Manchmal schreibt der Radsport Geschichten, die bleiben. Geschichten von Hitzeschlachten, knallharten Trails - und von Menschen, die mit Mut, Ausdauer und purer Leidenschaft über sich hinauswachsen. Dieses Wochenende war so eines.
Am 29. Juni 2025 fand die Deutsche Straßenradmeisterschaft in Linden statt. 198 Kilometer, 3.330 Höhenmeter, Temperaturen über 30 Grad - das waren die Bedingungen. Zimmermann zeigte ein taktisch kluges, kraftvolles Rennen auf einer anspruchsvollen Strecke. Sein Triumph reiht ihn ein in die Liste großer deutscher Straßenfahrer. Nach einem starken Frühjahr und seinem Etappensieg beim Giro d’Abruzzo ist dieser Meistertitel der nächste große Schritt. Der Weg dorthin war kein Zufall.
Nicht nur Georg Zimmermann sorgte am Wochenende für Schlagzeilen - auch im Nachwuchsbereich gab es klare Erfolge. Während auf der Straße die Deutsche Meisterschaft entschieden wurde, stand in den Dolomiten das nächste World Cup-Rennen auf dem Programm.
Weitere Erfolge im Radsport
Beim Enduro World Cup in Canazei (Italien) fuhr Simona Kuchynkova auf einen starken 3. Platz. Auf ihrem CUBE Stereo ONE55 bestätigte die junge Slowakin erneut ihre Konstanz in der Saison. Auch Zakarias Johansen überzeugte beim Enduro World Cup in Canazei mit einem konstanten und technisch sauberen Rennen. In der Gesamtwertung des Enduro World Cups 2025 liegt er damit weiterhin auf einem starken 7. Platz. Johansen bewältigte die sechs Stages mit Übersicht und Kontrolle und sicherte sich am Ende Platz 12 im Tagesklassement.
Was bleibt von diesem Wochenende? Mehr als Podiumsplätze. Es sind die stillen Momente vor dem Start, die letzten Kräfte auf den letzten Kilometern, das Aufrichten im Ziel - erschöpft, stolz, erleichtert. Radsport ist kein Spiel, das man einfach gewinnt. Ob auf Asphalt oder auf losem Untergrund, mit Nummer am Rücken oder Dreck im Gesicht - der Sport lebt von Menschen, die ihn mit Überzeugung fahren.
Das Rennen im Detail
Bei hochsommerlichen Temperaturen war das Fahrerfeld bereits gegen 12:15 Uhr auf den 197,5 Kilometer langen Rundkurs um das rheinland-pfälzische Örtchen Linden gegangen. Nach nur wenigen Metern musste der Ravensburger Mitfavorit Emanuel Buchmann (Cofidis) bereits wieder absitzen - ein Defekt an seinem Rad zwang den ehemaligen Viertplatzierten der Tour de France zu einer kurzen Pause. Glücklicherweise war der scharfe Start zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht offiziell erfolgt, nach einiger Verwirrung im Peloton aufgrund des zu früh herausgefahrenen Führungsfahrzeugs bremste die Rennleitung die Fahrer nach dem ersten Anstieg wieder ein und neutralisierte das Rennen wieder. Buchmann fand nach seiner Schrecksekunde deshalb schnell wieder zurück ins Hauptfeld. Bereits nach rund 17 Kilometern fand sich die erste Ausreißergruppe zusammen, die bald eine runde Minute Vorsprung herausfahren konnte.
Jonathan Rottmann und Jermaine Zemke (beide Rembe-rad-net), Ian Kings (Visma-Lease a Bike Development), Tobias Nolde (Benotti-Berthold) und Heiko Homrighausen (Embrace The World) hielten den Abstand auf immer wieder wechselnde Verfolgergruppen für lange Zeit konstant. In der Folge entwickelte sich ein munteres Rennen mit vielen Ausreißversuchen, die jedoch immer wieder aus dem Hauptfeld pariert und gekontert wurden. So dauerte es bis 57 Kilometer vor dem Ziel, ehe sich eine sechsköpfige Gruppe um die Mitfavoriten Buchmann und Maximilian Schachmann (Soudal Quick-Step) absetzen konnten. Komplettiert wurde das Sextett durch Anton Schiffer (BIKE AID), Tim Torn Teutenberg (Lidl-Trek), Nico Denz und Jonas Koch (beide Red Bull-Bora-hansgrohe). Letztere drei konnten das hohe Tempo an der Spitze aber bald nicht mehr mitgehen. An der Rennspitze änderte sich auch in den folgenden Kilometern nichts.
Die Entscheidung sollte auf der letzten Runde fallen. 18 Kilometer vor dem Ziel verschärfte Buchmann an einem Anstieg kaum merklich die Geschwindigkeit. Schachmann, der bereits zuvor sehr aktiv gewesen war, bekam deutlich Probleme durch die Tempoverschärfung. Schiffer hingegen hielt das Hinterrad des Ravensburgers. Der Vorsprung des Führungsduos hielt nicht lange. Kurz nach Ende des Anstiegs wurde Maximilian Schachmann von den Verfolgern überholt, kurz darauf holte das Quartett auch das Führungsduo ein - der deutsche Meister sollte aus der daraus entstandenen Sechsergruppe entspringen. Die letzten zehn Kilometer waren geprägt von kurzen Attacken, mehrmals versuchten Fahrer aus der Spitzengruppe wegzufahren, wurden von ihren Kontrahenten aber ein ums andere Mal gestellt. Dort probierte der Ulmer Engelhardt sein Glück. Mit einem explosiven Antritt versuchte der 24-Jährige die Vorentscheidung zu erzwingen. Buchmann konnte nicht mehr folgen und fiel zurück, Engelhardt drückte weiter aufs Tempo und schaffte es mit Zimmermann am Hinterrad eine Lücke zu reißen. Mit einem Vorsprung von wenigen Sekunden gingen die beiden auf die Zielgerade. Dort hatte Georg Zimmermann dann hauchdünn die Nase vorne und durfte die Arme hochreißen.
"Ich wollte immer mal eine Tour-de-France-Etappe gewinnen, ich wollte immer mal an Olympischen Spielen teilnehmen und ich wollte immer mal Deutscher Meister werden", erklärte der Sieger nach dem Rennen am SWR-Mikrofon.
Weltmeister im Straßenrennen der Männer
Die Weltmeisterschaften im Straßenradsport haben einen klaren Höhepunkt, und zwar das Rennen der Männer am finalen Tag der Veranstaltung. Heute gibt es nur noch die Profis, eine Trennung mit den Amateuren ist nicht mehr aktuell. Das war früher anders und so gab es auch unterschiedliche erste Bewerbe, denn die ersten Weltmeisterschaften wurden nur von den Amateuren bestritten, den ersten Weltmeistertitel für die Radprofis gab es 1927 und seither wird jedes Jahr der Titel neu vergeben.
Die Siegerliste der letzten Jahre zeigt, dass die Bergfahrer Mühe haben, einen Titel zu erringen, weil zumeist der Weltmeistertitel im Sprint vergeben wird. Und da sind die Sprinter nun einmal haushoch überlegen. Man kann die Straßen-Radweltmeisterschaft durchaus mit den Frühjahrsklassikern vergleichen, bei denen an einem Tag nach langer Fahrt das Rennen entschieden wird. Das hat den Grund, weil die Weltmeisterschaft im Gegensatz zu früheren Austragungen nicht mehr eine Strecke von A nach B ist, sondern ein Rundkurs, der oftmals so leicht angelegt ist, dass es zwar in jeder Runde eine Erhebung, vielleicht sogar zwei Hügel gibt, aber die Sprinter haben damit kein Problem. Selten wird der Kurs so schwer angelegt wie etwa bei der WM 2018 in Innsbruck, als es richtige Rampen zu überwinden galt.
Beeindruckend war zuletzt Peter Sagan aus der Slowakei, dem es gelang, dreimal in Folge den Titel zu holen und damit Weltmeister im Straßenrennen zu werden. Auch beeindruckend war der WM-Titel von Alejandro Valverde im österreichischen Innsbruck mit einem Alter von 38 Jahren. Besonders war auch die WM 2020, weil durch die Corona-Krise die Tour de France erst Ende August stattfand und die WM, üblicherweise nach den drei großen Schleifen, vor Vuelta und Giro angesetzt wurde. Etliche nahmen nicht teil, viele Stars aber sehr wohl und mit Julien Alaphilippe gewann zwar nicht der Topfavorit, aber einer der besten Fahrer der letzten Jahre.
Der Radsport ist vielseitig und reicht von der Bahn über BMX-Rennen bis zur Straße. Aber gerade die Straße oder der Straßenradsport hat besonders viel Tradition und weiterhin eine große Bedeutung. Daher gibt es viele Begriffe, die sich herausgebildet haben.
Siegerlisten / Palmarès
Auf dieser Seite findest Du die Siegerlisten zu allen wichtigen Straßenrennen und zu einigen ausgewählten Kirmesrennen.
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In der nachfolgenden Auflistung aller verfügbaren Siegerlisten treten einige Rennen möglicherweise doppelt und dreifach auf. In diesem Falle sind sowohl der einheimische als auch der deutsche und/oder Sponsoren-Name bzw. ältere Rennnamen aufgeführt.
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