Deutsche Radfahrer und ihre Erfolge bei der Tour de France

Die Tour de France ist eines der größten und beliebtesten Sportereignisse der Welt. Seit 1903 zieht sie die Radsportfans aus aller Welt in ihren Bann. 2024 wird sie bereits zum 111. Mal ausgetragen.

Es gibt viele wichtige und legendäre Radrennen, aber ein Sieg bei Le Tour steht über allem. Die Tour ist eben doch mehr als nur eines der drei großen Radrennen des Jahres - sie ist ein Mythos, der Helden hervorbringt. Einige Sieger macht sie zu Legenden ihres Sports, einige wie Lance Armstrong fallen tief.

Mit Jan Ullrich gewann bisher erst ein Deutscher das wichtigste Radrennen der Welt. SPORT1 präsentiert die erfolgreichsten deutschen Fahrer bei der Tour de France.

Deutsche Tour de France Gewinner und Etappensieger

Rekordhalter ist seit 2017 Marcel Kittel mit seinen insgesamt 14 Sprintsiegen bei der Tour. Auch hinter ihm rangieren Sprinter als bislang einzige Fahrer mit über zehn Tageserfolgen: André Greipel und Erik Zabel belegen die Plätze zwei und drei in der deutschen Rangliste.

Erster deutscher Etappensieger in der Geschichte der Tour de France war 1932 Kurt Stöpel, der bislang letzte Tagessieger aus Deutschland ist nun Nils Politt mit seinem Solo-Triumph auf der 12. Etappe der Tour 2021 in Nîmes.

Der letzte deutsche Fahrer, der eine Bergetappe der Tour gewann, war 2020 Lennard Kämna auf der 16. Tour de France.

Die Top 10 der deutschen Etappensieger bei der Tour de France

  1. Platz 1: Marcel Kittel - 14 Etappensiege

    Einer der erfolgreichsten deutschen Tour-Sprinter gewinnt bei seiner zweiten Teilnahme 2013 vier Etappen, legt bei seiner dritten Teilnahme 2014 vier weitere Tagessiege nach und lässt 2016 den nächsten Sieg folgen.

  2. Platz 2: Erik Zabel - 12 Etappensiege

    Von 1996 bis 2001 gewinnt Erik Zabel jeweils das Trikot des besten Sprinters. Auf dem Weg zum erfolgreichsten Tour-Sprinter aller Zeiten feiert er 1995 (2), 1996 (2), 1997 (3), 2000 (1), 2001 (3) und 2002 (1) zwölf Etappensiege.

  3. Platz 3: André Greipel - 11 Etappensiege

    2011 beginnt die "Tour-Ära" des André Greipel mit seiner ersten Teilnahme und dem ersten Etappensieg. 2012 gelingt dem Deutschen gar ein "Hattrick", 2013, 2014 und 2016 je ein weiterer Tageserfolg. Sein mit Abstand bestes Jahr bei der Grand Boucle feiert Greipel 2015, als er vier Etappen für sich entscheidet.

  4. Platz 4: Rudi Altig - 8 Etappensiege

    Der 2016 verstorbene Rudi Altig fährt 1962 seine erste Tour und gewinnt auf Anhieb drei Etappen und das Grüne Trikot des besten Sprinters. 1964 lässt er einen weiteren Etappensieg folgen, 1966 kommen nochmals drei weitere hinzu. 1969 feiert der Deutsche seinen letzten Tageserfolg bei der Frankreich-Rundfahrt.

  5. Platz 5: Jan Ullrich - 7 Etappensiege

    Der erste und einzige deutsche Tour-de-France-Sieger feiert auf der vorletzten Etappe 1996 seinen ersten Tagessieg bei der Großen Schleife. Bei seinem Erfolg 1997 kommen zwei weitere Siege hinzu, 1998 gewinnt Ullrich gar drei Etappen. Neben Gelb 1997 sichert sich der Rostocker von 1996 bis 1998 jeweils noch das Trikot des besten Nachwuchsfahrers.

  6. Platz 6: Dietrich Thurau - 6 Etappensiege

    1977 gewinnt Dietrich Thurau bei der Tour das Trikot des besten Jungprofis. Fünf Etappensiege machen den damals 23-Jährigen zum erfolgreichsten Nachwuchsfahrer. 1979 lässt der Deutsche einen weiteren Tagessieg folgen.

  7. Platz 7: Tony Martin - 5 Etappensiege

    Seinen ersten großen Erfolg bei der Tour feiert Tony Martin im Jahr 2011 auf der vorletzten Etappe. 2013 lässt der Deutsche im Einzelzeitfahren seinen zweiten Sieg folgen, 2014 feiert Martin zwei weitere Etappensiege, 2015 gelingt ihm schließlich sein fünfter Etappensieg bei der größten Rundfahrt der Welt.

  8. Platz 8: Olaf Ludwig - 3 Etappensiege

    Anfang der 90er hält Olaf Ludwig die deutsche Fahne bei der Großen Schleife hoch. Der Sprinter gewinnt 1990, 1992 und 1993 jeweils einen Tagesabschnitt. 1990 gewinnt er am Ende der Rundfahrt sogar das Grüne Trikot des besten Sprinters.

  9. Platz 9: Jens Voigt - 2 Etappensiege

    Ausreißerkönig Jens Voigt steht ebenfalls zwei Mal ganz oben auf dem Treppchen. Der Mecklenburger gewinnt 2001 und 2006 jeweils eine Etappe und gehört damit zum erlesenen Kreis der mehrfachen Etappensieger aus Deutschland.

  10. Platz 9: Stefan Schumacher - 2 Etappensiege

    Der später des Dopings überführte Stefan Schumacher ist einer von sechs Deutschen, die bei der Tour de France zwei Etappensiege feiern. Der gebürtige Württemberger gewinnt 2008 zwei Tagesabschnitte und schlüpft sogar ins Gelbe Trikot, die Erfolge werden ihm später aufgrund seiner Dopingvergehen jedoch wieder aberkannt.

Jan Ullrich: Der einzige deutsche Tour-de-France-Gesamtsieger

Für Ullrich folgte 1997 der ganz große Wurf: Der Sieg bei der Tour de France. Er ist bis heute der einzige Deutsche, der das bedeutendste Radrennen der Welt gewinnen konnte. Dabei ging Ullrich zunächst als Edelhelfer für Titelverteidiger Riis an den Start. Doch schnell wurde klar, dass der damals 23-jährige Deutsche stärker ist als sein Chef. Auf der 10. Im Einzelzeitfahren rund um Saint-Etienne ließ er einen weiteren Etappensieg folgen. Am Ende der dreiwöchigen Rundfahrt betrug sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten, den Franzosen Richard Virenque, mehr als neun Minuten.

Sportliche Erfolge, Skandale, gesundheitliche Rückschläge: Jan Ullrich hat viel erlebt.

Er wurde am 2. Dezember 1973 in Rostock geboren, wo er auch mit dem Radsport in Berührung kam. Ullrich durchlief das Sportförderungssystem der DDR . Mit 13 Jahren kam er auf die Kinder- und Jugendsportschule des SC Dynamo Berlin.

In den Fokus der internationalen Öffentlichkeit rückte Ullrich erstmals mit 19 Jahren im Jahre 1993, als er in Oslo Straßen-Weltmeister der Amateure wurde. Das Straßenrennen der Profis gewann damals Lance Armstrong im Alter von 21 Jahren. Beide sollten später große Rivalen werden.

Ein Jahr später folgte für Ullrich bei der ersten Austragung der Zeitfahr-Weltmeisterschaften der dritte Platz. Ullrich erhielt schließlich seinen ersten Profi-Vertrag beim Team Telekom. 1996 stand der Deutsche zum ersten Mal bei der Tour de France am Start und belegte auf Anhieb den zweiten Platz hinter seinem Teamkollegen Bjarne Riis aus Dänemark.

Auf der 20. Etappe feierte Ullrich im Einzelzeitfahren zwischen Bordeaux und Saint-Emilion seinen ersten Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt. In der Endabrechnung der Tour de France 1996 trennten Ullrich 1:41 Minuten von Riis. Der zweite Platz von Ullrich löste in Deutschland einen Radsport-Hype aus. Was damals noch nicht bekannt war: beim Team Telekom wurde mit unlauteren Mitteln gearbeitet.

Ullrich und das Team Telekom blieben davon unbehelligt. Der Vorjahressieger hatte in der Vorbereitung auf die Frankreich-Rundfahrt 1998 mit Übergewicht und Verletzungen zu kämpfen, fuhr bei der Tour trotzdem sechs Tage im Gelben Trikot. Auf der 15. Etappe nach Les Deux Alpes erlitt Ullrich einen Einbruch und verlor fast neun Minuten auf Marco Pantani. Die Tour war für ihn nicht mehr zu gewinnen.

2013 wurde durch den französischen Senat bekannt, dass in Nachproben der Tour 1998 bei Ullrich, Sieger Pantani und andere Stars das Dopingmittel Erythropoetin (EPO) nachgewiesen wurde.

Wie sich Jahre später herausstellte, hatte der US-Amerikaner bei seinen sieben Tour-de-France-Siegen zwischen 1999 und 2005 mit Dopingmitteln nachgeholfen. Er wurde 2012 lebenslang gesperrt und seine Erfolge bei der Frankreich-Rundfahrt wurden ihm aberkannt.

2002 wurde Ullrich erstmals wegen Dopings gesperrt. In der Reha, in der er sich aufgrund von Knieproblemen befand, wurden bei ihm Amphetamine nachgewiesen. Es folgte eine sechsmonatige Sperre. 2003 wagte Ullrich einen Neuanfang.

2004 kehrte Ullrich zu Telekom zurück. Das Team hieß nun T-Mobile. Die Tour de France wurde zum großen Ziel auserkoren. Der Star der Mannschaft blieb aber hinter seinen Möglichkeiten und landete auf Rang vier. 2005 kam es zu einem letzten Aufeinandertreffen mit Armstrong bei der Tour de France, das Ullrich wiederum deutlich verlor. Er schloss die Frankreich-Rundfahrt 2005 als Dritter ab. Dieser Podestplatz wurde ihm aber 2012 aufgrund seiner Verwicklung in den Fuentes-Skandal aberkannt.

Im Februar 2007 gab Ullrich das Ende seiner Laufbahn als Radprofi bekannt. 2012 wurde der Deutsche vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) wegen seiner Verwicklung in den Fuentes-Skandal schuldig gesprochen. Damit wurden ihm auch alle Erfolge, die er seit dem 1. Mai 2005 errungen hatte, aberkannt. Unter anderem sein Sieg bei der Tour de Suisse 2006 und der 3. Platz bei der Tour de France 2005.

2019 wurde gegen Ullrich vom Amtsgericht Frankfurt ein Strafbefehl erlassen, der sich auf 7200 Euro beläuft. Dabei ging es um einen Vorfall aus dem Jahr 2018, als Ullrich in einem Frankfurter Luxushotel eine Escort-Dame angegriffen haben soll.

Fakten zu Jan Ullrich

  • Geburtsdatum: 2. Dezember 1973
  • Geburtsort: Rostock
  • Größe: 1,83 Meter

Teams von Jan Ullrich

  • 1995 Team Deutsche Telekom
  • 1996 Team Telekom
  • 1997 Team Telekom
  • 1998 Team Telekom
  • 1999 Team Telekom
  • 2000 Team Telekom
  • 2001 Team Telekom
  • 2002 Team Telekom
  • 2003 Team Coast/Bianchi
  • 2004 T-Mobile Team
  • 2005 T-Mobile Team
  • 2006 T-Mobile Team

Weitere Wertungen bei der Tour de France

  • Der beste Sprinter der Tour erhält das Grüne Trikot.
  • Der beste Kletterer der Tour wird mit dem rot gepunkteten weißen Trikot belohnt.
  • Der beste Nachwuchsfahrer der Tour de France bekommt das Weiße Trikot verliehen. In dieser Wertung werden alle U25-Fahrer berücksichtigt.
  • In der Mannschaftswertung werden die Zeiten der drei stärksten Fahrer jedes Teams auf jeder Etappe addiert.

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