Der seltsame Fall des Benjamin Button: Motorrad-Referenzen und mehr

«Der seltsame Fall des Benjamin Button» ist ein leiser, nachdenklicher und sehr emotionaler Film über Liebe, Verlust, Alter und Tod. Es ist ein Film über die Zeit, die unaufhaltsam durch unsere Finger rinnt.

Der Film, unter der Regie von David Fincher, erzählt die Geschichte von Benjamin Button, der im New Orleans des Jahres 1918 auf die Welt kommt. Sein Körper jedoch ist der eines 85-Jährigen. Jeder glaubt, dass dieses runzlige und hässliche kleine Etwas nicht lange leben wird. Seine Mutter stirbt bei der Geburt, der Vater verstößt ihn und setzt ihn auf den Treppenstufen eines Altersheims aus. Benjamin wächst in einer Umgebung auf, in der Alter und Tod allgegenwärtig sind. So fällt es ihm leichter, sich mit den Widrigkeiten des Lebens abzufinden.

Vorlage für den Film war die gleichnamige Erzählung des amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald aus den 1920er-Jahren. Auf die Idee brachte ihn ein Zitat von Mark Twain: «Das Leben würde unendlich viel glücklicher verlaufen, wenn wir mit 80 geboren und uns langsam auf 18 zu bewegen würden.» Die kurze Geschichte entstammt einer Schaffensperiode, die noch von großem Optimismus des Künstlers geprägt war. Seine Botschaft: Jeder hat sein Leben selbst in der Hand. Wenn etwas nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat, ist es trotzdem nie zu spät, neu anzufangen.

Seine große Liebe Daisy lernt Benjamin kennen, als sie noch ein Mädchen ist. Cate Blanchett spielt die atemberaubend schöne, zerbrechliche und doch starke und selbstbewussten Tänzerin, zu der das Kind heranwächst. Benjamin dagegen wird immer jünger und vitaler. Er erlebt seinen ersten Kuss, seine erste Liebe. Im Laufe ihres Lebens kreuzen und trennen sich die Wege der beiden mehrfach. Erst als der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wird ein Liebespaar aus ihnen. Ihre gemeinsame Geschichte ist nur kurz, aber umso intensiver.

Fitzgeralds Kurzgeschichte lag schon seit mehr als 40 Jahren in der Schublade diverser Filmemacher. Das Projekt galt als nicht zu realisieren. Zu viele Schauspieler schienen nötig, um die Geschichte dieses Mannes glaubhaft zu erzählen. Möglich wurde die Verfilmung erst durch moderne Computertechnik. Mit ihrer Hilfe konnte ein Darsteller alle Altersstufen spielen. Brad Pitts Gesicht wurde für die Aufnahmen als kleiner, alter Mann beispielsweise einem Körper-Double aufgesetzt. Das Ergebnis ist unglaublich realistisch geworden. Das Gesicht des 45-jährigen Pitt wird immer jünger, sein Körper vitaler, seine Haare voller und seine Haut glatter.

Doch Benjamin kann sich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr über diese neu gewonnene Jugend freuen. Als Daisy ihn fragt, ob er sie auch noch lieben wird, wenn sie alt und runzlig ist, fragt er zurück: «Liebst du mich auch noch, wenn ich Pickel habe?» Jünger zu werden, während alle anderen altern, verdeutlicht ihm die Vergänglichkeit des Lebens. Er muss lernen loszulassen, denn alle Menschen die er liebt, treten nur kurz in sein Leben und verlassen ihn wieder.

Regisseur David Fincher verzichtet vollständig auf schnelle Schnitte und hektische Bewegungen. Weite Panorama-Aufnahmen im klassischen Hollywood-Stil prägen den Film. Alle Menschen hinterlassen Spuren in einem Menschen, sagt Fincher. Das Leben sei «eine Ansammlung von Dellen und Kratzern. Sie machen seine Persönlichkeit aus, die ihn von anderen unterscheidet». Pitt nimmt sich für die Rolle des Benjamin Button ungewöhnlich stark zurück. Er hört zu und reagiert auf seine Filmpartner.

Bisher war Regisseur Fincher eher für Thriller wie «Sieben», «The Game» oder «Fight Club» gebucht. Eine Liebesgeschichte hätte man von ihm nicht unbedingt erwartet. Aber vielleicht gelingt ihm das Kunststück des großen Gefühls, ohne kitschig zu werden, gerade deshalb. Er lässt sich 166 Minuten Zeit, um das Leben dieses ungewöhnlichen Mannes zu erzählen. Und diese Zeit darf er sich nehmen. Langweilig wird es nicht.

Motorrad-Referenzen im Film

Neben den emotionalen und philosophischen Aspekten des Films gibt es auch interessante Bezüge zu Motorrädern. Mittendrin der beinah rastlos wirkende Benjamin Button alias Brad Pitt. Verwegen reist er durch seine Jugend, macht sonderbare Bekanntschaften und hält sich als Aushilfsmatrose oder Soldat im Zweiten Weltkrieg über Wasser.

Egal ob Macklemore, Mariah Carey, James Blunt oder die US-amerikanische Songwriter-Legende Billy Joel nicht nur in Hollywoods Musik-Szene setzen Stars auf Royal Enfield. So teilt der britische Sänger James Blunt neben seinen Wurzeln, auch seine Freizeit mit der britisch-indischen Motorradmarke auf seiner Instagram-Seite posiert er selbstbewusst auf einer Royal Enfield Classic EFI 500 Battle Green.

Auszeichnungen

Neben zahlreichen Nominierungen wurde Der seltsame Fall des Benjamin Button mit insgesamt drei Oscars ausgezeichnet: Bestes Szenenbild, Bestes Make-up und Beste visuelle Effekte.

Kategorie Auszeichnung
Szenenbild Oscar
Make-up Oscar
Visuelle Effekte Oscar

Kritik

Die Verwandlungskünste der digitalen Maskenbildner stehen bei diesem über hundert Millionen Dollar schweren Oscar-Favoriten über aller Schauspielerei. Und natürlich ist man beim Zuschauen in erster Linie damit beschäftigt, die Übergänge von Falschen zum Echten auszumachen.

Der Film sagt aber auch unterschwellig: „Scheiß drauf, greif zu! In einem Jahr ist Dein Traumpartner vielleicht tot, hat jemand anderen oder ist plötzlich Pornostar in Los Angeles! Liebe ist wie ein PC-Kauf! Egal, wie lange man sucht: 6 Monate später sagt man sich stets, dass man noch auf ein besseres Modell hätte warten sollen…“

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