Stefan Bradl: Erster Deutscher Motorrad-Weltmeister seit 1993

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Am Sonntag wurde beim Saisonfinale in Valencia die Frage beantwortet, ob der 21-Jährige als Nachfolger von Dirk Raudies Motorsport-Geschichte schreibt. Stefan Bradl ist nun der erste deutsche Motorrad-Weltmeister seit 18 Jahren. Letzter Titelträger war Dirk Raudies (Biberach) 1993 in der 125er Klasse. Seitdem hat es für keinen deutschen Fahrer mehr mit dem Gewinn einer WM-Trophäe geklappt.

Bradl wäre in der mehr als 60-jährigen Geschichte der Straßen-WM der achte Deutsche, dem ein solcher Coup gelingt. Werner Haas machte den Anfang, als er 1953 Weltmeister in der 125er- und 250er-Klasse wurde. Ein Jahr später verteidigte der Augsburger seinen Titel mit der Viertelliter-Maschine erfolgreich. Ebenfalls am Jahresende dreimal ganz oben stand Hans Georg Anscheidt, der von 1966 bis 1968 in der mittlerweile nicht mehr ausgetragenen 50ccm-Klasse triumphierte.

Mehr als drei Titel hat auf der Straße in der deutschen Motorrad-Geschichte nur ein Fahrer errungen. Toni Mang ist mit fünf Titeln der erfolgreichste Pilot. Mang holte fünf WM-Titel Der Bayer aus Inning am Ammersee gewann dreimal den Titel in der Klasse bis 250 cm³ (1980, 1981 und 1987) und zweimal in der Klasse bis 350 cm³ (1981 und 1982). Neben Haas, Anscheidt, Mang und Raudies lassen sich drei weitere Deutsche in den WM-Siegerlisten finden.

Ernst Degner wurde 1962 erster 50er-Champion der Geschichte, auch Hermann-Peter Müller (250 cm³/1955) und Dieter Braun (125 cm³/1970, 250 cm³/1973) krönten ihre Karrieren mit WM-Titeln. Die glorreichen Zeiten der deutschen Motorrad-Piloten sind lange vorbei, lediglich Raudies' Erfolg liegt weniger als 20 Jahre zurück.

Für Bradl endete damit eine Saison wie eine Achterbahnfahrt mit einem Happy End. Schon nach den ersten sechs Rennen hatte der 21-Jährige aus dem bayerischen Zahling wie der sichere Weltmeister ausgesehen. Bradl gewann vier Grand Prix und führte die WM-Wertung überlegen an. Doch von den folgenden zehn WM-Läufen konnte Bradl keinen einzigen gewinnen.

Marquez wiederum drehte mächtig auf und verdrängte den deutschen Rivalen nach seinen sieben Siegen von der Spitzenposition. Bis zu dem folgenschweren Sturz in Malaysia schien der 19-Jährige, der als eines der größten Talente der vergangenen Jahre gilt, auf dem Weg zum WM-Titel nicht mehr aufzuhalten. Bradl nutzte das Pech des Konkurrenten aus und überholte Marquez mit zwei zweiten Plätzen wieder in der Gesamtwertung.

Nun aber will es die Dramaturgie dieser Motorrad-WM, dass auch Bradl schon vor dem Rennen Weltmeister ist. Marquez war in Malaysia schwer gestürzt und hatte in der vergangenen Woche selbst erklärt, dass ihm nur noch ein Wunder helfen könnte, um starten zu können. Auch ein gesunder Marquez hätte Bradl wohl kaum noch vom WM-Thron stoßen können. Der Spanier hätte bei einem Rückstand von 23 Punkten auf Bradl sein Heimspiel in Valencia in jedem Fall gewinnen müssen, um überhaupt eine Chance zu haben. Bradl dagegen hätte schon ein 13. Platz zum Titelgewinn gereicht.

Allerdings war dieses Wochenende im Motorradsport von einem tragischen Ereignis überschattet: dem Tod des Italieners Marco Simoncelli. Die Erinnerungen an dessen furchtbaren Sturz beim Rennen in Malaysia vor zwei Wochen, an dessen Folgen Simoncelli verstarb, überlagerten in Valencia alles. Simoncellis Startnummer 58 war in Valencia allgegenwärtig.

Nun wird Bradl ausgerechnet am Tag des Marco Simoncelli seine Ehrenrunde als Weltmeister der Moto2-Klasse fahren. Um ihm zu gedenken, hat er sich eine kleine 58 auf sein Motorrad geklebt. Und dann wird er wohl anders feiern, als er es sich ursprünglich einmal ausgemalt hat. Nicht wild.

In seinen Träumen mag sich Stefan Bradl diesen Tag millionenfach ausgemalt haben. Jenen Moment, ab dem sein eigener Name nicht mehr von dem seines Vaters Helmut überlagert würde, der vor 20 Jahren einmal Zweiter der Weltmeisterschaft wurde. Jene Sekunde, in der er sich endlich verewigen würde in den Geschichtsbüchern des Motorradsports, in denen es fortan eine eigene Spalte geben würde mit dem Eintrag: Stefan Bradl, Motorradweltmeister 2011.

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