Realität die Motorradbühne. Bertone in Italien baut die Roller für BMW, Rotax liefert wie bei der F 650 den Motor. Sicherheitsgurte, die stabile Fahrgastzelle und ein Vorbau als Crash-Element sind zu der Zeit einmalig - und wären es noch heute. Der C1, der ohne Helm gefahren werden darf, entpuppt sich nicht als Erfolg. 2003 wird BMW das Kapitel C1 schließen.

Viel Mut beweist BMW indes auch 1996 mit der neuen K 1200 RS. Der Vierzylinder bricht zum ersten Mal mit der freiwilligen Leistungsbeschränkung auf 100 PS. Aus 1.172 Kubik entwickelt der Motor 130 PS bei 8.750 Touren. Mit derart gestählten Muskeln rennt die K bis zu 245 km/h schnell und setzt damit im BMW-Kosmos neue Maßstäbe. Nur in Frankreich und in Deutschland, dem Land der unbegrenzten Autobahn, gibt’s eine zivile 98-PS-Version. Um so viel Leistung auf die Straße zu bringen, spendeten die Boxer-Typen ihren Telelever, während ein neuer Aluminium-Brückenrahmen Lenkkopf und Schwingenaufnahme verband.

BMW bringt Cruiser R 1200 C

Die 1990er sind das Jahrzehnt der glänzenden, coolen Feuerstühle. Als weltweiter Anbieter will BMW ein Stück vom Kuchen der fast ungezügelten Nachfrage abhaben. Das Ergebnis heißt 1997: R 1200 C. Auch sie nutzt den Vierventil-Boxer als Antrieb. Für viel Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen wächst der Hubraum auf 1.170 Kubik, dazu gibt’s Updates beim Ventiltrieb und der elektronischen Motorsteuerung. Als Lohn liefert der R-1200-C-Antrieb nach dieser Kur 98 Nm schon bei 3.000/min über den Kardan Richtung Hinterrad.

So viel Innovationsgeist hat auch "James Bond"-Darsteller Pierce Brosnan überzeugt, der mit einer R 1200 C im Agentenstreifen "Der Morgen stirbt nie" in Thailand über einen Hubschrauber springt. Spektakulär, doch ein richtiger Erfolg wird der 1200er-Bayern-Cruiser nicht.

Unter dem Namen R 1200 C folgen ab diesem Zeitpunkt 7 Jahre der gespaltenen Meinung: entweder man liebt den Cruiser, oder man hasst ihn. Aber für eines sorgte er immer: Aufmerksamkeit! Bayrische Cruiser sind nichts Neues. Als Die BMW unter den Cruisern wurde die R 1200 C vermarktet und sorgte überall wo sie auftrat für Furore.

Technische Details der R 1200 C

  • Motorbauart: Boxer
  • Zylinder: 2
  • Ventile pro Zylinder: 4
  • Hubraum: 1170 ccm
  • Leistung: 61 PS bei 5.000 U/min
  • Drehmoment: 98 Nm bei 3.000 U/min
  • Getriebe: klauengeschaltetes Fünfgang-Getriebe
  • Federweg vorne: 144 mm
  • Federweg hinten: 100 mm
  • Radstand: 1.650 mm
  • Leergewicht, vollgetankt: 256 kg

Die R 1200 C ist ein zeitloser Gentleman auf zwei Rädern. Der zugängliche Motor ermöglicht eine fein dosierbare Gasannahme und entspanntes Fahren. Die optionale Ablageflächen auf den Zylindern bieten zusätzlich die Möglichkeit, die Beine auf langen Etappen auszustrecken.

Besondere Ausstattungsmerkmale

  • Aufstellbarer Soziussitz, der als Rückenlehne herhalten kann

Für BMW-Fahrer, die auf ihren Motorrädern nicht auf modernes Infotainment verzichten möchten, bietet das Chigee AIO-5 CarPlay eine perfekte Lösung. Das Plug-and-Play-Gerät integriert sich nahtlos in die BMW-Navi-Halterung und ermöglicht dank vollständiger Steuerbarkeit über die BMW-Bedienelemente eine intuitive Nutzung von Apple CarPlay und Android Auto. Auf Bikes wie der R 1200 C lässt sich das System aber auch einfach am Lenker montieren.

Wichtige Hinweise für Gebrauchtkäufer

  • Bis Ende 2000 gab es einige Kundenbeschwerden über mangelhafte Verchromung von Felgen, Auspuffanlage und anderen Teilen.
  • Während einer Probefahrt sollte besonders darauf geachtet werden, wie sich das Fünfganggetriebe schalten lässt.

Sondermodelle der R 1200 C

  • BMW R 850 C: von 1998 bis 2000
  • BMW R 1200 C Avantgarde: vorgestellt im Jahr 2000
  • BMW R 1200 C Independent: Soziussitz und -fußrasten sind nur als Option verfügbar
  • BMW R 1200 CL: orientiert sich klar an die Harley-Davidson Tourer.
  • BMW R 1200 C Monatuk: limitiert auf 350 Stück, Doppelzündung, Verbesserung am Schaltgetriebe und wahlweisem Integral-ABS.

Auch wenn es die BMW R 1200 C 1998 in die "The Art of the Motorcycle" Ausstellung im Guggenheim Museum in New York City geschafft hat, nimmt man eines aus der Geschichte dieses Cruisers mit: er polarisiert. Egal ob Fans, oder Journalisten. Egal ob optisch oder technisch - die BMW R 1200 C spaltet die Gemüter und zeigt, wie emotional diese Bayerin war.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0