Deutsche Mountainbike Profis: Eine Übersicht der Top-Athleten und ihre Teams

Die Mountainbikes der Profis sind der Traum aller Bike-Fans. Personalisiert bis zur letzten Schraube, dürfen die gesponserten Fahrer*innen oft superexklusive Einzelstücke fahren. Wir haben uns auf der Eurobike auf die Suche gemacht und präsentieren die heißesten Racebikes der Mountainbike-Profis!

Custom-Lackierung, die teuersten Parts und personalisierte Anbauteile. Welches Mountainbiker-Herz schlägt da eigentlich nicht höher?

Die Eurobike hat auch dieses Jahr wieder mit bahnbrechenden Innovationen und Designs beeindruckt. Dazwischen wird an den Ständen der Aussteller immer wieder stolz die Kür des Mountainbikens gezeigt: Profi-Racebikes. Man merkt sofort: Wenn jede Sekunde zählt, wird kein Aufwand gescheut und kein Detail vernachlässigt. Und natürlich müssen sie auch cool und besonders aussehen.

Wir haben uns auf der Messe umgeschaut und die zum Teil frisch von der Rennstrecke kommenden Profibikes für euch eingefangen. Die Bandbreite reicht vom fetten Downhiller bis zum federleichten Marathon-Racefully. Zunehmend sind auch Race-E-Mountainbikes zu sehen.

Diese Teile haben es uns besonders angetan: Die schicken Fox-Gabeln mit goldenen Tauchrohren, die man, von Cross-Country bis Downhill-Bike verbaut, bestaunen kann. Der Maxxis Aspen ST am Racebike von Nino Schurter. Dieser ist bisher nur den Profis vorbehalten. Außerdem konnten wir das auf der Eurobike vorgestellte Manitou-Fahrwerk am Racebike von Joshua Dubau bewundern! Schicke Custom Paintjobs mit persönlichen Details begeistern immer.

Auf der Eurobike 2024 in Frankfurt begeisterten das pinke Canyon Sender von Tahnee Seagrave und das Pinarello Dogma XC von Tom Pidcock mit drei Assen auf dem Oberrohr, YT Tues von Vali Höll mit Namensschriftzug!

Teamwechsel und Sponsoring-News

Winterzeit heißt für MTB-Profi-Athlet*innen nicht nur Trainings-Restart nach der Off-Season. Zeitgleich ist es höchste Eisenbahn, um die Teamwechsel fürs kommende Jahr bekanntzugeben. Die letzten Deals werden um diese Zeit verhandelt, die letzten Verträge unterzeichnet.

Weil viele Profi-Verträge oder teils auch Team-Organisationen nur bis zum sportlichen Highlight, den olympischen Spielen, gestrickt sind, ist der Trubel in der Folgesaison umso größer: "Nach dem Olympiajahr ist das Wechselkarusell ordentlich in Betrieb!"

Wichtige Teamwechsel im Überblick

  • Jenny Rissveds wechselt zu Canyon. Inzwischen ist klar, dass sich in 2025 der Teamfokus vom Profi-XCO-Rennkurs zu einem "inklusiven, sicheren Entwicklungsprogramm für Kinder und junge Menschen" shiften wird. Und Rissveds selbst hat einen Kontrakt mit dem Canyon XCO CLLCTV unterzeichnet und wird damit ab 2025 an der Seite von Luca Schwarzbauer die Weltcup-Rennen bestreiten.
  • Orbea Fox Factory Team neu aufgestellt: Simon Andreassen, Rebecca Henderson und Jennifer Jackson sind die Neuzugänge bei Orbea-Fox!
  • Lapierre-Racing-Unity bekommt Unterstützung von zwei Deutschen: Mit Max Brandl und Nina Graf sind erstmals zwei deutsche Athlet*innen im Lapierre-Team.
  • Alan Hatherly auf Giant in 2025: Dieses Jahr krönte er sich zum Cross-Country-Weltmeister. 2025 geht es für den Südafrikaner auch auf die Straße, während er gleichzeitig eine komplette MTB-Weltcupsaison fährt.
  • Jolanda Neff unterschreibt bei Cannondale: Die Olympiasiegerin von Tokio ist ab diesem Jahr auf den Bikes von Cannondale unterwegs.
  • Loana Lecomte geht zu BMC: Nun steht fest, dass die ehemalige Teamkollegin von Luca Schwarzbauer ab 2025 für BMC Factory Racing fahren wird.
  • Tom Pidcock mit Doppelgängerleben: Der zweifache Cross-Country-Olympiasieger Tom Pidcock, eines der größten Talente im Radsport, fährt ab der kommenden Saison im Rennradteam Q36.5 Pro Cycling, das übrigens auf Scott-Rennrädern unterwegs ist.
  • Vier Abgänge beim Orbea Factory Team: Das spanische Orbea Factory Racing Team wird 2025 mit einem neuen Fahreraufgebot an der Startlinie stehen.
  • Mona Mitterwallner wechselt auf die Straße: Auch die Österreicherin Mona Mitterwallner kehrte der Cannondale-Equipe zum Jahresende den Rücken zu.
  • Kate Courtney fährt als Privateer auf Allied: Nach 6 Jahren verließ die US-Amerikanerin das Profiteam Scott-SRAM.
  • Lia Schrievers & Julian Schelb zu KMC-Ridley: Erfreulich aus deutscher Sicht ist der Wechsel von Lia Schrievers und Julian Schelb zum renommierten Rennteam des ersten MTB-Olympiasiegers (1996) Bart Brentjens.
  • Bjorn Riley & Emilly Johnston Neuzugänge bei Scott-Sram: Das Scott-Sram-Team wird nächstes Jahr durch Bjorn Riley und Emilly Johnston ergänzt.
  • Comeback einer Großen: Annika Langvad kehrt zurück: Jüngst bekanntgegeben: Annika Langvad kehrt zurück ins Profigeschäft und wird nächste Saison als Full-Time-Pro für Specialized antreten, wie sie auf Instagram bekanntgab.

Teamwechsel im Downhill

Mit den neuen Regeländerungen, welche die Zulassung von Teams beschränken, bündeln große Marken ihre Ressourcen und streichen reihenweise Rennställe. Mit etlichen Downhill-Superstars auf Sponsorensuche und einem noch nie dagewesenen Pool an jungen Talenten ist der Wechselzirkus im Downhill so spannend und spekulativ wie noch nie.

  • Benoît Coulanges ab 2025 für das Scott-Downhill-Factory-Team an den Start gehen.
  • Andi Kolb stößt zum YT Mob: Nächste Saison geht es für den Österreicher bei der deutschen Marke weiter.
  • Camille Balanche und Richie Rude im Yeti DH-Team: Yeti verstärkt für 2025 sein DH-Team. Mit dabei: Schweizerin Camille Balanche.
  • Danny Hart wird Teamkapitän bei Norco: Nachdem Danny Hart in der vergangenen Saison von Cube zu GT gewechselt war, steht der Fanliebling mit dem vorläufigen Aus der britischen Kultmarke wieder ohne Sponsor da.

Fokus auf Christian Textor: Ein Deutscher Enduro-Profi

Für die meisten ist er aber einfach nur der schnelle Deutsche mit den rotblonden Locken, den alle “Texi” nennen. Zwei Rennen trennen ihn noch von der Winterpause: die Trophy of Nations, ein Enduro-Rennen im Team-Wettbewerb unter deutscher Flagge. Und das letzte Enduro-Rennen der Enduro World Series (EWS) mit Motor.

Es ist Dienstag, der Abend vor dem EWS-E-Training in Finale Ligure. Morgen dürfen die Racer zum ersten Mal ins Gelände, bevor es am Donnerstag auf Zeit geht. Jetzt wäre die perfekte Gelegenheit, um Christian Textor zu erreichen. Aber der ist schwer zu greifen. Endlich nimmt er ab. “Erst Abendessen mit der Familie, dann die Kinder ins Bett bringen”, macht er die Prioritäten klar. Danach will er aber auf ein Eis ins Piazza kommen, das einschlägige Lokal an der Promenade des Badeörtchens. Als er endlich auftaucht, ist es schon spät.

In Badelatschen schießt Textor auf seinem Bulls-Enduro über den Platz, ruft etwas von einem befreundeten Rennteam, wo er noch kurz Hallo sagen will und ist wieder weg. Ein paar Minuten später taucht Texi wieder auf und grinst schief. “Viel los heute”, entschuldigt er sich und zeigt zur Erklärung auf den nagelneuen Bosch-CX-Race-Antrieb in seinem Wettkampf-Bike. Erst vor zwei Stunden wurde der eingebaut. Texis Lieblings-Feature: der Extended Boost, mit dem der Motor noch kurz schiebt, wenn er nicht mehr tritt. Eigentlich für Steilstufen gedacht, aber Texi lässt damit wie ein Stuntman den Hinterreifen durchrutschen. Den Umstehenden fällt vor Staunen fast das Eis aus der Waffel.

Was das Rennen am nächsten Tag angeht, bleibt Christian Textor entspannt.

Schon seit dem letzten motorlosen EWS-Rennen vor ein paar Wochen ist die reguläre Rennsaison abgehakt. Die EWS mit dem E-Mountainbike ist für den 31-Jährigen eher eine Zugabe. “Ich hab einfach gesagt, dass ich es dieses Jahr mal ausprobieren will”, sagt er. “Weil wir ein Rad haben, das dafür gut funktioniert.”

Grundsätzlich funktioniert das Format wie ein normales Enduro-Rennen. Heißt: Man fährt eine oder mehrere längere Bike-Touren am Tag, oft mit insgesamt deutlich über 2000 Höhenmetern. Bergauf auch mal entspannter, bergab dafür umso anspruchsvoller. Einige der schwierigen Trails bergab, sogenannte Stages, werden im Einzelstart auf Zeit gefahren. Wer am Ende für alle Stages zusammen die wenigste Zeit gebraucht hat, hat gewonnen. Im Unterschied zu normalen Enduro-Rennen werden bei der EWS-E mit Motor aber auch besonders anspruchsvolle Bergauf-Passagen gewertet. Dadurch zählen nicht nur Geschwindigkeit, Wagemut und Kontrolle bergab, sondern auch Fahrtechnik und Fitness bergauf.

Noch nicht einmal acht Uhr, und Christian Textor ist trotz aller Rennerfahrung nicht ansprechbar. Auch, aber nicht nur, weil ihm noch der erste Kaffee fehlt. “Ich bin halt auch nur ein Mann und kann nur eine Sache auf einmal”, entschuldigt er sich und widmet sich weiter der akribischen Einstellung der Armaturen an seinem Racebike. Etwas steiler? Oder doch etwas flacher? So entspannt er sich am Vorabend noch gegeben hatte - an der falschen Einstellung der Bremshebel soll es im Rennen dann doch nicht scheitern. Noch ein Detail erhöht das Stress-Level: Gleich muss Texi im Startblock stehen, doch dem schnellsten Deutschen fehlt ein Kontroll-Sticker auf der hinteren Felge des Wettkampf-Bikes. Sein Mechaniker hatte den wohl vergessen, doch wenn Texi ohne den Sticker ins Ziel kommt, wird er disqualifiziert. Keine Zeit für Reporterfragen. Doch alles klappt. Eine kurze Diskussion mit dem Offiziellen, dann wird Fehlendes nachgereicht. Pünktlich um 8:07 Uhr rollt Texi von der Startbühne mitten hinein in das Top-Rennen dieses E-MTB-Herbstes.

Mit Texi startet hier die Crème de la Crème der motorlosen Enduro World Series.

EWS-Gesamtsieger, wie Richie Rude, Adrien Dailly und Jérôme Clementz, sind gemeldet, dazu viele der schnellsten Fahrer aus den Rundkursrennen der World E-Bike Series, ein paar Downhiller und sogar Cross-Country-Legende Julien Absalon. Für ein E-Bike-Rennen ist das alles andere als selbstverständlich. Höchstens das E-MTB-Rennen bei der WM in Les Gets war noch hochkarätiger besetzt.

Doch einige der Cracks sitzen hier das erste Mal im Rennen auf einem E-Bike - und nicht wenige werden hier noch ihr blaues Wunder erleben. Die erste Stage mündet nämlich an einer zerklüfteten Felswand, die bergauf bezwungen werden muss - was die Ungeübten reihenweise vom Rad zwingt. Die Downhills sind dagegen “Oldschool”-Finale-Ligure: Felsgespickte Geraden mit hohen Absätzen wechseln sich ab mit engen, schlecht einsehbaren Trails durch das dichte Gestrüpp des ligurischen Hinterlandes. Für viele Racer ist auch das auf den schweren Bikes eine besondere Herausforderung. Die ehrgeizigen Race-Organisatoren in Finale haben sich eben alle Mühe gegeben, dem Weltklassestarterfeld auch eine entsprechende Strecke zu servieren.

Leider will sich im Rennen selbst der Flow nicht so recht einstellen.

Zu motiviert geht Texi in die erste Uphill-Stage und schießt sich aus einer Kurve. Im letzten Stück muss er sogar schieben und verliert über 15 Sekunden auf die Führenden. Bergab ist er zwar schnell, doch die verlorene Zeit im Uphill holt man bergab gegen die EWS-Elite nicht mehr rein. Und es warten noch zwei weitere Bergaufprüfungen. “Ich bin ständig nach hinten vom Rad gefallen. Hat heute einfach nicht optimal funktioniert auf den Uphill-Stages. Da hab’ ich wirklich Zeit liegen lassen”, sagt er. “Ein durchwachsenes Rennen - aber auch nicht schlecht.” Sein Fokus liegt weiterhin auf den Rennen ohne Motor. Fürs E-Bike-Racing hat er nicht speziell trainiert. Immerhin: Trotz der Probleme bergauf, eines Sturzes und eines Plattfußes reicht es am Ende für Rang 20 von knapp 60 Startern.

Seine Revanche gelingt später beim Team-Rennen ohne Motor: der Trophy of Nations.

Texi braust als Deutscher Enduro-Meister und Team-Kapitän vorneweg, Torben Drach und Max Pfeil bleiben als Team-Kollegen an seinem Hinterrad. Umjubelt von hunderten Zuschauern fährt das deutsche Dreiergespann so auf dem gefürchteten DH-Men-Trail auf Platz vier der Weltrangliste. Das Ergebnis ist ein Ausrufezeichen für den Sportgeist und den Teamspirit, der die deutsche Enduro-Gang auch abseits der Rennstrecke verbindet. “Wir versuchen, uns immer auszuhelfen. Wir teilen Ersatzteile über Team-Grenzen hinweg, wir teilen Ferienwohnungen, damit es für alle ein bisschen günstiger wird“, sagt Texi.

Außer eben jetzt. Denn da teilt sich Christian Textor die Ferienwohnung schon mit seinem eigentlichen Lieblings-Team: mit seiner Frau Katrina, mit Sohn Theo und mit Tochter Elli, die Eis essen und Lemon-Soda trinken und jetzt mit ihrem Papa endlich im Urlaub angekommen sind.

Denn natürlich ist das auch ein Job für mich. Aber der funktioniert nur, solange man auch noch mit Leidenschaft dabei ist.

Das deutsche Gesicht im Mountainbikesport: Sabine Spitz

Das Mountainbiken erfreut sich in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit einer immer größer werdenden Beliebtheit. Das Fahren in der Natur zieht die Menschen an, dazu gesellen sich fahrerische Aufgaben, die es in sich haben können. So auch auf der olympischen Bühne. Das deutsche Gesicht im Mountainbikesport ist Sabine Spitz. In fast zwei Jahrzehnten fuhr sie große Erfolge ein. Nach Olympiabronze 2004 in Athen gewann sie vier Jahre später in Peking Gold. 2012 in London kam die Silbermedaille hinzu.

Für die einzige deutsche Männer-Medaille bei Olympia oder WM sorgte Manuel Fumic bei den Welttitelkämpfen 2013.

Mountainbikerin Mona Mitterwallner wechselt zum Straßenradsport

Mona Mitterwallner hingegen meldet sich schnell persönlich, als wir Interesse an ihrem Werdegang und ihrem Wechsel in den Straßenradsport erkennen lassen. Zweimal hat sie das Regenbogentrikot im Mountainbike-Marathon der Frauen gewonnen - bei der Premiere als bisher jüngste Athletin im zarten Alter von 19 Jahren.

Auch zwei Weltcuprennen in der olympischen Disziplin Cross-Country hat sie für sich entschieden, belegte in der Gesamtwertung der wichtigsten Rennserie im Jahr 2023 Rang drei. Sie zählt zur Weltspitze auf dem Mountainbike. Aber das reicht ihr nicht.

Man muss nicht lange mit der 23-jährigen Österreicherin reden, um zu erkennen: Sie liebt die Herausforderung. Das Neue. Das scheinbar Unmögliche. In dem zierlichen Körper steckt eine starke Persönlichkeit, unbändiger Ehrgeiz. Anders als viele Konkurrentinnen scheut sie nicht davor zurück, extrem hochgesteckte Ziele sehr klar zu formulieren. Und sich damit auch selbst unter Druck zu setzen.

Schon als Kind habe sie ein klares Lebensziel gehabt: „Ich wollte die erste Frau sein, die bei der Tour de France der Männer mitfährt.“ Man könnte bescheidenere Ziele nennen.

Jetzt will Mona Mitterwallner eben zur Tour der Frauen und herausfinden, ob sie dort ganz vorne mitmischen kann. „Die Tour de France - das ist der Traum von vielen Radfahrern“, betont sie.

Zur Saison 2025 hat sie einen Vertrag als Straßenprofi beim World-Tour-Team Human Powered Health unterschrieben - dort will man ihre Ambitionen unterstützen, obwohl sie auch künftig nicht alles auf den Straßenradsport setzen will. Für das Mondraker-Team will sie zusätzlich auch im Gelände weiter ganz vorne mitmischen.

Mitterwallner ist kein Einzelfall - sie ist ein augenfälliges Beispiel für einen Trend. Reihenweise versuchen sich langjährige Mountainbiker auf Asphalt. Landsfrau Laura Stigger, die Schweizerin Steffi Häberlin (beide SD Worx-Protime), Olympiasiegerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma-Lease a Bike) und Weltmeister Alan Hatherly (Jayco-AlUla) wollen wie Mitterwallner Straßenrennen auf höchstem Niveau bestreiten und haben Verträge bei Rennställen der international ersten Liga unterschrieben.

Was sie verbindet: Alle suchen sie nach neuen Reizen am Ende eines Olympia-Zyklus, der im vergangenen Sommer mit den Spielen in Paris endete. Was sie trennt: Mit wie viel Ehrgeiz sie den Wechsel vorantreiben, wie hoch sie ihre Ziele stecken und wie viel Platz sie den Mountainbike-Rennen noch einräumen.

Mitterwallner will möglichst beide Disziplinen auf höchstem Niveau bestreiten. Das ist eine Gratwanderung. Ferrand-Prévot sagte jüngst, sie glaube nicht, dass sie beide Disziplinen auf höchstem Level vereinbaren könne. Besser gesagt: Nicht mehr.

Ferrand-Prévot hat nach Olympia-Gold dem Cross-Country-Sport Adieu gesagt - sie will in den kommenden drei Jahren alles dem Versuch unterordnen, die Tour de France der Frauen zu gewinnen.

Der amtierende Weltmeister und Olympia-Dritte Hatherly fährt zwar zweigleisig, plant seine Saison aber auch zweigeteilt: Straßenrennen bis in den Mai, danach konzentriert sich der 29-jährige Südafrikaner auf die Weltcups im Gelände und will im September im schweizerischen Crans-Montana den Titel als weltbester Biker verteidigen - vermutlich wird er es dort mit Olympiasieger Tom Pidcock und Ex-Straßen- und Cyclocross-Weltmeister Mathieu van der Poel zu tun bekommen.

Die beiden waren die Vorreiter, haben einer ganzen Generation den Weg geebnet, zu einer Art Work-Life-Balance zwischen Hauptberuf Straßenradprofi und einer Art Gute-Laune-Nebenjob auf Stollenreifen.

Doch auch bei diesen beiden Ausnahmetalenten sieht man: Der ständige Wechsel zwischen den beiden Radgattungen erfordert exakte Saisonplanung und ein Straßenteam, das mitspielt. Ein schneller Radwechsel, dann Erfolg in der jeweils anderen Disziplin - das funktioniert nach Meinung von Experten nicht. Training und Wettkampfbelastung sind zu unterschiedlich, erfordern gezielte Vorbereitung.

Vielleicht gibt sich auch deshalb Hatherly - anders als Mitterwallner - zurückhaltend, was große Ziele angeht. „Ich habe in meiner Karriere einen Punkt erreicht, an dem ich nach neuen Möglichkeiten gesucht habe, um mich weiterzuentwickeln. Ich habe Straßenrennen schon in den vergangenen Jahren als Saisonvorbereitung genutzt, jetzt tue ich es eben auf einem höheren Niveau. Es ist Teil eines langfristigen Prozesses, um mich als Sportler zu verbessern“, erläutert er, warum er den Vertrag beim australischen Straßen-Rennstall Jayco-AlUla unterschrieben hat.

Die Tirolerin Laura Stigger, Zweite im Gesamtweltcup und Olympia-Sechste, war als Juniorin 2018 bereits Weltmeisterin auf der Straße - jetzt startet sie eine Art „Schnupperpraktikum“, das ihr Straßen-Olympiasiegerin Anna van der Breggen vermittelte. Beide trafen sich vor Jahren während eines Höhentrainingslagers der Niederländerin im Kühtai, einem Bergdorf nahe Stiggers Heimatort Haiming. „Ich freue mich, Erfahrung zu sammeln”, sagt Stigger zu Beginn ihres Zwei-Jahres-Kontrakts bei ihrem neuen Rennrad-Team. Nicht mehr und nicht weniger.

Stigger, Hatherly und Mitterwallner wollen das Beste aus beiden Radsport-Welten mitnehmen, sich auch durch den Straßenradsport als Mountainbiker entwickeln. „Straßenrennen helfen den Mountainbikern, auf ein höheres Niveau zu kommen - daher macht es absolut Sinn. Es geht um die hohe aerobe Belastung bei Rennen, vor allem bei Rundfahrten. Das bringt einen sehr großen Stimulus, den man über Training fast nicht hinbekommt“, betont Radsport-Trainer Dan Lorang. Aber es reizt mehr als nur die physische Verbesserung, behauptet Mitterwallner: „Beide Sportarten sind im Aufwind. Ich will bei diesen großen Entwicklungen mitmachen.“

Im Straßenrennsport war die Wiedergeburt der Tour de France für die Frauen vor drei Jahren eine mächtige Anschubhilfe. Bei den Mountainbikern sieht mancher, dass sich neue Märkte auftun könnten, seit der US-Konzern Warner Bros. Discovery, im deutschen Sprachraum vor allem durch seine Plattform Eurosport bekannt, nicht nur die TV-Rechte innehat, sondern als Veranstalter der wichtigsten Rennserie auftritt.

„Es ist eine gute Zeit für den Mountainbikesport, um an Geld außerhalb der Radsportindustrie zu kommen“, sagt Tim Vanderjeugd, Verantwortlicher für das Sportmarketing bei US-Radhersteller Trek. Man könnte das auch als Aufforderung an die Bike-Szene verstehen, die Chance zu nutzen, neue Geldquellen aufzutun. Bisher ist der Aufwind für die Offroad-Szene eher ein Gefühl, harte Fakten fehlen.

Einer, der die Bike-Szene seit rund 40 Jahren begleitet, bremst die Euphorie: Thomas Frischknecht, einst Weltmeister und Weltcupsieger, jetzt Teamchef von Scott-SRAM, sieht den Mountainbikesport weiterhin auf der Stelle treten. Die Hoffnung auf neue, große Geldquellen hat sich bisher nicht erfüllt - als Sponsoren treten noch immer fast nur Vertreter der aktuell eher klammen Radbranche auf.

Sondieren also die Mountainbiker aktuell den Arbeitsmarkt, erwägen langfristig den Job- und Disziplinwechsel - setzt eine Gelände-Flucht aus wirtschaftlichen Gründen ein? Die Sportler verneinen unisono. Frischknecht will das nicht wirklich glauben: „Mountainbiken hat sich von der wirtschaftlichen Seite her nicht so gut entwickelt wie der Straßenrennsport, in dem einfach bedeutend mehr Geld drin ist. Das ist meines Erachtens der Hauptgrund, wieso man so viele Mountainbiker im Straßenrennsport sieht: das Geld, das sehr verlockend ist.“

Die mittlerweile ergraute Eminenz des Bikesports rechnet vor, dass im aktuellen Modell des Weltcups vielleicht drei Dutzend Mountainbike-Rennfahrer Aussicht auf einen lukrativen Job haben. „Selbst für Helfer auf der Straße beginnen die Saläre viel weiter oben als bei einem guten Bikeprofi“, weiß Frischknecht.

Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt Radsport: Allein die erste Liga des Straßenradsports, die World-Tour, bietet in den 18 Mannschaften mehr als 500 Radsportlern Lohn und Brot - inklusive eines garantierten Mindestgehalts von rund 44.000 Euro.

Wer wird am Ende Recht haben - wo führt der Weg, der Trend hin? Der Straßenradsport darf sich jedenfalls auf neue Talente, neue Gesichter, vielleicht auch neue Sieger freuen. Die gute Nachricht für den Mountainbikesport: Hatherly ordnet aktuell noch alles einem ganz großen Ziel unter: Olympia-Gold 2028 in Los Angeles.

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