Piaggio, Hercules, Honda oder Yamaha kennen wir alle, aber das sind nicht die einzigen Hersteller von unseren geliebten Zweirädern. Viele weitere Marken trugen zur Vielfalt und zum Erfolg der motorisierten Zweiräder bei.
Bekannte und weniger bekannte Hersteller
Neben den bekannten Namen gab es zahlreiche weitere Hersteller, die in den 1950er Jahren in Deutschland und Europa aktiv waren:
- Aprilia ist ein italienischer Motorrad- und Motorrollerhersteller mit Sitz in Noale.
- Cimatti ist ein vom Radrennfahrer und Olympiateilnehmer Marco Cimatti in Bologna gegründetes Unternehmen, welches zunächst Fahrräder produzierte.
- Die Express-Werke bauten die meisten Motorräder als Konfektionär (=mit Motoren von anderen Herstellern) vor allem von Fichtel & Sachs und Ilo.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Garelli überwiegend schlitzgesteuerte Motoren von 34 bis 125 cm³. Den größten Erfolg in Italien hatte das Unternehmen mit dem Bau des Mosquito-Motors und des Capri-Rollers.
- Gilera ist einer der ältesten italienischen Motorradhersteller und eine Tochterfirma des Piaggio-Konzerns.
- In dem Zeitraum von 1905 bis 1907 stellte Hercules schon Motorräder her.
- Halleiner Motorenwerke Hinterberger, Schreitl & Co. Ende der 1950er Jahre wurde der Standort des Unternehmens von Hallein nach Kottingbrunn verlagert. 1961 wurden auf der Wiener Frühjahrsmesse zum letzten Mal HMW-Fahrzeuge präsentiert.
- Am 16. 1963 begann Honda mit der Motorradproduktion in Belgien, 1967 in Thailand, 1980 in Nigeria. Ende 2014 hatte Honda weltweit 22 Werke für Motorräder und Motorroller, unter anderem auf der Insel Kyūshū, im italienischen Atessa, seit 1992 in China und seit 2001 in Indien.
- Jawa ist ein tschechischer Motorrad- und ehemaliger Automobilhersteller.
- Keeway ist der Markenname unter welchem Qianjiang-Fahrzeuge seit 1999 ins Ausland vertrieben werden.
- 1951 brachte Kreidler das erste 50-cm³-Hubraum-Moped auf den Markt: das Modell K 50. Das Unternehmen wurde 1982 nach Konkurs geschlossen.
- 1991 ging das Unternehmen in Insolvenz und wurde 1992 aufgelöst. Das private Moped des Gründers, ein „LUTZ P 53“, wurde nach seinem Tod dem Städtischen Museum Braunschweig übergeben.
- Malaguti war ein italienischer Hersteller von Motorrädern, Motorrollern und Mofas mit Sitz bei Bologna.
- Seine Bekanntheit erlangt der Hilfsmotor vor allem als Anbaumotor für Fahrräder: genannt Hühnerschreck, Hackenwärmer oder einfach Maff. Der Motor wurde neben der Hinterachse montiert.
- M.B.K. Industrie ist ein französischer Hersteller von Motorrollern, Elektro-Mofas und -Fahrrädern.
- MBK-Industrie ist ein Tochterunternehmen des Motorradherstellers Yamaha.
- Mota war die Markenbezeichnung für motorisierte Zweiräder der MOTA Maschinenbau GmbH in Nagold.
- Beginn der 1950er Jahre wurde MOTA als kleinster deutscher Motorradhersteller gelistet.
- Mobylette war der Markennamen für Mofas und Mopeds des französischen Zweiradhersteller Motobécane .
- Moto Guzzi ist ein italienischer Hersteller von Motorrädern mit Sitz am Comer See.
- Ab 1886 stellte das Unternehmen Fahrräder her und war ab 1901 an der frühen Entwicklung von Motorrädern in Deutschland beteiligt. 1959 wurde der Motorradbau bei Peugeot aufgegeben.
- Piaggio ist ein italienischer Fahrzeughersteller mit Sitz in Pontedera.
- Piaggio war in seiner Geschichte in unterschiedlichen Branchen tätig.
- Piaggio war während des Krieges Ende der 1930er Jahren sehr erfolgreich, da die italienische Armee zum Kundenstamm des Unternehmens gehörte. Während des Zweiten Weltkrieges jedoch wurde das Stammwerk in Pontedera völlig zerstört.
- Vespa: ist ein Motorroller welcher zu den weltweit bekanntesten und beliebtesten Rollertypen zählt. Die Hercules Werke GmbH in Nürnberg planten auch Kleinkrafträder nach England zu exportieren.
- Seit 1999 werden die Fahrzeuge unter der Marke Keeway im Export vertrieben.
- Rieju ist in diesem Segment Marktführer in Spanien. Die Marke wurde 1998 von dem Fahrradhersteller Derby Cycle Werke aus Cloppenburg übernommen.
- 1997 wurde der Automobilzulieferer von Mannesmann übernommen und in Mannesmann Sachs AG umfirmiert. Ab 2001 gehörte Sachs als Tochterunternehmen ZF Sachs AG zu ZF Friedrichshafen.
- Durch die in der DDR hergestellten Zweiräder erlangte Simson seine heutige Bekanntheit.
- 1917 erhielt Solex ein Patent auf ein Fahrrad mit Hilfsmotor an der Hinterachse. Im Oktober 2005 wurde das eSolex, ein Elektrokleinkraftrad, auf der Messe Mondial du deux-roues vorgestellt, seit Dezember 2006 ist es in Frankreich im Handel.
- Die Triumph Werke Nürnberg AG war ein deutscher Motorrad- und Büromaschinenhersteller.
- Die Yamaha Hatsudōki K.K.
Die "wilden" 50er und ihre Charakteristika
Die 1970er-Jahre waren die letzten Jahre der schnellen 50er, bevor die 80er kamen. MOTORRAD Classic drehte die Uhr zurück und erlebte am eigenen Leib, wie gestandene Männer im Kleinkraftrad-Sattel wieder zu 16-Jährigen werden.
Mit 40 km/h auf dem Mokick? Niemals. Erwachsene Kleinkrafträder waren angesagt, mit amtlichen 6,25 PS, wie sie damals üblich waren. Damit geht was. In jeder Hinsicht.
Dennoch: Mit dem Moped war das Tor zur Freiheit und Unabhängigkeit geöffnet worden.
Die wichtigsten Vertreter
Die wichtigsten Vertreter aus Deutschland, Österreich und aus Japan haben wir zusammengetrommelt. Ja, auch Yamaha hatte schon eine ernst zu nehmende Konkurrentin auf den Kleinkraftradmarkt geschickt, die mit schmuckem Äußeren und unschlagbarem Kampfpreis punktete.
Einzig Uwe Stingel musste passen und packte seine KTM 50 RSW Kumpel Hardy Ruff mit in den Transporter, wo sich schon dessen Yamaha RD 50 DX tummelte. Passt schon, so habe ich die Ehre, die KTM bei den Fotofahrten zu bewegen.
Allen steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben, auch die Mopeds glänzen aufs Feinste rausgeputzt für den besonderen Tag. Die KTM tritt in dieser Disziplin beinahe trotzig in unrestauriertem Originalzustand an, trägt nicht mal ihre kleine Lampenverkleidung. Hat auch was, ehrliche Gebrauchsspuren eben.
Der Konvoi setzt sich in Bewegung, das Zweitaktknattern summiert sich zu einer stattlichen Geräuschkulisse, Passanten starren uns teils erfreut, teils erschüttert nach.
KTM 50 RSW
Dabei hatte doch eine KTM damals in der Clique stets den Ruf, die rassige Sportlerin zu sein, teuer, laut und schnell. Was feixte der Rest der Clique, wenn er mal wieder mit wild schleifender Kupplung am Berg anfahren wollte und die Kiste zum dritten Mal abwürgte. Ohne Drehzahlen nix los.
Heute kommt mir das weniger dramatisch vor. Klar, anfahren mit weniger als 4000 bis 5000/min geht gar nicht, selbst mitschwimmen im Verkehr funktioniert so kaum, ab 6000/min setzt die Leistung ein, der rote Bereich ab knapp über 8000/min muss ignoriert werden, erst bei knapp 9000/min schalten, so geht‘s voran.
Ich muss mich mit der KTM erst anfreunden, denn so ganz tadellos benimmt sie sich nicht. Die Gabel stuckert lustlos über jeden Teerflicken und spricht quasi gar nicht an, das Kühlwasserthermometer im Cockpit verweigert die Information.
Yamaha RD 50 DX
Die kleine RD 50 DX von Hardy Ruff hält die Japan-Fahne im Feld hoch und glänzte schon in ihrem Baujahr 1977 mit Qualität. Zwar verzichtet der kleine Zweitakter wie die Kreidler auf den Wassermantel und vertraut auf den Fahrtwind zur Kühlung, doch mimt sie in Sachen Schmierung die Vorreiterin und glänzt als Einzige im Feld mit fortschrittlicher Getrenntschmierung.
Unrühmlich gibt sich die RD, wie schon damals im Test kritisiert, mit dem Startverhalten per Kickstarter. Der Tritt reicht nur für wenige Kurbelwellenumdrehungen, Anschieben geht problemloser und schneller.
Kernig, mit hellem, sägendem Sound meldet sich der membrangesteuerte Zweitakter zu Wort, am lautesten übrigens von allen 50ern.
Die Yamaha verkörpert wohl am krassesten das Klischee vom mit höchsten Drehzahlen schreienden Fuffie. Zum Fahren kommt nur die Spanne zwischen 8000 und 10 000/min infrage, ehrlicherweise beginnt auch dort erst der rote Bereich. Zum Glück erweist sich das Getriebe als passend gestuft und gut bedienbar, zum flotten Vorankommen muss präzise und rechtzeitig geschaltet werden.
Ungemein schmal und zierlich tritt die RD auf, die Knie stoßen am schmalen Tank schon fast zusammen, die schmale, harte Sitzbank vermittelt ebenso wenig Komfort wie die Federung, alles über 60 Kilogramm scheint auf der Yamaha deplatziert, ein Moped für Renn-Jockeys.
Ab geht die Post, schalten, Drehzahl im Auge behalten, Fehler werden nicht verziehen, sofort verliert man den Anschluss. Der Tacho scheint gefühlt tiefzustapeln, die „Konkurrenz“ zieht jedenfalls nicht komplett davon. Und da kann die RD nun definitiv glänzen, mit knackiger Wirkung und gut dosierbarem Biss der kleinen 203-MillimeterSoloscheibe vorn.
Kreidler Florett RS-GS
Besser vorstellen kann man sich ausgedehnte Touren schon mit der anderen luftgekühlten 50er im Feld, der Kreidler RS-GS von Alfred Lohner. Das 1979er-Modell mit den Sechsspeichen-Verbundrädern hat der 48-Jährige sich vor drei Jahren gegönnt und komplett restauriert.
Die nahezu neuwertige Kreidler steht für das unbeirrt verfolgte eigenständige Konzept der Firma aus dem schwäbischen Kornwestheim. Ein luftgekühlter, liegender Zweitakter mit Nikasil-beschichteter Laufbahn, eingebaut in einen Pressstahlrahmen. Eine Kreidler erkennt man stets sofort, und Erfolge im Rennsport machten die Marke schon früh weltbekannt.
Ich throne gefühlt sehr hoch oben auf dem Moped, auf der eher harten, kantigen Bank über den verchromten 13,2-Liter-Tank gebeugt sitzend, recht nah am angenehm gekröpften M-Lenker und stelle schnell fest, dass das erwartet breite nutzbare Drehzahlband wohl Wunschdenken war.
Gut gestuftes, sauber schaltbares Fünfganggetriebe, stabiles Fahrwerk, astreines Handling ohne Zicken oder Kippeln, sogar ordentliche Bremsen mit gut kontrollierbarem Biss - alles da, es gibt wenig, was man der Kreidler vorwerfen könnte. Selbst einen Gepäckträger hat sie serienmäßig an Bord.
Zündapp KS 50 WC TT
Zündapp-Fahrer mussten sich damals die blödesten Sprüche anhören: Wenn se nicht zündet, dann dappste. Oder mussten zusehen, wenn Klassenkameraden mit debilem Grinsen bei jedem Schritt das linke Bein affig anhoben - wegen des berüchtigten Ziehkeilgetriebes mit den elend langen Schaltwegen.
Was Robert nicht hindert, die KS 50 zu scheuchen.„Wie damals auch: Entweder es hält, oder es hält nicht.“ Dass die Zündapp nicht zu den absoluten Drehorgeln gehört, weiß man nicht nur seit damals, man merkt es beim Fahren schon nach den ersten Kilometern.
So souverän der KS 50-Motor auftritt, so erhaben präsentiert sich auch die Ausstattung und die Verarbeitung der Münchnerin. Die noblen Markenembleme am Tank, die Gestaltung der Sitzbank und das eigens von VDO für die Zündapp kreierte Cockpit machen die KS 50 zum erwachsensten Motorrad unter den 50ern. Kein Kauern überm Tank, auf der Zündapp sitzt man erhaben hinterm breiten Lenker, fast schon in Herrenfahrer-Haltung.
Mit ganz eigenem, metallisch hellem, dezentem Sound geht der mit Mikuni-Vergaser ausgerüstete Zündapp-Zweitakter zu Werke und erspart mit seiner elastischen Charakteristik dem Fahrer den einen oder anderen Schaltvorgang, der tatsächlich mit seinen langen Schaltwegen das Anheben des ganzen Beins erfordert.
Gilt es am Ortsende, die Meute hinter sich zu lassen, bin ich mit der Zündapp auch ohne Drehzahl-Exzesse gut bei der Musik. Auch wenn der Topspeed weit vom Maximalwert 140 der Tachoskala entfernt bleibt, so sieht dies im Stand für den interessierten Passanten doch wichtig aus.
Puch Cobra 6 GTL
Die Puch Cobra 6 GTL reihte sich hier nahtlos ein, die Österreicherin markierte aber eindeutig die Exotin. Zumindest kann die Puch für sich ins Feld führen, bei Porsche designt worden zu sein, und protzt mit einem Sechsganggetriebe. Eigenständigkeit beweist die Puch ja auch in Sachen Antrieb - natürlich kommt hier kein Sachs-Motor zum Einsatz, sondern ein selbst entwickelter wassergekühlter 50er, der ebenso wie der Zündapp-50er auf eine Wasserpumpe verzichtet.
Schlanke Silhouette, kräftiger Motor, sechs Gänge - die Puch umwehte schon damals der Mythos von der schnellen Exotin.
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